Der verkannte Dichter

Ein Augsburger zwischen Kommunismus und Opportunismus

Wer ihn vergessen hat, erinnert sich spätestens seit den „Rauchfreie Uni“-Plakaten seiner. Der Hörsaal III heißt so wie er. Und wenn es nach dem Studierendenparlament ginge, wäre unsere Uni nach ihm benannt. Gemeint ist Bert Brecht. Augsburg ging jedoch nicht immer so ehrenvoll mit dem Dichter um: Für seine Heimatstadt existierte Brecht lange Zeit nicht.

 

Von Katrin Strehle

Nachdem Brecht sein Abitur am Königlichen Realgymnasium, dem heutigen Peutinger Gymnasium, verrichtet hat, zieht es ihn bereits 1924 in die Ferne. Die Fuggerstadt ist ihm angeblich zu kleingeistig. Für seine Ziele braucht er einen größeren Wirkungsort. In Berlin findet er das richtige Publikum: Die „Dreigroschenoper“ ist 1928 einer seiner größten Erfolge. Brechts kommunistische Neigungen und seine deutliche Ablehnung des NS-Regimes sind den Nationalsozialisten schon bald ein Dorn im Auge. Immer wieder gerät er mit den neuen Machthabern in Konflikt. Nach Flucht aus Deutschland, die ihn schließlich nach Amerika treibt, brennen im Heimatland seine Bücher. Doch auch im Exil stößt er auf Ablehnung. Als er 1947, nach dem Zweiten Weltkrieg, vom „Ausschuss für unamerikanische Betätigung“ des Kommunismus bezichtigt wird, kehrt er nach Deutschland zurück.

Der missratene Sohn Deutschlands?

Angeblich versuchte Brecht auch in der Fuggerstadt Fuß zu fassen. Das wurde ihm aber verwehrt. „Augsburg ging nicht besser mit ihm um als der Rest der Bundesrepublik“, so Jürgen Hillesheim von der Brecht-Forschungsstelle in Augsburg. Mit einem Kommunisten wollte niemand etwas zu tun haben. Von Kurt Georg Kiesinger wurde Brecht gar als „tüchtiger aber missratener Sohn Deutschlands“ bezeichnet. Dem feindlichen Lager zugeordnet, begann man erst mit Ende des Kalten Krieges, als Ost und West sich langsam wieder annäherten, seine Werke aus der dunklen Ecke hervorzuholen, in der sie viele Jahre verstaubten. Zwar wurde bereits 1960 auf private Initiative eine Gedenktafel am Haus „Auf dem Lech 7“ angebracht, indem Brecht 1898 geboren wurde. Als Brecht-Gedenkstätte öffnete es jedoch erst 1991 seine Pforten. Zur selben Zeit wurde in Augsburg die Brecht-Forschungsstelle eingerichtet, die sich der Aufarbeitung und Analyse der Werke Brechts widmet. Das Brechthaus wurde schließlich 1998, zum 100.Geburtstag Brechts, völlig neugestaltet als Brechtmuseum wiedereröffnet. Doch war dieser als verschlossen und schüchtern geltende Dichter tatsächlich ein überzeugter Kommunist? Neuere Analysen kommen zu dem Schluss, dass dies nicht der Fall war. Brecht sah den Kommunismus zwar durchaus als Alternative zum Nationalsozialismus. Er konnte sich aber nie völlig mit dessen Ideologie identifizieren. Sein Verhältnis zur DDR war später pragmatischer Natur. Er ließ sich als Kommunist bezeichnen und die DDR unterstützte tatkräftig sein, zusammen mit seiner Frau Helene Weigel 1949 gegründetes, Berliner Ensemble. „Er war eben Opportunist und moralisch flexibel, wenn es darum ging sich als Dichter zu positionieren“, so Hillesheim. Das hatte jedoch zur Folge, dass er im Westen bald als Kommunist geächtet wurde und man nichts mehr von ihm wissen wollte. Nun sollte man aber nicht denken, dass Brecht in der DDR freie Hand gehabt hat. Die Kulturbehörde hatte auch auf ihn ein wachsames Auge gerichtet: dort wurden einige seiner Stücke verboten. Dennoch blieb Brecht Ost-Berlin treu. Gedankt wurde es ihm, unter anderem, 1951 mit dem Nationalpreis für literarische Leistungen. Brechts Leben war ereignisreich, aber kurz. 1956 starb er mit 58 Jahren in der Berliner Charité an einem Herzinfarkt. Doch sein Lebenswerk bleibt uns erhalten. Die drei Romane, über 50 Stücke, 2000 Gedichte und die zahlreichen Geschichten machen den Augsburger unsterblich.

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