Irgendwas mit Medien…

Public Relations, Werbung, Journalismus – nach dem Abitur träumen viele davon, später in den Medien tätig zu sein. Germanistik und Kommunikationsdesigns auf den ersten Blick sehr unterschiedliche Studiengänge, die doch eines gemeinsam haben: In Kombination mit einschlägigen Praktika qualifizieren sie beide für einen späteren Einstieg in die Medienbranche.

Von Janina Weigel, Lissy Gomm

Experten für Sprache und Literatur

Die Arbeitsmarktsdaten für Germanisten machen nicht wirklich Mut: „Von den Germanisten, die 2005 ihren Abschluss machten, schafften nur 28,5 Prozent den regulären Berufseinstieg innerhalb eines Jahres“, stellt das ZEIT-Hochschulranking nüchtern fest. Dabei entstehen zum Beispiel im Bereich der Unternehmenskommunikation oder in den Medien viele neue Berufszweige, die ein interessantes Beschäftigungsfeld für Germanisten bieten. Dies kann auch das Ranking bestätigen: „Die Arbeitslosenzahlen sind von 2005 auf 2006 um 30 Prozent zurückgegangen.“

Mit dem Unterrichtsfach Deutsch, wie es in der Schule gelehrt wird, hat Germanistik nicht viel zu tun. Germanisten schreiben nicht selbst literarische Texte, sie erforschen diese. So ist das klassische „Zerpflücken von Gedichten“ und das Übersetzen von mittelhochdeutschen Texten ebenso Teil des Lehrangebotes, wie Seminare, die sich mit Fragen beschäftigen wie „Verhält man sich sprachlich anders, wenn man ratscht oder chattet?“ oder „Wie deutsch ist das Deutsche?“

„Ursprünglich wollte ich Lektorin werden“, erzählt Nicole Reuter, 37. „Daher habe ich mich für den Magisterstudiengang Germanistik entschieden.“ Mittlerweile ist sie Teilhaberin einer Werbeagentur. Neben Texten für Anzeigen und Werbespots ist sie auch für deren grafische Gestaltung verantwortlich. Die Organisation von Events und Messen gehört ebenso zu ihrem Aufgabengebiet. „Das Germanistik-Studium hat mir vor allem eine gute Allgemeinbildung vermittelt und ein Handwerkszeug mitgegeben, von dem ich in meinem Berufsalltag sehr profitiere: Wo beschaffe ich mir am schnellsten welche Information? Wie drücke ich mich im Gespräch mit Kunden aus? Wie formuliere ich am treffendsten einen Werbetext? – die Grundlagen hierfür habe ich aus meinem Studium mitgenommen“, ist Reuter überzeugt. „Germanisten zeichnen sich vor allem durch einen geschulten Geist aus, der Texte genau zu lesen und auch zu durchschauen weiß“, so Dr. Friedmann Harzer. „Wer Germanistik studiert, erwirbt eine umfangreiche kulturgeschichtliche Ausbildung, die in verschiedenen Bereichen, vom Verlag über die Medien bis zur Fort- und Ausbildung eingesetzt werden kann.“

Auch in der Werbung und in den Public Relations sind viele Germanisten tätig. „Das Germanistik-Studium bietet eine mögliche Basis zum Einstieg in die Unternehmenskommunikation. Doch neben einem abgeschlossenen Hochschulstudium erwarten wir von allen Bewerbern einschlägige Praktika im PR- bzw. redaktionellen Bereich“, rät Jürgen de Graeve, der beim Ingolstädter Autobauer Audi die Abteilung Kommunikation-Unternehmen und Wirtschaft leitet. Dies kann Reuter nur bestätigen: „Um in die Medien-Branche einzusteigen, sind Praktika mittlerweile unerlässlich. Neben dem Erwerb von Praxiswissen, knüpft man so vor allem Kontakte, die einen späteren Berufseinstieg deutlich erleichtern.“

