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	<title>Valentin Erhardt, Autor bei presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</title>
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	<description>Das Magazin für Studierende der Universität und Hochschule Augsburg.</description>
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		<title>Die Dialektik in der Menschlichkeit &#8211; ein Essay der Gedankenspiele</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Valentin Erhardt]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Jul 2021 08:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Da sich zur Zeit alle Welt über Semantik aufregt und mit linguistischen Kunststücken liebäugelt, statte ich diesem Trend jetzt auch mal einen Besuch ab, verbringe einen netten Abend mit ihm und schütte ihm was ins Glas.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2021/07/die-dialektik-in-der-menschlichkeit-ein-essay-der-gedankenspiele/">Die Dialektik in der Menschlichkeit &#8211; ein Essay der Gedankenspiele</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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									<p>Da sich zur Zeit alle Welt über Semantik aufregt und mit linguistischen Kunststücken liebäugelt, statte ich diesem Trend jetzt auch mal einen Besuch ab, verbringe einen netten Abend mit ihm und schütte ihm was ins Glas. Kommen wir gleich zur Sache.</p><p>Die Kategorisierung von Fremd- und Eigenverhalten in gut und schlecht, moralisch wertvoll oder verwerflich et cetera ist elementar für den Menschen, der Zeit seines Lebens in Bergspitzen und Lochböden zu denken vermag, ohne allzu viel Aufmerksamkeit an Steigungen und Gefälle zu vergeuden. These und Antithese, Pro versus Contra, Positiv zum Negativ, bla bla bla; zum größten Teil sind diese Einordnungen genauso uninteressant, wie sie subjektiv sind.</p><p>Es gibt allerdings ein Negativ, das mich stört, seitdem ich das Denken erlernte: „unmenschlich“, genauer, der fahrlässige Gebrauch dieses Begriffes.</p><p>Eric Harris und Dylan Klebold bekommen häufig die zweifelhafte Medaille dieses Begriffes umgehängt, ebenso Elliot Rodgers und Adam Lanza. Für Josef Stalin und Adolf Hitler fahren manche sogar noch größere Geschütze auf, identifizieren sie als „Inkarnation des Bösen“ und sprechen Ihnen jedwede Menschlichkeit ab. Im Hinblick auf die Gräueltaten, die diese sechs Männer verübt haben, durchaus verständlich, das gebe ich zu – aber unüberlegt.</p><p>Hass, Mord und Genozid sind nicht die feine Art, klare Sache, keine Debatte notwendig. Aber sind sie unmenschlich? Ich weiß nicht so recht.</p><p>„Unmenschliche Taten“, wie sie genannt werden, werden zu 100% von Menschen verübt. <span style="color: #00ccff;"><a style="color: #00ccff;" href="https://edition.cnn.com/2019/11/15/us/2019-us-school-shootings-trnd/index.html" target="_blank" rel="noopener">In den ersten 46 Wochen des Jahres 2019 gab es in den Vereinigten Staaten 45 School Shootings.</a></span> Hitler und Stalin hatten beide einen Staatsapparat voller Menschen, die hinter ihnen standen, Soldaten, die ihren Befehlen gehorchten, sie ausführten, für ihr Oberhaupt hassten und mordeten. Die Teilnehmer des Milgram- und des Standford-Prison-Experiments zeigten alle Verhaltensmuster, die in realer Situation juristische Folgen und soziale Ächtung nach sich gezogen hätten. Sollen all diese Menschen keine Menschlichkeit besessen haben? Und falls ja, wie viele von uns sind menschlich, wenn moralisch verwerfliches oder antisoziales Verhalten als unmenschlich gilt?