Die Lust am Spiel

Ruth Leimig untersuchte in ihrer Bachelorarbeit die Berichterstattung der Frauenzeitschriften zur Fußball-WM 2006

Die deutschen Fußballdamen sind Weltmeister. Das ist ebenso wenig anzuzweifeln, wie Herbergers alte Weisheit, dass der Ball rund ist. Aber Vogue, Glamour oder Jolie und Fußball? Passt irgendwie nicht, oder? Und trotzdem, während des Sommermärchens 2006 veröffentlichten die Frauenmagazine immer häufiger Artikel über Fußball. Ruth Leimig (25), Medien- und Kommunikationsstudentin an der Uni Augsburg, schrieb deshalb ihre Bachelorarbeit zum Thema „Fußballfan Frau?!“. Sie untersuchte dafür drei Monate lang 15 Zeitschriften, um herauszufinden, ob und wie die einzelnen Magazine über die Fußball-WM berichteten.

Von Stefanie Probst

Kicker war gestern, Amica ist heute

Erstens: Der Ball ist weiblich! In den 60 von Ruth analysierten Ausgaben, fanden sich 180 Artikel über die Weltmeisterschaft. Frauen und Fußball statistisch: „Das Interesse der Frauen an diesem Sport hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Beim Achtelfinalspiel Deutschland gegen Schweden waren sogar fast die Hälfte aller deutschen Fernsehzuschauer Frauen“, sagt die Expertin. „Magazine wie Amica und Co. – wissenschaftlich als parasoziale Freundin des weiblichen Geschlechts bezeichnet – spiegeln die Vorlieben der Leserinnen und berichten deshalb über Fußball“, so ihre These. Auch Ruth fieberte bei vielen WM-Spielen mit.

Fußballgöttinnen oder 1. FC Fingerfood?

Zweitens: Fußballfan Frau ist selbstbewusst! „Das Bild, das in den meisten Artikeln vermittelt wird, gibt die Offenheit der weiblichen Tifosi gegenüber der WM wieder“, sagt Leimig. In solchen Texten werden den „Fußballgöttinnen“ zum Beispiel „88 Gründe“ mitgeteilt „sich auf die WM zu freuen“. Die Einstellung der Artikel gegenüber dem Thema Fußball ist zu 67 Prozent positiv.

Manchmal werden aber auch alte Klischees aufgewärmt und Fußball gar als Grund für den Geschlechterkampf dargestellt“, erklärt die 25-Jährige, „das allerdings nur in 7,8 Prozent der Texte“, wie Ruth betont. So titelte die InStyle: „Das nervt. Alles über Jungs. Warum ist Fußball euer Leben?“ „Die Frauen, die wegen der ständigen Fußballspiele ein Aufmerksamkeitsdefizit haben, müssen sich anderweitig als Siegerin postulieren“, so der Tonus dieser Artikel. Mode, Gastgeberqualitäten, „Kochen wie die Weltmeister“ oder punkten mit Fingerfood à la 1. FC Parmaschinken – das sind nur einige der Möglichkeiten, die die Zeitschriften ihren Leserinnen anbieten. Und die wichtigen „Fußballbasics zum Mitreden und Angeben“ würden den Damen, wenn es nach den Autoren mancher Texte ginge, teilweise nur vermittelt, damit frau nicht in peinliche Abseitsfallen tappe.

Trendige Fußball-Tasche bevorzugt

Drittens: Die süßen Fußballer – zweitrangig? „In den meisten Zusammenhängen, in denen über Fußball berichtet wird, geht es um die WM als Designschema in der Mode, wie etwa bei T-Shirts mit Spielernummern und Accessoires. Zum Beispiel wird eine Ledertasche aus einem Originalfußball vorgestellt“, so Ruth. Der zweite Themenbereich handelt von der Vorfreude auf die Fußball-WM. Es werden vorrangig Veranstaltungstipps zum Feiern gegeben. „Weit abgeschlagen, nämlich bei nur zehn Prozent der Artikel geht es um das Sexobjekt Fußballer. In solchen Artikeln werden die Spieler allerdings als Traummänner dargestellt und ihre Erotik gilt als Grund für die weibliche Vorfreude auf die WM“, erklärt Ruth. Ein Beispiel aus der Joy: „11 Fußballgötter. Die WM ist die süßeste Sahneschnitten-Parade des Sommers.“

Fußball neu im Bewußtsein

Viertens: Frau hat die „Lust am Spiel“ entdeckt! So die Überschrift der Glamour. „Die Hälfte der Feiernden in den Stadien war weiblich, ebenso fast jeder zweite Fernsehzuschauer“, schrieb Leimig in ihrer Arbeit. Fußballbegeistert waren aber vor allem die jungen Leserinnen. „Die Magazine für diese Altersgruppen, wie etwa Young oder Jolie, berichteten nämlich am häufigsten über Fußball“, sagt Ruth, die nach einem Semester in Neuseeland jetzt ihren Master in Augsburg macht. Die Zeitschrift Joy, mit ihrer Zielgruppe bis 25 Jahren, berichtete während der WM-Saison sogar in fünf Artikeln pro Ausgabe über das Fußball-Weltereignis.

Fünftens: Der weibliche Fußball-Fan sieht´s positiv! Stephanie Armer, die in Augsburg Geschichte und Romanistik studiert, hat als Kind selbst Fußball gespielt und schaut sich heute fast jedes FCA-Spiel an. „Ich finde es überhaupt nicht verkehrt, dass die Zeitschriften das Thema Fußball aufgreifen. Die WM war ja offenbar ein Ereignis, das die Frauen interessierte“, sagt die 24-Jährige. Etwas schade findet es Stephanie als langjähriger Fußballfan jedoch, dass die Aufmachung mancher Texte „sehr klischeehaft“ daher kommt. „Es war wichtig, dass das Thema Fußball ins Bewusstsein der großen Masse der Frauen kam, auch wenn manche davon keine Fußballexperten sind.“

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