Ein großer Schritt für mich, aber ein kleiner Schritt für die Menschheit

Welche Ereignisse Augsburger Studenten am meisten geprägt haben

20. Juli 1969. Der Adler ist gelandet. Du stehst an der Schleuse der Mondlandefähre. Vor dir liegt der Schritt in ein neues Zeitalter. Hinter dir der alte Menschheitstraum, nach den Sternen zu greifen. Der Puls hämmert. Blut rauscht in deinen Ohren, während nahezu die Augen der gesamten Welt auf dich gerichtet sind. Ein kleiner Schritt – und von einem Moment zum anderen bist du unsterblich geworden.

Von Sabrina Gebhardt

Doch es müssen nicht immer die großen Dinge sein, die Spuren im Leben hinterlassen. Welche Erfahrungen prägen die junge Generation von heute? Welche Geschichten stecken hinter den Gesichtern Augsburger Studenten? presstige hat auf dem Campus der Hochschule und der Universität nachgefragt.

 

Fabian Stiegler (23), Maschinenbau (FH), 10. Semester

Vor drei Jahren hatte mein Vater einen Unfall, wobei er einen Herzinfarkt erlitt. Gott sei Dank hat er überlebt. Das traf mich vollkommen unvorbereitet, es hat mich geradezu aus meinem Spaßtrip gerissen: Als Student lebt man, ohne sich groß Gedanken zu machen, und vernachlässigt dabei oft seine Familie. Als Ältester der Familie war es nun an mir, einen Teil seiner Verantwortung zu übernehmen. Auf einmal wurde mir klar, wie viel mein Vater getan hat, was ich als selbstverständlich gesehen hatte. Das hat mich verändert: Ich bin ernster geworden und denke mehr über die möglichen Konsequenzen nach.

 

Soeren Lieblich (21), Informatik (FH), 2. Semester

Über die Marburger Mission durfte ich ein Freiwilliges Soziales Jahr in Japan machen und dort Missionare in ihrer Arbeit unterstützen. In erster Linie habe ich Hausmeistertätigkeiten übernommen, also Dinge wie Streichen oder das Reparieren von Gegenständen. Bei meiner Rückkehr habe ich Deutschland in einem ganz anderen Licht gesehen. Auf einmal fielen mir Dinge auf, die sonst immer selbstverständlich waren. Im Gegensatz zu europäischen Ländern wie Frankreich oder Italien bauen japanische Sitten auf ganz anderen Grundsätzen auf. Japan hat mich insofern verändert, dass ich in eine völlig andere Kultur eingetaucht bin.

Sarah Windmüller (21), BWL, 4. Semester

Mich hat in erster Linie meine Zeit in den USA verändert. Dort habe ich ein völlig anderes Lebensgefühl erlebt: Die Menschen waren an allem interessiert und sind mir mit einer Offenheit begegnet, die für mich völlig neu war. Dieser Blick über den Tellerrand hat mich verändert: Einerseits bin ich von der amerikanischen Lockerheit fasziniert, da ich diese Unvoreingenommenheit gegenüber anderen Menschen noch nie zuvor in Deutschland erlebt habe. Andererseits war auch viel Oberflächlichkeit dabei, so dass ich deutsche Zuverlässigkeit und ehrliches Interesse an der Person zu schätzen gelernt habe.

Kristoffer Wradatsch (22), Hauptschullehramt, 1. Semester

Am nachhaltigsten hat mich meine christliche Gemeinde verändert, in die ich nun schon seit zwei Jahren gehe. Aufgrund meiner Vergangenheit habe ich dort zum ersten Mal das erfahren, was ich sonst nirgendwo gesehen habe: Eine Echtheit und Ehrlichkeit, die mich einfach nur verblüfft hat. Ich denke, dass ich durch den Kontakt zu meiner Gemeinde um einiges umgänglicher geworden bin, vor allem was meine Dickköpfigkeit angeht. Gleichzeitig habe ich Christen an der Uni kennen gelernt, die mir inzwischen sehr, sehr gute Freunde geworden sind. Und ich habe gesehen: Es geht eben doch anders!

 

Anja Mayle (27), Kunstpädadgogik, 10. Semester

Letzten Februar bin ich zusammen mit zwei befreundeten Sportstudentinnen in eine WG gezogen. Dazu muss man sagen, dass ich früher immer gedacht habe, dass ich sehr unsportlich wäre. Für eine Prüfung mussten meine Mitbewohnerinnen jonglieren lernen – und haben mich ermutigt, es selbst auszuprobieren. Aus reinem Interesse habe ich es versucht und unter ihrer Anleitung innerhalb eines Tages das Jonglieren mit drei Bällen gelernt. Inzwischen üben wir abends zu dritt ganze Choreografien ein. Dadurch bin ich selbstbewusster geworden und gehe an neue Dinge unvoreingenommener heran.

 

Andreas Kerler (27), Diplompädagogik, 10. Semester

Im Rahmen einer Werbeaktion hat Ronaldinho dafür geworben, dass man das Kind in sich nicht vergessen darf. Als Kind konnte man sich für das Leben begeistern. Diese Lebensfreude müssen wir uns immer wieder in Erinnerung rufen. Durch die Kampagne habe ich angefangen, darüber nachzudenken und meine Prioritäten neu zu ordnen. Gerade wir Deutschen neigen leider dazu, die Arbeit an erste Stelle zu setzen. Als Kind dagegen denkt man nicht soviel nach, man sorgt sich nicht erst um mögliche Konsequenzen, sondern lebt.

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