</p><p>Wenn wir Diagnosen von Unmenschlichkeit und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verhängen, verschleiert das unseren Blick darauf, was menschlich ist. Wir verfälschen unser eigenes Bild, kaschieren Stellen, die uns nicht gefallen, löschen sie aus, begraben sie. Wir vergessen. Ich kann verstehen, dass man nicht auf derselben Stufe wie die Menschen stehen will, die zu solch abartigen Taten imstande waren, dass man nicht über sie nachdenken will und dass die Grausamkeit der Realität einen in Schockstarre und Beschreibungsnot bringt; das alles ist nachvollziehbar. Es sollte uns jedoch nicht dazu bringen, uns der Tatsache zu verschließen, dass die Akteure Menschen waren.</p>								</div>
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									<p>Statt die Tatsachen zu vergraben, sollten wir versuchen, aus ihnen zu lernen. Statt Abgründe zu retuschieren und unser Bild von der Menschlichkeit zu verklären, sollten wir uns in Akzeptanz üben, nicht gegenüber der Grausamkeit, sondern gegenüber der Vorstellung, dass auch Grausamkeit, Hass und Sadismus menschlich sind. Wenn ihr mich fragt, entsteht ein sehr viel schöneres Bild, wenn wir Menschlichkeit nicht als statisches Set von Tugenden betrachten, sondern als eine Bandbreite unterschiedlichster Merkmale, die im Homo Sapiens in beliebiger Kombination heranreifen können.</p>								</div>
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									<p>Die sechs genannten Männer waren alle Menschen mit Gefühlen, Gedanken, Träumen, Zielen, Talenten, Ängsten und Abgründen – und ebenso menschlich wie jeder andere Vertreter unserer Spezies. Das auszublenden verwehrt uns, Menschlichkeit so zu begreifen, wie sie ist, zu akzeptieren, dass in uns allen das Potenzial zur Wohl- wie zur Gräueltat steckt. Wenn wir auch Tiefen unserer Existenz akzeptieren – nicht notwendigerweise verzeihen – könnte das dazu führen, dass wir zu mehr Verständnis gelangen. Je heller wir unsere Schattenseiten beleuchten, desto weniger verteufeln wir und desto eher lernen wir, mit ihnen umzugehen.</p><p>Natürlich soll nicht übersehen werden, welchen Einfluss der Umstand auf uns hat, dass wir keine dieser Personen je persönlich gekannt, und dass Hitler und Stalin vor unserer Zeit gelebt haben:</p><p>Die Geschichte hat einen Hang dazu, Persönlichkeiten als Knotenpunkte zu verwenden im verworrenen Netz des Zeitgeschehens. Dies ist aus zweierlei Gründen praktisch: Erstens, weil wir Menschen als soziale Wesen die Geschichte besser verstehen können, wenn sie uns anekdotisch und mit Figurenkonstellation geboten wird, zweitens, weil wir so einen Protagonisten haben, anhand dessen Leben wir Schlüsselereignisse der Geschichte erschließen können. Das geschichtliche Protagonistentum birgt aber den entscheidenden Nachteil, dass wir – die wir an religiös-moralischen Schachtelvorstellungen von gut und böse festhalten – auch hier nach diesen Kategorien einteilen. Dadurch werden aus Menschen Pappgestalten in starren narrativen Rollen, denen wir keine Attribute zuschreiben wollen, die nicht ihrer Rolle entsprechen. Hitler darf kein talentierter Zeichner gewesen sein, weil er böse war; Gandhi als stereotyper Weltverbesserer keine rassistischen oder frauenfeindlichen Züge gezeigt haben.</p><p>Zuletzt vielleicht ein Beispiel, das meine Gedankenspiele näher an unsere tägliche Realität bringt: Denk an das Schlimmste, was du jemals getan hast. Vielleicht hast du jemanden verletzt, betrogen, belogen oder misshandelt, vielleicht hast du jemandes Leben zerstört oder es sogar beendet. Nun stelle dir vor, man würde dich anhand dieser Tat charakterisieren, dein ganzes Leben um diesen Punkt auf deiner Lebenslinie auffädeln und aus dem entstehenden Ballen streichen, was nicht ins Bild hineinpasst. Oder, andersherum, stelle dir vor, man würde dasselbe Vorgehen bei deiner <strong>besten</strong> Tat anwenden. Was kommt dabei heraus?