Was macht man eigentlich mit … ETK?

Ein Master, der die eingespielten Fächergrenzen überschreitet

„Ethik der was?“ – Ethik der Textkulturen. Tierethik, Gerechtigkeit oder das Konzept von Glück – der Studiengang setzt sich mit ethischen Fragestellungen auseinander, die den Menschen und die Gesellschaft bewegen. presstige hat für euch geklärt, was man in diesem Studiengang genau studiert und welche Berufsperspektiven sich nach dem Abschluss eröffnen.

Von Sandra Depner

Als im Wintersemester 2005/06 der Studiengang Ethik der Textkulturen in das Elitenetzwerk Bayern aufgenommen wurde, hieß es seitens des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Forschung: „Es geht um eine Ethik des (textförmigen) Verstehens von Wirklichkeit.“ Das Grundverständnis des Studiengangs ist, dass ethische Urteile nur in der Gestalt von Texten zugänglich sind, jede wertorientierte ethische Reflexion sprachlich verfasst ist.

Das Konzept: abwechslungsreich und interdisziplinär

Der Masterstudiengang ist interdisziplinär ausgerichtet. Zu den beteiligten Fachdisziplinen gehören neben der Neueren Deutschen Literaturwissenschaft, der Englischen Sprachwissenschaft und Amerikanistik auch die Evangelische Theologie und Europäische Kulturgeschichte. Die Studierenden können ihren Stundenplan nach den eigenen Interessen innerhalb von sieben Modulen wie Ethik, Normbildung oder Rhetorik zusammenstellen. Der Elitestudiengang wird in einer ähnlichen Fächerkombination auch an der Universität in Erlangen angeboten. Einmal im Semester veranstalten die Koordinatoren einen gemeinsamen Workshop für beide Standorte. „Bild – Ethik – Text. und „Sprache – Ethik – Recht“ – so lauten die Themen der aktuellen Workshops.

Die Berufsperspektiven nach dem Studium sind so vielfältig wie der Studiengang selbst

Derzeit sind 36 Studierende im Master immatrikuliert. Viele absolvieren den Master parallel zu einem Doppelstudium mit dem Lehramt. Andere Studierende haben zuvor ihren Bachelor in Medien-, Kultur- oder Theaterwissenschaften oder einem anderen geisteswissenschaftlichen Studiengang abgelegt.

Bisher kann der Studiengang 57 Absolventen verzeichnen. Die meisten von ihnen haben eine akademische Karriere eingeschlagen. So auch Eva Maria Rösch, die heute  als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Philipps-Universität Marburg arbeitet. Sie schätzt in ihrem Beruf besonders die Abwechslung zwischen der Lehre und der Arbeit an ihrer Dissertation. Eva erinnert sich an eine gute Betreuung und den engen Kontakt zu den Professoren im Master. Auch wenn das Arbeitspensum zu Stoßzeiten hoch und anspruchsvoll war, hat sie ihr Doppelstudium nie als Belastung empfunden: „Das Studium steht und fällt mit der Lust an der intensiven, interdisziplinären Arbeit und der eigenen Leistungsbereitschaft.“ Eva Maria Rösch hat die klassische Karriere der Promotion eingeschlagen. ETK, so sagt sie heute, hat ihr nicht nur Türen geöffnet, die ansonsten verschlossen gewesen wären – der Studiengang hat ihr Profil geschärft und ein Alleinstellungsmerkmal verliehen. Eine Tatsache, die sie besonders auf dem hart umkämpften akademischen Markt in den Geisteswissenschaften von anderen Bewerbern unterscheidet.

Vom Hörsaal in den Theatersaal

Die Absolventen, die keine Promotion für ihren weiteren Werdegang gewählt haben, sind heute im Lehramt, Journalismus, Marketing, Lektorat oder Kulturmanagement tätig.

Oder im Theater. Marlene Hahn hat Ethik der Textkulturen mit einem Magister abgeschlossen und ist heute Dramaturgin am Augsburger Theater. Mit 19 absolvierte sie eine Regie-Hospitanz. Die beiden letzten Semester ihres Doppelstudiums war Marlene als Regieassistentin am Theater bereits in Vollzeit angestellt.

„Was soll ich machen und worin liegen meine Stärken?“ Wie viele Studierende hat sich auch Marlene zu Beginn ihres Studiums diese Fragen gestellt. Für sie war das Studium auch eine Suche nach sich selbst. Im Studiengang hat sie eine individuelle Förderung erfahren. Der enge Kontakt zu den Dozenten und der Zusammenhalt der Studierenden haben ihr geholfen, ihren Weg zu finden: „In ETK wirst du von der Nummer zum Namen.“

Studierenden, die nicht wissen, was sie nach dem Master in Ethik der Textkulturen machen sollen, rät Marlene Hahn: „Macht Praktika, geht ins Theater, reist viel und lernt andere Kulturen kennen.“ Nach dem Studium hat man beruflich die Qual der Wahl. Alles ist möglich. Aber es ist wichtig, bereits vor dem Abschluss Praxiserfahrungen zu sammeln.

Bewerbungsfrist: für das Sommersemester der 15. Februar, für das Wintersemester der 1. August
Bewerbungsunterlagen: Nachweis der allgemeinen Hochschulreife, Nachweis über einen anerkannten Abschluss, selbstformulierte Zielvorstellung mit ausführlicher Begründung, ein tabellarischer Lebenslauf
Zulassungsvoraussetzungen: ein Bachelorabschluss (B.A. bis 1,7) oder eine Zwischenprüfung (bis 1,5) in einem Magister- oder
Staatsexamensstudiengang, gute Englischkenntnisse, 20-minütiges Einstellungsfeststellungsgespräch
Kontaktperson: Michael Sauter, michael.sauter@phil.uni-augsburg.de

weitere Infos: http://www.philhist.uni-augsburg.de/ethik/

 

 

 

 

 

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