„Gerne hätte ich mich bei Ihnen beworben, aber…“ Wie ein Autor den Karrierewahn auf den Kopf stellt

Das geliebte Bewerbungsverfahren: Hunderte Stellenanzeigen werden durchforstet, zahlreiche Bewerbungstipps gelesen und trotzdem kassiert man Absagen. In seinem Buch „Sehr geehrter Herr Hornbach. Um ein Haar hätte ich mich bei Ihnen beworben“ hat der Augsburger Buchautor Jürgen Sprenzinger den Umgang von Firmen mit Bewerbern parodiert (erschienen bei Knaur, 2008). Im Interview mit presstige erzählt er von seiner Idee und philosophiert über den aktuellen Arbeitsmarkt.

Von Laura Amenta

presstige: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Absagen an Personaler zu verteilen?

Sprenzinger: Eine Bekannte von mir hatte fast 200 Bewerbungen rausgeschickt und darauf nur Absagen erhalten. Das konnte ich nicht fassen, also las ich mir ihre Bewerbungen durch und die waren gut formuliert und fehlerfrei geschrieben. Vor allem hat mich aber der arrogante Unterton der Absagen sehr geärgert. Morgens vor dem Rasierspiegel – da kommen mir immer die besten Ideen – hatte ich dann den Geistesblitz: Man müsste das ganze Prozedere mal umdrehen und den Personalern selbst Absagen auf ihre Stellenanzeigen erteilen. Dies habe ich dann auch getan und meine Briefe und die Antworten, die daraufhin zurückkamen, in einem Buch gesammelt.

presstige: Ihr Buch ist sehr humorvoll geschrieben. Ist es Ihnen aber auch wichtig, mit dem Buch gesellschaftskritische Aspekte rüberzubringen?

Sprenzinger: Auf jeden Fall. Mich nervt diese bodenlose Überheblichkeit, die heutzutage auf dem Arbeitsmarkt herrscht. Gute Arbeitskräfte werden nicht mehr geschätzt, es heißt eher: Sei froh, dass du momentan hier arbeiten darfst! Wer da nicht mitzieht oder keine Führungsposition inne hat, der wird von Haus aus schon zum Mittelmaß beurteilt.

presstige: Wie haben Sie Ihre anfängliche Idee in die Realität umgesetzt?

Sprenzinger: Indem ich mich als treu-doofer Bürger ausgegeben habe, der die Stellenanzeigen wortwörtlich nimmt. Ich habe die Firmen praktisch mit ihren eigenen Waffen geschlagen. Mediamarkt hatte beispielsweise eine riesige Stellenanzeige mit dem Spruch „Warum arbeiten Sie eigentlich nicht bei uns?“. Ich habe denen geantwortet, dass es darauf ja nur eine Antwort geben kann, nämlich: „Ich bin doch nicht blöd!“. Außerdem habe ich bewusst genau dieselben Floskeln benutzt, die die Firmen sonst in ihren Absagen verwenden.

presstige: Was war Ihr Eindruck, als Sie die ganzen Stellenanzeigen durchgelesen haben?

Sprenzinger: Ich finde die heutigen Stellenanzeigen furchtbar. Viele Firmen machen große Sprüche, oft stehen in den Anzeigen reißerische Behauptungen wie „Wir gestalten Ihre Zukunft!“. Ganz ehrlich, Sie kriegen bei einer Firma nicht mehr als Geld und müssen da nicht mehr als arbeiten, das wird alles wahnsinnig aufgebauscht.

presstige: Haben Sie auf Ihre Absagen viele Antworten erhalten?

Sprenzinger: Nein, von ein paar wenigen humorvollen Antworten abgesehen hatte ich das Gefühl, die meisten Personalchefs können damit nicht umgehen. Die beste und witzigste Antwort kam von Albert Hornbach persönlich, nachdem ich eine detaillierte Auflistung von Gründen an die Personalabteilung der Firma Hornbach geschickt hatte, warum ich mich nicht bei ihnen bewerben kann. Dieser Mensch hat wirklich Humor! |

 

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