Was bringt das neue Online-Semester?

Home Office – So oder so ähnlich wird im Herbst der Arbeitsplatz von vielen Studis in Augsburg aussehen
(© Lara Reile)

Das kommende Semester soll hybrid werden. Das klingt sehr futuristisch und zukunftsorientiert, bedeutet aber laut Uni Augsburg lediglich: „So viel digitale Lehre wie möglich – so viel Präsenzlehre wie fachlich erforderlich“. Tatsächlich verrät der Begriff „hybrid“ wenig Konkretes darüber, auf welche Art und Weise wir im kommenden Wintersemester studieren werden. Fast täglich kommen neue Vorschriften und Regeln hinzu, abhängig davon, wie das Infektionsgeschehen in Augsburg gerade aussieht. Momentan herrscht Maskenpflicht in allen Gebäuden, dafür hat die Mensa wieder geöffnet und die Bibliothek erweitert ihre Öffnungszeiten.
In diesen unsicheren Zeiten kann niemand mit absoluter Sicherheit sagen, wie das Studieren im Winter aussehen wird. Welche Erwartungen haben die Studierenden an das kommende Semester, vor welchen Entwicklungen haben sie Angst? Einige von ihnen haben mit presstige darüber gesprochen, wie sie sich das Wintersemester vorstellen.

Sonja, 21 Jahre, 5. Semester Medien und Kommunikation
(© Sonja D. )

„Ich erwarte, dass die Online-Lehre noch besser funktioniert. Viele Dozenten haben zwar die technischen Möglichkeiten, wie zum Beispiel die Breakout-Rooms bei Zoom, schon gut genutzt, aber vielleicht kann man das im kommenden Semester noch ausbauen.
Ich befürchte aber auch, dass wir am Anfang des Semesters wieder sehr viele Aufgaben bekommen werden, so wie im vergangenen Semester. Da konnten die Dozenten das Arbeitspensum noch nicht richtig einschätzen und wir mussten für jedes Seminar sehr viel vorbereiten. Nachdem wir aber viele Umfragen und Feedbackbögen zum letzten Semester ausfüllen mussten, hoffe ich, dass das jetzt anders ist.
Insgesamt freue ich mich aber auf das kommende Semester. Natürlich ist es schade, dass es kein Campus-Leben gibt, aber daran kann momentan niemand etwas ändern. Aber ich freue mich auf die kleinen Seminare, in denen man mit den Kommilitonen reden kann und wenn alle ihre Kamera an haben, hat man hoffentlich wirklich das Gefühl, in einem Seminarraum zu sitzen und einen fruchtbaren Austausch zu haben.“

Robin, 21 Jahre, 5. Semester Wirtschaftsingenieurwesen
(© Robin W.)

Meine Erwartungen für das neue Semester sind eigentlich positiv, weil ich finde, dass es im letzten Semester ziemlich gut gelöst wurde. Vor allem, weil die Uni jetzt durch die verlängerten Semesterferien noch mehr Zeit hatte, die Online-Lehre nochmal zu verbessern. Meine Angst ist eher, dass ich zu wenig für die Uni tue, weil es bei manchen Veranstaltungen keine Live-Übertragung gibt, sondern Aufzeichnungen, die man anschauen kann, wann man will. Das lässt man schnell mal schleifen bis zur Klausurenphase und dann ist es ziemlich viel auf einmal. Aber eigentlich fand ich es im letzten Semester auch gut, dass man sich die Vorlesungen vor der Klausur nochmal anschauen konnte und sich damit gut auf die Prüfungen vorbereiten.
Man vermisst es im Online-Semester, die Leute aus dem eigenen Studiengang zu sehen und mit ihnen auch außerhalb der Vorlesungen auf dem Campus Zeit zu verbringen. Ein Freund von mir wohnt zum Beispiel in einer anderen Stadt und kommt jetzt für das Wintersemester gar nicht nach Augsburg. Es spielt sich halt alles daheim ab.“

Zoom und Laptop gehören inzwischen zum Studierenden-Alltag
(© Lara Reile)

Paula, 21 Jahre, 3. Semester Global Business Management

„Ich erwarte, dass es für mich im kommenden Semester etwas einfacher wird, weil ich jetzt schon weiß, worauf ich mich einlasse mit dem Online-Semester. Jetzt kann man besser vorbereitet in das Semester gehen und weiß, was man persönlich anders machen muss und ändern kann. Bei uns an der WiWi-Fakultät finden alle Veranstaltungen online statt und ich habe letztes Semester schon gemerkt, dass es mir zu Hause schwerfällt, mich den ganzen Tag an den Schreibtisch zu setzen und etwas für die Uni zu machen. Das ist viel leichter, wenn man zur Uni fährt, dort Vorlesungen hat, den ganzen Tag arbeitet und dann nach Hause kommt und entspannen kann, weil alles für die Uni erledigt ist. Außerdem wohne ich in einer 5er-WG, da ist natürlich immer ziemlich viel Ablenkung.
Mir persönlich sind im letzten Semester auch die Sprachkurse online sehr schwergefallen. Wir hatten nur zwei Zoom-Meetings mit jeweils 45 Minuten in der Woche und das ist natürlich deutlich weniger Zeit, als man normalerweise in einer Präsenz-Veranstaltung hätte, um die Sprache zu lernen. Das war relativ schwer für mich, mir Spanisch selbst beizubringen und bei der Sache zu bleiben.
Ich hoffe, dass es insgesamt in diesem Semester besser läuft, vor allem, weil Bib und Mensa wieder offen haben – das ist sehr gut für uns Studenten, weil man dann vielleicht wieder ein bisschen Campus-Leben hat.“