Janina Weigel

Mehr als nur Werbung

„Der Kommunikationsdesigner ordnet und gestaltet kommunikative Prozesse in Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und Bildung.“ Mit diesen Worten präsentiert sich die Fakultät Gestaltung der FH Augsburg im Internet das Berufsziel des Studiengangs. Große Worte, die alles oder nichts bedeuten können. Aber in welchem Bereich werden die Absolventen des Studienganges einmal arbeiten? Schließlich gehört Design zu den beliebtesten Studiengängen und die Hochschulen werden von Bewerbungsmappen geradezu erschlagen. Die FH Augsburg beispielsweise verzeichnete bis zum Bewerbungsschluss für das vergangene Wintersemester auf 68 Studienplätze 212 Bewerbungsmappen. Besonders in der Werbung wird die Fähigkeit, Botschaften zu visualisieren, gebraucht. „Etwa 60 Prozent unserer Absolventen arbeiten in Werbeagenturen“, bestätigt Professor Mike Loos vom Lehrgebiet Illustration. Doch dieser typisierte Werdegang ist nur ein möglicher Weg unter vielen verschiedenen. „Die Leute zerstreuen sich in alle Himmelsrichtungen. Wir bieten eine breite Grundausbildung auf vielen Gebieten“, beschreibt Loos den Studiengang, zu dem Fotographie, Typographie und Zeichnen genauso gehören wie die Fächer Digitale Medien und Kunst- und Designgeschichte.

In der Öffentlichkeitsarbeit etwa arbeiten Kommunikationsdesigner viel mit Text, steuern gestalterische Prozesse, entwerfen Broschüren und gestalten Messestände. „Das sind eigene Erlebniswelten und jeder Stand ist voll durchdesigned“, erklärt der Dozent. Der Augsburger Kommunikationsdesigner Christoph Roher entwickelt beispielsweise in München die Messeauftritte eines namhaften Mobilfunkbetreibers, mit dem sich dieser etwa auf der Computermesse CeBIT präsentierte. „Wir nennen unsere Tätigkeit Tiefendesign. Das bedeutet, authentische Formen und Ausdrucksweisen zu finden, in denen sich die Identität eines Unternehmens, einer Institution oder einer Veranstaltung spiegelt“, erzählt Rohrer auf der Internetseite seines Designbüros.

Im Bereich des Grafikdesigns gestalten die Absolventen als selbstständige Ich-AG oder als „Inhouse-Grafikdesigner“ das Erscheinungsbild einer Firma, vom Stempel bis zur Visitenkarte. Auch die Selbstständigkeit bietet vielfältige Möglichkeiten. Die 42-jährige Gabi Stautner hat seit ihrem Abschluss in Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Augsburg unter anderem schon in Frankreich, Deutschland und Island gearbeitet. Seit ihrem Start als Selbstständige realisiert sie die verschiedenste Projekte, von Erscheinungsbildern für Arztpraxen über die Gestaltung medizinischer Studien für die Universität bis zu Ausstellungen, die ein Jahr Arbeit in Anspruch nehmen können. Auch der Bischof von Reykjavik ist ein regelmäßiger Kunde, der jährlich eine umfangreiche Broschüre für potentielle Spender erstellen lässt. „Kommunikation ist das A und O bei dieser Arbeit“, betont die Designerin Stautner. „Wichtig ist, schnell aufnehmen zu können, was der Kunde mitteilen möchte“. Aber auch persönlicher Einsatz, das Aufbauen von Netzwerken und eine Portion Glück, gehören zum Erfolg in diesem Metier.

Außer dem klassischen Bild des Kommunikationsdesigners in Werbung und Public Relations bietet das Berufsbild aber auch noch wesentlich mehr Möglichkeiten. „Wer entsprechendes Talent hat, Willen, Biss und Stehvermögen, dabei zu bleiben, findet viele Nischen“, betont Mike Loos. Ob Handschuhdesign oder Illustration von Kolumnen für eine große Tageszeitung – Absolventen des Studiengangs Kommunikationsdesign haben sich schon die verschiedensten interessanten Karrieren erarbeitet.

Lissy Gomm

Autor des Artikels

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