Oans, zwoa, drei, gsuffa!

Augsburger Biere im Vergleich

Des Bayern Milch heißt Bier – doch was trinkt man hier? Wir haben einmal die Augsburger Bierlandschaft unter die Lupe genommen. Ob sich die Vorreiterrolle der Stadt in Sachen Reinheitsgebot auch in der Qualität niederschlägt und zu welchem Bier in welcher Lebenslage gegriffen werden sollte, erfahrt ihr im presstigehaltigen Biertest.

Von Rebecca Naunheimer, Magdalena Klingler & Johanna Zach – Foto: Johanna Zach

Wir stehen vor dem Bierregal im Edeka: Wo sind denn hier die richtigen Augsburger Biere? Die zwei bekanntesten Brauereien entdecken wir schnell: Riegele’s Commerzienrat und das Thorbräu Augsburger Gold. Auch das Fortuna Hell als günstigere Alternative zu den anderen Biersorten ist uns kein unbekannter Anblick. Durch das Binswanger Festzelt auf dem Plärrer bekannt, stoßen wir schließlich und endlich auf das Hasenbräu-Bier, von dem wir allerdings nur ein naturtrübes Kellerbier finden können. Das letzte Bier unseres Tests wird beim Lechflimmern am Plärrer verkauft: Schwarzbräu Exquisit. Mit fünf verschiedenen Biermarken im Gepäck starten wir unsere Verkostung.

Ein Traum aus Schaum

Beim Eingießen in die Gläser ist besonders die Schaumbildung auffällig. – somit auch unser erstes Testkriterium. Während der Schaum beim Fortuna sehr schnell zurückgeht, ist dieser beim Schwarzbräu auch noch nach mehreren Minuten schön und fest und verschwindet nie vollkommen. Auch der Schaum des Riegele-Biers ist nicht von schlechten Eltern und bildet sich ebenfalls kaum zurück. Bei den restlichen beiden Bieren können wir den Schaum nicht wirklich eindeutig zuordnen. Der Schaum vom Thorbräu- Bier erinnert uns am ehesten an den aus dem Küchenjargon geläufigen „Spüli-Schaum“. Auch beim Kellerbier ist die Schaumkrone alles andere als ein Genuss für das Auge. An dieser Stelle stellt sich uns die Frage: Der Schaum – ein Qualitätsmerkmal für ein Bier?

An der Nase des Commerzienrates… – auch der Geruch spielt eine Rolle

Beim Geruch herrscht Einigkeit, welches Bier trinkanregend wirkt und welches einen eher abstoßenden Effekt auf einen Bierkenner ausübt. Einen richtig typisches Bieraroma hat das Riegele. Eine eher schwache, aber trotzdem bierige Note können wir beim Fortuna erschnuppern. Der abgestandene Geruch des Thorbräus hingegen verwundert uns. Da die Bieranalyse jedoch allgemein recht zeitintensiv war, könnte dies auch darauf zurückzuführen sein, dass das Bier tatsächlich „lack“ geworden ist. Das Hasenbräu kennzeichnet sich durch einen sehr vollmundigen und fruchtigen Geruch aus. Am schlechtesten schneidet in dieser Kategorie das Schwarzbräubier ab, da dessen Geruch eher an ein altes, muffiges Handtuch erinnert, das zulange im Wäschekorb gelegen hat.

Versprechen soll man nicht brechen?!

Um den tatsächlichen Gaumengenuss zu testen, überprüfen wir nun ebenfalls die Versprechen, mit welchen die Hersteller auf den Etiketten zu glänzen versuchen. Die größten Übereinstimmungen entdecken wir bei Hasenbräu, die ihr Kellerbier als leicht hefig und vollmundig, naturtrüb und süffig bezeichneten. Auch der Beschreibung bei Fortuna mit süffig, mild und würzig können wir zustimmen. Riegele dagegen, die das gleiche von ihrem Bier behaupten, empfinden wir eher als bitter und spritzig. Die „allerhöchsten Ansprüche“, die Schwarzbräu an ihre Erzeugnisse stellen, können wir leider nicht erkennen, da es geschmacklich eher an das altbekannte würzige und speichelhaltige „Noargerl“ erinnert. Durch „edelste Zutaten“, wie den Tettnager Aromahopfen, versucht Thorbräu ihr Bier anzupreisen. Tatsächlich fällt uns hier ein sehr aromatischer, würziger und fruchtiger Geschmack auf.

Feierabendhalbe, Brotzeitbier oder Partygetränk?

Da sich die Geschmäcker ja bekanntlich scheiden, wie wir selber feststellen mussten, versuchen wir im Anschluss die Biere verschiedenen Gelegenheiten zuzuordnen. Unser Ergebnis: Riegeles Commerzienrat als „der Allrounder“, um zum Beispiel einfach die Seele baumeln zu lassen. Fortuna eignet sich wegen seines geringen Preises, des milden Geschmacks und der geringen Schaumbildung besonders gut für Flunkyball und andere Trinkspiele. Zur deftigen Brotzeit genießt man am besten ein würziges Thorbräu, während sich für andere kräftige Mahlzeiten das milde Hasenbräu eignet. Da das Schwarzbräu nicht den Geschmack der Tester traf, ist es bei uns das Partybier, zu dem der Genießer nur widerwillig nach dem „Jetzt is‘ es eh scho‘ wurscht“-Prinzip greift. Denn wie jeder weiß sind sechs Halbe auch ein Schnitzel und wer bereits so viel intus hat, dem wird auch dieser Gerstensaft den Abend versüßen oder wenigstens ein anständiges Ende bereiten. Ein genereller Tipp für alle Biergenießer: Ein Helles genießt man lieber aus der Flasche, schmeckt besser und hat eh mehr Stil!

 

Test

Riegele Commerzienrat

„Allrounder“

Fortuna Hell

„Trinkspiel-Bier“

Schwarzbräu Exquisit

„Partybier“

Thorbräu Augsburger Gold

„Brotzeitbier“

Hasen-Bräu Naturtrübes Kellerbier

„Mahlzeitbier“

Preis in €

0,79

0,49

0, 89

0,69

0,89

Alkoholgehalt

5,2 %

4,9 %

5,4 %

4,8 %

5,4 %

Geschmack

bitter, spritzig

mild und bierig

Norgerlgeschmack, bitter und würzig

mild und würzig, fruchtig und aromatisch

hefig, mild und vollmundig

 

Riegele Commerzienrat

Autoren des Artikels

Rebecca Naunheimer

War Chefredakteurin vom Sommer 2014 bis zum Februar 2015 Chefredakteurin. Beschäftigt sich am liebsten mit Themen rund um Leben, Lifestyle und Mode junger Erwachsener.

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