(Ein-)Blick hinter die Kamera gefällig?

Praktikum beim TV-Format „Frauentausch“

Ein langweiliger Donnerstagabend. Beim Zappen durch das Programm landet der Fernsehzuschauer immer wieder beim populären Reality TV. Doch was passiert eigentlich hinter den Kameras der Produktionsfirmen dieser Formate? Wie läuft ein Arbeitstag dort ab? Und wie viel vom Gesendeten ist inszeniert? Durch ein Praktikum bei „Frauentausch“ wollte Alena Klinz aus Schondorf der Sache auf den Grund gehen.

Von Johanna Zach – Illustration: Sandra Deyerle

„Hätte mir vor einem Jahr jemand erzählt, dass ich mal bei „Frauentausch“ arbeite, hätte ich ihm wahrscheinlich nicht geglaubt!“, muss Alena (19) zugeben. Ihre Entscheidung, nach dem Abi Erfahrungen in der Medienbranche zu sammeln, brachte sie dazu, sich für mehrere Produktionsfirmen zu bewerben. Schließlich konnte sie bei Constantin Entertainment für sechs Monate Einblick als Redaktionsspraktikantin beim Format „Frauentausch“ bekommen.

Mädchen für alles

Schon am ersten Arbeitstag in München merkte Alena, dass sie größtenteils auf sich selbst gestellt ist. Langweilig wurde es dadurch nicht; nicht nur beim Dreh, sondern auch bei der Postproduktion durfte Alena mitarbeiten. Eine ihrer häufigsten Aufgaben war die Materialsichtung. „Ich arbeitete vor drei Bildschirmen und sollte die Aufnahmen Wort für Wort mitschreiben“, erinnert sich Alena . Bei der Musikverwaltung musste sie unter anderem ein passendes Lied zu einer Hasenstall-Szene finden. Auch in anderen Bereichen der Produktion wie Schnitt, Vertonung oder Organisation konnte sie einen guten Einblick bekommen. Das Sortieren von Fotos und das Verfassen der „Frauentausch“-Pressetexte gehörte ebenfalls zu ihren Aufgaben.

On the road…

Einmal im Monat bestand für Alena die Möglichkeit, das Team, bestehend aus Kameramann, Tonassistent und Realisator, zu den „Frauentausch“-Familien zu begleiten. Quer durch Deutschland war sie für zehn Tage unterwegs. Vor Ort war sie dann „Best Girl“, das Mädchen für alles. Die Unterstützung des Teams, die Verantwortung für die Protagonisten, deren Verträge oder das Bereitstellen des Materials: All diese Aufgaben fielen in ihre Zuständigkeit. „Über Überstunden oder den ein oder anderen Tag am Wochenende darf man sich nicht beschweren“, so Alena.
Auch kam es vor, dass sie an andere Sendungen „ausgeliehen“ wurde. Dadurch konnte sie auch bei dem Format „Extrem schön“ vor Ort bei den Dreharbeiten dabei sein. „Wenn in anderen Bereichen Leute gebraucht werden, passiert das schon, ist aber eher die Ausnahme“, erklärt Alena.

Mehr Schein als Sein?

Bei den Dreharbeiten zu „Frauentausch“ konnte sich Alena auch vom Wahrheitsgehalt der Sendung überzeugen. Entgegen vieler Meinungen hat sie es als ein richtiges Dokutainmentformat mit echten Familien erlebt. Deshalb ist „Frauentausch“ nicht geskriptet, es existiert also kein Drehbuch und es ist „nichts gespielt“, so Alena. Nach kurzem Zögern lenkt sie jedoch ein, dass „die Ereignisse in eine bestimmte Richtung gelenkt werden können, aber das passiert auch meistens von selbst“.
Die größte Beeinflussung der Produzenten liegt beim Casting, bei dem die weiblichen Protagonisten nach bestimmten Kriterien ausgewählt werden. Alena wurde auch dort mit der Arbeitsweise vertraut. Interessante Familien und Persönlichkeiten spielen natürlich eine große Rolle für eine gute Story und davon gibt es für das Format zum Glück genügend.

Besonderheiten der Fernsehbranche

Wichtig bei der Arbeit in der Fernsehbranche, betont Alena, sei immer ein großes Durchhaltevermögen. Die Arbeitsstunden pro Woche können je nach Aufgaben stark variieren. Unabhängig davon verdient man eine Praktikantenvergütung, die als Standard in der TV-Branche gilt. Nicht nur Durchhaltevermögen ist eine wichtige Voraussetzung, sondern auch Selbständigkeit und Eigenverantwortung sind hier gefragt. „Man muss schon sehr viel Initiative zeigen“ weiß Alena. Wer Abwechslung in seiner Praktikumsarbeit haben möchte, muss sich zu Wort melden und sich aktiv mit einbringen.

Fazit

„Wer beim Fernsehen arbeitet, tut das mit Leib und Seele“, hat Alena festgestellt und das kann sie auch nachvollziehen, da es „echt lustig ist, weil das Arbeitsumfeld und die Mitarbeiter total toll sind“. Alena sieht ein Redaktionspraktikum bei einer Produktionsfirma vor allem für diejenigen als hilfreich an, die nach Orientierung suchen. Außerdem sei es eine gute Schule für alle, die später in dieser Branche arbeiten möchten. Alena selbst zieht ein Studium oder eine Ausbildung im TV-Bereich auf jeden Fall in Betracht und wäre dafür auch bereit, Stunden und Wochenenden zu investieren. Selbst wenn es bei dem „Frauentausch“-Praktikum manchmal aufgrund der vielen Arbeitsstunden und der hohen Beanspruchung nicht leicht war, ist sie jetzt froh, es absolviert zu haben. Aller Anfang ist schwer!

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