</p><p>Durch welche Linse man einen Menschen auch betrachtet, das entstehende Bild kann niemals vollkommen akkurat sein. Verfolgt man aber zusätzlich noch ein Narrativ, demzufolge man Dinge unter- oder ausstreicht, wird das Bild erst recht verzerrt.</p><p>Dieses Spiel mit der Dialektik lässt sich natürlich auch auf andere Themengebiete ausweiten. Durch das Wunder der Assoziation verbindet jeder von uns Ablehnung und Zuneigung mit den verschiedensten Gruppen. Wenn ich euch auffordere, einen strohdummen und uninformierten Menschen zu imaginieren, stellt der eine sich einen Neo-Nazi vor, der andere einen Antifa-Aktivisten, wieder ein anderer vielleicht mich im Speziellen (und jeder hätte in seiner Welt vollkommen Recht damit). Jeder von uns hegt Abneigungen gegen menschliche Eigenschaften, die er aus mehr oder weniger guten Gründen nicht ausstehen kann. Und ich gehe so weit zu sagen, dass jede dieser Abneigungen menschlich ist, einige bei entsprechender Argumentation vertretbar, manche sogar gesellschaftlich opportun. Nur sollten wir uns vor Augen halten, dass auch die verhassten und verpönten Eigenschaften Teil der menschlichen Natur sind – sowohl unserer als auch der unserer Mitmenschen.</p>								</div>
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		<title>Drei Leben mit Depressionen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Valentin Erhardt]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 May 2021 08:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>„Ich denke, das ist genauso wie bei Homosexualität: Früher war es ein Tabu und deshalb hat niemand darüber geredet, geschweige denn sich geoutet. Heute ‚gibt es mehr davon‘, weil die Akzeptanz zunimmt und mehr darüber geredet wird. Ich wusste zum Beispiel gar nicht, dass ich depressiv bin, bis ich die Diagnose bekam. Und ich glaube, so geht es einigen.“</p>
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							<div class="elementor-testimonial-content">Der folgende Artikel enthält Themen wie Depressionen, Extremgedanken und Suizid. Wer Schwierigkeiten mit solchen Inhalten hat, muss selbstverantwortlich darüber entscheiden, ob er den Artikel lesen möchte.</div>
			
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									<p>Jeder Mensch fühlt sich beizeiten kaputt. Trennungen, Todesfälle, Streit mit geliebten Menschen, Verluste, Versagen, Schmerz… die Liste an Dingen, die einen unter den Nullpunkt der Stimmung reißen können, ließe sich ewig fortführen, bis jeder etwas Bekanntes auf ihr findet. Und irgendwann kommt man da wieder raus. Im Normalfall zumindest.</p><p>Dauern gedrückte Stimmung, Unfähigkeit zur Freude und Antriebslosigkeit jedoch an und existieren sie losgelöst von konkreten Schicksalsschlägen, spricht man nicht mehr von einem gewöhnlichen Ausschlag auf dem Gefühlsbarometer, sondern von einer Depression, einer psychischen Krankheit, die mit immensem Leidensdruck verbunden ist – bei manchen so groß, dass Ihnen Selbstmord wie eine sinnvolle Alternative erscheint.</p>								</div>
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									<p>Dieser Leidensdruck wird häufig von einer Vielzahl an Symptomen begleitet, die über die verschlechterte Stimmung hinausgehen: Betroffene können nicht mehr richtig schlafen, leiden an Panikattacken, fühlen sich schuldig oder wertlos, sehen keinen Sinn in ihrer Existenz und keine Hoffnung in der Zukunft. Die Symptome haben eine solche Bandbreite, dass sie im ICD-10 (ein weltweit anerkanntes Klassifikationssystem für medizinische Diagnosen) weit mehr als eine Kennnummer belegen: Beschreiben F33.0 bis F33.9 verschiedene Formen der rezidivierenden, ergo wiederkehrend episodischen Depression, vermischt sich die Krankheit in F41.1 mit den Symptomen einer Angststörung.</p>								</div>
