Kein kleines Rädchen – nie wieder kopieren und Kaffee kochen

Das studentische Fortbildungszentrum career brummt, während sein Chef ans Aufhören denkt

Überdurchschnittliche Noten und ein bis zwei Praktika sind noch lange kein Grund zum Durchatmen, wenn man den Anforderungen der heutigen Arbeitswelt genügen will. Die berühmt-berüchtigten soft skills sind es, die dem Bewerber einerseits im Assessment Center das Genick brechen können und andererseits, sofern vorhanden, bei Gehaltsverhandlungen ein gewichtiges Argument darstellen.

Von Hannes Lüth

Das studentische Fortbildungszentrum career brummt, während sein Chef ans Aufhören denkt
Überdurchschnittliche Noten und ein bis zwei Praktika sind noch lange kein Grund zum Durchatmen, wenn man den Anforderungen der heutigen Arbeitswelt genügen will. Die berühmt-berüchtigten soft skills sind es, die dem Bewerber einerseits im Assessment Center das Genick brechen können und andererseits, sofern vorhanden, bei Gehaltsverhandlungen ein gewichtiges Argument darstellen.
Bleibt die Frage, wo man als chronisch klammer Student diese wertvollen Fähigkeiten für wenig Geld erwerben kann.
Andi Renner, 26 Jahre alt, studiert im siebten Semester BWL an der Uni Augsburg und leitet seit 2001 career, ein Fortbildungszentrum der Katholischen Hochschulgemeinde mit dem Schwerpunkt auf soft skills. Zur Zielgruppe zählen neben Augsburger Studenten auch Schüler und Berufstätige. Erklärtes Ziel der Initiative in der KHG ist es, „Studenten Werkzeuge an die Hand zu liefern, die der Hochschulbetrieb nicht mit sich bringt“.
„Grundlage für career bildete eine bereits bestehende Initiative von der Katholischen Hochschulgemeinde mit Rhetorikkursen und Zeitmanagement“, so der 26-Jährige über seine Anfänge. Vision war es, „als Verbindungsglied zwischen Schule, Universität und Unternehmen zu agieren“. Diese Vision stellte sich aber als schwer realisierbar heraus, und so besann Renner sich auf die Kernkompetenzen, zu denen die Kurse für soft skills, sowie Repetitorien und Computerkurse zählten.
Die anfänglichen Kursteilnehmerzahlen von durchschnittlich 20 verzehnfachten sich, und das Ehrenamt wurde für den Studenten mehr und mehr zum full time job. In der schwierigen Anfangsphase wurde career stark von der Katholischen Hochschulgemeinde und mehreren Uni-Professoren unterstützt. Nach drei Semestern Arbeit konnte Renner zum ersten Mal aufatmen: „Der Kontakt mit Schulen war hergestellt, die Kurse hatten sich eingespielt, und ich bekam das Gefühl, dass sich career herumgesprochen hatte.“
Im Jahr 2005 durchbricht career die magische Grenze von 1000 Kursteilnehmern und „spielt damit in einer professionellen Liga mit“, freut sich Renner. Für ihn ist es wichtig, die selbst auferlegten Qualitätsstandards trotz niedriger Preise einzuhalten: „Wenn zwei Kursteilnehmer in einer Klausur durchfallen, müssen die Dozenten bei mir antanzen.“ Den Vorteil von career gegenüber anderen Bildungseinrichtungen und professionellen Anbietern sieht er zum einen in den „fairen Preisen“, zum anderen sind ein Großteil der Dozenten Lehrstuhlmitarbeiter und bringen „die nötige Denke mit“. Viele der Kursteilnehmer setzen in Horrorfächern wie Mathematik auf Tipps und Tricks aus dem Nähkästchen der Dozenten. So auch der 23-jährige BWL-Student Thomas Albrich: „Da ich schon beim ersten Mal gescheitert bin, wollte ich diesmal auf der sicheren Seite sein.“
Nach fünf Jahren Ehrenamt und einem absehbaren Ende seiner Studienzeit blickt der career-Boss stolz auf eine spannende Zeit zurück: „Es hat Spaß gemacht, kein kleines Rädchen zu sein, sondern selber etwas auf die Beine zu stellen.“ Besonders reizvoll war für ihn die Anwendung seines theoretischen Wissens aus dem Studium: „Ich habe gelernt sehr projektorientiert zu denken und elementare Fragestellungen aus der BWL in der Praxis behandelt.“ Ausruhen will sich Renner auf dem bisherigen Erfolg nicht. Er arbeitet zur Zeit andere Studenten ein, damit sie die Leitung übernehmen können, wenn er mit dem Studium fertig ist.

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