Der Traum von der eigenen Bar

Als Student in die Gastronomie

„Das Studium ist die schönste Zeit des Lebens.“ Tausendmal gehört. Aber vielleicht soll ja das Studentenleben gar nicht nur aus Lernen, Klausuren, schlechtem Mensaessen und wilden Partys bestehen. Eigentlich könnte man sich auch seiner Freiheit und Unbeschwertheit bewusst werden. Denn vielleicht ist das Studium die einzige Zeit, in der du Dinge ausprobieren, Risiken eingehen und dir so die eigenen Träume erfüllen kannst – bevor du später an Familie und Beruf gebunden bist.

Von Lieve Langemann

Schon in der Schule nur kochen

Johannes Wolff nutzt diese Gelegenheit und wagt sich an ein Experiment: Der 22-jährige VWL-Student hat im Februar in der Augsburger Innenstadt eine eigene Bar eröffnet. Mit dem „Cafe Noir“ hat er sich seinen Traum vom Einstieg in die Gastronomie erfüllt. „Schon während der Schulzeit wollte ich Kochen und ein Restaurant eröffnen“, schwärmt der frischgebackene Barbesitzer. Während andere Studenten nach passenden neuen Schuhen oder Handys Ausschau halten, durchstöberte Johannes immer wieder die Immobilienanzeigen im Internet. Anfang des Jahres war es dann soweit, er hatte die passende Location gefunden: Eine gemütliche, kleine, bereits bestehende Bar mitten in Augsburg, nur ein paar Schritte vom Königsplatz entfernt.
Und von da an ging alles blitzschnell. „Bereits zehn Tage nachdem ich auf die Bar aufmerksam geworden bin, habe ich schon eröffnet“, erinnert sich Johannes. Viel Zeit für Werbung, Behördengänge und Möblierung blieben in dieser kurzen Zeit allerdings nicht, zumal gerade Prüfungen an der Uni anstanden. Umso wichtiger sind Johannes bei dem „Experiment Café Noir“, wie er es nennt, seine Freunde, die auch gleichzeitig seine Mitarbeiter sind. „Ohne sie hätte ich das nie auf die Beine gestellt bekommen“, bemerkt der junge Gastronom. Für ihn ist die Bar ein Gemeinschaftsprojekt. Das „Café Noir“ dient dabei vor allem als Stammkneipe: „Es ist wie das Wohnzimmer einer WG, in der jeder mal vorbeischaut, um sich mit den anderen zu treffen.”

“Das kann eigentlich jeder – auch ohne BWL”

Johannes kümmert sich vor allem um die organisatorischen Dinge wie Abrechnungen, Auftritte von Künstlern oder Bands, den Dienstplan oder die Werbung. Seine Freunde greifen ihm aber in allen Bereichen unter die Arme. So beim Bedienen oder beim Tische zusammenbauen vor der Eröffnung. Alle Tische sind selbst angefertigt, denn wie bei den meisten anderen Studenten sitzt auch bei Johannes das Geld nicht locker. Besonders am Anfang hieß es, ein bisschen zu improvisieren und etwas langweilige, aber günstige Dinge aufzupeppen. So waren zum Beispiel die Lampen, die über den Tischen hängen, in ihren früheren Leben einmal gewöhnliche Stehlampen aus dem Baumarkt.
Eine große Hilfe bei seinem Weg zur eigenen Bar war für Johannes vor allem das Internet. Hier findet man wie bei einem Backrezept Anleitungen, welche Schritte zu welchem Zeitpunkt gemacht werden müssen, um erfolgreich in die Gastronomie einzusteigen. „Mit den Ratschlägen aus dem Internet kann das eigentlich jeder, auch wenn man nicht gerade Betriebswirtschaft studiert“, ist Johannes überzeugt.

Wie im Traum: Nichts zu verlieren

Da sich der junge Barbesitzer ganz auf seine Freunde verlassen kann, muss er nicht jeden Tag präsent sein. „Es macht eigentlich keinen Unterschied, ob ich wie das letzte halbe Jahr in einer Bar jobbe oder eben drei Tage die Woche im Café Noir stehe“, antwortet Johannes auf die Frage, ob sich sein Studentenleben nach der Eröffnung geändert habe. „Klar aber ist, dass hier niemand reich wird. Wir machen das alles nur aus Spaß und nicht, um groß Geld zu verdienen.“ In erster Linie geht es ihm bei seinem Projekt um eines: seinen Traum zu verwirklichen, bevor dies durch Beruf und Familie erschwert wird. Und dies gelingt ihm vor allem durch das Motto: „Was habe ich schon groß zu verlieren?“
Und verloren hat Johannes sicherlich nichts, obwohl das Café Noir Anfang Juni wegen Problemen mit dem Pächter geschlossen werden musste. Aber das will ja nicht heißen, dass das nächste Projekt nicht schon in den Kinderschuhen steckt…

Tipps:
http://www.startup-in-bayern.de
www.existenzgruender.de
http://www.abseits.de/existenzgruender.htm

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