„Wir sind eine Partei, weil wir eine Partei sind!“

Die Hochschulgruppe „Die Partei“ will mit „ernsthafter Satire“ neuen Schwung ins StuPa bringen

Dienstag, 28. Juni: Vorabend der Uni-Wahlen. Die Partei feiert ihre „Wahlkampf-Ending-Party“. Im Kerosin-Club steppt der Bär. Der Beamer wirft Wahlkampf-Bilder an die Wand – Johannes Burger in Siegerpose, Thilo Zimmermann als geliebter Diktator. Irgendwann kurz nach Mitternacht ertönt die Partei-Hymne, die Stimmung kocht über. „Die Partei, die Partei, die hat immer Recht…“, und alle grölen mit.

Von Michael Sentef

„Wir versprechen alles“

Es ist keine ganz normale Hochschulgruppe. Man trifft sich nicht zu abendlangen Sitzungen und feilscht um Satzungs-Paragraphen. Stattdessen sitzen die fünf Kandidaten im Biergarten zusammen und schöpfen mit ihren Parteisoldaten Wahlkampf-Parolen wie „Es muss ein Rupp durch Deutschland gehen!“ Matthias Rupp studiert Betriebswirtschaft und hat sich bisher im Studierendenrat (StuRa) seiner Fakultät engagiert. Auch wenn die Idee einer Hochschulgruppe eher aus Jux entstand, betont er: „Wir sind keine Spaßpartei – wir sind eine ernstzunehmende Satire-Partei!“
Das Parteiprogramm lässt sich knackig zusammenfassen: Mauerbau und Meinungsvielfalt. „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen! Außer uns.“ Dieser Leitspruch stammt von der Bundespartei unter der Regie von Martin Sonneborn, Chef des Satire-Magazins „Titanic“. Die Bedeutung der Meinungsvielfalt bringt in breitem Schwäbisch VWL-Student Johannes Burger auf den Punkt: „Hier darf jeder sagen, was er denkt. Das ist Demokratie im eigentlichen Sinne.“ Auf einem Partei-Wahlplakat klingt das dann so: „Wunsch frei? Die Partei. Wir versprechen alles.“ Auch auf die Frauenquote von 40 Prozent ist Die Partei stolz – wenngleich Katrin Küpker und Stephanie Roth nur auf den beiden hinteren Listenplätzen zu finden sind.

„Studiengebühren für alle“

Erfahrung mit der Hochschulpolitik weist der Spitzenkandidat Thilo Zimmermann auf. Wie Matthias Rupp war der Rheinländer bereits für die Fachschaftsliste (FSL) im StuRa und sogar ein Jahr Präsident des Studierendenparlaments (StuPa). Zimmermann ist geprägt von zähen StuPa-Sitzungen und fruchtlosen Debatten. Davon hat er die Schnauze voll. Er will pointiert auf Missstände hinweisen – mit Satire. Für eine Kooperation mit den anderen Gruppierungen ist Die Partei dennoch offen.
Auf knallroten Wahlplakaten im Bildzeitungsstil plädiert Die Partei im Wahlkampf für die Abschaffung von „Phil I und II“ (Ziel erreicht – Phil I und II existieren nicht mehr), fordert „Solidarität mit Langzeitstudenten“ durch „Studiengebühren für alle!“ und will die Feierabend-Halbe retten: „Bib-Schluss 18 Uhr!“

Allgemeines Entsetzen: „Wir sind im StuPa“

Donnerstag, 30. Juni: Die Wahlen sind vorbei. In einer SMS bitte ich Thilo Zimmermann um Rücksprache wegen eines Fototermins. Die Antwort: „Sollte schon passen. Haben grad nur anderes Problem. Matze und ich sind im StuPa.“ Die Partei hat 9,1 Prozent der Stimmen bekommen und erhält im StuPa zwei Sitze. Fraktionsvorsitzender wird Thilo Zimmermann, der sich im Schnick-Schnack-Schnuck gegen Matthias Rupp durchsetzt. Eine Beteiligung am AStA mit der FSL und der Grünen Hochschulgruppe (GHG) ist drin. Es winkt ein eigenes Satire-Referat, Johannes Burger als ausgebildeter Banker dürfte das Finanz-Referat übernehmen. Das Selbstbewusstsein ist jedenfalls da. „Wir sind die Nachfolgepartei der Grünen, der CDU, der SPD… da wir alle Meinungen vertreten aus diesen Parteien, wird man künftig keine andere Partei mehr brauchen.“

Big Brother is watching you: Die Bundes-Partei

– gegründet 2004 von Redakteuren des Satire-Magazins „Titanic“
– „PARTEI“ steht für „Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative“
– mittlerweile mehr als 3000 Mitglieder
– Zweckbündnis mit der Anarchistischen Pogo-Partei Deutschlands bei den Bundestagswahlen 2005 („gegenseitige Wahlempfehlung“)

Und der Haifisch, der hat Zähne: Uni-Wahlen 2005

– Sitzverteilung StuPa: FSL (10 Sitze/-7 gegenüber Vorjahr), GHG (7/0), LHG (5/+2), Juso-HSG (3/+1), Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) (2/ + 2), Die Partei (2/+ 2)
– Der AStA („Studenten-Regierung“) wird gebildet von FSL, GHG und Die Partei. Vorjahr: FSL und GHG.
– Studentische Vertreter im Senat: Andreas Busen (FSL/GHG), Michael Merkl (LHG)
– Wahlbeteiligung lag mit 14 Prozent etwa so hoch wie im Vorjahr.

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