Oft weiß man erst, was man hatte, wenn es nicht mehr da ist – die Mensa wird von vielen Studis vermisst.
(© Balthasar Zehetmaier)
Laurin, 22 Jahre, 6. Semester Wirtschaftsingenieurwesen
(© Laurin H.)

„Mein kommendes Semester wird voraussichtlich nur online stattfinden, was ich sehr schade finde, weil das Uni-Leben für mich nicht nur Vorlesungen und Übungen sind, sondern das Ganze drum herum auch dazu gehört – über den Campus laufen, Leute treffen und gemeinsam in der Mensa sitzen. Natürlich läuft das alles aus gutem Grund so ab, aber wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich mir wünschen, dass das Semester in Präsenz stattfinden könnte.
Im letzten Semester war es für viele Lehrstühle vermutlich noch eine Herausforderung, die Online-Lehre sinnvoll und praktisch zu gestalten. Ich hatte Fächer, in denen das bereits super lief, aber auch Veranstaltungen, bei denen man mit dem Lernen nicht mehr hinterhergekommen ist. Wenn Aufzeichnungen von Vorlesungen und Übungen hochgeladen wurden, war das hilfreich, aber das war nicht immer der Fall. Aber ich bin zuversichtlich, dass die Lehrstühle daraus gelernt haben und auch auf das Feedback der Studierenden gehört haben.
Ich sehe aber auch eine große Chance darin, dass Uni-Leben und die ganzen Vorgänge zu digitalisieren. Das ist sowieso überfällig gewesen, auch an der Uni Augsburg. Natürlich möchte ich, dass im kommenden Sommersemester wieder Normalität einkehrt. Aber selbst dann hat es sich auf jeden Fall rentiert, Energie in ein besseres Online-Angebot zu investieren, weil man einen Teil der Angebote wie Aufzeichnungen von Vorlesungen ja trotzdem aufrechterhalten kann.
Meine Sorge ist vor allem, dass ich jemand bin, der zu Hause nicht so gut lernen kann. Mir fällt das schwer, in meinem Zimmer, in dem ich auch schlafe und esse, den ganzen Tag zu arbeiten. Ich lenke mich dann lieber anderweitig ab – so sauber wie in der letzten Prüfungsphase war mein Zimmer wahrscheinlich noch nie. Deswegen hoffe ich, dass die Bib offenbleibt.
Für die Erstsemester ist die Situation nochmal bescheidener. Die ziehen in eine neue Stadt zum Studieren und verpassen so viel: Freunde finden, Partys machen, Leute im Park treffen… Für die ist es wahrscheinlich nochmal schwerer, Fuß zu fassen hier. Es wäre schön, wenn die Uni sich da gut drum kümmert, dass die Erstis trotzdem Anschluss finden in Augsburg.“

Insgesamt blicken die Studierenden recht zuversichtlich auf das kommende Semester. Die meisten wissen inzwischen, wie sie sich auf die veränderte Situation einstellen müssen und was ihnen eher schwer beziehungsweise leicht fällt beim Online-Lernen. Das fehlende Campus-Leben ist allerdings kaum zu ersetzen. Auch wenn die Mensa und die Bibliothek momentan wieder geöffnet haben, gibt es keine Garantie dafür, dass es das ganze Semester so bleiben wird. Dabei haben viele Studis erzählt, dass besonders die Bib für sie als Ort zum Lernen wichtig ist. Denn zu Hause können sie sich häufig nur schlecht auf ihren Lernstoff konzentrieren, weil zu viel Ablenkung lockt.
Sorgen machen sie sich auch um die neuen Erstis. Wie die den Start in ihre Uni-Karriere erleben, darüber wird in einige Wochen presstige-Autorin Anne berichten.
Wer mehr darüber wissen möchte, wie die Universität Augsburg das kommende Semester plant, kann sich unter Lehrplanung WiSe 2020/21 informieren. Die Uni verschickt zudem regelmäßig einen Newsletter mit den neuesten Änderungen per Mail.

Die meisten Studis freuen sich schon drauf, den Campus wieder zu besuchen.
(© Balthasar Zehetmaier)