Talbot Runhof in Augsburg

Es ist Sonntagnachmittag. Die Sonne scheint bei mehr als 30 Grad. Meine Freunde fragen, ob ich mit zum Baden komme. Stattdessen gehe ich ins Textil- und Industriemuseum.

Sobald man durch die Tür geht ist man von Kunst umgeben. Eine kleine Ausstellung zeigt Fotografien der Loveparade. Eine Treppe führt nach oben, wo ein Schriftzug auf eine Sonderausstellung von Talbot Runhof weist.

Mit der Campus Card zahlen Studierende vier Euro Eintritt für die Ausstellung CELEBRATING FASHION Talbot Runhof in Paris. Alle anderen zahlen regulär sechs Euro. Die Ausstellung gibt es noch bis zum 25. Oktober und ist von Dienstag bis Sonntag ab 9 Uhr bis 18 Uhr zugänglich.

„Die Kleider bitte nicht berühren!“

Tafeln zeigen, dass dies die erste Ausstellung der Designer ist. Eine andere Tafel stellt die Designer selbst vor: Johnny Talbot (62) und Adrian Runhof (63) gründeten 1992 das Label All About Eve, heute Talbot Runhof. Als eingespieltes Team kleideten sie schon viele berühmte Frauen wie Lady gaga, Heidi Klum oder Angelina Jolie. Im Vordergrund der Ausstellung stehen aber natürlich die Kleider selbst. 

Es folgt eine Reise durch die Jahrzehnte. Ausgewählte Stücke repräsentieren die jeweiligen Themen der unzähligen Kollektionen. Die Vielfalt an verschiedenen Farben, Stoffen, Schnitten und Texturen ist sowohl überwältigend als auch beeindruckend.   Um die Ecke hört man eine ältere Frau sprechen „Hast du dein Handy dabei? Das müssen wir ihr zeigen“, während sie schon neben einem Runway Schminktisch aus Paris posiert. Ein paar Meter weiter fragt ein junger Mann seine Freundin nach ihrem Lieblingskleid

Trendzyklen

Mama sagt immer „Das haben wir früher auch schon getragen.“ Talbot Runhof könnten sagen „Das haben wir früher auch schon geschaffen.“ Während dem Rundgang fällt eines auf: Was mal cool war, ist wieder cool.

Ein Kleid aus der Herbst/Winter 2008 Kollektion wird mit vielen verschiedenen Knöpfen verziert. Letzten Winter gingen „Button DIY“ Videos viral. Bunt gemischte Knöpfe waren auf Krawatten, als Gürtel und als Handtaschen überall zu sehen. Zumindest im Internet. 

Ein Look aus der Herbst/Winter 2010 Kollektion zeigt ein türkises Kleid gepaart mit einer knallroten Strumpfhose. Ein Kontrast, der fesselt. Gleichzeitig heißt es Online „colourful tights are back“.

Für die Herbst/Winter 2011 Kollektion „Mad about the Boy“ wird ein Hemd mit einer Krawatte aus demselben Stoff ausgestellt. Zehn Jahre zuvor hatte Hedi Slimane für seine ikonische Frühling Sommer 2002 Kollektion „Boys Don`t Cry“ dieselbe Idee für Dior. Louis Vuitton hatte diese Idee für die Herbst/Winter 2020 Kollektion von Virgil Abloh. Heute haben zahlreiche Gen Zler die Idee dank Pinterest.

Man muss das Rad nicht immer neu erfinden, um etwas Großartiges zu schaffen. Der Trendzyklus wird jedoch immer schneller, Fast Fashion und soziale Medien verändern die Spielregeln grundlegend. Gute Ideen sind zeitlos. Doch wie entstehen diese Ideen?

Ein Blick hinter den Stoff

Kleider, Schuhe, Videos der Runway Shows und plötzlich steht man hinter den Kulissen. Der „Nachbau“ eines Studios bietet einen Blick in den kreativen Prozess des Designerduos. Hier findet man Samples der Stoffe und noch nicht fertig gestellte Kleider. „Tocar por favor“ übersetzt eine Mutter für ihre Tochter und fasst die Materialproben an. Genau die Stoffe, bei denen es schon am Eingang hieß „Die Kleider bitte nicht berühren!“. Hier merkt man, dass Talbot sich von den Materialien selbst inspirieren lässt. Die fertigen Entwürfe zeigen, wie die Inspiration in Ausdruck umgewandelt wird.

Talbot Runhof verstehen Mode als gesellschaftliches Kommunikationsmittel. In ihrer Herbst/Winter 2012 Kollektion nähen sie starke Emotionen in ihre Kleider unter anderem mit symbolischen Farben ein. „From Russia with Love“ ist der Name der Kollektion in der ein Mesh-Kleid mit „VISIT PARIS …before he does!“ und einem Bild von Putin bedruckt wurde. Eine Tafel zeigt den Kontext der Kollektion als Kritik an dem russischen Vorgehen in der Krim. Auch diese Botschaft scheint dem Trendzyklus zu folgen. Ohne den Kontext ließe sich kaum erkennen, ob das Kleid aus dem Jahr 2015 oder von heute stammt.

Es ist Sonntagabend. Ich verlasse die Ausstellung. Es fängt an zu regnen. Ich denke mir, es ist perfektes Wetter um ins Museum zu gehen. 

Schreibe einen Kommentar