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									<p>Über das gesamte Feld der affektiven Störungen verstreut taucht das Wort „depressiv“ immer wieder auf, was es schwierig macht, das Krankheitsbild exakt zu umrahmen. Wie also eine Krankheit erkennen, die so viele Gesichter trägt?</p><p>Ich habe einen großen Teil meines Lebens damit verbracht, mich zu fragen, ob meine Gefühle in diesen Rahmen fallen oder nicht. Es hat lange Zeit gedauert, bis ich mir einen Therapeuten und damit fachfrauische Hilfe gesucht habe; noch länger, bis ich verstand, dass eine Therapie die Krankheit nicht magisch verschwinden lässt, sondern mir hilft, mit ihr zu leben. So zumindest meine persönliche Erfahrung.</p><p>Diese ist selbstverständlich nicht exklusiv, genauso wenig universell. Zur Gewinnung eines Überblicks und um andere Perspektiven kennenzulernen, habe ich mich mit zwei weiteren Personen ausgetauscht, die mir ihren Blickwinkel auf die Krankheit beschrieben haben.</p>								</div>
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					<div id="elementor-tab-content-1031" class="elementor-tab-content elementor-clearfix" data-tab="1" role="region" aria-labelledby="elementor-tab-title-1031"><p>Sandra ist 20 Jahre alt und befindet sich im zweiten Semester ihres Lehramtstudiums für Deutsch und Englisch. Seit etwa 5 Jahren hat sie depressive Phasen und leidet unter einer Sozialphobie, welche sich inzwischen jedoch auf Situationen mit größeren Menschenmassen beschränkt. Sie nimmt keine Medikamente und befand sich bisher in keiner therapeutischen Behandlung.</p><p><span style="font-size: 10pt;"><em>„Ich stu</em><em>diere Lehramt und habe mal gehört, dass es mit der Verbeamtung schwierig werden kann, wenn man einen Therapeuten von der Krankenkasse bezahlen lässt. Außerdem habe ich – wenn ich gerade nicht in einer depressiven Phase bin – das Gefühl, dass ich das sowieso nicht brauche und nur die Zeit des Therapeuten verschwenden würde.“</em></span></p></div>
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					<div id="elementor-tab-content-1032" class="elementor-tab-content elementor-clearfix" data-tab="2" role="region" aria-labelledby="elementor-tab-title-1032"><p>Die 19-jährige Sophie studiert Medien und Kommunikation im vierten Semester und kämpft mit mittelschweren Depressionen sowie einer Angst- und Zwangsstörung. Seit ihrer Diagnose 2019 hat sie verschiedene Antidepressiva verwendet und nimmt momentan Venlafaxin.</p><p><span style="font-size: 10pt;"><em>„Ich denke, das ist genauso wie bei Homosexualität: Früher war es ein Tabu und deshalb hat niemand darüber geredet, geschweige denn sich geoutet. Heute ‚gibt es mehr davon‘, weil die Akzeptanz zunimmt und mehr darüber geredet wird. Ich wusste zum Beispiel gar nicht, dass ich depressiv bin, bis ich die Diagnose bekam. Und ich glaube, so geht es einigen.“</em></span></p></div>
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												<a class="elementor-accordion-title" tabindex="0">Valentin</a>
