Präsident gesucht

Bei der Wahl des Uni-Präsidenten treffen Wilfried Bottke und Ulrich Eckern aufeinander

Von den Studierenden fast unbemerkt beginnt in diesen Tagen die heiße Phase eines Wahlkampfes – ganz ohne Plakate und Flugblätter: Die Wahl des Uni-Präsidenten steht am 13. Juni auf der Tagesordnung des Erweiterten Senats. Nachdem sich die Zahl der Kandidaten von ursprünglich neun auf zwei reduziert hat, kommt es zum Duell zwischen dem bisherigen Amtsinhaber und seinem uni-internen Herausforderer.

Von Jörn Retterath / Michael Sentef

Von den sieben externen Kandidaten konnten sich nur zwei Professoren aus Jena und Göttingen für das Halbfinale bei der Augsburger Präsidentenwahl qualifizieren. Im Finale trifft nun aber der Strafrechtsprofessor Wilfried Bottke auf den Festkörperphysiker Ulrich Eckern.
Doch was macht so ein Uni-Präsident eigentlich? Der Uni-Präsident steht der Hochschulleitung vor, der außer ihm noch drei Vizepräsidenten sowie der Kanzler angehören. Dieses fünfköpfige Gremium leitet die Universität Augsburg. Mit dem neuen Hochschulgesetz bekommt die Hochschulleitung mehr Rechte: Sie kann selbst Professoren berufen, diese ernennen und ist ihr Vorgesetzter, außerdem hat sie das letzte Wort bei der Genehmigung etwa von Prüfungsordnungen. Damit hat das Gremium weitreichende Kompetenzen und kann entscheidende Weichenstellungen für die Zukunft der Uni vornehmen.

Und wer kann alles mitwählen? Der Präsident wird vom Erweiterten Senat auf vier Jahre gewählt. Dem Gremium gehören 30 Mitglieder an: die Hochschulleitung, die Frauenbeauftragte, die Dekane der Fakultäten sowie sieben weitere Professoren, vier wissenschaftliche Mitarbeiter, zwei wissenschaftsstützende Mitarbeiter und vier Studierende. presstige hat mit den beiden Kandidaten für das höchste Uni-Amt gesprochen:

presstige: Herr Prof. Bottke, was für Visionen möchten Sie in einer – möglicherweise kommenden – weiteren Amtszeit verwirklichen? Was wollen Sie bewirken?

Bottke: Ich habe die Vision, dass sich die Universität Augsburg als exzellente Forschungs- und Lehruniversität mit überregionalem Anspruch darstellt. Ich möchte die Forschungskompetenz in Augsburg stärken und die Lehrbefähigung weiter optimieren. Die drei in den Zielvereinbarungen mit dem Freistaat festgelegten Kompetenzbereiche: „Global business and law“, „Innovative Technologien“ sowie „Kultur- und Bildungswissenschaften“, müssen gemäß den Verträgen umgesetzt werden; das bedeutet, dass Sonderforschungsbereiche und Graduiertenkollegs entstehen werden. Die Interdisziplinarität der Universität Augsburg bei der Entwicklung von Studiengängen und in Forschungsprojekten muss weiter fortgesetzt werden. Es muss die Chance genutzt werden, vermehrt Akademiker in Augsburg auszubilden. Augsburg steht an der Schnittstelle zwischen den kleineren und den größeren Universitäten in Bayern. Wir können uns nicht – jedenfalls nicht mit allen Fächern – wie die beide Münchener Universitäten positionieren, aber segmentär können wir uns genauso gut aufstellen wie LMU und TUM.

presstige: Können Sie uns Gründe nennen, warum man Sie am 13. Juni wiederwählen sollte? Was würden Sie als Ihre Schwächen und Stärken bezeichnen?

Bottke: (lacht) Über meine Schwächen bitte ich Sie, sich einfach umzuhören. Es gibt sicherlich zahlreiche Schwächen, die mir zugeschrieben werden. Über meine Stärken möchte ich auch nicht groß sprechen, außer vielleicht soviel: Ich habe eine gewisse Ausdauer. Wer meint, dass ich meine Arbeit in den vergangenen acht Jahren gut gemacht habe, der kann darin einen Grund sehen, mich zu wählen. Ich selber meine, dass ich der Universität Augsburg gedient habe und versucht habe, ihr gut zu dienen. Ich habe es im Bereich Informatik und Physik erreicht, dass 61,5 anschubfinanzierte Stellen zu daueretatisierten Stellen wurden. Es ist außerdem gelungen, alle Bereiche an der Universität zu erhalten, die noch vor drei Jahren als gefährdet bezeichnet wurden – etwa Jura, Soziologie, Politologie, Lehrerbildung an Grund- und Hauptschulen oder die Katholische Theologie. Für die zukünftigen Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt, ist die Kompetenz des Präsidenten wichtig und ob es ihm gelingen wird, die Universität als Partner von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik aufzustellen.

presstige: Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit mit den Studierenden in Zukunft vor?

