Mobilität = Attraktivität? Fünf führende deutsche Unternehmen über Auslandswahn und Master-Plan

Mobilität egal wohin man schaut. Früher verstand man unter einem Mobiltelefon einfach nur ein Telefon ohne Kabel. Heute ersetzt es den Merkzettel, den CD Player, den eigenen Rechner. Alles überall sofort erledigen zu können, scheint oberste Prämisse zu sein. Unsere Gesellschaft hat sich verändert, wie mobil muss da der Student von heute sein? Und wie sehen das unsere zukünftigen Arbeitgeber? presstige hat sich für euch mit fünf repräsentativen Unternehmen darüber unterhalten.

Von Christina Dorn

Viele von uns stehen vor dem entscheidenden Schritt in eine neue Zukunft. Einige bewerben sich für einen Masterstudiengang, wieder andere für einen Arbeitsplatz. Oder vielleicht sogar für beides. Hin- und hergerissen fragt sich der unentschlossene Student, welche Entscheidung jetzt wohl die richtige sei. Bachelor oder Master? Ein Auslandssemester, oder weiterhin der Heimat frönen und in Regelstudienzeit den Abschluss erledigen? Was ist bei den zukünftigen Arbeitgebern gefragt?  Da diese Gedanken drohen, sich im Kreis zu drehen, fragt man doch am besten diejenigen, die in Zukunft entscheiden, ob sie uns einen Arbeitsplatz geben oder nicht. In diesem Fall sind es die Personalchefs und Mitarbeiter der Firmen Sparkasse, Kalaydo, der Caritas, sOliver und Weltbild.

SPARKASSE: Repräsentativ für die Finanzwelt, hilft uns Herr Peter Röder dabei, auf die quälenden Fragen eine Antwort zu finden.

KALAYDO: Herr Christian Hein ist Leiter des Bereichs Online-Marketing bei Kalaydo, einem in Köln ansässigen Unternehmen, das sich binnen kürzester Zeit zu einem der gefragtesten, regionalen Webportale gemausert hat.

CARITAS: Was wäre unsere Welt ohne karitative Verbände und Unternehmen? Da auch diese Branche für viele von uns einen Arbeitsplatz bereithält, beantwortet Herr Uwe Hardt unsere Fragen.

Die Caritas steht stellvertretend für den größten Wohlfahrtsverband in Deutschland mit fast 500.000 hauptamtlichen Mitarbeitern.

S.OLIVER: „Kleider machen Leute“ und deswegen haben wir außerdem Frau Melanie Ulzheimer von s.Oliver, einem der führenden Modeunternehmen in Europa, gebeten uns an Ihren Erfahrungen teilhaben zu lassen.

VERLAGSGRUPPE WELTBILD GmbH: Frau Ruth Anlauf, steht presstige in Vertretung für den Weltbild Verlag, eines der größten Internet-, Buch- und Medien-Handelsunternehmen in Europa, Rede und Antwort.

Wie mobil muss man wirklich sein?

Ortswechsel und Auslandssemester – ist das wirklich unerlässlich für einen optimalen Karrierestart? Selbsterklärend ist in einem international agierenden Unternehmen, wie s.Oliver ein Auslandsaufenthalt während dem Studium von großem Vorteil. Melanie Ulzheimer erklärt: „Da wir zwischenzeitlich in fast 30 Ländern tätig sind und unser internationaler Umsatzanteil bei 25 Prozent liegt, ist uns Auslandserfahrung sicherlich wichtig. Dabei kommt es bei den meisten Positionen aber nicht auf das Aufenthaltsland, sondern auf die Bereitschaft der Absolventen an, diese Erfahrung zu machen und sie bei s.Oliver gegebenenfalls im selben oder in einem anderen Land zu wiederholen.“

Bei diesen Worten müssen alle daheim gebliebenen nun dennoch nicht in Aktionismus verfallen und die letzten freien Erasmus-Stellen abklappern. Obwohl die Caritas und s.Oliver einem Bachelor-Absolventen mit Auslandserfahrung ebenso besondere Aufmerksamkeit schenken würden, ist das Fehlen dieses Erfahrungshintergrunds kein Ausschlusskriterium. Schmeißt eure Vorurteile über Board! Die meisten befragten Unternehmen legen primär Wert auf Berufserfahrung plus einen Studienabschluss. Egal ob Bachelor oder Master. Und zu guter Letzt, O-Ton der Unternehmen ist, dass sowohl der Auslandsaufenthalt als auch diverse Ortswechsel sicher vorteilhaft für die Persönlichkeitsentwicklung sind, in einer Personalentscheidung aber nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Bachelor oder Master?

„Ein hoch motivierter und engagierter „Bachelor“ kann durchaus bessere Chancen haben, als ein in der Praxis durchschnittlicher „Master“.

Diese Auffassung vertritt nicht nur der hier zitierte Peter Röder von der Sparkasse. Auch Christian Hein von Kalaydo pflichtet diesem Standpunkt bei. Er ist sich sicher, dass der Unterschied zwischen Bachelor oder Master in der „Online Berufswelt kaum eine Rolle spielt“.

Dennoch gehen die Meinungen  bei diesem Thema weit auseinander. Ruth Anlauf (Weltbild Verlag) vertritt beispielsweise eine andere Position. Sie würde in einer Bewerbungssituation einen Masterabsolventen bevorzugen, da diese einfach intensiver und länger ausgebildet seien.

Ständig erreichbar?

„Die 24-Stunden-Erreichbarkeit ist  eine Gefährdung der notwendigen Work-Life-Balance“, meint Peter Röder von der Sparkasse. Aber als Student hört man ja so allerhand. Zum Beispiel von vom Arbeitgeber finanzierte Smartphones, die nur unter der Bedingung der ständigen Erreichbarkeit an den Arbeitnehmer ausgegeben werden. Sicherlich gibt es solche schwarzen Schafe unter den Arbeitgebern, oder Arbeitnehmer, die diese Auflage bereitwillig auf sich nehmen. Dennoch – alle von presstige befragten Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen – vom karitativen Unternehmen bis hin zum Finanzgiganten – sind sich einig: Zeitliche Flexibiltät: Ja – örtliche Flexibilität: Manchmal – ständige Erreichbarkeit: Nein. Sie ziehen sogar Gesundheitsaspekte mit in Betracht, wenn es um die Personalführung geht. „Soziale Bindungen, Familie, Heimat trägt zur Stabilisierung und zur psychischen und physischen Gesundheit von Menschen bei“, so Uwe Hardt (Caritas). s.Oliver hat, wie Melanie Ulzheimer erzählt, sogar eine „Vertrauensarbeitszeit eingeführt, um auch den Mitarbeitern eine höchstmögliche Flexibilität zu gewährleisten.“ Das heißt, die Mitarbeiter führen selbstständig ein Stundenkonto und können sich ihre Arbeitszeit, unter Berücksichtigung einer Kernarbeitszeit, frei einteilen.

In einem gewissen Rahmen ist Mobilität also sicher sinnvoll. Es kann nicht schaden, aufmerksam das aktuelle Weltgeschehen zu beobachten und Erfahrungen in fachspezifischen aber auch zwischenmenschlichen Bereichen zu sammeln. Damit wird der Horizont regelmäßig erweitert. Für bestimmte Positionen sind auch im Ausland erworbene Kenntnisse unverzichtbar. Nur für einen Uni-Absolventen sollte es erstmal ein wesentliches Ziel sein, Praxiserfahrung zu sammeln und sich geistig flexibel zu zeigen. Ein Smart Phone bedarf es dazu glücklicherweise nicht.

 

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