Die neue Fakultät an der Universität – Humanmedizin

Wer ein Medizinstudium anstrebt, kann das seit dem letzten Semester auch in Augsburg antreten!

Die Medizinische Fakultät in Augsburg ist neu und hebt sich von anderen Medizinfakultäten in Deutschland ab. Seit Oktober 2019 werden Ärztinnen und Ärzte in einem Modellstudiengang ausgebildet. Der Modellstudiengang Humanmedizin ist der erste seiner Art in Bayern.

Mit dem neuen Studiengang wird auch gleich ein neues Modell der Lehre der Medizin getestet. Und zwar besteht das Medizinstudium in Augsburg momentan nicht aus einer vorklinischen Phase, in der natur- und sozialwissenschaftliche theoretische Grundlagen geschaffen werden und einer darauffolgenden klinischen Phase, in der den Studierenden die klinischen Fachdisziplinen beigebracht werden, wie es an anderen Universitäten (zum Beispiel in Ulm) der Fall ist. Hier in Augsburg werden vorklinische, grundlagenwissenschaftliche und klinische Inhalte parallel unterrichtet.

Mit diesem Modell sollen die Studierenden schon früher Einblicke in die medizinische Praxis erhalten.

Mehr als 8.000 Studieninteressierte haben sich für einen der im ersten Jahr verfügbaren 84 Humanmedizin-Studienplätze an der Universität Augsburg beworben. 

Die Universitätspräsidentin mit vier der 84 Medizinstudenten, die im Oktober 2019 das Studium begonnen haben © Fotostelle der Universität Augsburg

Chiara Modlmayr ist eine der ersten Medizinstudent_innen in Augsburg. Sie hat uns ein paar Fragen zu ihrem Studium beantwortet.

Warum hast du dich denn eigentlich dafür entschieden, in Augsburg Medizin zu studieren?

Ich habe gehört, dass es ein kleiner Studiengang ist, mit erstmal 80 Leuten. Das hat mir sehr gut gefallen. An anderen Unis bist du eben einer von Tausend und sozusagen „ein Niemand“. Hier kümmern sich die Dozenten zum Beispiel total um einen. Der Modellstudiengang hat mich auch sehr gereizt. Vor allem die frühe Einbindung in die Praxis finde ich sehr spannend.

Hast du das jetzt in den ersten beiden Semestern schon gemerkt, dass euer Studiengang anders aufgebaut ist?

Eine Freundin von mir studiert in München, deswegen kann ich das schon ein bisschen vergleichen. Was ich richtig cool finde ist, dass wir eben schon jetzt Einblicke bekommen, wie wir später als Ärzte und Ärztinnen arbeiten werden. Wir haben zum Beispiel schon das Herz und die Lunge untersucht. Außerdem waren wir auch schon mit Patienten in Kontakt. Wir hatten sogar im ersten Semester schon eine praktische Prüfung und das fande ich sehr spannend.

Bist du dann deinen bisherigen Erfahrungen nach zufrieden mit dem Medizinstudium hier?

Ich bin total zufrieden und es ist auch wahnsinnig interessant. Ich finde es auch schön, dass die Dozenten uns die Lerninhalte so beibringen, dass wir direkt den Bezug zur Praxis herstellen können. Auch sehr schön ist die Beziehung zu unseren Dozenten. Das Dekanat und die Dozenten, richten sich beispielsweise wahnsinnig nach uns und gehen auf unsere Vorschläge ein.

Siehst du sonst noch andere Vor- oder Nachteile darin, dass ihr jetzt der erste Jahrgang seid?

Sagen wir es mal so, wir sind natürlich schon ein bisschen die Versuchskaninchen. Aber wir dürfen uns dafür sehr stark einbringen und vorschlagen, was noch verbessert werden könnte. Ich finde es sehr cool, dass man gehört wird und dass die Dozenten uns dabei auch entgegen kommen.

Hast du das Gefühl, ihr bekommt weniger vom restlichen Studentenleben mit, da ihr eben nicht auf dem Campus untergebracht seid?

In der WhatsApp Gruppe unseres Studiengangs werden ab und an Einladungen geschickt von den Sportlern, von den Soziologen oder anderen Fakultäten. Jetzt aufgrund der Corona- Situation geht das natürlich nicht mehr und ist deshalb auch schwer zu beurteilen. Allerdings ist es natürlich schwer Kontakte mit Studenten anderer Fakultäten zu knüpfen, da wir nicht auf dem Campus untergebracht sind.

Danke an Chiara für die Einblicke!


©Lea Scheufler

Wo werden die Mediziner studieren?

