Und durch das Chaos klingt die Magie hindurch

Der Augsburger Popsänger Roman Fischer (21) spricht über sein zweites Album „Personare“, Songs aus dem Untergrund, Augsburger Wunderwasser und sein Zusammenwohnen mit Anajo-Sänger Olli

Mit sieben Jahren lernte er Geige und Klavier, mit zwölf spielte er Gitarre und Schlagzeug, mit fünfzehn nahm er seine ersten Songs zu Hause am Computer auf. Musik bestimmte von Kindesbeinen an das Leben Roman Fischers, dessen Eltern beide Musiker sind. Im heimatlichen Elternhaus in einem kleinen bayrischen Dorf wurde es ihm bald zu eng, mit siebzehn zog er nach Augsburg – in die WG von Anajo-Sänger Oliver Gottwald. Mit gerade einmal 18 Jahren veröffentlichte er dann 2004 sein erstes Album „Bigger than now“, das ihm den Ruf eines „musikalischen Wunderkindes“ einbrachte. Fast zeitgleich machte Roman Fischer Abitur an der Kunstfachoberschule. 2006 legte er dann mit seiner zweiten Platte „Personare“ nach. Seine eingängigen, oft melancholischen Popsongs bewegen sich irgendwo zwischen Coldplay, Muse und Maximilian Hecker, ohne dabei musikalische Eigenständigkeit vermissen zu lassen. presstige sprach mit Roman Fischer über seine Musik und seine Wahlheimat Augsburg.

Von Thomas Neumann; Fotos: Natalie Stanczak

presstige: 2006 ist dein zweites und aktuelles Album „Personare“ erschienen. Wie hast du dich seit der ersten Platte entwickelt?

Roman Fischer: Ich habe mir für das neue Album mehr Zeit gelassen. Da ich nicht mehr in der Schule war, konnte ich mich besser auf die Musik konzentrieren und mir Inspiration holen. Und ich habe mich viel mehr mit dem Klavier beschäftigt als vorher. Das neue Album ist auf jeden Fall schneller und extremer geworden, was auch mit meinem Leben Hand in Hand ging – ich kam aus der Schule, zog vom Land in die Stadt.

presstige: Deine persönliche Entwicklung spiegelt sich also auf dem Album wider?

Roman Fischer: Stellenweise. Ich finde nicht, dass das Album wahnsinnig autobiografisch ist. Ich habe versucht, alles ein bisschen verschlüsselt zu halten und nicht gleich offensichtlich zu machen, worum es geht. Ich finde es schön an Musik, wenn man auch Interpretationsfreiraum hat.

presstige: Im Albumtitel steckt ja auch das Wort „persona“, lateinisch für Maske. Hat das eine besondere Bedeutung für dich?

Roman Fischer: Das bezieht sich zum einen darauf, wie wir auf andere wirken, welche Masken wir tragen, um gesellschaftliche Regeln einzuhalten. „Personare“ heißt eigentlich „hindurchklingen“. Das beschreibt auch den Prozess, wie ich das Album gemacht habe: Viele Sachen sind aus dem Untergrund hochgekommen, manches ist auch aus Schludrigkeit entstanden, ohne klare Absicht. Wie im Dadaismus, wo man dem Zufall freien Lauf lässt. Ich arbeite mit dem Computer und spiele die verschiedenen Spuren selbst ein. Manchmal besteht ein Stück aus vorwiegend dissonantem Chaos, aber manchmal gibt es dann auch ein, zwei „magische“ Stellen. Ich versuche dann, daraus einen Song zu bauen.

presstige: Du komponierst und spielst alles alleine ein. Live trittst du aber immer mit Band auf. Ist das Zusammenspielen wichtig für dich?

Roman Fischer: Ja. Eine Band bringt viel mehr Druck rüber, als wenn ich allein mit meinem Laptop spielen würde. Ich will das Album so unverfälscht wie möglich übermitteln. Ich habe zwar auch viele Soloauftritte gemacht, aber die Leute hören einfach mehr zu, wenn man die Band dabei hat. Dann kann man ruhige Momente besser zur Geltung kommen lassen.

presstige: Du warst in der letzten Zeit ja ziemlich erfolgreich, dein neues Album wurde von der Kritik durchgehend positiv aufgenommen und im Musikexpress sogar zum Album des Monats gewählt. Wie gehst du damit um?

Roman Fischer: Es ist ja noch nicht so, dass ich ständig angequatscht werde … Ich freue mich natürlich über den Erfolg, aber ich lege nicht so viel Wert darauf, auf der Straße erkannt zu werden. Es ist schön, dass die neue Platte so viel Anerkennung gefunden hat. Aber es ist nicht so, dass ich von der Musik leben könnte. Langfristig ist das jedoch schon mein Ziel.

presstige: Du wohnst mit Olli, dem Sänger von Anajo, zusammen. Gibt es da auch musikalischen Austausch zwischen euch?

Roman Fischer: Wir spielen uns Sachen vor, die wir gemacht haben. Aber eigentlich lassen wir uns schon freie Hand. Unsere Musik geht ja auch ziemlich auseinander. Ich hör gern, was Olli macht, und er gern, was ich mache. Aber es ist nicht so, dass ich mit Olli wegen der Musik zusammengezogen bin. Er ist einfach ein angenehmer Mitbewohner.

presstige: Für eine Stadt ihrer Größe hat Augsburg eine bemerkenswert lebendige Musikszene. Wie siehst du das?

Roman Fischer: In Berlin hat mich einmal ein befreundeter Musiker gefragt, was denn im Augsburger Trinkwasser sei, weil es da so viele gute Bands gebe. Das fand er erstaunlich. Wobei ich das auch nicht überbewerten würde – von „Augsburger Schule“ würde ich noch nicht unbedingt sprechen. Kann aber noch werden.

presstige: In Augsburg scheinen Jugendfestivals zum Scheitern verurteilt zu sein. Nach X-Large ist nun auch PopCity gestorben. Wie denkt denn die Augsburger Szene bzw. du im Speziellen darüber?

Roman Fischer: Es wird auch irgendwann wieder ein Festival in Augsburg geben. Anscheinend interessierten sich viele nicht dafür. Vielleicht lag es auch nur am heißen Wetter, dass beim letzten Mal nicht genügend Leute da waren. Dafür gibt es ja noch Künstler, die unsere Clubs besuchen und sich schließlich auch über Besuch freuen.

presstige: Du wirst oft als musikalisches Wunderkind bezeichnet. Fühlst du dich auch so?

Roman Fischer: Naja … (lacht). Es ehrt mich, aber dazu kann ich nicht wirklich Stellung beziehen. Ich komme ja aus einer musikalischen Familie, Musik wurde mir sozusagen in die Wiege gelegt. Ich glaube, ich hatte einfach keine andere Wahl als Musiker zu werden. Jeden Tag im Büro sitzen – das kann ich einfach nicht.

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