Memes aus Augsburg für Augsburg

Memes sind allgegenwärtig. Wir sehen sie, wir lachen über sie, markieren Freunde darauf, schicken sie auf WhatsApp weiter und fühlen uns dabei #relatable. Ob Corona, Trump oder Fußball – alles wird in den witzigen Bild-Text-Kombinationen verarbeitet. Mittlerweile gibt es auch einige Accounts, die das Leben in Augsburg in Memes dokumentieren.

@hsa.memes

Während Memes sich früher vor allem über Plattformen wie 9Gag oder Reddit verbreitet haben, gibt es inzwischen auch auf Instagram zahlreiche individuelle Accounts, die Memes zu (Nischen-)themen mit ihrem Followern teilen. So existieren auch in Augsburg mittlerweile einige Accounts über das Leben in der Stadt und das Studieren an der Hochschule und der Uni. Nicht die großen weltpolitischen Ereignisse, sondern die Erhöhung des Semesterbeitrags, die Corona-Prüfungsphase in der Messehalle oder die geänderten Bib-Öffnungzeiten werden dabei zu Memes verarbeitet. Wie kommt man darauf, so einen Account zu gründen, warum finden wir als User Memes eigentlich so lustig und welche Ziele verfolgen die Betreiber_innen solcher Seiten? Wollen sie nur unterhalten oder stecken vielleicht noch andere Absichten hinter den Memes?
Um das herauszufinden, hat Presstige mit den Betreiber_innen der Instagram-Accounts @hsa_kuriositätenkabinett und @hsa.memes gesprochen, die beide ihren Fokus auf Memes speziell über die Hochschule Augsburg gelegt haben, sowie mit @augsburgmemes, der allgemeine Augsburger Eigenheiten in Memes verarbeitet.
Die Betreiber_innen der Accounts wurden separat befragt.


Wie seid ihr auf die Idee gekommen, eure Accounts zu gründen?

augsburgmemes: Wir hatten davor schon eine Meme-Seite und sind in einem Gespräch darauf gekommen, dass es – anders als bei den meisten anderen Städten – für Augsburg noch keine eigene Meme-Seite gab. Das haben wir mit @augsburgmemes geändert. Mittlerweile gibt es über 20 Memeseiten in Augsburg, die „zufällig“ dieselbe Idee hatten.

hsa_kuriositaetenkabinett: Ich war mal wieder selbst privat unterwegs beim Meme-Konsumieren und ich liebe es einfach, über sowas zu lachen. Und da dachte ich mir, dass es schade ist, dass gerade nicht mehr Leute die Memes sehen und darüber lachen können.
Man verbringt unglaublich viel Zeit an der Hochschule und da ist so viel Potenzial für Memes, das auf der Straße liegt. Da musste ich einfach was draus machen.

hsa.memes: Das war während einer Online-Vorlesung. Da saß ich zu Hause, mir war ein bisschen langweilig und ich habe dann auf Instagram rumgeschaut. Ich hatte auf meinem privaten Account ein paar Meme-Seiten abonniert und habe mich dann gefragt, ob es so eine Seite schon für unsere Hochschule gibt. Ich habe aber nur die Meme-Seite der Uni gefunden und mir gedacht, es wäre eine lustige Idee, das jetzt zu machen. Und dann habe ich noch während der Vorlesung den Account erstellt. Eigentlich war die Idee auch nur, Freunden die Memes zu schicken und das Ganze aus Spaß heraus zu machen.

Wie genau funktionieren eure Accounts? Erstellt ihr die Memes alle selbst, bekommt ihr sie zugeschickt oder ist es eine Mischung aus beidem?

augsburgmemes: Die meisten Memes entspringen tatsächlich unserer eigenen Fantasie und einige bekommen wir auch von unseren Followern zugeschickt. Da gibt es aber echt gravierende Unterschiede, manche sind eher nicht so unser Geschmack, manche schon – da muss man dann aussortieren. Mittlerweile ist es so, dass wir einfach wegen der schieren Menge ein bisschen den Überblick verlieren, oft sind aber echt witzige Sachen dabei.

hsa_kuriositaetenkabinett: Ich erstelle die Memes alle selbst. Mir werden auch manche zugeschickt, wobei ich sagen muss, dass die meistens leider nicht so gut sind, aber ich habe schonmal die Idee von einem genommen und weiterentwickelt.
Die Memes poste ich dann spontan; ich halte mich da nicht an einen bestimmten Plan. Ich möchte nicht, dass das zu einer Verpflichtung wird, weil es im Endeffekt ein Hobby ist und Spaß machen soll. Wenn die Inspiration kommt, dann kommt sie und wenn nicht, dann auch mal nicht.

hsa.memes: Die Memes im Feed sind in der Regel alle von mir. Ich bekomme inzwischen auch viele zugeschickt und mache ab und zu auch „Meme-Contests“, bei denen Leute Memes schicken, die ich gegeneinander „antreten“ lasse und dann am Ende einen Gewinner küre. So gehe ich mit den Einsendungen um.

