Wie aus einer unüberwindlichen Grenze ein Streifen des Lebens wurde

Das Grüne Band: Ein Erholungsstreifen der Natur

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Text: Anna Neumann – Fotos: Klaus Leidorf – Illustration: Alexandra Kiefer

Es ist nicht lange her, da war Europa durch den Eisernen Vorhang geteilt. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands entschied man sich, diesen tödlichen Grenzstreifen in etwas Positives zu verwandeln: das sogenannte Grüne Band.

Das Grüne Band ist Europas Biotopverbund und erstreckt sich mit einer Länge von 12.500 Kilometer vom Eismeer bis zum Schwarzen Meer durch 24 Staaten Europas. Dieser naturbelassene Streifen entstand entlang des Eisernen Vorhangs, der fast 40 Jahre lang Europa teilte. In Deutschland verläuft das Grüne Band an der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Durch die Teilung Deutschlands blieb die Natur an diesen Stellen fast unberührt und heute zeichnet sich das Grüne Band nicht nur als Schutzraum von seltenen Pflanzen und Tiere aus, sondern es dient zusätzlich als Mahnmal dafür, dass Menschen an dieser Grenze ihr Leben ließen.

Ins Leben gerufen wurde das zwischen 50 und 200 Meter breite Grüne Band am 9. Dezember 1989 in Hof, wo sich Natur- und Umweltschützer aus ganz Deutschland trafen und die Schutzidee „Grünes Band“ entwickelten. Hauptsächlich finanziert  sich dieses Projekt heute mit Unterstützung des Umweltverbandes der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Spenden sammelt und versucht, immer mehr Grundstücke entlang der ehemaligen Grenze anzukaufen. Außerdem wurden verschiedene Stiftungen gegründet, die zum Erhalt des Grünen Bandes beitragen. Einige Einnahmen erwirtschaftet das Grüne Band selbst, zum Beispiel durch Verpachtung an Landwirte, die sich für dieses Projekt engagieren oder durch Holzerlöse.

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Schutzraum für Flora und Fauna

Nach der Wende fielen viele Grundstücke des Grünen Bandes wieder an ihre ursprünglichen Besitzer zurück, was sich zu einer Bedrohung für das neue Projekt entwickelte. Landwirtschaft und Infrastruktur fügten ihm damals Schaden zu, sodass sich der BUND dazu entschloss, die Liegenschaften zurückzugewinnen. Bis heute kaufen verschiedene Stiftungen Grundstücke des Grünen Bandes, doch die Vorstandsvorsitzende der Stiftung Naturschutz Thüringen Beate Schrader betont: „Unser Anliegen als Stiftung ist es nicht, die Landwirte zu verdrängen, sondern sie als Partner zu gewinnen, die das Land so bewirtschaften, dass dieser besondere Wert erhalten bleibt.“ Auch die Regierung ist darauf bedacht, diesen einzigartigen Biotopverbund zu erhalten und zu schützen, weshalb das Grüne Band bei neuen Infrastrukturprojekten so wenig wie möglich belastet werden soll.

Heute bietet das Grüne Band gefährdeten Tieren und Pflanzen Schutz, wie beispielsweise Braun- und Blaukehlchen, Wanstschrecken und seltenen Orchideenarten. „Das Besondere am Grünen Band ist, dass es extensives Offenland ist. Und gerade dieses extensive Offenland ist als Lebensraum besonders wertvoll“, so Schrader. Gerade da Landschaften dieser Art sehr selten geworden sind, ist sein Erhalt von großer Bedeutung. Ein weiterer Vorteil des grünen Bandes, ist die Förderung der Wirtschaft über den Tourismus. So entstehen immer mehr Wanderwege, die an den verschiedensten Sehenswürdigkeiten vorbei führen und zunehmend populärer werden. Auch durch Projekte und angebotene Exkursionen, wie zum Beispiel „Ausgehorcht- Vogelstimmenexkursion“ versucht man, die Menschen näher zur Natur zu bringen.

Natürlich steckt viel Arbeit hinter diesem Projekt. Deshalb werden immer wieder Arbeitseinsätze mit Freiwilligen organisiert, die versuchen, das Grüne Band auch an weniger bewirtschafteten Stellen zu erhalten. Bei solchen Zusammentreffen lernt man nicht nur viel über die Natur, sondern auch über die Geschichte des Biotopverbandes.

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Internationale Aufmerksamkeit

Durch solche Einsätze und Spenden wird versucht, das einzigartige Großprojekt Grünes Band noch viele Jahre zu erhalten und erfolgreich fortzuführen. Es ist so erfolgreich, dass es auch international als Vorbild große Beachtung findet. „Inzwischen kommen sogar Delegationen aus Korea, die sich überlegen, die Grenze zwischen Nord- und Südkorea genauso zu entwickeln – sollte eine Wiedervereinigung gelingen“, erzählt Frau Schrader. Es wäre schön, wenn von Europa das Signal ausgeht, dass Grenzen keine abschreckende, sondern auch eine verbindende Funktion haben können. Diese Idee sollte uns jede Anstrengung wert sein.