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Weite Horizonte und saubere Straßen – 170 Studenten aus aller Herren Länder sind in diesem Semester an den Augsburger Hochschulen zu Gast

Durch die Gänge irren, Raumschilder studieren, jedes schwarze Brett inspizieren und vergeblich versuchen, sich in Kurslisten einzutragen: So sehen wohl die Tage eines jeden Neuimmatrikulierten aus.

Von Marco Pfohl

Weite Horizonte und saubere Straßen – 170 Studenten aus aller Herren Länder sind in diesem Semester an den Augsburger Hochschulen zu Gast
Durch die Gänge irren, Raumschilder studieren, jedes schwarze Brett inspizieren und vergeblich versuchen, sich in Kurslisten einzutragen: So sehen wohl die Tage eines jeden Neuimmatrikulierten aus.
Es ist nicht einfach, sich im neuen Hochschulalltag zurecht zu finden. Die meisten können sich mit Durchfragen behelfen. Aber was soll man machen, wenn neben der Hochschule auch noch Sprache und das Land fremd sind?
„Ich habe Gott sei Dank beim Begrüßungstreffen in der KHG, zu dem alle neuen Studenten aus dem Ausland eingeladen sind, auch ein paar andere Studenten aus meinem Heimatland kennen gelernt, und wir konnten dann zusammen auf die Suche gehen“, sagt Tereza Cechová, ERASMUS-Studentin aus Tschechien. Sie ist eine von über 170 ausländischen Studenten, die in diesem Semester nach Augsburg gekommen sind. Die Wahl fiel Tereza leicht, da Augsburg eine Partneruniversität der „Südböhmischen Universität“ ihrer Heimatstadt Budweis ist, und gerade ein Platz frei gewesen sei. Ähnlich lief es bei Motoyasu Wada. Die Universität Augsburg hält einen ständigen Platz für dessen Universität im japanischen Nischinomiya bereit. „Ich möchte in meinem Leben viele verschiedene Leute, Sprachen und Kulturen kennen lernen und meinen kleinen Horizont erweitern“, gibt er als Gründe an, weshalb er sich für ein Auslandssemester entschieden hat. Es geht ihm in Deutschland speziell darum, „viel zu lernen, viel zu trinken und viele Frauen zu treffen“, sagt er schmunzelnd. Im Gegensatz zu seiner tschechischen Kommilitonin wurde dem 21-jährigen Geschichtsstudenten aus Japan der Start erleichtert. Sein Vorgänger holte ihn schon in München am Flughafen ab und brachte ihn in sein neues Zuhause im Wohnheim Göggingen. Den Wohnheimsplatz hatte ihm seine Heimatuniversität bereits vermittelt und zugewiesen. Etwas weniger reibungslos lief es bei Tereza. Nach einer siebenstündigen Busfahrt, die am Augsburger Hauptbahnhof endete, wusste sie zunächst nicht, wohin. Außer der Adresse ihres Wohnheims hatte sie nichts. Auch am Informationsschalter im Bahnhof konnte man ihr nur bedingt weiter helfen. Sie erhielt den Ratschlag, in Richtung Inningen zu fahren, um dort weiter zu fragen. Mit ihrem ganzen Hausrat machte sie sich auf den Weg und fand, auch dank ihrer guten Sprachkenntnisse, letztendlich selbst das Wohnheim. Statt einer helfenden Hand und einer freundlichen Begrüßung bekam sie dort aber von der Verwaltung erst einmal die Rechnung für die Miete der letzten beiden Monate vorgesetzt. Nach dem Genuss von so viel deutscher Gastfreundschaft und dem Hinweis, dass die Zimmernummer auf der Rechnung stehe, konnte sie dann endlich ihr neues Zuhause begutachten und sich ein wenig ausruhen. Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten und ihres starken Heimwehs, fällt ihr erster Eindruck positiv aus: „Alle Leute, die ich unterwegs um Hilfe gefragt habe, waren sehr nett.“ Ebenso wie die Tschechin nimmt auch Victoria Squires-Chambers am ERASMUS-Programm teil. Die 21-jährige studiert an der „University of Edinburgh“ Deutsch und Spanisch und hat nach einem Aufenthalt in Barcelona nun Augsburg als ihr nächstes Ziel auserkoren. „Es ist Pflicht, im dritten Jahr ins Ausland zu gehen, und nachdem Spanien etwas chaotisch war, freue ich mich nun sehr auf die Zeit hier in Deutschland“, erzählt sie und  fügt hinzu, „ich war schon mal im Urlaub in München, was mir sehr gefallen hat und auch zu der Wahl Augsburgs geführt hat.“ Ihre schottischen Dozenten haben ihr sehr bei der Organisation geholfen. In Augsburg hatte sie das Glück, schon eine Verbindungsperson vorzufinden, die sie beim Akklimatisierungsprozess unterstützte. „Sie hat mich mit in die Stadt genommen, um mir erste Eindrücke zu vermitteln und mit mir shoppen zu gehen.“ Auch ihre Tutorin, die ihr vom Sozialreferat des AStA Augsburg vermittelt wurde, hebt sie als wichtige Hilfe in der ersten Zeit hervor: „Ich konnte sie immer und alles fragen, was  zum Beispiel die Organisation des Stundenplans sehr erleichtert hat.“ Noch einfacher war es wahrscheinlich nur für die US-Amerikanerin Ivana Popovac, denn die 20-jährige Studentin der Betriebswirtschaftslehre und Germanistik von der „University of Vermont“ hatte früher einmal mit ihrer Familie als bosnischer Bürgerkriegsflüchtling in Augsburg gelebt. „Ich habe mich darauf gefreut, wieder nach Augsburg zu kommen, da hier noch einige Bekannte wohnen, die ich nun wieder besuchen kann.“ Geplant und organisiert wurde das Semester und die Unterkunft von ihrer Uni, was den (Wieder-)Einstieg deutlich erleichterte. Ganz im Gegensatz zu Cem Aydin. Zwar unterstützten den türkischen Studenten bei der Ankunft vor zwei Jahren seine in Deutschland lebenden Verwandten. Dennoch sagt er zurückblickend: „Die Eingewöhnungsphase damals war sehr schwer für mich. Ich hatte große Probleme, mich auf die neuen Leute, die neue Religion und Kultur einzulassen, aber nach einiger Zeit wurde es besser.“ Wichtig ist für den Geschichtsstudenten, dass er sein Studium hier doppelt so schnell absolvieren kann wie in der Türkei. „Es ist hier sehr viel anspruchsvoller als in der Türkei, aber deshalb geht es auch schneller.“ In den vergangenen zwei Jahren hat er sich gut in Augsburg eingewöhnt und viele Freunde gefunden. Am besten gefällt ihm an Deutschland, „dass die Straßen so sauber sind und sich die Autofahrer an die Regeln halten.“

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