Wo findet ihr selbst Inspiration für eure Memes?

hsa_kuriositaetenkabinett: Auf der einen Seite werde ich vom Hochschulleben inspiriert. Da gibt es Sachen, die einem immer auffallen und nicht nur einem selbst. Man hat das Gefühl, man ist eine Gemeinschaft an der Hochschule, in der man nicht miteinander redet, weil das ja alles Leute sind, die man nicht kennt. Und trotzdem herrscht so ein Grundkonsens bei ganz vielen Sachen, der aber nicht ausgesprochen wird. Und ich glaube, da muss man dann die Situation gut genug beobachten, um die Inspiration rauszuholen.
Und ansonsten aber auch auf anderen Meme-Seiten, oder man greift quasi „Meme-Aktualitäten“ auf, wenn Memes gerade am Trenden sind.

hsa.memes: Zum Beispiel bei der App Mematic, mit der man Memes selbst erstellen kann. Da sind die typischen Meme-Templates aufgelistet. Manchmal scrolle ich da einfach durch und mir fällt dann zu einem Bild etwas Witziges ein.
Ansonsten habe ich auf Instagram verschiedene Hashtags abonniert, zum Beispiel den Hashtags #Unimemes und bekomme dann die Memes von verschiedenen Unis angezeigt. Da sind oftmals gute Sache dabei, die auch direkt zum Thema passen. Oder auf der Discover-Seite von Instagram wird mir auch viel angezeigt.
Manchmal inspirieren mich auch Situationen aus dem echten Hochschulleben. Zum Beispiel dieses hier:

©hsa.memes


Da musste ich dran denken, weil ich diese Situation schon so oft erlebt habe und wirklich an der Kasse stand und gehofft habe, dass mein Geld reicht und ich nicht schnell zum Automaten laufen muss und alle hinter mir warten müssen.

Welche Reaktionen möchtet ihr mit euren Memes hervorrufen?

hsa_kuriositaetenkabinett: Ich glaube, das muss man zweigeteilt sehen. Bei den Uni-Studierenden möchte ich gerne, dass die sich das anschauen und sich damit beschäftigen, weil oft dieses Vorurteil herrscht „Das ist nur Hochschule. Die können ja nichts“. Und ich glaube Humor verbindet. Ich glaube, das ist eine gute Schnittstelle, bei der sich Uni- und Hochschulstudenten treffen, was ja sonst nicht passieren würde.
Und bei den Hochschülern oder auch allen anderen, mag ich es gerne, wenn sie unter den Memes kommentieren und sich gegenseitig verlinken. Also wenn ich das Gefühl habe, dass der Post gut ankommt, dann ist das Ziel erreicht. Das möchte ich beim Konsument erreichen, dass er Spaß daran hat und das mit anderen teilt.
Wenn Sachen, die jetzt in einem Meme vorkommen, dann von anderen wieder wahrgenommen werden an der Hochschule, dann glaube ich  – oder hoffe ich – dass die Leute sich daran erinnern, dass es dazu ein Meme gab und dann einfach einen guten Moment haben. Merklich verbessert sich die Stimmung auf dem Campus dadurch wahrscheinlich nicht, aber ich habe dann das Gefühl, etwas beigetragen zu haben zur besseren Laune am Campus.
Wenn die Hochschule auf die Memes reagieren würde-, ich glaube das wäre so eine Art Zugeständnis von denen, dass sie diese Neuartigkeit der Kritik beziehungsweise der Wahrnehmung der Studierenden registrieren. Ich möchte damit nicht erreichen, dass sich etwas ändert, aber dass die Sicht von Studenten und Professoren und der Hochschule sich vielleicht mehr annähert.

hsa.memes: Am Anfang wollte ich wirklich nur meine Freunde unterhalten, damit die sich damit identifizieren können. Ich habe jetzt nicht groß das Bedürfnis, jemanden zu kritisieren oder politischen Statements zu setzen. Das war schon immer zweitrangig. Also vielleicht schon ein bisschen Kritik ausüben, aber in erster Linie unterhalten. Und ich find es auch cool, auf meinem Account die ganzen Leute zu haben, die auch auf der Hochschule sind, dass das dann so eine Art Community ist.

Welches Feedback habt ihr bisher auf eure Memes erhalten?

augsburgmemes: Das Feedback war wirklich krass und meistens auch sehr positiv. Highlight ist natürlich, wenn wir Lob von Bekannten bekommen, die nicht wissen, dass wir hinter der Seite stecken. Abgesehen davon gab es aber schon auch Kritik von anderen Seiten, die uns z.B. politische Unkorrektheit vorgeworfen haben – und vielleicht haben sie Recht, mitunter sind unsere Memes aneckend. Wir sind aber davon überzeugt, dass unsere Memes nicht mehr tun, als Missstände zu thematisieren, ohne bestimmte Gruppen zu diskriminieren oder jemand zu beleidigen. Da passen wir schon auf.
Tatsächlich haben selbst die Stadtwerke Augsburg mal unter einem unserer Memes „Nicht schlecht“ kommentiert.

hsa.memes: An Anfang habe ich mal ein Meme mit Daniel Jung gepostet und habe mir nicht viel dabei gedacht, aber der hat das dann wirklich in seine Story gepostet. Das fand ich natürlich witzig.
Ich fand es auch schon witzig, wenn die offizielle Hochschulseite etwas von mir gesehen hat. Die haben mich zwar nicht abonniert, aber die haben teilweise schon kommentiert. Oder ich habe vor kurzem auch eine Story gemacht, als der Semesterbeitrag erhöht wurde und die verlinkt und darauf haben sie auch reagiert.

