Bist du ein Wort-Checker?

Autorin Stephanie Pauli ist der Jugendsprache auf der Spur

Smirten, hartzen, egosurfen – laut diverser Jugendsprachlexika redet so der junge Mensch von heute. Aber entspricht das wirklich der Wahrheit? Gibt es DIE eine Jugendsprache? Die ehemalige Germanistikstudentin Stephanie Pauli hat in ihrem Erstlingswerk Ey Alter, du bist voll der Wort-Checker! den Sprachgebrauch von Jugendlichen unter die Lupe genommen.

Von Lisa Hartmann

2008 wurde mit „Gammelfleischparty“ erstmals in Deutschland das Jugendwort des Jahres gewählt. Darunter versteht man eine Ü30-Party, auf der wohl auch die ein oder andere „Büffelhüfte“ unterwegs ist, also eine Frau mit zu viel Hüftgold. Seit dem verschärften Rauchverbot dürfte zudem das „Smirten“ zugenommen haben: Das Flirten während des Rauchens vor der Tür.

Jugendlicher – Deutsch, Deutsch – Jugendlicher

Für alle, die ohne diese Erklärungen nichts verstanden hätten und für all die verzweifelten Eltern, die ihren Kindern nicht mehr folgen können, grassieren seit den letzten Jahren verstärkt Jugendsprachlexika. Stephanie Paulis 2011 erschienenes Ey Alter, du bist voll der Wort-Checker! ist allerdings kein weiteres Wörterbuch. Stattdessen hat die 25-jährige Autorin ihre Bachelorarbeit mit wissenschaftlichen Hintergründen, was Jugendsprache kennzeichnet und warum sie verwendet wird, sowie einem Augenzwinkern aufbereitet. Neben einem theoretischen Teil findet sich im Wort-Checker eine Fragebogenstudie zur Einstellung gegenüber Jugend-, Fäkal-, Sexual- und Erwachsenensprache unter Jugendlichen an einem Gymnasium und einer Hauptschule sowie deren Lehrern. Den Schluss bildet ein Special Feature über die Studierendenkrankheit Morbus Studiosi, auch Hausarbeitensyndrom genannt, und damit wohl allseits bekannt – Abwaschen macht aber auch wirklich immer dann besonders viel Spaß, wenn man eigentlich an seiner Hausarbeit sitzen sollte.

Zwischen Abgrenzung und Kreativität

Die Gründe für eine eigene Jugendsprache, die keineswegs einheitlich für alle Jugendlichen ist und je nach Geschlecht und Bildungsgrad variieren kann, sind vielfältig. Ein häufig angeführter Punkt ist Abgrenzung. „Durch ihre bestimmte Art zu sprechen möchten sich Teenager deutlich von den Erwachsenen differenzieren. Sie möchten Protest ausdrücken und rebellieren, indem sie sprachliche Regeln brechen“, so Pauli. Auch um ihre Zugehörigkeit zu einer bestimmten Subkultur deutlich zu machen oder wenn in den Augen der Jugendlichen die Standardsprache für eine Sache einen nur unbefriedigenden Ausdruck vorsieht, wird auf Jugendsprache zurückgegriffen. Kreativer Umgang mit Sprache spielt eine wichtige Rolle und Jugendsprache sollte nicht auf „voll krass, Alter“ reduziert werden. Begriffe wie „den Aal catchen“ für Zungenküsse oder „Cellulitezentrum“ für Schwimmbad sind Beispiele dafür.

Möglich, dass sich diese Begriffe irgendwann genauso etablieren wie „chillen“ und „dissen“ – ob man das aber nun „korall“ (= cool) oder doch eher „ungeil“ findet, bleibt jedem selbst überlassen.|

Das komplette Interview findet ihr hier!

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