Punt, Snap, Famble… Touchdown

Zu Besuch beim Footballteam der Königsbrunner ANTS

Am ersten Sonntag im Februar fiebern jedes Jahr tausende Amerikaner bei einem weltbekannten Großereignis mit. Umrahmt von spektakulären Shows gilt dieser Tag als inoffizieller Feiertag. Im Mittelpunkt steht ein Sport, der in Amerika auf Platz eins der beliebtesten Sportarten steht: Die Rede ist vom Super Bowl, dem Finale der amerikanischen Football Profiliga.

Von Johanna Zach

Auch bei uns wird dieses Spektakel sowie die dazugehörige Sportart immer populärer. Ein Beispiel dafür ist der Footballverein Ants in Königsbrunn, deren Seniormannschaft bereits in der Bayernliga spielt.

Ein amerikanischer Sport in Deutschland

Dass Football bei uns nicht so populär ist wie in Amerika, hat laut Christian Bertmann, Trainer der Ants, mehrere Gründe: Einerseits wird dort die Ausstattung und die Organisation für den nicht ganz billigen Sport von Schulen getragen. Bei uns müssen die einzelnen Spieler oft selbst ihre Ausrüstung, die aus Helm, Mundschutz, Oberkörper-, Knie- und Oberschenkelschutz sowie Gummistollenschuhen besteht, zahlen. Andererseits sind das Regelwerk und die Technik des Footballs sehr komplex, sodass er sehr viel Zeit und Mühe kostet. Zuletzt fehlen durch die seltene Medienpräsenz Sponsoren und Bekanntheit. Selbst die deutschen Sportjournalisten kennen sich auf diesem Gebiet noch nicht gut aus und können deshalb nicht effektiv darüber berichten. Diese beiden Gründe führten in der Vergangenheit dazu, dass viele erst im Erwachsenenalter den Sport für sich entdeckten. Obwohl Football in Deutschland bereits seit 30 Jahren gespielt wird, fehlt den Seniormannschaften oft der erfahrene Nachwuchs aus der Jugend. Allerdings begeistern sich immer mehr Jugendliche für diesen amerikanischen Sport, weil sie ihn „cool oder hip“ finden, so Christian.

Vier Trainer, 25 Spieler, 15 Minuten

In Königsbrunn besteht das Coachingteam neben dem Head Coach aus drei weiteren Trainern. Christian ist einerseits Offensive Coordinator und übernimmt das „play calling“, wobei er die Spielzüge während des Spiels ansagt. Andererseits kümmert er sich um die Quarterbacks und trainiert die Linemen. In jedem Team gibt es mindestens einen Trainer für Offense und einen für Defense, da man die Spieler gleichzeitig auf ihre Aufgaben beim Spiel vorbereiten und effektiver trainieren kann. Bei größeren Teams gibt es auch Trainer für einzelne Positionen. Wichtig bei der Vorbereitung auf die Saison, die von April bis Ende Juli geht, ist vor allem Kraft- und Ausdauertraining sowie das Üben von Bewegungsabläufen. Das Playbook, in dem Taktik und Spielzüge der kommenden Saison erklärt werden, wird meist im Januar vorgestellt und eingeübt. Während der Saison wird das Team vor allem auf Stärken und Schwächen der Gegner eingestellt. Nach dem Warm Up werden verschiedene Spielzüge trainiert. Ein Training besteht laut Christian oft aus Videoanalysen. Hierbei werden Fragen wie „Mit welchen Spielzügen des Gegners muss man rechnen? Welcher Spielzug ist in Situation X angemessen?“ diskutiert. Obwohl auf dem Spielfeld wie beim Fußball nur jeweils 11 Spieler stehen, gehören zum Kader eines Footballteams in der Liga der Ants mindestens 25 Leute. Das liegt daran, dass je nach Spielzug immer zwischen Offense- und Defensespielern gewechselt wird. Bei der angreifenden Mannschaft sind immer nur Offensespieler auf dem Platz, die gegen die Defensespieler der gegnerischen Mannschaft spielen. Die Spielzeit beträgt viermal 15 Minuten. Allerdings zieht sich ein Footballspiel durch die zahlreichen Unterbrechungen meist über zweieinhalb bis dreieinhalb Stunden. Ziel ist es, sich innerhalb von vier Spielzügen bis zur Endzone durchzukämpfen und so einen Touch Down zu erreichen, der sechs Punkte bringt. Geht ein Spieler durch ein Tackle zu Boden, endet ein Spielzug und das Team beginnt einen neuen Zug an der Linie bis zu der sie es geschafft haben.

Ein reiner Männersport

Vorteil an diesem Mannschaftssport ist, dass jeder – egal ob dick oder dünn, ob klein oder groß – eine passende Position finden kann. Handball- oder Basketballspielern fällt der Einstieg in den Football meist nicht schwer. Sie sind bereits ähnliche Bewegungsabläufe gewohnt. Ansonsten gilt wie immer: Übung macht den Meister. Für den Defensespieler Benjamin Achter, der seit acht Jahren Football in Königsbrunn spielt, ist das Besondere an der Sportart, dass es „ein reiner Männersport ist, bei dem es immer eins gegen eins geht und der Bessere gewinnt.“ Die Königsbrunner Ants sind eine relativ kleine Mannschaft, da sie nur auf ihren Nachwuchs setzen, somit keine ausländischen Spieler „einkaufen“. Dafür ist das Team nach Benjamins Meinung inzwischen gut zusammengewachsen. Die Stimmung ist super und die Motivation in dieser Saison hoch. Sein Ziel: Der Aufstieg!


Begriffserklärung:

Quarterback: Spielführer, der Anweisungen gibt und den ersten Ball verteilt.

Running Backs: Blocker und Läufer, die den Ball versuchen nach vorne zu tragen.

Wide Receiver: Läufer, die versuchen weit im gegnerischen Feld zu fangen.

Offense/Defense Line: Blocken die Gegner. Sie versuchen Raum zu gewinnen und den gegnerischen Läufer aufzuhalten.

Defense Backs: Alle Spieler, die den Rückraum verteidigen.

Tackle: Das zu Bodenwerfen des Ballbesitzers. Ein Spieler darf nur von vorne getackelt werden und erst sobald er den Ball berührt.

Touch Down: Fangen oder Tragen des Balls in die Endzone der Gegner.


 

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