Der idyllische Hörsaal I und sein Namensgeber

Der HZ 1 a.k.a. HS 1 a.k.a. Albertus-Magnus-HörsaalAlbertus Magnus ist zwar seit 1280 tot, begeistert
aber noch immer mit morbidem Charme die Massen

"Große Hörsäle brauchen große Namen." Frei nach diesem Motto muss die
Namensgebung der Augsburger Uni-Hörsäle damals von Statten gegangen
sein. Da es unserer Fuggerstadt beileibe nicht an berühmten Töchtern
und Söhnen mangelt, heißen die großen Lehrräume im Hörsaalzentrum
dementsprechend nicht nur "Hörsaal I, II oder III", sondern bekamen
jeweils geschichtlich relevante Namenspatrone zugesprochen, die an
längst vergangene Tage Augsburger Hochkultur erinnern.Von Dominik Hahn

Albertus Magnus ist zwar seit 1280 tot, begeistert
aber noch immer mit morbidem Charme die Massen

"Große Hörsäle brauchen große Namen." Frei nach diesem Motto muss die
Namensgebung der Augsburger Uni-Hörsäle damals von Statten gegangen
sein. Da es unserer Fuggerstadt beileibe nicht an berühmten Töchtern
und Söhnen mangelt, heißen die großen Lehrräume im Hörsaalzentrum
dementsprechend nicht nur "Hörsaal I, II oder III", sondern bekamen
jeweils geschichtlich relevante Namenspatrone zugesprochen, die an
längst vergangene Tage Augsburger Hochkultur erinnern.
Den Auftakt macht in numerischer Reihenfolge Hörsaal I, pardon der Albertus Magnus-Hörsaal.
Dummerweise schlich sich bei der Namensgebung ein markanter Malus ein.
Jener Albertus Magnus war nämlich kein Augsburger Bürger und wurde es
im Laufe seines Lebens auch nicht. Geboren wurde der Sohn eines dem
staufischen Ministerialstand angehörigen Vaters um das Jahr 1200 in
Lauingen an der Donau., ca. 30 Kilometer entfernt von der damaligen
‚Weltmetropole‘. Zwar trug Lauingen damals wie heute offiziell den
Titel "Stadt", doch gleicht der Flecken noch heute eher einem
umwaldeten Kartoffelacker denn einer urbanen Siedlung. So kam es, dass
sich Klein-Albert seit frühester Kindheit für die Natur und deren
Geschöpfe begeisterte. Einer der wenigen Schnittpunkte Alberts mit der
Bischofsstadt Augsburg stellte der Besuch der dortigen Schule dar.
Im Alter von 22 Jahren zog es den adligen Twen ins oberitalienische
Padua, schon damals eine richtige Stadt. Trotzdem konzentrierte er sich
auf sein "studium generale", das Medizin, Philosophie und Jura
umfasste. Angezogen von den überzeugenden Idealen des neu entstandenen
Dominikanerordens (Frömmigkeit, Verteidigung und Verbreitung des
Glaubens), trat Albert 1223 in deren Gemeinschaft ein. Zum Studium der
Theologie nach Köln geschickt, wird ihm die ehemalige römische Kolonie
alsbald zur eigentlichen Heimat. Übrigens war auch Köln schon damals
eine richtige Stadt. Nach der Priesterweihe hielt er sich mit
Lehrtätigkeiten in zahlreichen, mehr oder weniger richtigen deutschen
Städten über Wasser.
1240 ereilt ihn als erster Deutscher der Ruf an die angesehene Pariser
Universität. Albert promovierte und übernahm den sogenannten Lehrstuhl
für Ausländer, eine Art Green Card des Mittelalters. Während dieser
Zeit verfasste er unter anderem seine berühmten "philosophischen
Summen", die von Gottes Schöpfung und den Menschen handeln.
Aufmerksamkeit erhielten seine Schriften vor allen Dingen durch die
Übertragung aristotelischen Gedankenguts auf das Christentum.
Aristoteles war zwar schon lange tot, aber dennoch schwer angesagt.
Alberts Überlegungen zufolge ersetzt die auf Vernunft, Logik und
Beobachtung beruhende Naturwissenschaft keineswegs die Theologie. Beide
beschäftigen sich vielmehr mit unterschiedlichen Themengebieten.
Naturwissenschaften behandeln das Wissen, die Theologie hingegen den
Glauben. Heute ist das auch nicht anders.
1248 endet Alberts Lehrtätigkeit in Paris. Er wird beauftragt, eine
eigene Hochschule in Köln zu gründen und zu leiten. Sein wohl
bedeutendster Schüler wird der spätere Kirchenlehrer Thomas von Aquin.
Da dieser Italiener ist, beerbt er seinen ehemaligen Lehrmeister als
Inhaber des besagten Green Card-Lehrstuhls.
Groß-Albert hingegen macht zielstrebig Karriere. Er wird
Provinzialoberer der Dominikaner, Bischöf des schönen Regensburg, schon
damals übrigens eine richtige Stadt, hat aber dabei nichts als Ärger:
Ständig muss er Streit schlichten, weshalb er schon nach zwei Jahren
sein Bischofsamt wieder sausen lässt.
Geistig wach und außerordentlich rüstig, wird die Gründung
philosophischer Hochschulen Alt-Alberts wahres Steckenpferd. Mit diesem
Segen beglückte er unter anderem die noch heute dankbaren Städte Würz-
und Straßburg, Ersteres war zwar damals noch keine richtige Stadt,
veranstaltete aber schon dolle Weinfeste.
Als Altersresidenz wählte Tatter-Albert die schon damals
behindertengerechte Domstadt. Am 15. November 1280 verstarb er und
wartete geschlagene 651 Jahre auf seine Heiligsprechung durch Papst
Pius XI.
Während sich die Andreaskirche zu Kökn mit Alberts Gebeinen und der
Rathausplatz zu Lauingen mit dessen bronzenem Antlitz herumschlagen
muss, kann man noch heute seelenruhig zwischen 8 und 20 Uhr im Albertus
Magnus-Hörsaal der Universität zu Augsburg in völligem Unverständnis
über Gott und die Welt entspannen.

Alberts weiteres Leben ist von Streitschlichtungen und weiteren
wissenschaftlichen Studien geprägt. Sowohl als Provinzialprior des
Dominikanerordens als auch während seiner Zeit als Bischof von
Regensburg stiftet Albert oftmals Frieden zwischen verfeindeten
(weltlichen) Parteien. Des Weiteren setzt er sich für den Aufbau von
Philosophieschulen innerhalb seines Ordens ein. Ein für damalige
Verhältnisse fortschrittliches Vorgehen.
Nach weiteren Jahren als päpstlicher Kreuzzugsprediger und
"Ablaßerteiler" stirbt Albertus Magnus am 15. November 1280 im Kölner
Dominikanerkloster. Rund 650 Jahre später erfolgt durch Papst Pius XI.
die Heiligsprechung des mittelalterlichen Universalgelehrten und Patron
der Naturwissenschaftler, dessen Gebeine heute den Hohen Dom zu Köln,
sein Antlitz den Rathhausplatz von Lauingen zieren.

Autor des Artikels