Im Einklang – „Das Leben ist Musik“

Ein Saal voller Menschen, die sich darauf freuen, gleich von musikalischen Klängen verwöhnt zu werden. Die Bühne noch leer. Im Backstage-Bereich ein Musiker, der sich voller Anspannung und Lampenfieber darauf freut, diese Bühne gleich betreten zu dürfen. Der Vorhang öffnet sich. Die Scheinwerfer formen einen Kegel, der nur eine einzige Person anstrahlt. Der Pianist sitzt an seinem schwarz-glänzenden Flügel. Der erste Ton erklingt. Das Publikum ist still und lauscht gespannt den Klängen des Künstlers.

Die Musik ist unser alltäglicher Begleiter. Sei es die Melodie der Fernsehwerbung, das Singen unter der Dusche oder der Musikmix des Radiosenders unseres Vertrauens während des Autofahrens. „Das ganze Leben ist Musik und unser Leben wird tagtäglich geprägt durch Musik. Das Leben ist Musik!“, sagt Rupert Laible. Er ist (freischaffender) Musiker, Musiklehrer an der Musikschule, Leiter von diversen Chorgattungen sowie Organist und Pianist. Sein Alltag besteht aus Musik. Sie erfüllt ihn mit Emotionen und ist sein ständiger Begleiter. Als “Vollblut-Musiker“ durch und durch weiß er, was Musik mit einem macht. Wie Musik es schafft Emotionen zu erwecken, die er dann als Künstler dem Publikum, das gespannt den Klängen lauscht, vermitteln kann.

In diesem Artikel erfahrt ihr, warum Musik glücklich macht, warum wir alle mehr Singen sollten und warum Musik gesund ist. Der Vollblut-Musiker Rupert Laible nimmt uns mit durch seinen Alltag und beschreibt die Faszination klingender Töne.

©Susanna Kapferer

Sobald der Musiker Rupert Laible die Bühne betritt, verwandelt er diese zu seinem zweiten Zuhause. Mit einer guten Mischung aus „Humor, Kurzweiligkeit und positivem Denken“, versucht er die Emotionen der Musik an die Menschen zu vermitteln. Dabei zeigt sich, dass er das Publikum immer wieder in Lieder miteinbezieht, das Publikum mitnimmt und selbst singen lässt.

Die Faszination für Konzerte, egal ob Rock, Hip-Hop oder Pop, kennen wir wohl alle:                 

  • „Das ist natürlich nochmal ein ganz anderes Feeling mit so vielen Menschen. Alle haben die gleiche Begeisterung. Alle feiern zusammen und alle singen zusammen die Lieder.“ (Annika, 21)                                                                                                                               
  • „Es ist mitreißend, wenn alle dasselbe hören und fühlen und man so ein Gemeinschaftserlebnis hat.“ (Marlene, 19)
  • „Das tolle an Konzerten ist, dass da einfach so gute Stimmung ist, und dass da alle gewissermaßen mit dem gleichen Ziel hingehen. Also weil alle denselben Musikgeschmack haben. Und das ist so ein Zusammenhaltsgefühl.“ (Melina, 19)

Rupert Laible betont, dass die Freude an erster Stelle steht. Aus diesem Grund hat er sein Hobby zum Beruf gemacht. Er begeistert das Publikum allerdings nicht nur als Solo-Künstler. Mit seinen zahlreichen Chören, von kleinen Vokalensembles bis hin zu den klassischen gewachsenen Männerchören, stellt er immer wieder Konzerte auf die Beine, um die Menschen musikalisch zu verwöhnen.

Wenn er sich mit seinen Chören wöchentlich trifft, dann beginnt er jedes Mal mit bestimmten Übungen, die die Sänger_innen bereits gut kennen. „Also wir fangen mit ganz normalem Stimmtraining an.“ Wie Sportler_innen vor jedem Lauf ihre Muskeln dehnen muss, so muss sich der Sänger und die Sängerin ebenfalls aufwärmen und lockern, so Laible. „Wir singen zunächst auf einem Ton, dann auf Dreiklängen.“ In Zeiten von Corona verzichte er allerdings momentan, sofern Proben in kleinem Kreis überhaupt möglich sind, auf die Konsonanten. „Man lebt ja als Chorleiter […] ganz gefährlich. Da kommen nämlich Aerosole“, sagt Rupert Laible mit einem Schmunzeln.

