Campus Kat – der Podcast

Wir kennen sie alle: unsere geliebte „Campus Cat“. Heute geht es aber um eine ganz andere Kat. Kat ist kein Tier, sondern ein Mensch und sie studiert an der Uni Augsburg. Neben ihrem Studium betreibt sie noch den LGBTQ+-Podcast Campus Kat. Mit uns redet sie über ihr neues Lieblingsprojekt, was sie sonst noch so in ihrer Freizeit macht und warum man als Lesbe im 21. Jahrhundert immer noch auffällt.

Was muss man über dich wissen?
Also ich bin Kat, ich heiße eigentlich Katharina – ein wunderschöner alter Name und ich komme eigentlich aus Münster und habe beschlossen, hier fürs Studium (Medien und Kommunikation) herzukommen. Neben dem Podcast mache ich ziemlich viel nebenbei, weil mir ziemlich schnell langweilig wird. Ich bin im Queer-Referat aktiv, in der Fachschaft, ich bin bei Rock-Your-Life! dabei und studiere tatsächlich nebenbei *lacht* und ab und zu mache ich auch noch Sport, lasse das aber gerade sehr schleifen, ja… man kennts 🙂

Und wie bist du auf die Podcast-Idee gekommen? Hattest du die Idee schon vor dem Studium? Ich fand Podcasts schon immer, schon vor dem Studium super cool. Ich habe mir True-Crime-Podcasts angehört, LGBTQ-Podcasts. Papperlapp und Busenfreundinnen finde ich ziemlich cool. Dann haben wir während der Erstie-Hütte eine Aufnahme für Kanal C gestartet und dann hat mich ein Kumpel gefragt: „Du hast ne tolle Stimme. Warum machst du nicht nen eigenen Podcast?“. Und dann ging es los.

„Ist das überhaupt nötig?“


Wie gehst du mit Leuten um, die dir gegenüber negatives Feedback äußern?
Ich habe jetzt von ein, zwei Leuten gehört: „Ist das überhaupt nötig? Die LGBTQ-Szene ist ja schon repräsentiert und man muss es auch nicht übertreiben mit der Aufmerksamkeit“. Auch meine Familie hat mich gefragt, wie viel Privates ich in das Internet stellen möchte. Ich habe da natürlich auch schon drüber nachgedacht, es kamen jetzt auch schon sehr intime Anfragen, wie z. B. „Wie war dein erstes Mal mit ner Frau?“. Das überschreitet für mich zur Zeit einfach eine Grenze, was ich öffentlich zeigen und sagen möchte. Aber ich verstehe das auch, was einmal im Netz ist, das bleibt auch da.

Ich habe mit meiner Familie auch darüber geredet. Meiner Familie ist Privatsphäre sehr wichtig. Mein Bruder, der hat glaube ich ein Bild auf seinem Instragram Account, der gibt quasi nichts preis. Ich kann das schon verstehen. Ich passe in der Beziehung aber schon auf. Alles, was ich in dem Podcast sage, würde ich auch jemandem erzählen, der mich fragt, wie ist jetzt das und das?

Wie erlebst du die Situation für die queere Community in Augsburg und an der Uni?
Tatsächlich überraschend gut und offen. Also ich hatte ein bisschen Panik, als ich nach Bayern gegangen bin, weil ich auch über die Szene in München schlechte Sachen gehört habe. Es soll echt wenig repräsentiert sein und anscheinend kann man das außerhalb der Szene auch nicht so zeigen. Aber in Augsburg habe ich nie komische Blicke bekommen. Dumme Sprüche bekommt man aber immer zu hören. Ist aber völlig im Rahmen.

An der Uni und an meiner Fakultät selbst ist jeder völlig offen, da sind auch alle super fluent in ihrer Sexualität und es gibt auch viele, die sagen, sie wollen sich gar nicht labeln. Ich habe aber auch von anderen Fakultäten gehört, dass Vorurteile hauptsächlich homosexuelle Männer treffen. Da heißt es dann: „Hei, ich bin cool damit, dass du schwul bist, aber zeige es bitte nicht so offen und sei keine Tunte“. Das haben mir auch die Jungs aus dem Queer-Referat erzählt, das sowas relativ oft kam.

Stichwort Labeln: Ist es heutzutage überhaupt noch nötig sich zu outen? Das wurde ich schon super oft gefragt. Ich fände es schön, wenn das irgendwann nicht mehr nötig wäre. Wenn man einfach jemanden mit nach Hause nehmen kann und die Eltern fragen: „Ja seid ihr jetzt zusammen oder was ist das jetzt?“. Ich habe auch schon von Freunden gehört, dass das gar nicht mehr nötig war bei ihnen. Da war das super entspannt.

