Das Brechtfestival: ein Interview mit Eva-Maria Fürstenberger

Bertholt Brecht, Dramatiker und Lyriker des frühen 20. Jahrhunderts, wird als der große Sohn Augsburgs bezeichnet. Ihm zu Ehren feiern die Augsburger in seiner Heimatstat jedes Jahr um seinen Geburtstag am 2. Februar das mehrtägige Brechtfestival. Vom 31.1. bis 10.2.2014 heißt es wieder Bühne frei für Lesungen, Konzerte, Theateraufführungen, die jedes Mal ca. 10.000 Besucher zum Fest locken. Das übergreifendes Thema der diesjährigen Veranstaltungen lautet „Brecht und die 20er-Jahre“.

BRECHT Festival

Interview & Illustration: Marina Schröppel

Eva-Maria Fürstenberger, Eventmanagerin des Brechtbüros, plant das Brechtfestival. Sie gibt Auskunft über die wichtigsten Fakten rund ums Festival und hat ein paar Tipps für Studenten parat.

Presstige: Wie ist das Festival entstanden?
Eva-Maria Fürstenberger: Die Idee, dass man Brecht in seiner Heimatstadt irgendwie feiern muss, ist natürlich immer schon da gewesen. In den Neunzigern gab es bereits eine Veranstaltungsreihe, die hieß damals aber noch „Brechttage“. Daraus entstand dann das Brechtfestival. Seit 2009 gibt es das Festival nun so, wie wir es heute feiern.

Was für Veranstaltungen gibt es?
Ganz unterschiedlich. Wir haben drei Sparten, die wir bedienen: Theater, Musik, Literatur im weitesten Sinne. Zur Literatur zählt dann auch so etwas wie der Poetry Slam. Zum Theater kann auch nur Performancetheater sein. Musik ist alles vom klassischen Konzert bis zum Popkonzert. So versuchen wir eigentlich, alle Sparten und Generationen zu bedienen und natürlich für jeden etwas im Programm zu haben.

Wie wählt man die Künstler aus? Gibt es irgendwelche Vorgaben?
Es gibt nicht wirklich Vorgaben nur ein Thema. Der künstlerische Leiter überlegt sich jedes Jahr ein Thema für das Festival und passend dazu wählt man dann die Künstler aus. Dieses Jahr haben wir das Thema „20er-Jahre“ und dann versuchen wir eben Künstler auszuwählen, die sich im weitesten Sinne mit dem Thema identifizieren oder beschäftigen. Also sei es zum Beispiel eine Charlston-Sängerin oder Tanzgruppe, die die Zwanziger zum Thema haben oder ein Stück aus den 20ern performen.

Dann haben also die Veranstaltungen gar nicht immer unbedingt etwas mit Brecht oder Brechts Leben zu tun?
Doch schon, aber manchmal auch nur abstrakt. Es gibt schon auch klassische Brechtveranstaltungen, aber man kann natürlich nicht zehn Tage lang jeden Tag wieder den Mackie-Messer-Song hören. Wir wollen natürlich auch Abwechslung bieten und manchmal nur im Geiste Brechts agieren. Man erfährt auch etwas über Brechts Leben bei den Stadtführungen „Auf den Spuren Brechts durch Augsburg“. Hier geht zum Beispiel ein Schauspieler mit den Besuchern durch die Stadt und erzählt aus Brechts Leben. Bei diversen anderen Veranstaltungen wird natürlich immer wieder auf Brecht als Person eingegangen. Wir versuchen schon, die Besucher zu informieren.

Podcast: Marina Schröppel & Marina Drakova für Student.Stories

Wer ist an der Planung des Brechtfestivals beteiligt?
Ganz oben der künstlerische Leiter Dr. Joachim Lang. Er trifft die künstlerischen Entscheidungen und bestimmt, in welche Richtung es nächstes Jahr gehen soll. Dann gibt es uns hier: das Brechfestivalbüro. Wir sind drei Leute, die für die Durchführung zuständig sind. Außerdem gibt es in der ganzen Stadt noch viele weitere Kooperationspartner. An erster Stelle das Theater Augsburg, bei denen wir wahnsinnig viele Veranstaltungen austragen und auch noch kleinere Theater, wie zum Beispiel das Ensemble-Theater. Ja, das ist dann wie beim Fußball: Nach dem Festival ist vor dem Festival! Also wir planen das ganze Jahr über. Wir haben auch überregionale große bekannte Künstler dabei und bei denen ist meist ein Jahr im Voraus schon zu wenig. Manchmal fragen wir auch schon zwei bis drei Jahre im Voraus an.

Welche Werke von Brecht wurden beispielsweise schon aufgeführt?
Wir vom Brechtfestival versuchen immer Stücke aufzuführen, die sonst selten zu sehen sind. Es gibt nämlich einfach ein paar populäre Stücke die immer gespielt werden, zum Beispiel „Die Drei Groschen Oper“, „Das Leben des Galilei“ etc. Wir versuchen auch die Stücke zu spielen, die man sonst nicht so sieht. Wir haben zum Beispiel schon „Die Maßnahme“ aufgeführt. ist ein Stück, das durfte 60 Jahre lang überhaupt nicht gezeigt werden. Und seit es wieder gezeigt werden darf, wurde es auch höchstens zehn Mal gespielt – unter anderem bei uns. Und dann hatten wir ein Stück, das heißt „Der Augsburger Kreidekreis“, das ist vorher noch nie aufgeführt worden und wir hatten auch eine Uraufführung von Brechts aller erstem Stück, das ist auch noch nie vorher gezeigt worden. Das heißt „Die Bibel“. Brecht schrieb dieses Stück als 15-Jähriger; im letzten Jahr wurde es dann beim Brechtfestival aufgeführt.

Wo kann man sich über das Brechtfestival und sein Programm informieren?
Ab Mitte Dezember gibt es immer ein Programmheft, das ausliegt. Aber natürlich kann man sich auch noch einmal auf der Homepage informieren. Der Vorverkauf beginnt mit der Veröffentlichung vom Programmheft, das heißt ab Mitte Dezember. Die Karten gibt es in erster Linie beim Theater Augsburg, aber auch bei allen Vorverkaufsstellen, die an das Theater Augsburg angeschlossen sind, wie zum Beispiel der  AZ Kartenservice am Rathaus sowie in den verschiedenen Stadtteilen. Online kann man auch Tickets kaufen.

Gibt es einen Studentenrabatt?
Für die meisten Veranstaltungen haben wir einen festen ermäßigten Preis, der gilt auch für Studenten.

Haben Sie ein Highlight für das Brechtfestival in diesem Jahr, das Sie Studenten empfehlen würden?
Wir haben diesmal Petty Smith da – eine Rocklyrikerin und Musikerin aus New York. Sie ist eine weltbekannte Künstlerin und das ist für und jetzt schon einmal der Ritterschlag in unsere kleine Stadt, so eine bekannte Künstlerin zu bringen.