Google – Die Welt ist nicht genug

Wie der Suchmaschinen- Gigant Facebook Konkurrenz machen will

Google, – hinter diesen fünf Buchstaben verbirgt sich eine Firma, die unseren Alltag mehr beeinflusst, als wir denken. Wer im Internet surft und etwas sucht, der wird wohl unweigerlich auf die Suchmaschine Google zurückgreifen – egal ob Adressen, E-Mails oder Stichwörter. Seit neuestem lassen sich so auch Freunde finden: Mit Google plus.

Von Tim Stockschläger

Google plus, das ist der Markenname eines neuen Produkts in der Erfolgsgeschichte des amerikanischen Technologiekonzerns. Es soll die Alternative zu Facebook und Co. werden. Ein soziales Netzwerk ähnlich dem des großen blauen Rivalen. Beiträge mit Kommentarfunktion, Bilder, Links, Videos und Chat. Alles wie gehabt. Einziger Unterschied: Google plus ist besser. So lautet zumindest das Credo der Gründer, und in ein paar Jahren könnte diese Prognose vielleicht sogar eintreffen. Oberflächlich betrachtet ist Google plus ein weiteres soziales Netzwerk wie studivz, Xing oder Facebook. Doch darunter werkeln jene Algorithmen, die Google so nützlich wie berühmt und zugleich gefährlich gemacht haben. An kaum einem Konzern dieser Branche spalten sich die Meinungen so stark. Seit Jahren sind es dieselben Streitthemen: Datenschutz vs. Bequemlichkeit. Fortschritt vs. Übertreibung. Manch einer brüskiert sich, manch einer feiert Google dafür.

Google – eine Erfolgsgeschichte

Ein kleiner Streifzug durch das Imperium des Internetgiganten. Wir alle kennen das Verb „googlen“. Ein äquivalentes Synonym für das Suchen bei yahoo, bing oder ask – alles drei ähnliche Suchmachschienen – gibt es bis heute nicht.  Seit 2004 findet man das Wort „googlen“ sogar im Duden der deutschen Sprache. Vor drei Jahren startete das Unternehmen das mobile Betriebssystem Android, etwa zeitgleich ging auch Street View online. Im Gegensatz zu Ländern wie Frankreich, Spanien und den USA ist der Kartendienst hierzulande zwar noch nicht vollständig funktionsfähig, aber die Frage lautet wohl nur noch wann – nicht mehr ob! Und nun, im Vergleich zu anderen Projekten, startet Google plus weltweit fast unbemerkt. Ohne große mediale Aufmerksamkeit, ohne Empörung. Anfangs war die Registrierung nur ausgewählten Kreisen vorbehalten, etwa Journalisten, inzwischen ist das Netzwerk für jedermann frei zugänglich.

Sicherlich ist die Frage berechtigt, für wen sich ein neues soziales Netzwerk überhaupt lohnt. Brauche ich wieder zwei Netzwerke parallel, so wie lange Zeit mit Facebook und studiVz? Der besten Freundin schreibe ich über das rote Netzwerk dem Freund aus Übersee besser vom Blauen? Fest steht, zwei Netzwerke wären nervig. Ob sich Google plus aber allzu schnell gegen das etablierte Facebook durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Im hart umkämpften Mobilfunkmarkt gelang Googles Produkt Android innerhalb weniger Monate ein rasanter Siegeszug gegen Nokia und Apple. Schafft Google es nun auch in den sozialen Netzwerken den Durchbruch? Fakt ist, viele Produkte von Google konnten sich zumindest in Deutschland bislang nie so durchsetzen, wie einst die Suchmaschine. Das jüngste soziale Netzwerk ist zwar technisch ausgereift, jedoch noch längst nicht so verbreitet wie Facebook. Das Imperium um Marc Zuckerberg verweist auf bald 800 Millionen Mitglieder, die es seit 2004 gesammelt hat. Zum Vergleich: Google plus umfasst geschätzte 40 Millionen Nutzer, wobei einige davon sicherlich nur mal kurz reinschnuppern. Viele Posts, Kommentare oder Bilder schwirren somit (noch) nicht durch das neue Netzwerk.

Wieso man Google plus probieren sollte…

Google ist bekannt für ein vielseitiges Angebot, das seit Jahren weit über einfache Suchanfragen hinausgeht. Viele dieser Angebote werden von uns gerne und täglich wahrgenommen – teils ohne davon zu wissen. Und hier liegt der Grund für Googles wirtschaftlichen wie technologischen Erfolg: Wer in einer E-Mail, natürlich mit Konto bei Google,  eine Adresse erhält, kann sich den Zielpunkt direkt bei Google Maps anzeigen lassen. Wer die E-Mail-Nachricht am Smartphone liest, wird sogar bis vor die Haustür navigiert. Aber es geht noch weiter: Bereits heute zeigt Google Freunden an, wo (ziemlich genau) man sich gerade aufhält. Nachmittags auf dem Sportplatz oder abends in der Bar. Wer Lust hat, kommt vorbei. Aber mal ehrlich? Wer hat schon ein paar hundert Freunde, die er abends gleich gerne sehen möchte. Die Kollegen von der Arbeit sieht man tagsüber schon lang genug. Mit der Sportmannschaft hat man gerade gestern noch gefeiert. Hier liegt die wohl größte Neuerung von Google plus: Jeder Nutzer ordnet Kontakte einzelnen Circles (Freunde, Kommilitonen, Familie) zu und bestimmt bei jedem Post, welche Circles diesen Post sehen können. So dürfen natürlich gern auch der Chef und die Eltern im gleichen Netzwerk stöbern, denn sie sehen nur, was sie sehen sollen – ohne jemals zu erfahren, welchem Circle sie zugeordnet sind. Und ohne jemals zu wissen, was in den anderen Kreisen steht. Ein weiterer, großer Vorteil, besonders für die Zukunft, ist die Vernetzung der Angebote von Google – darunter Navigation, Handy-Software, Blogs und E-Mail. Diese bieten optimale Abstimmung untereinander, wodurch es einfacher ist, einzelne Programme sinnvoll zu verbinden. Ein Vorteil, von dem Facebook, bislang, noch weit entfernt ist, für den Apple aber bereits bewiesen hat, wie nützlich er ist.

… und wieso man bei Facebook bleiben sollte

Seit einigen Jahren hat sich Facebook und damit auch die Idee von sozialen Netzwerken fest in unserer Gesellschaft etabliert. Facebook ist bekannt und verbreitet, das schafft einen gewaltigen Zeitvorsprung. Das Vertrauen in den Datenschutz von Facebook ist zwar ebenso gespalten, jedoch immerhin besser als gegenüber Google. Ob dieses Misstrauen Google gegenüber gerechtfertigter ist als gegenüber der Konkurrenz – fraglich. Eins ist klar: Irgendwann, so wünscht es sich Google, ist mehr oder weniger jeder bei Google plus registriert. Jeder soll ein Profil mit Anschrift, Telefonnummer und Profilfoto besitzen. Praktisch ein modernes Telefonbuch mit Netzwerkcharakter. Dann sucht man bei Google nicht mehr nur Informationen über Unternehmen und Länder, sondern findet auch seine Freunde und Nachbarn.|

Autor des Artikels