Studieren unter Palmen?

Stellte es vor 30 Jahren noch eine Ausnahme dar, ist es heute zum ungeschriebenen Gesetz geworden, im Ausland studiert zu haben. Mitunter entsteht der Eindruck, der Lebenslauf eines zukünftigen Akademikers stehe und falle mit dem Abschnitt „Ausland“. Aber in einem anderen Land zu studieren ist viel mehr als eine Pflicht. Wann bietet sich schon die Gelegenheit, sich von Mona Lisas Lächeln verzaubern zu lassen, in den Rocky Mountains Ski zu fahren oder die neuesten HighTech-Trends in Tokio zu begutachten?

Von J. Jessen, A. Wagner, J. Stanzl

Jeder hat seine eigenen Gründe, ins Ausland gehen zu wollen: Die wichtigsten sind aber die Erweiterung des Fachwissens, die Vertiefung der eigenen Sprachkenntnisse und die persönliche Herausforderung durch das Leben in einem anderen kulturellen Umfeld.
Die Hochschullandschaften anderer Länder bieten neben anderen Studienangeboten auch andere Lern- und Präsentationsmethoden. Oft unterscheidet auch sich die Herangehensweise an wissenschaftliche Probleme im Ausland deutlich von der hiesigen. Die sollte man aber gut kennen. Deshalb empfiehlt es sich, erst nach dem Grundstudium oder frühestens im 3. Semester an eine ausländische Universität zu wechseln. Dann besitzt man einen groben Überblick über das eigene Fach und seine Methoden.
Mehrere Fremdsprachen zu beherrschen, gilt nicht nur im Berufsleben als entscheidender Vorsprung. „Internationale Flexibilität“ ermöglicht in einer zusammenwachsenden Welt globale Kommunikation. Das Leben fernab der Heimat ist eine Erfahrung, die zur persönlichen Entwicklung eines Menschen mehr beiträgt als jede graue Theorie. Es ist wichtig, über den Datschiburger Tellerrand hinauszuschauen, die Welt aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten und andere kulturelle und soziale Zusammenhänge zu erleben.
„Die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg – und damit den Nutzen – des Auslandsstudiums ist aber eine sorgfältige Vorbereitung, die weitgehend von Ihrer Eigeninitiative abhängt“, fasst der Deutsche Akademische Austausch Dienst (DAAD) in einer Info-Broschüre zusammen. Die Vorbereitung auf einen Auslandsaufenthalt beginnt aber früher, als man gemeinhin annehmen möchte: „Die Erfahrung hat gezeigt, dass man in der Regel 12 bis 18 Monate Vorbereitungszeit braucht“. Deshalb aufgemerkt: Effiziente Planung setzt die Konkretisierung eurer Vorstellungen und Wünsche voraus: Welches Land, welches Semester, wie lang, Erasmus oder Selbstorganisation? Und nicht zuletzt: Sind meine Sprachkenntnisse ausreichend um einer Vorlesung im Gastland zu folgen? Andernfalls empfiehlt sich die Suche nach einem Sprachkurs.
Anschließend beginnt die Informationsbeschaffungsphase: An welcher Hochschule des Gastlandes kann ich überhaupt mein Fach studieren. Spätestens hier sollte man das Auslandsamt der eigenen Hochschule kontaktieren. Dort informiert man euch über Partneruniversitäten, bestehende Kooperationen und Austauschplätze im Ausland. Allerdings erfahrt ihr hier nichts über die Anrechenbarkeit von Studienleistungen. Die müsst ihr von Fall zu Fall mit den betreuenden Professoren abklären. Seit der Einführung des European Credit Transfer System (ECTS) ist die Anerkennung im Ausland erworbener Scheine zwar deutlich vereinfach, aber eine Garantie dafür gibt es nicht. Sollte man trotz aller Studienangebote keine geeigneten, d.h. anrechenbare Veranstaltungen finden, ist es besser, ein Urlaubssemester für den Auslandaufenthalt zu beantragen. Das gilt vor allem für Bachelor- oder Masterstudiengänge, da sie in einem recht kleinen Zeitfenster zum Abschluss gebracht werden müssen. Frühzeitig muss beachtet werden, ob es für Studiengänge (zum Beispiel Kunst oder Musikpädagogik) Aufnahmetests an der Gasthochschule gibt.
Nun muss der „Rahmen“ des Auslandsstudiums gewählt werden. Während euch bei Austauschprogrammen der eigenen Hochschule oder bei europäischen Programmen wie ERASMUS die meisten organisatorischen Fragen abgenommen werden und vor allem die Anerkennung der im Ausland erbrachten Leistungen sichergestellt ist, müsst ihr euch bei einem Einzelaufenthalt um alles selber kümmern.
ERASMUS oder die Programme des DAAD an haben sich seit Jahren bewährt. In der Informationsbroschüre des DAAD „Allgemeine Hinweise zum Auslandsstudium“ werden alle wesentlichen Punkte wie Ansprechpartner oder die administrative Vorbereitung des Aufenthalts umfassend erläutert. Ebenso informiert die Broschüre über die Anerkennung von Studiengängen, die mit Staatsexamen abschließen. Diese liegt beim Auslandsamt der Hochschule aus oder ist online abrufbar. Hier können auch konkret die Studiengänge aller Universitäten, Fachhochschulen und Colleges auf der ganzen Welt eingesehen werden.
Will man unabhängig (in finanzieller und organisatorischer Hinsicht) von den oben genannten Programmen ins Ausland, muss man sich direkt bei der gewünschten Gasthochschule bewerben. Zuvor sollte man sich von den Fachstudienberatern beraten lassen.
Herzlichen Glückwunsch! Eure Bewerbung war erfolgreich! Jetzt gilt es, die Finanzierung abzusichern und sich über die Anreise Gedanken zu machen. Vielleicht lässt sich der Stundenplan bereits via Internet von der Heimat aus zusammenstellen. Bei einer Beurlaubung oder gar Exmatrikulation von der heimischen Hochschule muss zusätzlich in Erfahrung gebracht werden, ob die Zugehörigkeit zur Krankenversicherung verloren geht. Auch hierbei wird man im Akademischen Auslandsamt beraten. Die Botschaft des Gastlandes hilft bei Fragen zu Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen (Visum) oder Fragen zur Kultur.
Die letzte kleine Hürde stellt die Wohnungssuche dar. Aber auch hier ist das Internet eine Hilfe. Wo es keine reservierten Wohnheimplätze für die Studenten der Partnerhochschule gibt, finden sich fast immer Foren auf den Homepages der Gasthochschulen, die genügend Informationen bereitstellen. Ewiggestrige können auch mal einen Aushang an der Uni machen oder sich nach Informationen bei der Studentenvertretung erkundigen.
Hat man nun alle bürokratischen und persönlichen Unwägbarkeiten gemeistert, steht die Tür offen für ein aufregendes und spannendes Auslandsemester, das man ein Leben lang nicht vergisst. Also nichts wie los! Genießt in Argentinien oder England das beste Steak eures Lebens, bewundert in Barcelona Gaudis unvollendete architektonische Meisterwerke, und lasst euch in Neuseeland zwischen Schafen und unberührter Landschaft von der endlosen Weite des Campus verzaubern.

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