©hsa.memes

Was denkt ihr, warum finden wir Memes eigentlich so witzig und warum verbreiten sie sich so schnell?

hsa_kuriositaetenkabinett: Weil es eine Art ist, Kritik auszuüben oder seine Meinung zu äußern, ohne brutal dabei zu sein oder direkt in eine Ecke eingeordnet zu werden. Also wenn man sich politisch zu etwas äußert und das nicht durch ein Meme macht, dann wird man schnell eingeschätzt und zum Beispiel einer Partei zugeordnet. Und ich glaube, das passiert bei Memes weniger. Da kann man sich austauschen, ohne dass man direkt in die eine oder andere Ecke gestellt wird.

hsa.memes: Ich glaube, es liegt oftmals daran, dass man sich damit identifizieren kann. Wenn ich zum Beispiel ein Meme sehe mit einer Situation, die ich wirklich mit einem Kumpel in der Uni erlebt habe, dann lese ich den Text und sehe das Bild und erinnere mich daran zurück, wie ich selbst in der Situation war und zum Beispiel in der Mensa nicht mehr genügend Geld auf meiner Karte hatte.

Was macht ein gutes Memes aus?

augsburgmemes: Ein sehr wichtiger Punkt ist, wie sehr sich die Follower damit identifizieren können. Am Wichtigsten ist aber natürlich, dass das Meme lustig und unterhaltend ist, darum geht es ja schließlich.

hsa_kuriositaetenkabinett: Das perfekte Zusammenspiel zwischen dem Bild und der Überschrift macht ein gutes Meme aus. Das Bild an sich kann total banal sein, wenn die Überschrift es rausreißt. Oder gerade, wenn ein Bild und eine Überschrift, die eigentlich gar keinen gemeinsamen Kontext haben, zusammengefügt werden, dann macht das das Bild witzig. Nicht einfach nur ein witziges Bild, bei dem die Überschrift lediglich nochmal erklärt, warum es lustig ist, sondern nochmal um die Ecke gedacht. Das Meme ist dafür ein gutes Beispiel:

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©hsa_kuriositaetenkabinett

hsa.memes: Ich denke, ein Meme ist erfolgreich, wenn es nicht zu kompliziert ist. Also eher ein kurzer Text und keine zu komplizierte Wortwahl, damit sich jeder mit der Situation, die da beschrieben wird, identifizieren kann. Man sollte es einfach nicht zu kompliziert machen, sonst hat keiner mehr Bock, sich das durchzulesen.

Welche Funktionen haben Memes für euch?

hsa_kuriositaetenkabinett: In erster Linie Unterhaltung. Ich glaube auch, dass sie eine Informationsquelle sein können, natürlich im weitesten Sinne. Wenn jemand zum Beispiel nur Informationen von Instagram bezieht und dann ein Meme zu Black Lives Matter sieht, dann ist das zumindest eine Information, die derjenige sonst nicht hätte, weil er zum Beispiel keine klassischen Medien nutzt.
Das hat auch viel mit Aktualitäten zu tun und damit, seinen Standpunkt zu vertreten. Und Aktualität meine ich jetzt nicht nur im tagespolitischen Sinne, sondern auch bei Sachen wie zum Beispiel „Tiger King“. Und Memes geben auch ein Gefühl von Gemeinschaft, weil man Gemeinsamkeiten erkennt und die gleichen Sachen witzig findet.

hsa.memes: Für mich persönlich, auch als Konsument, ist es eigentlich nur Unterhaltung und Humor. Aber ich kann auch verstehen, dass Leute es teilweise nutzen, um auf eine humorvolle Art und Weise Kritik zu üben.

©hsa_kuriositaetenkabinett

Memes sind also in erster Linie ein Transportmittel für Witz und Unterhaltung, können aber auch andere Funktionen übernehmen. Die Sichtweise von Studierenden und Hochschule annähern, für bessere Laune auf dem Campus sorgen oder Freunde verbinden – hinter den lustigen Wort-Bild-Kombination steckt mehr Tiefgang, als man im ersten Moment erwarten würde. Damit das funktioniert, muss aber eine bestimmte Form eingehalten werden: nicht zu kompliziert und gut nachvollziehbar, womit wir wieder bei #relatable wären.
In einem Punkt waren sich übrigens alle Account-Betreiber_innen einig: Memes, die bestimmte Personengruppen diskriminieren oder andere Menschen wie zum Beispiel Professoren persönlich beleidigen, würden sie nicht posten.

Vielen Dank an @augsburgmemes, @hsa_kuriositaetenkabinett und @hsa.memes für die Einblicke!