Seit Juni 2020 entsteht der neue Medizincampus der Universität Augsburg. Da der neue Modellstudiengang anstrebt Theorie und Praxis zeitgleich zu unterrichten, sowie die Einbindung in den klinischen Alltag von Beginn des ersten Semesters erfolgen soll, entsteht der Campus in der Nähe des Universitätsklinikums im Westen der Stadt. In den kommenden Jahren werden Forschungs- und Lehrgebäude der Medizinischen Fakultät mit ungefähr 37 Tausend Quadratmetern entstehen, die den neuen Medizin Campus bilden. Die ersten Gebäude der Fakultät sollen voraussichtlich im Jahr 2023/2024 auf dem neuen Medizin Campus entstehen.

Bis zu 1.500 angehende Ärztinnen und Ärzte sollen auf dem Campus Medizin studieren können. Außerdem sollen 100 Professorinnen und Professoren und circa 1.400 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen die Nachwuchsmediziner ausbilden. Auf dem Campus soll eine Mensa entstehen, sowie eine eigene Straßenbahnhaltestelle.

Außerdem soll auch auf dem bereits bestehenden Campus ein weiterer Forschungsbau der Medizin Fakultät entstehen, der die Forschung der Medizin mit der Forschung der weiteren sieben Fakultäten verknüpfen soll.

© Fotostelle der Universität Augsburg
Präsidentin Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel präsentierte dem Vorsitzenden des Ausschusses für Wissenschaft und Kunst im Landtag Robert Brannekämper, Vizepräsident Prof. Dr. Peter Welzel, dem Kanzler der Universität Alois Zimmermann, Vizepräsident Prof. Dr. Wolfgang Reif und den Landtagsabgeordneten Johannes Hintersberger und Andreas Jäckel den Campus der Augsburger Universitätsmedizin am Modell (v.l.n.r.).

Wo studieren die Mediziner gerade?

Bis 2023 ist es noch lange hin. Allerdings studieren seit letztem Semester die ersten Studenten bereits. Um den Studienstart der Humanmedizin in Augsburg im Oktober 2019 möglich zu machen, musste eine Übergangslösung gefunden werden. So wurde die ehemalige Kinderklinik in Augsburg umfangreich umgebaut, sodass die Lehre und Praxis gerade dort stattfinden kann. Sowohl Seminarräume, Kleingruppenräumen als auch Praktikumslabor und Mikroskopie-Räume sowie ein Interprofessionelles Trainingszentrum, in dem Simulations- und Beobachtungsräume sowie Räume zum Erlernen medizinischer Techniken vorhanden sind. Sogar die medizinische Fachbibliothek ist übergangsweise im Gebäude untergebracht.

Die Teilbibliothek in ihren Anfängen ©Lea Scheufler

Der Weg zur Gründung der Fakultät

Schon im Jahr 2016 wurde die gerade entstehende Medizin Fakultät gegründet. Im Februar kündigt der damalige Ministerpräsident Horst Seehofer im goldenen Buch der Stadt Augsburg an: „Die Uniklinik kommt!“ Ab diesem Zeitpunkt wurde das Klinikum Augsburg zum Universitätsklinikum umgewandelt und der Aufbau der Medizin Fakultät beginnt.

Das Universitäre Zentrum für Gesundheitswissenschaften am Klinikum Augsburg (UNIKA-T) wird 2011 als gemeinsamer Forschungsverbund von Klinikum Augsburg, der Universität Augsburg, der Technischen Universität München (TUM) und der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) gegründet. Die Schwerpunkte in Augsburg sollen auf Health Care Operation/Health Information Management sowie der Umweltmedizin und Epidemiologie liegen.

Die Augsburger Universitätsmedizin

Neben der Medizinischen Fakultät der Universität Augsburg umfasst die Universitätsmedizin auch das Universitätsklinikum Augsburg, ein Krankenhaus der höchsten Versorgungsstufe mit über 1700 Betten, das seit dem 1. Januar 2019 in Trägerschaft des Freistaats Bayern ist. Die beiden Einrichtungen kooperieren auf der Grundlage eines Kooperationsvertrags. Weiterer Kooperationspartner ist das Bezirkskrankenhaus Augsburg – Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Universität Augsburg, das sich weiterhin in der Trägerschaft der Bezirkskliniken Schwaben befindet.

Besichtigung der Arbeitsbereiche ©Lea Scheufler

Mit dem 50-jährigen Jubiläum der Universität Augsburg ist auch eine neue Fakultät entstanden – die Humanmedizin. Die Uni wächst um einen Campus. Neue Chancen tun sich auf und neue Begegnungen warten auf sich. Mit diesem Artikel geht unsere Themenwoche zum 50-jährigen Jubiläum der Uni Augsburg zu Ende. Auf weitere 50 Jahre und noch mehr. Happy Birthday, Uni Augsburg!

Quelle: Pressestelle Medizin Universität Augsburg