Bei mir war das halt so, dass ich davor auch feste Freunde hatte und dann diese Erwartung einfach da war, das ist ja auch nicht schlimm. Dann hatte ich einfach das Gefühl, dass ich das einmal für mich klarstellen muss. Für mich war das einfach der richtige Weg, aber das muss natürlich nicht jeder tun.


Zurück zum Thema davor: Wie aktiv ist die Queere Community in Augsburg, wie präsent ist sie?
Ich finde es super cool, dass es das Queer-Referat gibt. Außerhalb der Uni gibt es ja auch die Lovepop. Da war ich leider erst einmal. Die Musik war jetzt nicht so meins. Aber es gibt auf jeden Fall Möglichkeiten. Es könnte natürlich auch mehr sein. Wenn ich das mit Stockholm vergleiche: Da gab es Bars, die ganz groß als „Lesben-Bars“ angepriesen wurden. Und ich glaube das gibt es nur sehr vereinzelt in Augsburg.

Wird dieses Angebot auch von der Community genutzt?
Darüber habe ich auch mit den Jungs von Queer-Augsburg im Interview geredet und tatsächlich wird das relativ wenig genutzt, was mich wundert. Ich denke es liegt einfach daran: Ich habe selbst nur wenige queere Leute in meinem Freundeskreis, und wenn ich nur mit denen in die Bar gehen würde, weil die anderen nicht mitkommen würden, ist es auch deshalb nicht so hoch frequentiert. Ich fühle mich auch in jeder anderen Bar wohl. Und ich muss jetzt nicht mit einer Regenbogenflagge in jede Bar rennen. Ich glaube jetzt nicht, dass man da unbedingt diesen Space braucht.


Du engagierst dich beim Queer Referat an der Uni, was machst du da?
Queer-Augsburg ist eine Organisation an der Uni, die einen Platz bietet für alle, die nicht heteronormativ lieben und leben, aber auch für alle anderen. Bei uns kann jeder ins Referat kommen. Ich bin da so rein gerutscht und hab mich super gut verstanden mit allen. Ich mache das Instagram für die, bin aber sehr faul was das Posten angeht. Ich gehe auch zu den Planungstreffen, um halt zu wissen, was so die nächsten Aktionen sind.

„Man fällt so oder so auf“

Aus deinem Podcast: „Man fällt so oder so auf“, wenn du beispielsweise mit einem Mädchen Händchen hälst. Wie fallen die Reaktionen, bei denen, denen es „auffällt“, aus?
Es ist so: Das ist ja nicht böse gemeint von den Leuten und ich bin auch so, wenn ich ein queeres Paar in der Öffentlichkeit sehe, dann gucke ich da auch eher hin, weil ein heterosexuelles Paar sehe ich jeden Tag.

Ich habe mit meiner damaligen Freundin in Münster die Erfahrung gemacht, dass sich viele Leute umgedreht haben. Auch beim Essen haben die ganzen anderen Pärchen uns angeguckt, ich habe mich dann sehr beobachtet gefühlt. Es ist ja nicht schlimm, wenn die mal schauen. Man möchte aber auch einfach mal nicht angeschaut werden in der Öffentlichkeit. Das finde ich einfach schade, aber vielleicht ändert sich das irgendwann.


Erlebst du die LGBTQ+ Community als Randgruppe?
Ich erlebe sie auf jeden Fall als eine Gruppierung, aber nicht unbedingt als Randgruppe, weil wir überall vertreten und normal sind. Wir sind natürlich nochmal eine explizite Gruppe, die sich zusammenfindet, weil wir auch gerne mal unter uns sind. Es tut auch mal gut zu wissen, dass alle an diesem Abend dich verstehen, weil sie das gleiche durchmachen. Aber eine Randgruppe sind wir in gewisser Form manchmal schon. Wir betiteln uns ja auch als die „Community“.

Auf dem Dorf finde ich, dass man schon am Rande steht, aber eher alleine. Zuhause habe ich nur wenige Freunde, die auch der LGBTQ-Community angehören. Da gab es so eine Community überhaupt nicht, weil einfach nicht genug Leute da waren. Als ich meine Freundin dann vorgestellt habe, hat auch jeder gesagt, was für ein süßes Pärchen wir sind und dass wir so toll zusammen aussehen. Einfach überschwänglich. Und dann kommen meistens die ganzen intimen Fragen.


