Traumberuf Unternehmensberater

Fit für den Job: Was wirklich zählt

„Ich kann mir schon vorstellen, später mal in einer Unternehmensberatung zu arbeiten“, so Elias Awad (21), der an der Uni Augsburg im fünften Semester iBWL studiert. Sein Wirtschaftsinformatik-Dozent habe von diesem „Berufsfeld der Zukunft“ geschwärmt. Während viele seiner Kommilitonen eher die guten Gehaltschancen der Branche interessierten, reizt ihn besonders die Vielseitigkeit des Berufes: die Verbindung aus Finanzwesen, Betriebswirtschaft und IT. Doch wie den Einstieg in die Branche schaffen? Einen Königsweg gebe es vermutlich nicht: „Man benötigt mit Sicherheit eine große Expertise, um dort Fuß zu fassen. Praktika sind das Wichtigste.“

 

 

Von Christopher Große, Foto: Jens-Hendrik Kuiper

Dass Praktika hilfreich sind, bestätigen auch Denis Titho undAlexander Behrendt, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Conogy. Allerdings müssten diese nicht unbedingt in einem Beratungsunternehmen absolviert werden. Ohnehin sei bei einem Hochschulabsolventen zu Beginn der Berufslaufbahn erstmal eine Menge Schulungsaufwand notwendig. Nur viel zu lernen und zu büffeln, bringe einem Absolventen wenig, wenn es an praktischen Erfahrungen mangele, wie Behrendt zu bedenken gibt: „Wenn wir einen jungen Berater zum Kunden schicken, dann soll er nicht haarklein wiedergeben können, was dieser gesagt hat, sondern er soll ihn verstehen!“ Uni- und FH-Studenten sind chancengleich: Gerade aufgrund ihres größeren Praxisbezugs seien FH-Studiengänge denen an der Universität absolut gleichwertig.Wer ein Diplom vorweisen kann, ist nach Meinung von Experten aktuell etwas im Vorteil: Zumindest in der klassischen Beratung herrscht noch leichte Skepsis gegenüber den neuen Bachelor- und Masterabschlüssen.

Vitamin B selfmade

Auch der Augsburger BWL-Student Gökhan Ertürk (23) würde nach dem Diplom gerne in einer Unternehmensberatung arbeiten. Über seine studienbegleitende Tätigkeit als 1. Vorstand der studentischen Unternehmensberatung JMS hat er schon viel praktische Erfahrung gesammelt: „Hier lernt man, wie die Arbeit in einer Unternehmensberatung aussieht. Außerdem knüpft man schon während des Studiums wertvolle Kontakte zu zahlreichen Unternehmensberatungen und baut sich über Praktika und Kongresse ein eigenes Netzwerk auf.“ Dafür braucht man nicht mit einem goldenen Löffel im Mund geboren zu sein. Das berühmte Vitamin B lässt sich auch selbst erarbeiten. Bezüglich seines angestrebten Berufsfelds macht sich Gökhan wenig Illusionen: „Der Job an sich ist relativ stressig. Nur wenige bleiben länger als fünf bis sechs Jahre im selben Unternehmen. Aber die Unternehmensberatung ist zweifelsfrei ein gutes Sprungbrett.“ Schon seit Studienbeginn ist Gökhan bei JMS.

Die guten Referenzen der Beratung, die bereits seit 16 Jahren existiert, haben ihn beeindruckt. Durch die praktische Projektarbeit, besonders aber durch Schulungsprogramme und die bundesweiten Kongresse des Verbands der studentischen Unternehmensberatungen, auf denen viele große Beratungsfirmen ihren Nachwuchs rekrutieren, könne man profitieren. Als Berater hat er bereits drei Kundenprojekte durchgeführt: „Ich halte das für eine sinnvolle Methode, um fit für den Job zu sein. Man merkt schon im Studium, dass man durch Praxiserfahrung, Teamfähigkeit und Schulungen vielen anderen Studierenden voraus ist.“

Das gilt übrigens nicht nur für Wirtschaftsstudenten. „Unsere Erfahrungen zeigen, dass das Studienfach oder die Studienschwerpunkte für die Beratungsunternehmen relativ uninteressant sind“, meint Gökhan, „da zählen Praxis- und Auslandserfahrung, Vielseitigkeit, Interdisziplinarität und gute Referenzen. Sonst kommt man bei Beratungsunternehmen nicht einmal bis ins Assessment Center.“ Da der Praktikumsmarkt zur Zeit stark in Bewegung sei, böten sich zahlreiche und vielfältige Möglichkeiten. Ein Vorteil gerade auch für Ingenieure oder Informatiker, die über gute Einstellungschancen verfügen, wenn sie interessante Praktika und BWL-Grundkenntnisse vorweisen können. Wenn dazu das Spezialwissen aus einem anderen Studienfach komme, besäßen sie klassischen BWLern gegenüber sogar einen Vorteil, meint Gökhan.