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					<div id="elementor-tab-content-1033" class="elementor-tab-content elementor-clearfix" data-tab="3" role="region" aria-labelledby="elementor-tab-title-1033"><p>Letzter in der Runde bin ich, Valentin, 20 Jahre alt und ebenfalls Medien und Kommunikationsstudent, allerdings erst im zweiten Semester. Seit meiner Pubertät leide ich an Ängsten und Depressionen, die kurz nach meinem Abitur 2019 auf ein bis dahin ungekanntes Ausmaß anstiegen. Seitdem befinde ich mich wegen einer Angststörung und Depressionen in Verhaltenstherapie; seit September letzten Jahres nehme ich Escitalopram.</p><p><span style="font-size: 10pt;"><em>„Das Problem ist, dass ich oft nicht gut auf Hilfsangebote reagiere. Ich werde schnell aggressiv, weil ich das Gefühl habe, dass andere auf mich herabblicken, und das kränkt mich, auch wenn mir bewusst ist, wie lächerlich diese Ansicht eigentlich ist. Klar, die meinen es gut und wollen mir helfen, aber in dem Moment fühle ich mich, als würde jemand durch meine Fassade blicken und erkennen, wie wertlos ich wirklich bin. Das reißt dann sehr tief, weil ich mich nicht nur gekränkt, sondern auch ertappt fühle.“</em></span></p></div>
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									<p>Zuallererst interessierte mich, wie meine Gesprächspartnerinnen ihre Depressionen empfinden und welche Worte sie wählen würden, um sie zu illustrieren. Zu meiner Überraschung ergab sich aus unseren Beschreibungen ein recht einheitliches Bild: Während ich es mit dem Gefühl beschreibe, nach Hause zu wollen, obwohl man bereits zuhause ist, fühlt Sandra sich wie gefangen in einer Blase, die sie von der Wirklichkeit fernhält – jedoch nicht verhindert, dass sie diese wahrnimmt. Wir beschreiben alle ein Gefühl innerer Leere und Taubheit, Motivationsprobleme und aus der Handlungsunfähigkeit resultierende Selbstvorwürfe, die einen noch tiefer herabziehen. Wir <u>wollen</u> uns aufraffen, <u>schaffen</u> es aber nicht, und dafür verurteilen wir uns.</p>								</div>
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									<p>Ähnlichkeiten bestehen auch in unseren Herangehensweisen, diesem Teufelskreis zu entkommen – das Stichwort lautet „Ablenkung“. Die Nuancen allerdings, in denen wir diese Ablenkung finden, unterscheiden sich: Während ich mich von der Außenwelt abkapsle, um meine Gefühle in Raptexte und Geschichten zu gießen, lenkt sich Sophie durch die Gesellschaft ihrer Freundin ab. Ein Umstand, den ich schlecht nachvollziehen kann, da ich sozialen Kontakt meide, wenn es mir schlecht geht. Wenn ich mich auskotze, weil ich es ohne nicht aushalten und durchdrehen würde, möchte ich dabei niemanden sehen, weder Eltern noch Freunde noch Freundin, und am allerwenigsten mich selbst. Sandra pflichtet mir bei, findet in der Gesellschaft ihres Freundes aber ebenso Trost wie Sophie bei ihrer Freundin.</p><p>Im Gegensatz zu mir spielen für die geistige Gesundheit der beiden auch Umgebung und Wohnsituation eine wichtige Rolle. Sandra beschreibt ihr familiäres Umfeld als schwierig, für psychische Probleme gibt es dort weder Platz noch Verständnis. Daher ist es ihr Ziel, so bald wie möglich auszuziehen und auf eigenen Beinen zu stehen, um einen weniger belastenden Alltag leben zu können und selbst über ihre Routinen zu entscheiden. Sophie hat diesen Schritt bereits getan und wohnt in einer WG, ihre Gründe sind ähnlich.</p>								</div>
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									<p style="text-align: center;"><span style="font-size: 14pt;"><em>„Als ich noch daheim gewohnt habe, gings mir oft ziemlich beschissen. Das hatte nicht nur was mit der Familie zu tun, sondern auch mit der Schule und meinen damaligen Freunden, denke ich. Seit ich in meiner WG wohne, ist das auf jeden Fall besser. Wenn ich mal zuhause bin, merke ich, wie ich in alte Muster zurückfalle und es sich wieder so anfühlt wie während meiner Schulzeit… also doch, die Wohnsituation spielt eine sehr wichtige Rolle, würde ich sagen.“</em></span></p><p style="text-align: center;"><span style="font-size: 10pt;">~ Sophie ~</span></p>								</div>
