Von Nomaden und Nerds

Generationentypen heute und aus der Zeit unserer Eltern, Großeltern und Urgroßeltern

Jeder hat schon mal von den 68ern oder der Generation X gehört, aber wer weiß, was sich genau dahinter verbirgt? Wann hatte welche Generation ihren Höhepunkt und wie kam so manche Namensgebung zustande? presstige hat hinter die Kulissen geblickt.

 

 

Von Dominik Wellenhofer

Wandervogel (geboren 1880 – 1900)

In der Zeit um den Ersten Weltkrieg steht die Welt an einem Wendepunkt. Aufgrund der Krise distanzieren sich junge Erwachsene von den Autoritäten. Die ältere Generation ist durch ihr politisches Versagen nicht länger Vorbild, die Jugend entwickelt erstmalig ein eigenes unabhängiges Dasein und entfernt sich von früherem Wohlstandsdenken. In den Wirren der Gesellschaft entsteht eine Subkultur, die einem asketischen, nomadenartigen Lebensstil nachgeht. Dieses Vagabundenleben verleiht den Jugendlichen dieser Zeit den Namen Wandervogel.

Politische Jugend (geboren 1900 – 1925)

Junge Erwachsene integrieren sich nun mehr denn je in die Gesellschaft. Nicht mehr Romantik ist angesagt, sondern Verantwortung zu übernehmen. Nie zuvor gab es mehr Schüler- und Jugendverbände. Die Jugend entwickelt ein vorher nie dagewesenes Pflichtbewusstsein und beteiligt sich bei politischen Organisationen und Massenverbänden.

Ein jähes Ende findet die Politische Jugend durch die Vereinheitlichung aller Verbände unter anderem in der Hitlerjugend und durch die Vorkommnisse des Zweiten Weltkrieges. Höhepunkte sind von nun an nicht mehr Lagerfeueridyllen, sondern Aufmärsche und Paraden.

Skeptische Generation (geboren 1925 – 1940)

Skepsis lautet das Schlagwort der Nachkriegsgeneration. Nichts und Niemandem wird mehr getraut. Der Krieg und die Folgen des wirtschaftlichen und sozialen Ruins führen zu einer Abkehr von Politik und Idealen. Die Jugendlichen sind durch die Folgen des Krieges, darunter häufig der Verlust von Angehörigen und Besitz, dazu veranlasst, Verantwortung zu übernehmen. Dadurch wirken sie älter und erfahrener als bisherige Generationen. Der Übergang zum Erwachsenen erfolgt Nahtlos. An den Schulen und im Elternhaus herrscht strenge Disziplin. Eine wirkliche Jugendkultur existiert nicht. Eher eine angepasste, erwachsene Jugend, die jegliche Freidenker verurteilt.

68er Generation (geboren 1940 – 1950)

Die 68er erlangen Berühmtheit durch ihr politisches und soziales Interesse. Die jungen Menschen sehen sich als einziges Mittel, um die Welt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Der Vätergeneration werfen sie vor, sich nicht um die Aufarbeitung der Vergangenheit zu bemühen, sondern nur selbstgerecht nach Wohlstand zu streben. Protestansätze und Bewegungen gibt es in alle Richtungen. Meist von Studierenden dieser Zeit einberufen, richten sie sich gegen den Vietnamkrieg, Tabuisierungen (Sexualität) und Autoritäten. Des Weiteren kommen Schwulen-, Frauen- und Hippiebewegungen oder auch Bildungsbewegungen auf, die sich für eine antiautoritäre Erziehung stark machen. Die Folge dieser Haltung sind intensive zivile Auseinandersetzungen, von denen die meisten auf das Jahr 1968 fallen.

Baby-Boomer (geboren 1950 – 1965)

In der Soziologie nicht wirklich als eigentliche Generation beschrieben, charakterisieren sich die darauffolgenden Jahrgänge durch weniger radikales Auftreten. Ihr Lebensmotto würde eher lauten „Leben und leben lassen“. Sie treten Autoritäten wieder positiver entgegen und sind optimistischer. Die Jugend als Kollektiv gibt es jedoch nicht mehr. Die Gesellschaft differenziert sich zunehmend. Der Name ergibt sich aus der größten jemals in Deutschland gemessenen Geburtenrate.

Generation X (geboren 1965 – 1980)

Der Name basiert auf einem Episodenroman von Douglas Coupland. Der Autor versucht darin, die Menschen seiner Altersklasse zu beschreiben. Ursprünglich bezog sich Generation X darauf, dass sich diese „Generation“ bis dato jeglichen Namensgebungen der Presse entzog. Es ist die erste Altersgruppe die sich nicht mit Kriegseinwirkungen beschäftigen muss. Sie denkt unternehmerisch und ist eher individualistisch veranlagt. Dementsprechend fühlen sich die jungen Menschen auch nicht als eine „Generation“. In den 80ern und 90ern kristallisieren sich der Punk-, Gothic- und Rocker-Lifestyle heraus. Hooligans, Skinheads und viele weitere Richtungen kommen dazu.

Generation Y/Millenials… (geboren 1980 – 2000)

Sind wir schon so weit, uns als eigene Generation zu bezeichnen? Charakterisierungsversuche gibt es ja schon wie Sand am Meer. An jeder Ecke hört man Generation Praktikum, Generation Next, Generation Net, Generation Prekär, aber so wirklich hat sich noch nichts durchgesetzt, was uns alle verbindet. Am ehesten noch das Internet oder im akademischen Bereich der Druck durch die Umstellung auf das Bachelor- und Mastersystem. Wir gelten als gut ausgebildet, als multikulturell, Technikfreaks, unpolitisch und so weiter… aber noch sind wir ja dabei, uns zu definieren.|

 

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