Aus die Schuhe, fertig, los!

Die Sonne scheint, draußen lockt sommerliche Hitze. Sonnenbrille, Rock und Top werden zu ständigen Begleitern. Nur ein winterliches Relikt stört die perfekte Anpassung an die heißen Temperaturen: Schuhe. Warum also nicht ganz darauf verzichten? Unsere presstige-Redakteurin Annika hat sich für euch auf eine Woche Selbstversuch eingelassen.


Von Annika Schmidt

Montag: Schwarz, schwarz, schwarz sind beide meine Füße

Um jegliche Versuchung zu vermeiden, habe ich Flip Flops, Ballerinas und sonstige Treter bereits sicher in der WG-Kommode verstaut. Montagmorgen mache ich mich gut gelaunt und bei sonnigem Wetter auf zum Supermarkt, um meinen Wocheneinkauf zu erledigen. Dieser beschert mir aber nicht nur Lebensmittel, sondern auch pechschwarze Füße. Als ich eine Freundin am Kö treffe, ist sie geschockt von meinen verfärbten Fußsohlen. Dadurch inspiriert lege ich mir auf dem Heimweg eine neue Bürste zu – Mit den dreckigen Füßen kann doch niemand ins Bett gehen.

Dienstag: Der Kampf mit dem heißen Pflaster

Als ich mich gegen Mittag auf den Weg zur Uni mache, trifft meine Füße fast der Schlag. Gedankenverloren tapse ich vor meine Haustür. Autsch, ist das heiß! Nur mit schnellen Sprüngen von einem auf den anderen Fuß kann ich die Hitze ertragen. Die Schmerzen schalten meine Vernunft aus und ich riskiere einen Sprint über die vielbefahrene Straße, hin zum den rettenden Schatten. Schuhe sind wohl doch mehr als ein reiner Kälteschutz. Als ich endlich an der Uni ankomme, glühen meine Fußsohlen. Zum Glück kann ich mich abends beim Pilates, einer optimalen Barfuß-Sportart, wieder etwas erholen.

Mittwoch: Kreuz und quer durch Augsburg

Heute organisiert presstige eine Schnitzeljagd, die ich mir trotz meines Barfuß-Daseins nicht entgehen lasse. Bei der Vorbesprechung auf dem Rathausplatz bin ich noch hochmotiviert, auch wenn die Pflastersteine bereits meine Zehen grillen. Der Mensch ist schließlich ein Gewohnheitstier und solch kleine Strapazen stecke ich inzwischen weg. Die drei Stunden Schnitzeljagd durch die Augsburger Innenstadt machen jede Menge Spaß, aber der Gedanke an meine inzwischen recht malträtierten Füße lässt sich immer weniger verdrängen. Ich gerate in Versuchung, das freundliche Angebot einer Freundin, mich ein Stück zu tragen, anzunehmen. Um ihren Rücken zu schonen, lehne ich jedoch ab. Als wir auf der Suche nach einem Hinweis den Augsburger Dom durchstreifen, genieße ich die kühlen, glatten Fließen unter meinen Fußsohlen. Die Schnitzeljagd endet mit einem Freibier, da habe ich die Anstrengung des Tages schon fast wieder überwunden.

Donnerstag: Wer braucht schon Schuhe

Inzwischen habe ich mich an mein Leben ohne Schuhe gewöhnt. Ganz selbstverständlich verlasse ich morgens barfuß das Haus und mache mich auf den Weg zum Referatstreffen an der Uni. Auch das Uni-Klo kann ich inzwischen ohne 15-minütige Überwindungszeit und anschließendes ausgiebiges Schrubben meiner Füße im Waschbecken betreten. Nachmittags gehe ich mit zwei Freundinnen einkaufen. Auf dem Weg zur City-Galerie spricht mich ein freundlicher älterer Herr an und meint, ich müsse aber vor dem Zubettgehen daran denken, mir gründlich die Füße zu waschen – Naja, wo er recht hat, hat er recht! Shoppen geht jedoch ohne Schuhe erst einmal genauso gut wie mit und auch das Cocktailtrinken am Abend bewältige ich stolz schuhlos.

Freitag: Der Tiefpunkt

Direkt nach dem Aufwachen fällt mein Blick auf ein Stück grauen Himmel. 12 Grad und Nieselregen erwarten mich. So ein Mist! Meine Laune verschlechtert sich schlagartig. Missmutig packe ich meinen Koffer und mache mich mit kalten Füßen auf den Weg zum Bahnhof. Auf der Zugfahrt in mein Heimatstädtchen in der Nähe von Stuttgart muss ich auch noch zwei Mal umsteigen. Als ich in Ulm zitternd unter einem undichten Bahnhofsvordach stehe und auf den nächsten Zug warte, ist mein persönlicher Tiefpunkt erreicht. Die Leute um mich herum werfen mir skeptische Blicke zu. Wahrscheinlich fragen sie sich, was ich mit meinen nackten Füßen bei diesem Wetter bezwecken will. Das frage ich mich langsam auch. Nach meiner Ankunft am heimatlichen Bahnhof können mich keine zehn Pferde dazu bewegen, meinen Weg zu Fuß fortzusetzen. Ich heure meine Eltern als Fahrdienst an. Abends wird das Wetter noch ungemütlicher und auf dem Weg ins Kino fühle ich mich wie auf einer Polarexpedition. Dort angekommen zaubere ich ein paar dicke Wollsocken aus meiner Handtasche und versuche damit die Eisklötze, die einmal meine Füße waren, zu besänftigen.

Samstag: Der Boykott

Es hat zwar aufgehört zu regnen, aber ich finde es immer noch zu kühl, um ohne Schuhe herum zu wandern. Ich sage meiner besten Freundin den geplanten Spaziergang ab. Stattdessen verschanze ich mich mit einem uralten Computerspiel in meinem Zimmer. Ich schmolle – Die Kälte kann mir gestohlen bleiben. Abends gehe ich mit meiner Familie essen. Auch das klappt ohne Schuhe, wenngleich mir die Situation etwas unangenehm ist, denn zwischen den gut gekleideten Restaurantbesuchern fühle ich mich fehl am Platz.

Sonntag: Die Versöhnung

Die Sonne scheint wieder und auch das Thermometer zeigt sommerliche Temperaturen an. Leider muss ich heute viel für die Uni tun und kann das schöne Wetter draußen nicht genießen. Ich beschließe trotzdem, dass meine beleidigten Füße mit dem launischen Wetter versöhnt werden müssen. Deswegen lege ich am Nachmittag eine Pause ein und mache einen Spaziergang durch Wald und Wiese. Ich kann die gute Laune vom Beginn der Woche wieder besser nachempfinden und genieße das Barfußlaufen. Außerdem bin ich auch ein kleines bisschen stolz auf mich, dass ich eine ganze Woche durchgehalten habe.

Mein Fazit zur Barfuß-Woche

Eine Woche barfuß bedeutet schmutzige, verkohlte, klebrige und manchmal kalte Fußsohlen, die mehrmals täglich geschrubbt werden wollen. Aber gleichzeitig hatte ich jede Menge Spaß, Fußfreiheit und jeden Tag ein kostenloses, natürliches Fußpeeling. Zwei Dinge habe ich gelernt: Schuhe gibt es aus gutem Grund, aber es geht auch mal ohne. Eine komplett schuhlose Woche werde ich wohl nicht freiwillig noch einmal durchziehen, einen Barfuß-Tag kann ich mir aber durchaus vorstellen.

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