Der Haken an den Türklinken

Warum gibt es an der Uni nur wenige Türen, die sich elektronisch öffnen?

Unser Autor schreibt diesmal über Türen, Brandschutz, Schließfächer und Behindertenbeauftragte – und will doch nur eins: Service für rund 17.500 Kunden!

 

 

Von Reiner Schmidt

Der Frühling kam endlich an die Uni. Die Terrasse vor der alten Cafete war gut gefüllt und auch ich genoss im Freien meinen Cappuccino – besser gesagt das, was davon übrig war: Ein Drittel weilte bereits auf der Untertasse und eine braune Spur zeichnete sich auf dem Pflaster ab. Was daran schuld war? Zwei Türen und eine Stofftasche mit Büchern.

Das Dilemma mit dem Brandschutz

Will man nachmittags von der CafeBar auf die Terrasse, muss man in der vorlesungsfreien Zeit durch zwei Türen: Zunächst kommt die Brandschutztür, dann erst die Außentür. Ich weiß nicht, wie oft ich bereits vor der ersten Tür stand und mir einen großen Hammer wünschte. Denn der Aufkleber „Brandschutztür“ verbietet verkeilen, verstellen, festbinden oder ähnliches – von zerschlagen ist aber keine Rede. Allerdings würde ich mich schwer tun, da die Tür 30 Minuten Feuer aufhalten soll und dementsprechend massiv ist. Im Brandfall ist das gut, schließlich will keiner verbrennen. Hat man aber im Unialltag beide Hände voll, muss der Ellenbogen mit dem schweren Ungetüm kämpfen.

Komfort für den Kunden?

Darf der „Kunde der Hochschule“, wie das bayerische Wissenschaftsministerium den Studierenden ab und zu bezeichnet, den Komfort erwarten, dass ihm die Tür elektronisch geöffnet wird? Bei den Brandschutztüren ist das nach Auskunft des Uni-Referats Bau und Technik heikel und schwierig zu realisieren, schließlich dürfen jene im Brandfall nicht mehr öffnen. Bei den Außentüren sei das möglich. Das müssten jedoch die Behindertenbeauftragten beantragen. Ach das liebe Behördenspiel vom Beantragen und Berücksichtigen. Wie konnte ich das vergessen! Bedenkt man zudem die Mehrkosten von rund 10.000 Euro, die eine elektrische Türöffnung laut der Abteilung Bau und Technik verursacht, ist klar, dass nicht jede Außentür automatisch elektrifiziert wird. Schließlich unterliegt auch diese Abteilung eher einem Spardiktat, als dass sie eine Lizenz zum Geldausgeben hätte.

Service wäre möglich!

Gibt es keine Möglichkeit, den Studierenden besser durch die Türen zu helfen? Doch! Man könnte für freie Hände sorgen. Studierende haben zurzeit keine Chance, offiziell etwas länger als einen Tag an der Uni zu lassen. Die Schließfächer sind allesamt „TAGESFÄCHER“ und sogar auf den Tischplätzen in der Bibliothek darf nicht jedes Bibliotheksbuch liegen bleiben. Sicher, es ist kostengünstig und rechtlich einfach, aber Langzeit-Schließfächer wären ein Service für all jene, die keinen Schreibtisch an der Uni haben. Zwei Schreibtischinhabern möchte ich die Büroschlüssel sogar wegnehmen und sie vollbepackt durch die Uni treiben – den Behindertenbeauftragen für Studierende. Vielleicht sehen sie dann, wie schwer es ist, sich in den meisten Uni-Gebäuden zurechtzufinden. Denn barrierefreie Gebäudepläne oder Hinweisschilder sucht man fast immer vergebens. Und wer weiß, vielleicht würde es bald mehr Türen geben, die sich wie von selbst öffnen.

 


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