Große Koalition: Helden sehen anders aus

Die Große Koalition macht Politik für die Alten: Großzügige Rentenreformen stehen Stillstand bei Bildungsthemen gegenüber. Die Generation der Helden muss ihre Zukunft also wieder einmal selbst in die Hand nehmen.

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Illustration: Marina Schröppel, Text: Christian Endt

Deutschland hat eine neue Regierung. Vergangene Woche wurde das dritte Merkel-Kabinett vereidigt. Was kann man aus Heldensicht von der Großen Koaliton erwarten?

Personell ist die Regierung vor allem älter geworden. Das älteste Regierungsmitglied, Wolfgang Schäuble, ist dabeigeblieben. Four more years für einen Mann, der am Ende der Legislaturperiode 75 Jahre alt sein wird. Die jungen Minister dagegen sind raus: Kristina Schröder, Daniel Bahr, Philipp Rösler – alle haben ihre Karriere vorzeitig beendet. Helden sehen anders aus. Nach dem spektakulären Fall des Jungstars Karl-Theodor zu Guttenberg ist knapp drei Jahre später eine ganze Reihe halbwegs junger Politiker mit weniger Lärm, aber ebenso gründlich von der Bildfläche verschwunden. Waren im Kabinett Merkel II noch immerhin zwei Minister unter vierzig Jahren, so ist die 39-jährige Manuela Schwesig jetzt das einzige Regierungsmitglied, das wenigstens einen Hauch von Jugendlichkeit ausstrahlt.

Kolumne: Generation der Helden

Wir sind schlau, wir sind trinkfest und wir sehen gut aus. Mit dem Elan der Jugend, den Möglichkeiten des Internets und einem Bier vom Kiosk werden wir die Welt retten. Diese Kolumne ist nur der Trailer. Christian Endt schreibt sie meistens dienstags und immer im Wechsel mit „Student sein“ von Rebecca Naunheimer. Beide Kolumnen werden von Marina Schröppel illustriert.
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Ohnehin haben sich vermutlich die wenigsten Angehörigen der Heldengeneration von Kristina Schröder wirklich vertreten gefühlt. Viel schlimmer als die personelle Alterung der Politik ist allerdings die inhaltliche. In Berlin steht zwar ein Ministerium, an dessen Fassade ein Messingschild mit der Aufschrift „Jugend“ hängt – es steht dort allerdings an letzter Stelle einer langen Liste: „Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend“ lautet die volle Amtsbezeichnung. In der Prioritätenliste der Bundesregierung werden die Belange der Jugend weit hinten einsortiert.

Das ist nur konsequent: Deutschland ist eine Rentner-Republik. Eine Regierung, die in diesem Land gewählt werden will, macht logischerweise Politik für Rentner.

So haben sich die Verhandlungsführer der Großen Koalition auf teure Großprojekte für alte Menschen geeinigt: die Mütterrente, die Solidarrente, die Lebensleistungsrente.  Für viele Rentner sollen die Bezüge erhöht werden, und für die Rente mit 67 soll es großzügige Ausnahmen geben, sodass Millionen Deutsche schon mit 63 in den Ruhestand gehen können.

“Verschwörung gegen die Jungen“ war die Überschrift in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zu den Rentenplänen der GroKo. Die FAS ist nicht gerade als Kampfblatt des jugendlichen Sturm und Drang bekannt. Aber was da an Milliarden an alte Leute fließen soll, hat mit Generationengerechtigkeit tatsächlich wenig zu tun.

Nicht beschlossen wurde dagegen eine Reform des BAFöG. Die wäre dringend nötig, beispielsweise um den stark gestiegenen Mieten in Unistädten oder den veränderten Studienbedingungen durch das Bachelor-Master-System gerecht zu werden. Doch die BAFöG-Reform fehlt im Koalitionsvertrag.  Angeblich wurde sie „durch einen redaktionellen Irrtum” vergessen. Das erinnert an einen Schüler aus der Mittelstufe, der behauptet, sein Hund habe die Hausaufgaben gefressen.

Auch sonst enthält der Koalitionsvertrag zum Thema Bildung nur Enttäuschungen. Der Mangel an Masterplätzen, die Geburtsfehler der Bologna-Reform, das Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern in der Hochschulpolitik – all diese Probleme werden nicht angegangen. Auch diese Regierung wird sicher oft über die Bedeutung von Bildung sprechen. Wirklich ernst nimmt sie das Thema allerdings wird.

Wie kriegen wir mit dieser Ausgangslage den Dreh hin zum naiv-optimistischen Grundton, der diese Kolumne eigentlich ausmachen soll? „Die Generation der Helden braucht eure Rente nicht„, stand als Antwort darauf kurzzeitig auf dem Blatt. Aber das ist dann doch ein Stück zu überheblich.

Auch die Generation der Helden wird älter und ist irgendwann auf so etwas wie ein staatliches Rentensystem angewiesen. Aber wenn das System dann noch funktionieren soll, muss es vollkommen anders aussehen als heute. Und diesen grundlegenden Umbau traut der aktuellen Politikerriege ohnehin keiner zu.

Also kann es uns auch relativ egal sein, wie genau Frau Ministerin Langstrumpf in den nächsten Jahren daran herumpfuscht. Früher oder später müssen wir das Ding eh selbst in die Hand nehmen. Und dann wird uns schon etwas einfallen. Ob das dann so etwas wie ein bedingungsloses Grundeinkommen sein wird (das würden auch Studenten und alle anderen bekommen, somit wäre das BAFöG-Problem gleich mit gelöst), oder etwas ganz anderes, werden wir sehen. Aber wir sind Helden, wir kriegen das hin.

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