Nicht nur Buchhalter

Auch die Technologieberatung Conogy stellt keineswegs ausschließlich Wirtschaftswissenschaftler ein. Zwar seien BWL- und Infor-mationstechnik-Grundkenntnisse „extrem wichtig“, doch gerade in der IT-Beratung komme es auf eine „gesunde Mischung“ an, erläutert Behrendt, „hier sind keine reinen Buchhalter gefragt.“ Schließlich müsse ein Technologieberater sowohl mit Managern als auch mit Technikern sprechen können. Dafür sind auch Fremdsprachen verpflichtend. Sein Berufsziel sollte man indes während des Studiums nie aus den Augen verlieren: „Ich empfehle, vom Beginn des Studiums an am Lebenslauf zu arbeiten. Man muss sich entscheiden: Technische Beratung erfordert eine höhere Spezialisierung, während in der strategischen Beratung eher übergreifende Themen eine Rolle spielen. Letztlich muss uns ein Bewerber überzeugen, dass er den Job unbedingt machen und seine Skills einbringen und nutzen will.“ Dafür sei es wichtig, auch neben dem Studium entsprechenden Einsatz zu zeigen. Titho pflichtet bei: „Was ist denn wichtiger? Ein paar Punkte mehr in der Klausur oder Praxiserfahrung? Wenn ein Bewerber eine richtig gute Beurteilung aus der Praxisphase mitbringt, dann ist mir egal, ob er in der Logistikklausur schlecht abgeschnitten hat.“ Bei Einstellungen achte man besonders auf Spezialisierungen, um abzuschätzen, welche Bereiche in der Unternehmensberatung ein potenzieller neuer Mitarbeiter abdecken könne.

Ehrlich währt am …

Doch nicht nur fachliche Fähigkeiten spielen eine Rolle: „Sozialkompetenz ist für uns das Wichtigste; selbst der Kunde hat Verständnis dafür, dass du nicht immer alle Prozesse sofort kennen kannst“, sind sich die Geschäftsführer einig. „Es zählen Selbstbewusstsein, Teamfähigkeit und der richtige Umgang mit Menschen“, so Titho. „Der Bewerber muss Überzeugungskraft besitzen und bereit sein, sich allen Herausforderungen zu stellen. Und er sollte ehrlich sein: Dann muss er in kritischen Situationen nicht die Unwahrheit sagen und ist auch in der Lage zuzugeben, dass er einmal etwas nicht weiß“, ergänzt Behrendt. Bei den Bewerbungsgesprächen sind die Firmenchefs noch selbst anwesend. Um beurteilen zu können, ob ein Bewerber ins Team passt, achten sie darauf, wie er sich in kritischen Situationen verhält, wie gut er mit seinen Kollegen zusammenarbeitet und ob er gleichzeitig eine Vorreiterrolle einnehmen kann. „Es gewinnt bei den Tests aber nicht unbedingt der, der sich durchsetzt, sondern der, der vonsich aus Auf gaben übernimmt und nicht bloß auf Anweisungen wartet“, erklärt Titho. Der perfekte Bewerber sollte sich also in der glücklichen Lage schätzen, selbständig, eigeninitiativ und vorausschauend agieren zu können. Eine gesunde Portion Unternehmertum gehört laut Titho ebenfalls dazu: „Ein guter Berater muss erkennen, wo sich ein Prozess beim Kunden optimieren lässt. Der Kunde will seine Probleme gelöst haben, auch wenn er selbst gar nicht weiß, was seine Probleme sind.“

Job dank Aufwind

Wer diese Voraussetzungen erfüllt, hat gute Jobchancen. Die Branche befindet sich weiter im Aufwind, der Beratermarkt ist unterbesetzt und bietet Berufseinsteigern in den nächsten Jahren sehr gute Perspektiven und die Aussicht, rasch selbst Verantwortung zu übernehmen. Die Einstiegsgehälter für Berufsanfänger liegen durchschnittlich bei über 40.000 Euro, hinzu kommen oft zusätzliche Benefits wie ein Dienstwagen und erfolgsabhängige Boni. Nach einigen Jahren lässt sich das Salär verdoppeln. Wer bei einem Großen der Branche einsteigt, kann eine exzellente Referenz erwerben, die für den weiteren Karriereweg von Vorteil ist. Kleinere Beratungsunternehmen hingegen bieten dank individueller Förderung und flacheren Hierarchien zumeist bessere Möglichkeiten, die persönlichen Fähigkeiten weiterzuentwickeln und eigene Ideen umzusetzen: „In einer kleineren Beratung sind die Projekte vielseitiger, was den Job universeller und spannender macht. In der großen bist du eine Nummer“, werben Titho und Behrendt, die selbst vieleJahre beim Branchenriesen Accenture gearbeitet haben. Von Beratern wird zwar einerseits ein Höchstmaß an Flexibilität erwartet, umgekehrt aber bieten attraktive Home Office- Verträge Freiräume, die sich sonst in der Wirtschaft nur selten finden. Ganz soweit ist Gökhan noch nicht. Zuversichtlich stimmt ihn, dass in den vergangenen Jahren die meisten der studentischen Unternehmensberater lückenlos den Einstieg in den Beruf geschafft haben: „Viele hatten schon vor Ende ihres Studiums konkrete Jobangebote.“ Auch Elias macht sich keine Sorgen über seinen zukünftigen Broterwerb. Falls es mit der Unternehmensberatung nicht klappt, möchte er gerne in der Finanzwirtschaft arbeiten: „Diese Branche hat auch viel Zukunft.“

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