Pimp your Ego!

Der Augsburger FH-Verein academica sucht auch Philosophen für die Unternehmensberatung

Wenn das Konto mal wieder im Dauerminus ist und der elterliche Geldsegen spärlich ausfällt, dann bleibt keine andere Wahl – ein Job muss her. Am besten sofort und am besten nicht als Kellner oder auf dem Bau. „Toll wäre es, wenn man etwas in seinem Fachgebiet machen könnte“, überlegten Fabian Wanke und Martin Hehenberger, zwei BWL-Studenten an der FH Augsburg, noch in einer Vorlesung im März vergangenen Jahres. „Gründet doch eine eigene Firma“, ermutigte Professor Kai Wellner die beiden. Jetzt sind die angehenden Betriebswirte Vorstände des Vereins academica, einer studentischen Unternehmensberatung und haben seit Frühling 2006 mit ihren Kommilitonen drei Projekte umgesetzt.

Von Stefanie Probst

Einen sonnigen Tag verbringen Martin und Fabian meist nicht am See, sondern in ihrem Büro in der Schillstraße 100. Den Gründungsmitgliedern ist zwar eine „flache Struktur“ wichtig: „Jeder sollte alles können“, so Fabian. Aber „man hängt da auch ganz anders drin, wenn man so etwas mit aufbaut“, fügt Martin, der externe Vorstand, hinzu. Mit Vorlesungen oder Praktikum komme da schon mal eine 60-Stunden-Woche zusammen. Aber auch Fabian, der gerade noch an seiner Diplomarbeit feilt, könnte sich nicht vorstellen als Werkstudent zu jobben. „Es ist einfach eine schöne Gelegenheit, die Theorie in die Praxis umzusetzen.“ Auch wenn er sein Studium abgeschlossen habe, werde er academica erhalten bleiben. Da ist er sich sicher, auch wenn es nur in beratender Funktion sein wird. Der Verein arbeitet gerade an einem Alumnikonzept.

Für Praktiker – nicht für Phantasten

Obwohl viele Mitstudenten anfangs skeptisch waren, ob es nicht bei der Theorie bleibt, war Martin gleich optimistisch. „Für mich ging es nicht um das ‚Ob’, sondern um das ‚Wie’, so der BWL-Student. Mit dem ‚Wie’ mussten sich die sieben Studenten von academica e.V. dann sehr bald auseinandersetzen. Der erste Auftrag kam kurz nach der Gründung des Vereins im März 2006. Die studentische Unternehmensberatung sollte eine Zufriedenheitsanalyse unter Studierenden und Angestellten der Fachhochschule durchführen. Dabei musste die FH auch Kritik hinnehmen: Informationsfluss und Raumsituation seien zum Beispiel nicht optimal. Mit der Arbeit des Vereins war die FH dagegen „sehr zufrieden“. Projekt Nummer zwei und drei folgten: Eine Standortanalyse für einen „führenden Solaranlagenhersteller aus Süddeutschland“ und Marktforschung im Auftrag eines Augsburger Schulungszentrums, das auf Seminare im Bereich Controlling spezialisiert ist.

Engagement interessiert – Zeugnisse nicht

Ob es um die Erstellung einer Website geht, das Besuchen von Messen, die Organisation von Schulungen oder Pressearbeit – die Aufgaben im Verein sind so vielfältig wie die studentischen Mitglieder. Diese kommen aus wirtschaftlichen, technischen und künstlerischen Fachbereichen. Fabian wünscht sich sogar noch mehr Unterschiede, „denn gerade das ist unsere Stärke“, wie der 26-Jährige betont. „Auch Philosophen sind willkommen“, sagt er ganz ernst. Vorausgesetzt, diese fühlen sich berufen, in der Unternehmensberatung tätig zu sein. Wer Mitglied werden will, „sollte vor allem engagiert sein“, erklärt Irina Eisfeld, Ressortleiterin Pressearbeit. Darauf achte der Vorstand und Beirat des Vereins beim Bewerbungsgespräch. „Zeugnisse interessieren uns nicht“, so Fabian, interner Vorstand von academica. Man sollte bereit sein, „sich vieles selbst zu erarbeiten und an die anderen Mitglieder weiterzugeben“. So macht es Irina, die eine Knigge-Schulung besucht hat und ihr Wissen in einem Seminar für ihre Kommilitonen aufbereiten wird.

„Gut fürs Ego“ – aber nicht für das der Vorstände

Irina ist eine der 13 Studis, die seit letztem Jahr zum Verein dazukamen. 20 Mitglieder hat academica e. V. Wenn ein Auftrag an Land gezogen ist, „können sich alle bewerben“, wie Fabian erklärt. Der Projektleiter entscheidet, „wessen Blickwinkel und Können gefragt ist“. Für die Mitarbeit gibt es eine „Aufwandsentschädigung“, so Fabian. Der Großteil des Geldes werde aber für Mitgliederschulungen verwendet, „unser eigentlicher Vereinszweck“, wie Martin betont. Drei Beratungsjobs sind schon abgeschlossen. „In der nächsten Zeit sind Treffen mit drei Firmen geplant“, plaudert Vorstand Fabian aus dem Nähkästchen. Martin freut sich schon auf das „selbstständige Arbeiten und die Kontakte zu den Firmen“. Beim Thema Unternehmen fällt ihm noch etwas anderes ein: „Es ist einfach gut fürs Ego, wenn man den Vorständen der mittelständischen Unternehmen seine Vorschläge und Ideen präsentieren darf“, wie er mit einem Lächeln zugibt.

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