Bottke: Ich hoffe sehr, dass die Studierenden auf mein Angebot eingehen und den Kontakt zum Präsidenten bzw. der Hochschulleitung suchen. Wir sind immer gesprächsbereit. Es liegt mir sehr daran, dass die Studierenden diese Universität als ihre Universität erkennen und daran mitwirken, dass diese Universität ihre Bildungsstätte bleibt. Im Bereich der Alumni haben wir in den letzten Jahren schon einiges gemacht, sowohl auf Fakultäts- als auch auf Gesamtuniversitätsebene. Die Anstrengungen müssen jedoch weitergehen und der Kontakt mit den Absolventen der Uni muss ausgebaut werden. Die Universität soll für sie auch weiterhin ein wichtiger Gesprächspartner sein.

presstige: Was wird sich mit der Erhebung von Studiengebühren für das Verhältnis zwischen Uni und Studierenden verändern?

Bottke: Beiträge werden bewirken, dass die Studierenden sich als „Kunden“ begreifen und die Universität die Studierenden ebenso als „Kunden“ begreift. Ich bin aber dafür, dass wir sie nicht nur als Kunden verstehen, sondern als Teilnehmer und Vorantreiber der Universität – als Akteure ihrer Entwicklung. Die Studierenden können durch ihre Vertreter über die Verwendung mitbestimmen. Sie werden en detail darüber unterrichtet, was mit dem Geld gemacht wird.

presstige: Herr Prof. Eckern, Sie kandidieren für das Amt des Uni-Präsidenten. Was sind Ihre Visionen für die Zukunft der Hochschule nach Ende einer möglichen Amtszeit?

Eckern: Die Uni Augsburg soll in Bayern zum guten Mittelfeld gehören. Mit den Münchener Unis etwa können wir uns nicht messen, wohl aber mit Regensburg und Bayreuth. Bayreuth ist in der zweiten Runde der Exzellenz-Initiative mit zwei Projekten im Rennen, und das muss die Uni Augsburg künftig auch schaffen. Dazu soll in den forschungsintensiven Bereichen ein stärkerer Fokus herausgearbeitet werden, um durch Spitzenforschung auch die Beteiligung an Großprojekten weiter zu ermöglichen. Ebenso ist eine weitere Stärke der Uni – die Lehrerbildung – als fakultätsübergreifendes Profilfeld von zentraler Bedeutung.

presstige: Nicht nur durch die Lehrerbildung ist die Universität Augsburg stark geisteswissenschaftlich geprägt. Die meisten Studierenden kommen aus den Phil-Fakultäten. Gibt es keine Vorbehalte von Geisteswissenschaftlern gegenüber Naturwissenschaftlern und speziell gegenüber dem Physiker Eckern als Kandidaten für das Präsidentenamt?

Eckern: (lacht) Weiß ich nicht, ob es die gibt. Ich hatte aber schon viel Kontakt zu Geisteswissenschaftlern, etwa als Prorektor, und da ist es mir eigentlich immer im Gespräch und durch meine Aktivitäten gelungen, diese Vorbehalte abzubauen. Zudem engagiere ich mich ja auch in fächerübergreifenden Projekten: in der Friedens- und Konfliktforschung und in der Umweltforschung etwa.

presstige: Was würden Sie als Ihre Stärken bezeichnen?

Eckern: Ich sehe mich als Visionär und als Macher, der Probleme aktiv angeht. „Agieren statt Reagieren“ ist mein Motto. Als Beispiel kann ich da das bundesweit einmalige Projekt „Willkommen an den Augsburger Hochschulen“ nennen, eine Servicestelle für ausländische Studierende und Gastwissenschaftler, die ich zusammen mit dem Akademischen Auslandsamt realisiert habe.

presstige: Seit dem Sommersemester gibt es Studiengebühren. Wie bewerten Sie die Lösung, die man an der Uni Augsburg gefunden hat? Was könnte mit den Geldern finanziert werden?

Eckern: Bisher ist das mit dem Augsburger Modell ja recht gut gelaufen. In Sachen „Mitbestimmung der Studierenden“ sehe ich auch einen Pluspunkt der Studiengebühren: Bei der Verwendung dieser Gelder sind die studentischen Vertreter direkt eingebunden, und das ist auch gut so! Nach jeweils einem Jahr muss es dann auch eine Bestandsaufnahme mit öffentlicher Diskussion geben: Wofür wurde das Geld verwendet? War das so in Ordnung? Wir Professoren profitieren ja als Forscher und Hochschullehrer von den Studierenden, und sie profitieren von unseren Kontakten. Es liegt in unser aller Interesse, dass es keine überfüllten Seminare in zu kleinen Räumen mit schlechter Ausstattung gibt, dass die Abbrecherquoten sich in Grenzen halten, etwa durch eine intensivere Studienberatung – die von den Studierenden aber auch wahrgenommen werden muss!

presstige: In Ihrem Bewerbungsschreiben für den Senat haben Sie auch die Punkte Drittmitteleinwerbung und Alumni angesprochen. Im Vergleich zu Amerika gibt es in Deutschland dabei ja noch einigen Nachholbedarf. Was haben Sie vor?

Eckern: Bei einem Besuch in Pittsburgh, unserer Partneruniversität, habe ich das erlebt: Da hat der Chancellor (vergleichbar mit dem „Präsidenten“) alle zwei Wochen samstags ein Sponsoren-Essen in der Präsidenten-Villa organisiert, mit gemeinsamem Besuch eines Football-Spiels in einer separaten Lounge. Davon sind wir hier natürlich weit entfernt, und die Alumni- und Sponsorenpflege braucht vor allem eines: Zeit. Nun müssen wir anfangen, das auch intensiver zu betreiben. Ich werde das tun, falls ich gewählt werde. Solche Kontakte sind nämlich Chefsache!

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