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									<p>Einig sind sich die beiden auch darüber, dass es in solch einer Wohnsituation schwierig sein kann, das Leben in Balance zu halten; die angespannte Lage zuhause schadet der Psyche, Freizeit und Studium geraten in den Hintergrund. Geht man einmal zu Boden, wird es schwer, den Teufelskreis zu durchbrechen. Je höher sich die Aufgaben stapeln, desto größer wird der Stress, und desto weniger traut man sich zu, den wachsenden Berg zu bewältigen. Die krankhafte Antriebslosigkeit macht es beinahe unmöglich, den Klausurstoff tatsächlich zu lernen, statt dem Stress darüber nachzugeben, dass man ihn nicht beherrscht. Das hört auch dann nicht auf, wenn wir uns zum Lernen aufrappeln, nicht einmal, wenn es zeitlich knapp wird.</p><p>Als Quelle des Drucks sehen Sandra, Sophie und ich dennoch in erster Linie uns selbst.</p><p>In der heutigen Zeit sind psychische Krankheiten bereits als Thema in der Gesellschaft angekommen, wir haben das Glück, sowohl Offenheit als auch (mindestens oberflächliche) Akzeptanz zu erleben und müssen seltener als vergangene Generationen ein „Schluck es einfach runter“ hören. Hinzu kommt, dass Personen wie wir drei definitiv keine Einhörner sind – der Ausdruck „Volkskrankheit Depression“ ist nicht aus der Luft gegriffen. Schenkt man den <em><a href="https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/was-ist-eine-depression/haeufigkeit" class="broken_link">Daten der Deutschen Depressionshilfe</a> </em>Glauben, so leiden allein in Deutschland 5,3 Millionen Menschen zwischen 18 und 79 Jahren an der Krankheit; eine Dunkelziffer ist kein abwegiger Gedanke.</p>								</div>
				</div>
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												<figure class="wp-caption">
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										</figure>
									</div>
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									<p>Und wie allem im Leben haften unserer Zeit mehrere Nachteile an. So gut es ist, dass die Psyche kein gesellschaftliches Tabu mehr ist, so hinderlich ist die Natur des Menschen, sich mit Dingen zu identifizieren. Ich kann es drehen und wenden, wie ich will, Depressionen scheinen mir ein gewisses Ideal geworden zu sein, zumindest in romantisierter Form und erhoben zum Beweis seelischer Tiefe. Musiker unserer Generation produzieren einen schizophrenen Mix aus wilder Feierei und „Mir geht’s schlecht“-Musik, Künstler wie Billie Eilish oder Lil Peep erklimmen mit depressiver Stimmung Chartspitzen.</p>								</div>
				</div>
					</div>
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									<p>Das soll nicht heißen, dass dies unberechtigt wäre. Selbstverständlich weiß man nie, wie es im Inneren eines Gegenübers aussieht, und wenn jemand nicht depressiv ist, sind dessen negative Emotionen dadurch nicht weniger valide oder ernst zu nehmen. „Depressionen“ sind kein exklusiver Club, in den niemand außer den „wirklich richtig Kranken“ reindarf, zumindest würde ich das nicht behaupten. Auf der anderen Seite erschwert die Allgegenwärtigkeit des Themas, sich selbst und andere Menschen korrekt einzuschätzen. Wenn jeder von sich behauptet, depressiv zu sein, weil er manchmal traurig ist, wer ist denn dann nicht depressiv? Und welche Menschen in meinem Leben laufen Gefahr, sich selbst zu verletzen oder umzubringen?