Studieren damals und heute – ein Generationenvergleich

Prof. Dr. Dr. Wiater im Gespräch über das Leben der Studenten in den 60ern und die Veränderungen seit jeher.

Laptop, Internetrecherche, Lebenslauftuning – Dinge, die für Studenten heutzutage alltäglich sind. Doch wie studierte man in den 60ern? Prof. Dr. Dr. Wiater über das Studentenleben damals und heute.

Von Larissa Emmerling, Dominik Wellenhofer

presstige: Seit Ihrem Studium unterrichten Sie nunmehr fast vier Jahrzehnte an deutschen Hochschulen. Wie sehen Sie Ihre Studienzeit im Vergleich zur heutigen?

Prof. Dr. Dr. Wiater: Als Professor arbeite ich seit 1979 und mein Studium begonnen habe ich 1965. In der Zeit, in der ich studiert habe, liegt ja die sogenannte 68er Generation, die sehr universitätskritisch operiert hat. Wenn man jetzt zurückschaut, muss man sich als älterer Mensch davor hüten, Dinge oder Zeiten zu idealisieren. Wir haben sehr viel Freiheit gehabt in der Planung unseres Studiums und viel mehr Möglichkeiten, Schwerpunkte zu setzen. Das stimmt – aber auch nur zum Teil.
Meine Vorstellung als Student war die, etwas zu studieren, das mich persönlich interessiert und zu einem Beruf führt. Beide Vorstellungen sind heute bei einem eher geringen Teil der Studierenden vorhanden. Die Universität wird von vielen mehr wie eine Art Durchlauferhitzer betrachtet.
Dass das Studium etwas mit dem Beruf und damit auch mit mir selbst zu tun hat, wird von vielen nicht mehr so intensiv gesehen. Das hat auch mit der Vergrößerung der Studierendenzahlen zu tun.

Wo sehen Sie den größten Unterschied von damals zu heute?

Das ist sehr schwierig zu vergleichen. Vielleicht ist er darin zu sehen, dass das Interesse für die Studieninhalte persönlicher bezogen war als heute. Man identifizierte sich früher mehr mit seinem Studiengang. Man kannte sich und daher gab es schon das Gefühl einer Gemeinschaft.
Entscheidend für die Zukunft dürfte es sein, dass sich Studierende mit dem, was sie an Informationen aufnehmen, persönlich konfrontieren. Es ist meiner Meinung nach ein Problem heute, dass man diesen Bezug zu sich selbst nicht mehr gewöhnt ist.

Heute geht es auch darum, möglichst viel in möglichst kurzer Zeit zu realisieren. Sehen Sie das Problem, dass einem einfach die Zeit fehlt, um andere persönliche Kompetenzen zu entwickeln und sich mit seinem Studium zu identifizieren?

Es kann sein, dass die Möglichkeit, sein Leben selbst zu gestalten, größer ist. Wenn ich jetzt schon in der Schulzeit einen freieren Lebensstil gewöhnt bin, dann wäre es natürlich möglich, dass meine Erwartungen an die Zeit danach auch andere sind. Wenn ich dann, jetzt durch die Modularisierung erst recht, mit vielen Forderungen und Verpflichtungen konfrontiert werde, erlebe ich das als Einschränkung und als eine Situation, die ich möglichst schnell hinter mich bringen will. Wobei die Berufssituation – das wäre gleich die nächste Täuschung – noch stärker reglementiert ist.

Hinsichtlich der Probleme der jetzigen Generation und Ihrer Erfahrung der letzten 40 Jahre: Welchen Rat würden Sie den Studierenden mitgeben?

Ich denke, entscheidend ist, sich selber klar zu werden, wie man sich seinen Beruf vorstellt. Das ist der erste Schritt. Dann würde ich mir genaue Informationen einholen, wie so ein Studium aufgebaut ist, und das studieren, wovon ich glaube, dass es mir im Beruf eine gewisse Zufriedenheit gibt. Darin eine Vorstellung zu haben, ist in meinen Augen das Wichtigste. Und dann: Durchhalten.

 

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