Sei kein Tourist, arbeite als Tourist!

 

Als Dolmetscherin durch Norddeutschland

 

Könnt ihr euch vorstellen, dass man Reisen mit dem Job kombinieren kann? Die Medien und Kommunikations-Studentin Tianli hat es getan! In presstige verrät sie, wie sie Spaß, Geldverdienen und wichtige Berufserfahrungen unter einen Hut gebracht hat.

 

 

Von Ina Veneva

 

„Tschüss“ bedeutet auf Chinesisch „Geh sterben!“ Für Tianli (26), die seit drei Jahren in Deutschland lebt, war es sehr schwierig, den zwanzig Chinesen zu erklären, dass die Deutschen sie nicht umbringen wollen. Als Dolmetscherin begleitete sie eine Gruppe von Metallurgie- und Maschinenbaulehrern, die an einem Fortbildungsprogramm in Deutschland teilnahmen und das deutsche Dualsystem in China einführen möchten. Von einer Freundin hörte sie von dem Job und nach einer kurzen Recherche zu der Organisationen stand fest: „Ich muss diese Stelle bekommen!“ Das Berufsbildungszentrum Hildesheim (BBZ) und die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), suchten zwei Dolmetscher für vierzig Chinesen. Tianli hatte keine Angst, einen Monat lang mit unbekannten Menschen zu wohnen und bewarb sich. „Man muss eine offene Person sein und zeigen, dass man gern neue Leute kennen lernt.“ Sie behauptet, dass diese Eigenschaft ihr sogar die Stelle gesichert hat. Beim Interview waren ihre Fremdsprachenkenntnisse nicht entscheidend, sondern welche Kommunikations- und Organisationsfähigkeiten sie besitzt. „Ich war sicher, dass sie mich einstellen werden. Das Interview sollte 20 Minuten dauern, aber wir haben viel länger über meine vorherigen Erfahrungen als Dolmetscherin und Assistent- Manager gesprochen.“ Tianlis Tipp: Immer offen, ruhig und selbstbewusst auftreten.

 

„Deutschlandreise“

Dem berühmten Gesellschaftsspiel ähnelt die Tätigkeit von Tianli sehr. Sie startete von ihrer deutschen Heimatstadt Augsburg und reiste innerhalb eines Monats durch den gesamten Norden Deutschlands. Die Veranstaltungen der Gruppe fanden in Hannover, Berlin, Hamburg, Braunschweig, Göttingen, Hildesheim und Wolfsburg statt. Das Training der Berufsschullehrer war in zwei Teile aufgebaut: Didaktik und Praxis. Jeden Tag von 8.30 bis 12.00 Uhr musste Tianli eine Vorlesung, unter anderem ein Seminar von „Volkswagen“, mit hunderten Fachbegriffen übersetzen, die sie im Vorfeld mit dem Dozenten besprach und dann auf die Gruppe abstimmen sollte. Nachmittags wurden die Lehrer ausgebildet, wie sie mit einer metallbearbeitenden „C & C“ Maschine arbeiten. Auch Tianli erlernte die Software und gravierte für sich eine Rose in einen Metallstück.

 

Vier Chinesen auf dem Bahnhof

Tianlis Kosten für Wohnung und Reisen wurden von BBZ und GIZ übernommen. Das ist aber nicht alles. Ihr wurde auch Lohn für Wochenenden bezahlt, an denen sie nicht arbeiten musste. Trotzdem wollte Tianli die Möglichkeit nicht auslassen, andere Städte zu besuchen und begleitete die Gruppe an den freien Wochenenden bei ihren Ausflügen. Zusammen mit ihrer Kollegin kochte sie und organisierte ein Bierfest. Die Hildesheimer standen mit offenen Mündern da, als Tianli der chinesischen Gruppe den Stadtmarkt zeigte: „Hildesheim ist viel kleiner als Augsburg. Man sieht dort nicht jeden Tag vierzig Chinesen in der Innenstadt.“ Tianli begleitete sogar sechs Personen bis Dortmund, wo sie ein Fußballspiel anschauen wollten. Wegen der großen Menge an Fans am Hauptbahnhof wurde die Gruppe getrennt und Tianli fuhr mit zwei Personen nach Hildesheim zurück, während die anderen vier in Dortmund blieben, ohne ein Wort Deutsch oder Englisch zu sprechen. „Gott sei Dank sind Handys erfunden worden!“

 

Praktikum für den Beruf

Zum Dank wurde die Arbeit von Tianli durch einen Fragebogen am Ende mit „ausgezeichnet“ bewertet. Mit dem Geld von diesem einen Monat braucht sie ein ganzes Jahr nicht mehr zu arbeiten. Trotzdem sah sie an dem Job vor allem den Vorteil, die Struktur von NGOs und Austauschprogrammen kennen zu lernen und ihre Organisationskenntnisse auszubauen. Außerdem konnte sie ihr Medien und Kommunikation- Wissen bei einer Präsentation zeigen, die eine der chinesischen Lehrerinnen halten sollte. „Wie kann man solche Folien machen?“, fragte diese Tianli, die merkte, dass Chinesen viel seltener Referate halten. Sie bearbeitete alles und half der Lehrerin sogar mit dem Englisch. In diesem Jahr wird Tianli wieder alles so planen, dass sie ihren Traumjob auch mit der nächsten Gruppe ausüben kann.

 

 

Sprecht ihr Fremdsprachen?

 

Ihr könnt selbst auf der Seite von GIZ nach einem Jobangebot für Dolmetscher suchen. Die Organisation arbeitet mit fast allen Ländern der Welt und die Sprachauswahl ist sehr groß. Die Bewerbung verläuft online, gefolgt von einem Vorstellungsgespräch. GIZ bietet auch Praktikumsstellen für Studierende  in vielen Bereichen der Organisation wie Management und Marketing.|

 

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