Mal eine ganz andere Frage: Gay-Radar, gibt es das?
Also wenn es das gibt ,bin ich einfach absolut schlecht darin, weil ich das nie sehe. Ich glaube schon, dass man das manchmal spürt, auch im Gespräch. Wobei ich wirklich sagen muss, dass ich, bevor ich ins Ausland gegangen bin Vorteile hatte: So und so muss eine Lesbe aussehen und so und so muss ein Schwuler aussehen. Ich bin ja auch selbst jemand der sich sehr buchy, also nicht so feminin kleidet, und auch in seiner Sexualität „alternativ“ ist. In Stockholm habe ich auch Lesben in Bars getroffen und am nächsten Tag in der Bank gesehen. Die hatten dann auch ihr Kostüm (Anmerk. d. Red. Zweiteiliges Kleidungsstück für Frauen) an. Also ich habe definitiv kein Gaydar, falls es das gibt.


Kommen wir wieder zu deinem Podcast: Aus welchen Bereichen kommen denn deine Gäste? Worüber möchtest du mit ihnen reden?
Ich habe mir das schon oft überlegt, weil ich meinen Podcast so definiert habe, dass es hauptsächlich um die LGBTQ-Szene geht. Speziell in Bayern und Augsburg. Mit meinem letzten Interview-Gast Martin Stettnisch von den Grünen hätte ich auch gerne ein politisches Interview geführt. Es gibt sehr viele Sachen, die mich interessieren und ich weiß nicht, ob ich meinen Podcast so „fest stecke“. Ich finde es einfach interessant, queere Perspektiven aus verschiedenen Bereichen darzustellen. Martin kommt beispielsweise aus der Politik, die Jungs vom Queer-Referat sind Studenten und beim WDR habe ich Kollegen aus dem Journalismus, wie die ehemalige Studioleiterin Georgina, die sich als Transgender geoutet hat. Sie hat eine super interessante Lebensgeschichte und wenn ich da ein Interview bekommen würde, wäre das ein absoluter Traum. Solchen Leuten möchte ich einfach eine Bühne geben, damit man merkt, dass es die LGBTQ-Community in jedem Teil der Gesellschaft gibt.

Zum Abschluss noch ein paar private Fragen:

Was für eine Rolle spielt deine Sexualität in deinem Alltag?
Die Sexualität ist bei mir ein Teil meiner Identität. Das kann aber auch daran liegen, dass es daran liegt, dass das Outing bei mir noch nicht so lange her ist.

Wann hast du dich geoutet? Weihnachten 2018, also vor gut einem Jahr. Daher spielt es für mich eben noch eine große Rolle. Weil ich auch noch nie auf einem Christopher Street Day war. Dieses Jahr gehe ich aber auf jeden Fall hin (Juni 2020 in Augsburg). Daher ist meine Sexualität wichtig für mich, weil ich auch früher, als ich mit Freunden abgehangen habe, meine Homosexualität nicht gezeigt habe. Da habe ich mir dann immer gedacht, ich weiß gar nicht, wie das ist, wenn ihr über eure heterosexuellen Beziehungen redet. Aber jetzt in der Uni reden wir darüber, wie es bei den anderen und wie es bei mir ist. Auf der einen Seite spielt es keine Rolle, weil wir alle gleich sind, auf der anderen Seite ist es aber schön, wenn ich jemanden vom Queer-Referat treffe und wir miteinander reden können.

Was ist mit queeren Vorbildern? Was haben sie für eine Rolle inne? Ich finde durch die sozialen Medien ist man seinen Vorbildern viel näher. Ich hatte früher nicht das Gefühl, dass ich jemanden als Vorbild hatte. Durch Social Media hat man das Gefühl, dass man die Person ein Stück kennt und dass es total normal ist, queer zu sein. Es ist gut, dass die typischen Gendervorstellungen aufgebrochen werden. Hätte ich damals gewusst, dass es sowas wie Podcast gibt, hätte ich mir jede Folge angehört und hätte mich vielleicht früher für ein Outing entschieden, weil ich einfach diesen Rückhalt gehabt hätte.

Was sagst du Leuten, die sich noch nicht geoutet haben, weil sie noch nicht bereit dafür sind oder sich nicht trauen? Es würde mich total freuen, wenn der Artikel einige Leute zum Nachdenken anregt. Ich sage es euch ganz ehrlich, manchmal bereue ich es, dass ich mich noch nicht früher geoutet habe. Auf der anderen Seite weiß ich, dass es für mich genau der richtige Zeitpunkt war. Dass ich einfach wusste, ich bin jetzt bereit das offen auszusprechen und stehe zu 100 Prozent dahinter.

Auch wenn Druck von der Community oder von außen kommt: Nehmt euch eure Zeit und wählt euren perfekten Zeitpunkt aus. Das ist euer Leben und ihr müsst wissen, wie offen und wann ihr das so leben wollt, wie ihr das möchtet.

Vielen Dank für das interessante Interview!