Retoure

[reˈtuːrə] Substantiv feminin; (an den Verkäufer, Exporteur) zurückgesandte Ware ______________________________________________________________________________

Ob mir die Hose passt? Ach, ich bestell einfach beide Größen. Eine wird schon passen und ich kann sie ja wieder zurückschicken. Den Pulli in blau oder in rot? Oder doch lieber in grau? Mhm, ich nehme einfach alle drei, kann ich ja dann wieder zurückschicken. Och, Schuhgrößen fallen aber auch immer so unterschiedlich aus…. Zur Sicherheit bestell ich noch eine Nummer größer mit. Kann ich ja wieder zurückschicken.

“ Kann ich ja wieder zurückschicken….“

Diesen Satz hat sich bestimmt der ein oder andere schon mal gedacht, als er durch die vielen Online-Shops gescrollt ist und nach neuen Trends, Klamotten und Schuhen geschaut hat. Und wir sind damit nicht alleine. Denn in den letzten Jahren hat sich das Einkaufen immer mehr ins Internet verlagert. Die Gründe scheinen so simpel wie einfach: mehr Auswahl, mehr Komfort, mehr Schnäppchen.

Aber zu welchem Preis?

Nach Schätzungen der Forschungsgruppe Retourenmanagement der Uni Bamberg wurden 2018 in Deutschland 280 Mio. Pakete und 487 Mio. Artikel zurückgeschickt. Das bedeutet im Schnitt jedes sechste Paket und jeder achte Artikel. Diese verursachen einige Kosten die wir als Verbraucher nicht direkt wahrnehmen, da Retouren für uns meistens kostenlos sind. Durch Transport- und Bearbeitungskosten entstanden 2018 aber Ausgaben in Höhe von rund 5,46 Mrd. €. Im Schnitt führt jeder retournierte Artikel zu Kosten von 11,24€, eine Retourensendung zu 19,51€. Aber wer zahlt die Kosten dann? Letztendlich zahlen wir sie durch höhere Marktpreise selber, andererseits belasten sie allerdings auch die Gewinnspanne der Händler.

Pro retourniertem Artikel entstehen Kosten von 11,24€.

Auch die Umweltbelastung ist durch die Retouren ein Problem. Die CO2-Äquivalente lag 2018 in Deutschland bei 238.000 Tonnen. Zum Vergleich: Das ist circa die gleiche Umweltwirkung, wie täglich 2200 Autofahrten von Hamburg nach Moskau. Der Anteil vom Gesamtausstoß von 906,8 Mio. t laut BMU ist dazu scheinbar gering, doch sollte der Wert trotzdem nicht vernachlässigt werden.

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Was passiert nun mit den Sachen, die wir wieder an die Unternehmen zurückschicken?

Die meisten Retouren werden von den Händlern wieder aufbereitet und direkt als A-Ware (79%) oder B-Ware (13%) weiterverkauft. Ein durchaus kleiner Teil wird gespendet (0,9%) oder die Ware wird verschrottet oder entsorgt (3,9%).

20 Mio. retournierte Artikel wurden 2018 entsorgt.

Diese Zahlen sprechen zunächst einmal für sich, da der größte Teil wiederverkauft werden kann. Doch auch wenn der Wert der entsorgten Waren zunächst klein erscheint, sind es circa 20 Mio. retournierte Artikel die entsorgt werden. Zum einen ist dies darauf zurückzuführen, dass schätzungsweise die Hälfte nicht wiederaufbereitet werden kann (z.B. durch Defekte). Auf der anderen Seite verbieten manche Marken- und Patentinhaber die Verwertung ihrer Produkte, auch wenn es noch möglich wäre. Dies trifft auf circa 1 Mio. entsorgte Artikel zu und zeigt deutlich auf, dass unnötig Ressourcen verschwendet werden.

Eine weitere Möglichkeit ist das Spenden der zurückgeschickten Artikel. Allerdings ist dies aus steuerlichen Gründen oft keine Option für viele Unternehmen. Sie haben nämlich pro Spende Verwaltungskosten und müssen die Umsatzsteuer des Produktes entrichten. Dies übersteigt oft bei weitem die Kosten für eine Entsorgung, die sich pro Artikel auf 0,85€ beläuft.

Was bedeutet das für uns?

Es zeigt sich also, dass es Gutes aber eben auch Schlechtes im Hinblick auf Retouren und ihre Wiederverwertung gibt. Die Regierung ist bereits auf das Thema Entsorgung von Retouren und die damit verbundenen Probleme aufmerksam geworden und versucht etwas dagegen zu unternehmen. Nach einem neuen Gesetzesentwurf sollen Unternehmen nicht mehr einfach Retouren wegschmeißen dürfen, außerdem soll das Verfahren für den Verbraucher transparenter werden. Doch dieser Entwurf muss noch genauer ausgearbeitet werden und ist erst ein Beginn. Dabei könnte die Regierung auch die strengen Regeln für das Spenden von Ware lockern, damit dies wieder eine Option für Unternehmer werden kann.

Bis dies alles soweit ist sollten wir also zunächst einmal bei uns selbst anfangen und mehr regional und vor Ort einkaufen, anstatt alles im Internet zu bestellen. Wenn es sich doch mal nicht vermeiden lässt, kauft man am besten gezielt ein, um eine Retoure zu vermeiden. Aber vor allem sollten wir Produkte und Ressourcen mehr wertschätzen und uns jedes Mal bewusst machen, was wir mit einem Klick auslösen oder eben verhindern können.

© Foto von Artem Beliaikin von Pexels

Quellen: http://www.retourenforschung.de/info-hintergruende-der-retourenentsorgung—studie-ausgewertet.html http://www.retourenforschung.de/info-hintergruende-der-retourenentsorgung—studie-ausgewertet.html