Drei, zwei, eins – meins!

Wie der AStA-Vorsitz sich mit dem Preis für studentisches Engagement selbst beschenkt – ein kritischer Kommentar

Der Vormittag begann mit Augsburgs berühmtestem Enkel: Zum Auftakt erquickte das Divertimento in D-Dur 3. Satz von Wolfgang Amadeus Mozart die Gäste. Am 5. Juli lud die Universität Augsburg zur Akademischen Jahresfeier – doch der heiteren Instrumentalkomposition gingen kodderige Machenschaften in düsterem Moll voraus.

Nach einer Begrüßung durch Rektor Wilfried Bottke, nach Festvorträgen und ersten Würdigungen überreichte Prorektor Werner Wiater den Preis für studentisches Engagement der Gesellschaft der Freunde der Universität Augsburg an die Studenten Margret Angerer und Andreas Busen. Gratulation – denn insbesondere das Engagement im Vorfeld der Vergabe war preisverdächtig.

Von Stefan Oden

Mit dem Preis für studentisches Engagement werden jährlich Studenten honoriert, die sich in besonderem Maße für ihre Kommilitonen eingesetzt haben. Diese Ehrung wird von den Freunden der Universität gestiftet und ist mit 500 Euro prämiert. Vorschläge können die Studiendekane der Fakultäten, der AStA sowie alle Studenten einreichen. Für den studentischen Vorschlag war in der Vergangenheit das Votum des Studierendenparlaments ausschlaggebend.

In diesem Jahr gingen die Preise also an Margret Angerer und Andreas Busen – die beiden AStA-Vorsitzenden. Der Vorschlag des AStA, den eigenen Vorsitzenden Busen zu nominieren, war jedoch bereits vor der entscheidenden Parlamentssitzung an offizieller Stelle eingereicht worden. Zwar wurden die studentischen Vertreter vom AStA über die interne Idee informiert, doch aufgrund der zeitlichen Verzögerung wurde das Studierendenparlament vor vollendete Tatsachen gestellt. Ein Vorgang, der bei einigen Abgeordneten auf Kritik stieß. Der Sprecher der Liberalen Hochschulgruppe, Peter Neiß, artikulierte sein Unbehagen über den Selbstgänger AStA: „Gerade bei dieser Entscheidung wäre es nötig gewesen mit allen Hochschulgruppen zu sprechen. Es kann nicht angehen, dass nur die Hochschulgruppen, die den AStA stellen, über die Vergabe bestimmen!“ Auf Nachfrage erklärten in besagter Sitzung die anwesenden AStA-Vertreter, der eigene Vorschlag habe wegen Zeitnot schnell gefasst werden müssen. Doch habe sich der AStA rasch auf einen passenden Kandidaten einigen können: ihren Vorsitzenden Andreas Busen. Die anschließende Frage, warum keiner der AStA-Leute auf die Idee kam, die Parlamentarier außerhalb des AStA oder die zahlreichen Fachschaften zwecks eigener Vorschläge zu kontaktieren, ließ der AStA unbeantwortet. Noch in der gleichen Sitzung gab die sichere AStA-Mehrheit im Studierendenparlament dem eigenen Vorschlag ihr Plazet.

Nun könnte der außenstehende Beobachter auf die Idee kommen, dass zumindest der zweite Preis frei von jeglicher AStA-Klüngelei sein dürfte. Doch ein Schuft, wer Gutes dabei denkt. Nach Margrets eigenen Worten trug sich diese Entscheidung folgendermaßen zu: Um auch diesen zweiten Preis für den AStA-Vorsitz zu beanspruchen, legte der frisch nominierte Andreas Busen in einem persönlichen Gespräch dem Studiendekan der Philosophisch-Historischen Fakultät Prof. Andreas Wirsching nachhaltig die Wahl seiner Kollegin Angerer ans Herz. Ob Busens Unterredung den entscheidenden Ausschlag gab oder nicht – Fakt ist: Die zweite Auszeichnung ging an Margret Angerer, die Laudatio schrieb Wirsching.

Gratulation. Gratulation dem AStA-Vorsitz, dass er sich selbst zur Auszeichnung verholfen hat. Der Studierendenvertretung ist es gelungen, den unter Studenten angesehenen Preis in die eigene Tasche zu stecken. Um es noch einmal klar zu sagen: Es soll hier nicht das große und verdienstvolle Engagement zweier Studenten verurteilt werden, das sie sicher zu Anwärtern auf den Preis gemacht hat, sondern die unrühmliche Weise, wie beide zu der Auszeichnung kamen. Integrität, Weitblick für engagierte Studenten außerhalb der eigenen Truppe, Selbstlosigkeit sowie Zusammenarbeit mit dem Studierendenparlament blieben hierbei auf der Strecke.

Nichtsdestotrotz ist in diesem Jahr der Preis zweifelsohne in die richtigen Hände gekommen, denn mangelhaftes Verständnis für besonderes Engagement ist den beiden Preisträgern nicht abzusprechen.

 

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