Interview mit Annette Schavan

Die Rheinländerin Annette Schavan (50) war zehn Jahren lang baden-württembergische Ministerin für Kultus, Jugend und Sport. Sie gilt als enge Vertraute von Angela Merkel und ist seit November 2005 Bundesbildungsministerin.

Von Martin Degenhardt

Die Rheinländerin Annette Schavan (50) ist seit zehn Jahren baden-württembergische Ministerin für Kultus, Jugend und Sport. Sie gilt als enge Vertraute von Angela Merkel und Bildungsexpertin der Union.

press |tige: Wie stark wird sich der Bund in Zukunft in Hochschulangelegenheiten einmischen? Eigentlich ist das ja Ländersache.
Wir wollen eine gute Verständigung mit den Ländern und keine andauernde Einmischung. Die unmittelbare Verantwortung für die Hochschulen gehört zum Herzstück der Landespolitik. Das heißt aber nicht, dass es für den Bund keine Arbeit gibt: Er trägt wesentlich Verantwortung für die Weiterentwicklung des Forschungsstandortes Deutschland, etwa die richtigen Forschungsschwerpunkte zu setzten. Er muss auch Akzente setzen, um zu einer besseren Verknüpfung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu kommen. Da gibt es also viel zu tun.

press |tige: Was wird aus dem BAföG? Anfang des Jahres haben Sie einen umfangreichen Umbau angekündigt und sind dann von Merkel zurückgepfiffen worden.
Nein, überhaupt nicht! BAföG bleibt – das hat niemand in Frage gestellt. Ich habe aber darauf hingewiesen, dass es neben dem BAföG notwendig wird, einen Markt für Bildungsfinanzierung und mehr Stipendien zu schaffen.

press |tige: Wie stehen sie zu fairen Studiengebühren? Positiv, weil ich davon überzeugt bin, dass für die Hochschulen das Geld wichtig ist, für die Studierenden die Chance zur Verbesserung der Lehre besteht und insgesamt ein Beitrag in Höhe von 500 € angemessen ist.

press |tige:
Wird sich der Bund bei der Unterstützung der sozial schwachen Gebührenzahler engagieren?
Das ist nach dem Grundgesetz Ländersache. Die Länder bereiten derzeit die Gesetze zur Einführung von Studienbeiträgen vor. Damit verbunden ist auch die Frage nach der Absicherung, denn es sollen ja sozial verträgliche Studiengebühren sein. Wer sie nicht während des Studiums zahlen kann, muss die Möglichkeit haben, Darlehen zu bekommen. Grundsatz bleibt: Der Geldbeutel der Eltern darf nicht für das Studium ausschlaggebend sein.

press |tige: Wird es in Zukunft weiter Projekte zur Elitenförderung geben?
Ich stelle mir vor, dass wir künftig in der Forschungsförderung generell in die Vollkostenförderung einsteigen. Es wird ein Schwerpunkt der neuen Regierung sein, jungen Talenten mehr Raum für Wissenschaft und Forschung zu geben. Wir müssen dafür sorgen, dass nicht die Besten aus Deutschland weggehen.

press |tige: Wie ist ihre Einschätzung: Wird der Etat für Forschung und Bildung des Bundesministeriums eher steigen oder sinken?
Er muss steigen, denn wir haben uns klar zu dem Ziel bekannt, dass in Zukunft drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Forschung und Entwicklung ausgegeben werden. Wir wissen, dass Bildung, Ausbildung und Forschung die Quellen künftigen Wohlstande sind. Wer an diesem Wohlstand teilhaben will, muss auch vorher entsprechend investieren.

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