Abenteuer Afrika

Den „Spirit of Africa“ erleben, das wollte auch die Augsburger Studentin Anne Balke. Während eines Auslandspraktikums in Ghana tauchte sie in die afrikanische Kultur ein und erlebte so manch kuriose Geschichte, von aufregenden Taxifahrten bis hin zu Managern im Kindergartenalter.

Von Aline Ehrenreich und Julia Kühnemuth

Etwas Soziales machen, in einem Entwicklungsland helfen – Mit dieser Motivation hat Anne in den vergangenen Sommersemesterferien ihr sechswöchiges Abenteuer gestartet. Doch wie gelangt man an eines der heißbegehrten Auslandspraktika? AIESEC, die größte internationale Studentenorganisation, vermittelt Plätze – auch an Nichtmitglieder. „Das sind sogenannte Development Traineeships, bei denen man in sozialen Projekten arbeitet. Firmenpraktika können dagegen nur AIESEC-Mitglieder machen“, so die Global-Business-Studentin. Motivationsschreiben, Vorbereitungsseminar und Bewerbungsgespräch, das alles war kein Problem. Erst als Ghana ins Spiel kam, zog sich die Planung hin. Dort ticken die Uhren langsamer. Doch im August war es endlich soweit. Die Malaria-Impfung überstanden, den Flug gebucht, zwei Mitstreiterinnen im Gepäck: Ghana, ich komme!

Willkommen im Chaos

Empfangen wurde die 21-Jährige vom Kulturschock. „Ich habe zwar viele Erfahrungsberichte gelesen, konnte aber nicht glauben, dass man das wirklich alles so extrem erlebt.“ Bereits ihre erste Taxifahrt zur Unterkunft ließ sie nicht mehr an den Berichten zweifeln: „Im Straßenverkehr gibt es keinerlei Regeln und ohne Hupen geht gar nichts.“ Der scheinbar lebensmüde Taxifahrer düste zu britischer Boybandmusik durch die schwüle Hitze Akras, der Hauptstadt Ghanas. Und das war erst der Anfang. Denn das versprochene Zimmer in der Gastfamilie wurde noch von Gerümpel bewohnt. Als Alternative organisierten die ghanaischen AISECer für die nächsten sechs Wochen ein Apartment über einem Krankenhaus. Ein Bett für drei, kein fließend Wasser – in Ghana ganz normal.

Arbeitsalltag auf Ghanaisch

Wenige Tage nach der Ankunft begann die Arbeit, betreut von örtlichen AIESEC-Studenten. Annes Aufgabe bestand darin, das ASK-Project (Answers Solutions and Knowledge about HIV/Aids) vorzubereiten. Eines von drei AIESEC-Projekten, die jedes Jahr in afrikanischen Ländern durchgeführt werden. Ziel ist es, Aufklärungsarbeit in Schulen zu leisten. Dafür erstellte die Studentin Powerpoint Präsentationen und kontaktierte einheimische Firmen. Per Telefon organisierte Anne Treffen mit den potenziellen Geldgebern, um diese für das Projekt zu gewinnen. Die Mittel des Projektes sind begrenzt und dadurch wird finanzielle und materielle Unterstützung dringend benötigt. Bis hierhin kann der deutsche Geist folgen, doch um den Arbeitsablauf wirklich zu verstehen, muss man wohl Ghanaer sein. „In Ghana gibt es keine Straßennamen, im Internet keine Informationen zu den Firmen. „Du musst am Telefon rauskriegen, in welche Richtung du musst“, erzählt Anne. Das gebrochene Englisch einiger Ghanaer macht es nicht leichter und schon der Weg zum Unternehmen kann eine Herausforderung sein. In zusammengeflickten Bussen, sogenannten Trotros, tuckerte Anne quer durch die Stadt, Verspätung inklusive. Interessiert habe das aber kaum jemanden, denn im Gegensatz zur deutschen Pünktlichkeit würden die Uhren in Ghana anders ticken, so die Studentin. Endlich angekommen, stellte Anne fest, dass Firma nicht gleich Firma im Europäischen Sinne bedeutet. So entpuppte sich der Marketingmanager am Telefon einer Wasserabfüllfirma als kleiner Junge, der seine Eltern im Familienbetrieb unterstützt: „Das war ein kleiner Raum mit Pumpe, in dem sie zu dritt oder viert Wasser abfüllten und stapelten.“

Ein Land, zwei Gesichter

Trotz hoher Arbeitslosigkeit und Armut ist die Lebensfreude der Ghanaer ansteckend: „Die wissen das Leben besser zu nutzen. Sie setzen sich nicht so unter Druck wie wir.“ Diese Lebensfreude bestätigte sich auch bei Annes Reisen quer durch Ghana, auf denen sie Land und Leute kennenlernte. Die Ghanaer empfingen die Deutsche und ihre zwei Augsburger Freundinnen meist freundlich. Auch von ihrer AIESEC-Betreuerin wurden sie sofort nach Hause eingeladen und zu Ausflügen mitgenommen. So erkundete Anne unter anderem das auf Wasser erbaute Dorf Nsuleso, die Stadt Tamale mit ihren Moscheen sowie die weißen Traumstrände Ada Foahs. Nichtsdestotrotz ist Ghana immer noch ein Entwicklungsland. Jede zweite Frau kann nicht lesen und schreiben, immer noch sterben viele Kinder an Unterernährung und in manchen Teilen Ghanas machen die schlechten hygienischen Verhältnisse den Kampf gegen tropische Krankheiten wie Malaria und Hepatitis fast aussichtslos: „Es war schwer zu sehen, dass es Menschen gibt, die in Slums leben.“ Meist hat sich Anne sicher gefühlt, doch nachts sollte man als weiße Exotin nicht alleine unterwegs sein. Da war es von Vorteil, ghanaische Freunde zu haben.

Leidenschaft Afrika

Diese neuen Freundschaften möchte Anne nicht missen. Längst hat sie das afrikanische Land in ihr Herz geschlossen: „Ghana machen die Menschen aus. Sie waren echter als die Deutschen. Da war keine Hülle, da war nichts Falsches.“ Anne hat während ihrer Praktikumszeit für sich persönlich viel gelernt: „Du warst gezwungen, dich mit dir selbst und mit den Gegebenheiten dort auseinanderzusetzen, weil du viele neue Sichtweisen bekommen hast.“ Ihren Lebenslauf mit einem Auslandspraktikum aufzubessern, war für die Studentin dabei von geringer Bedeutung. Schon bald wird Anne wieder nach Afrika zurückkehren. Diesmal geht es für ein Auslandssemester nach Marokko.|

Infokasten

Internationale Studentenorganisation AIESEC
Informationen zu AIESEC
www.aiesec.org/germany/

AIESEC Augsburg
Informationen zu AIESEC an der Universität Augsburg
www.aiesec.org/germany/augsburg/

Akademisches Auslandsamt (AAA) Augsburg
Informationen zu Auslandspraktika über das AAA
http://www.aaa.uni-augsburg.de/praktikum/

Deutscher Akademischer Austausch Dienst (DAAD)
Informationsseite des DAAD zu Auslandspraktika
http://www.daad.de/ausland/praktika/00656.de.html

Annes Blog
Annes Blog über ihre Zeit in Ghana
http://das-abenteuer-ghana.blogspot.com/

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