Die Prüfungsphase – Zwischen Verzweiflung und Prokrastination

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14 Uhr, eine WG im Bismarckviertel, meine Mitbewohner und ich chillen im Wohnzimmer. Der eine Mitbewohner sollte eigentlich für seine erste Klausur nächste Woche lernen, sein Laptop hat zwar schon Platz auf seinem Schoß gefunden, aber Lernskripte sehe ich da definitiv nicht. Meine Mitbewohnerin schwirrt zwischen Verzweiflung und Euphorie in der Wohnung herum, überlegt, ob sie weinen oder lachen soll und macht bei all dem einen weiten Bogen um ihren Laptop, auf dem ihre noch nicht fertige Bachelorarbeit auf sie wartet. Neben mir fläzt mein anderer Mitbewohner auf der Couch, ganz entspannt mit einem Oettinger und dem Playstationkontroller in den Händen. Stressen muss er sich nicht, denn die Anmeldungsphase für die Prüfungen dieses Semester hat er leider verpennt. Und ich, ja ich befinde mich auch irgendwo zwischen Hausarbeitsabgaben und der inneren Stimme, die mir sagt, ich solle mich einfach mal an meine Aufgaben machen. Tja, die Couch und das Scrollen durch Instagram ist dann doch die durchaus bequemere Tagesbeschäftigung. Ja, ja die liebe Klausurenphase ist wieder da. Egal ob Lernplanschreiber, Prokrastinationsprofi oder der 24/7-Stressschieber – jeder hat so seinen ganz eigenen Umgang mit der schlimmsten Zeit des Semesters. Ich habe mich auf den Weg in die Uni gemacht (wo ich aktuell eigentlich viel häufiger sein müsste) und habe die Augsburger Studierenden zu ihren Erfahrungen, Gefühlen und Tipps zur Prüfungsphase befragt.

Medien und Kommunikation, 3. Semester

„Mich stresst die Klausurenphase schon, aber ich habe mir kürzlich einen Lernplan geschrieben und wenn ich diesen einhalte, sollte eigentlich alles gut laufen. Allerdings hat sich die gesamte Technik heute gegen mich verschworen. Mein PDF-Reader funktioniert nicht, meine Kindle App macht Probleme, mein MacBook spackt, das WLAN taugt nichts, das I-Pad ist hakelig – das treibt mich heute ein wenig in den Wahnsinn.“

Economics and Public Policy, 1. Semester, Master

„Mir geht’s eigentlich ganz gut und das Interview kommt mir ganz gelegen, um noch ein wenig zu prokrastinieren. Die Prüfungsphase stresst mich nicht so, nur die letzten zwei Tage meistens. Meine Tipps sind sich nicht allzu sehr zu stressen, nicht zu viel mitschreiben und nur das Essenzielle zu lernen. Früher anfangen? Habe ich mir auf jeden Fall schon oft vorgenommen, bringt bei mir aber nicht viel. Meine Methode beruht eher auf dem Prinzip alles in der letzten Woche reinzupauken. Unter Stress lernt es sich ja bekanntlich am besten. Pro-Tipp: Wenn du denkst, du bist noch nicht allzu weit mit dem Lernstoff, vergleich dich einfach mit deinen Kommilitonen, die sind meistens auch nicht weiter.“

Medien und Kommunikation, 7. Semester

„Ich schreibe gerade an meiner Bachelorarbeit und kann nur sagen: Exmatrikuliert euch so lange es noch geht.“

Geographie, 1. Semester, Master

„Meistens bekomme ich einige Wochen im Voraus so einen kleinen Rappel und fang an meine Lernunterlagen zu sortieren, um den Stoff und den Umfang zu überblicken. Das gibt mir dann leider so ein beruhigendes Gefühl, dass ich den Kram dann auch wieder erstmal liegen lasse und zwei Wochen vor den Klausuren so richtig in Stress und Panik ausbreche. Tipps für mein Ersti-Ich? Hm der Klassiker, früher anfangen? Und im besten Fall nach jeder Vorlesung die Mitschrift gleich kurz noch einmal aufbereiten – spart viel Zeit am Ende des Semesters. Und in der Prüfungsphase vielleicht mal das ein oder andere Bier weglassen. Bringt das Hirn doch ein bisschen mehr auf Trab.“

Maschinenbau, 1. Semester

„Ich habe es leider verpeilt mich für meine Prüfungen anzumelden, also sieht meine Prüfungsphase momentan ganz entspannt aus.“

Geographie, 5. Semester

„In der Klausurenphase bin ich schon gestresst. Ich weiß immer noch nicht ganz genau, wann ich anfangen soll und habe ein bisschen Probleme damit autonom zu arbeiten. Das was mich am meisten stresst ist, dass ich viele Unternehmungen mit Freunden nicht mehr machen kann, weil die Vernunft mir sagt, ich sollte lieber lernen. Tipps? Keine Klausuren schieben, wenn möglich oder zumindest nicht schon im ersten Semester schieben. Außerdem früh genug die Unterlagen von der Fachschaft holen, die als Unterstützung dienen. Die Herausforderung der Prüfungsphase ist vor allem, den Haufen an Klausuren richtig zu handeln. Mein Ersti-Tipp ist es, nicht zu versuchen alles im Alleingang zu machen, sondern sich mit Kommilitonen zu treffen, da diese meistens die selben Probleme wie man selbst haben.“  

Mittelschullehramt, 3. Semester

„Während der Klausurenphase geht es mir eigentlich ganz gut, natürlich ist es stressig, aber wenn man die richtige Einstellung hat, dann geht’s. Als Ersti denkt man, dass die Prüfungsphase und die Klausuren ganz schlimm sind, aber meiner Meinung nach ist das überhaupt nicht so. Wenn man sich gut vorbereitet hat, dann schafft man das schon alles. Außerdem denke ich mir immer, das haben schon ganz andere geschafft. Mein Ratschlag ist es, sich auf jeden Fall auch mal eine Pause zu gönnen. Fernsehen oder Zocken kann natürlich eine kurze Ablenkung vom Lernstress sein, aber viel effektiver ist ein Spaziergang an der frischen Luft, um einfach mal den Kopf freizubekommen.“

Internationale Literatur, 3. Semester Master

„Die Klausurenphase ist für mich eine nicht allzu stressige Zeit, da wir in unserem Studiengang hauptsächlich Hausarbeiten schreiben müssen. Am meisten mag ich daran, dass ich mir die Zeit selbst einteilen kann. Ich gehe immer ganz entspannt ran, aber ich glaube es liegt daran, weil ich mittlerweile Routine habe und weiß, wie lange ich für solche Arbeiten brauche. „Nächstes Mal fange ich früher an“ klappt bei mir leider nie, aber ich bin auch ein Mensch, der den Druck braucht und schiebe auch jetzt immer noch alles nach hinten. Mein Tipp an mein jüngeres Ich ist, sich nicht von anderen Mitstudenten stressen zu lassen, die eine ganz andere Arbeitsweise als ich haben. Einfach cool bleiben und sich selbst vertrauen.“

Lieber alles strukturiert durchplanen oder doch alles auf den letzten Drücker machen? Jeder entwickelt nach den ersten Semestern seine ganz eigenen Lernmethoden und bekommt ein Gefühl dafür richtig mit dem Stress umzugehen. Also immer entspannt bleiben, ihr rockt das schon! Ihr braucht noch weitere Ratschläge für die Prüfungsphase? Die besten Tipps gegen Müdigkeit und wie man am besten während der Klausuren entspannt findet ihr ebenfalls auf Presstige.

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