David gegen Goliath – Rechtsweg ins Studium

Was tun, wenn man sicher weiß WAS man studieren möchte, aber den nötigen NC genauso sicher verfehlt? Der neueste Trend ist das Hintertürchen ins Studium durch die Klage.

Obwohl dieser „Alternativweg“ nicht erst seit gestern bekannt ist, erfuhr er erst vor vier Jahren einen drastischen Boom, der sich seitdem auch auf einem genauso enorm hohen Niveau hält. Mittlerweile haben sich rund zwanzig Anwalts-Kanzleien in Deutschland auf diesen Bereich spezialisiert. Für die großen Unis heißt das: mehrere hundert Klagen zu Beginn jedes Semesters – pro Fach! Besonders betroffen sind Human-, Zahn- und Tiermedizin, in geringerem Ausmaß auch Psychologie und andere Fächer. Was das Verfahren überhaupt erst möglich macht, ist das Grundrecht auf freie Berufswahl. Die Einschränkung dieses Grundrechts durch einen NC ist laut des Verfassungsgericht zwar zulässig, jedoch nur, wenn die Ausbildungskapazitäten ausgelastet sind. Genau an dieser Stelle greifen die Anwälte an, indem sie versuchen, den Universitäten nachzuweisen, dass ihre Professoren und Dozenten theoretisch mehr Studenten ausbilden könnten, als sie tatsächlich tun. Mit 700 -2.500 Euro Anwaltskosten ist die Klage auch nicht für jedermann erschwinglich, besonders wenn man die Erfolgschancen bedenkt; denn selbst wenn man die Klage gewinnt, rutscht man oft nur in ein Losverfahren. Dazu kommt, dass (geschäftstüchtige) Anwälte raten, 5 bis 15 Unis gleichzeitig zu verklagen, um sich so eine realistischere Chance zu verschaffen. Kritiker sprechen bereits jetzt von einem „verdeckten Sozial-NC“ – bleibt abzuwarten, ob sich Shortcutsdadurch der Kampf „David gegen Goliath“ zu einem Kampf der Klassen entwickelt. (ks & fo)

Von Franziska Obst, Kete Shabani

100.000 Euro für verbrannte Bücher

Einen weiteren Schritt in Richtung „Elite-Uni“ geht die Augsburger Hochschule mit Überlegungen, ihre Bibliothek um einen besonderen Schatz zu erweitern: Im Moment bewirbt sie sich neben der Dokumentationszentrum Reichparteitagsgelände Nürnberg darum, zukünftig Standort der „Bibliothek der verbrannten Bücher“ zu sein. Bei der rund 10.000 Werke umfassenden Sammlung handelt es sich zum größten Teil um Erstausgaben jener Bücher deutscher Schriftsteller und Publizisten, deren Schriften 1933 den nationalsozialistischen Bücherverbrennungen zum Opfer fielen. Bekäme Augsburg den Zuschlag für diese Bibliothek des privaten Sammlers Georg P. Salzmann, der die Bücher in jahrzehntelanger Arbeit zusammengetragen hat, hätte dies aus Sicht hiesiger Verantwortlicher viele Vorteile: Die Uni-Bib würde die Werke nicht nur in ihren Bestand aufnehmen, sondern ihnen auch Ausstellungen und Kongresse widmen. So könnte diese wohl einzigartige Zusammenstellung nicht nur einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden, sondern auch Studenten vieler Fakultäten zu Forschungszwecken dienen. Im Hinblick auf den Kaufpreis weiß man bislang nichts Genaues. Derzeit erstellt die bayerische Staatsbibliothek ein Gutachten über den Wert der Sammlung. Die Uni Augsburg ließ bereits im Vorfeld verlauten, sie würde 100.000 Euro aus eigenen Drittmitteln zum Kaufpreis beisteuern. Das wären dann immerhin 10 Euro pro Buch … (fo)

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