Rupert Laible sieht sich selbst als Vorbild, „um die Freude an der Musik und die Freude am Singen rüberzubringen.“ Dabei ist ihm wichtig, dass seine Einstellung passt. Er muss hinter der Musik, hinter dem Stück stehen. „Und da spielt es keine Rolle, ob das was Freudiges ist, ein Geburtstag, ein Ständchen, ob das ein Todesfall ist oder ob das ein Konzert ist.“

Und genau das spürt man, wenn man Rupert Laible gemeinsam mit seinen Chören beobachtet. Auch die Sänger_innen selbst berichten von den Glücksgefühlen, die sie nach dem gemeinsamen Singen haben. „Rupert, eins muss ich dir sagen: Nach der Stunde geht es mir einfach besser“, sagt ein Chorsänger, für den die Chorstunde nach einem langen Arbeitstag eine Art Erholung ist.    

Musik hebt Emotionen auf eine ganze andere, neue Ebene. Wir alle können wohl bestätigen, dass es Lieder gibt, die wir mit freudigen Situationen verbinden. So gibt es andererseits aber auch Songs, die uns zum Weinen oder Nachdenken bringen. Musik bietet eine Möglichkeit des Ausdrucks. Wenn Worte nicht mehr reichen, hilft uns die Musik zu kommunizieren.                                                                          

Weitere Erfahrungen mit Musik/Singen:

  • „Musik macht mich glücklich, weil man mitgerissen wird, weil es auch die Emotionen beeinflusst.“ (Marlene, 19)
  • „Musik drückt die Emotionen aus, die man manchmal gar nicht in Worte fassen kann. Musik schafft es und bringt sie perfekt rüber.“ (Annika, 21)
  • „Ich verbinde Musik häufig mit bestimmten Erinnerungen, die mich glücklich machen. Und manche Songs machen auch einfach ohne bestimmten Grund gute Laune.“ (Antonia, 19)
  • „Musik kann die Stimmung oft regulieren und verbessern. Zum Beispiel: Wenn ich mich besser fühlen will, dann höre ich peppige Musik. Man verbindet auch bestimmte Erinnerungen mit Musik. Ich finde das kann auch zum Nachdenken anregen.“ (Melina, 19)

Auf die Frage, warum wir alle mehr singen sollten, antwortet Rupert Laible, dass das Singen einfach guttut. „Es gibt medizinische Studien. Wer singt, lebt gesünder.“ Des Weiteren betont er die Außergewöhnlichkeit der Stimme: „So wie jeder Mensch etwas Besonderes ist – kein Mensch gleicht dem anderen, so ist die Stimme auch ganz individuell.“ Außerdem beschreibt er, dass Musik verbindet. Musik sei wie eine Art Sprache, die, mit kleinen Unterschieden, auf dem ganzen Erdball gleich ist. Durch die Musik konnte er beispielsweise die Bildungsministerin von Namibia nach einer trockenen Rede begeistern, als er ein Lied mit dem Titel ihres Vornamens spielte. Nicht nur die Bildungsministerin, auch den Redner konnte er hierdurch begeistern. Letzterer „hat jetzt gelernt, dass Musik verbindet, dass man mit Musik mehr erreichen kann, als mit irgendwelchen hochtrabenden, wohlvorbereiteten Reden.“

Als Musiker lebt Rupert Laible vom Publikum, das er, sei es als Solo-Künstler oder gemeinsam mit seinen Chören, begeistert. Die Musik zieht dabei sowohl den Künstler, als auch das Publikum mit sich in den Bann. Das Lampenfieber wird wohl nie weg gehen, aber das gehöre ja auch dazu, meint Rupert Laible. Und so wird er wohl vor jedem Auftritt hinter der Bühne stehen, darauf warten, dass der Vorhang aufgeht und er im Rampenlicht sitzt. Er wird sich an sein Klavier setzen und sich an der Musik, seinem Hobby, das er zum Beruf gemacht hat, freuen. Glücklich und überwältigt wird er nach dem Konzert, während er den Applaus des Publikums genießt, in die Gesichter des Publikums schauen und bemerken, dass auch sie von der Musik berührt sind. Denn „das Leben ist Musik!“

Quellen:

Chöre in Deutschland: https://www.chor-heute.de/chorszene-aktuell/entwicklung-der-choere-von-2002-bis-2016/

Definition Lampenfieber: https://www.duden.de/rechtschreibung/Lampenfieber

Musik in Deutschland: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/445317/umfrage/umfrage-in-deutschland-zum-interesse-an-musik/

Kreutz, G. (2015). Warum Singen glücklich macht (2. Aufl.). Gießen: Psychosozial-Verlag