</p><p>Einen weiteren Tribut zollen wir unserem Sozialleben, das sich seit einem Jahr überproportional im multimedialen Dschungel abspielt. Ich brauche den Elefanten im Raum nicht beim Namen zu nennen, wir alle haben die Nase gestrichen voll von ihm. Los werden wir ihn aber auch nicht, also bringen wir es hinter uns.</p><p>Sandra und ich befinden uns im zweiten Semester und haben noch nie einen Lehrsaal von innen gesehen. Die meisten Kommilitonen kennen wir nur durch Webcam und Whatsapp, die Uni nur als vage Institution in der Ferne, die uns Vorlesungen und Aufgaben zuschickt. Beide haben wir uns zu Beginn der Pandemie wenig eingeschränkt gefühlt, weil wir Stubenhocker sind, doch mittlerweile macht der fehlende Kontakt sich bemerkbar. Gerade dann, wenn man allein ist, treffen Angst und Einsamkeit besonders schmerzhaft.</p><p>Sophie steht der Situation positiver gegenüber, sie sieht Vor- und Nachteile. Zwar vermisst sie es, ihre Freunde an der Universität zu sehen und sich durch den sozialen Kontakt ablenken zu können, die Beschäftigung mit sich selbst und gemeinsame Zeit mit ihrer Freundin gaben ihr dafür die Möglichkeit, ihren eigenen Kopf verstehen zu lernen. Insgesamt geht es ihr besser, als sie erwartet hätte.</p><p>Dennoch wünscht sie sich ein Ende des Spuks, genau wie Sandra, ich und vermutlich jeder andere da draußen. Um wieder eine Wahl zu haben über die Gestaltung des Alltags, und um soziale Kontakte sorglos pflegen zu können, ohne Gedanken an gesetzliche Einschränkungen und gesundheitliche Risiken. Zumindest in dieser Hinsicht hatte Corona etwas Gutes: Mittlerweile verstehen wir alle, wie wichtig ein funktionierendes Maß an Gesellschaft für unsere Gesundheit ist.</p>								</div>
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		<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2021/05/drei-leben-mit-depressionen/">Drei Leben mit Depressionen</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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		<title>Der Mann hinter EmoPunkRap &#8211; Private Paul und seine Schmerzmusik</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Valentin Erhardt]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Mar 2021 08:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[freiraum]]></category>
		<category><![CDATA[Depressionen]]></category>
		<category><![CDATA[EPR]]></category>
		<category><![CDATA[Flixbus]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
		<category><![CDATA[Metal]]></category>
		<category><![CDATA[musik]]></category>
		<category><![CDATA[Private Paul]]></category>
		<category><![CDATA[Psytrance]]></category>
		<category><![CDATA[Rap]]></category>
		<category><![CDATA[Schmerz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>"Düster wird die Musik vermutlich immer mehr oder weniger sein. Es geht eher um die Färbung: Du kannst resignierte, hoffnungsvolle, wütende, enttäuschte, aggressive und bestimmt noch einige Arten mehr von Musik machen, die aber trotzdem allesamt düster sein können. Und das habe ich vor."</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2021/03/der-mann-hinter-emopunkrap-private-paul-und-seine-schmerzmusik/">Der Mann hinter EmoPunkRap &#8211; Private Paul und seine Schmerzmusik</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Private Paul ist ein (nach dem nächsten Wort bitte noch nicht abschalten!) Rapper aus Hamburg, der mit einzelgängerischem Sound Musik produziert, die weh tut. Fernab vom Mainstream schwimmt er tief in den Strömungen des Untergrunds und schwelgt irgendwo zwischen Wut, Angst, Narben und Schmerz. Eine meiner ersten Ideen für einen <a href="https://presstige.org/?s=Presstige+pr%C3%A4sentiert%3A+Unterhaltung+%C3%A0+la+Lockdown"><em>Medientipp</em></a>, die ich aber schnell wieder verworfen habe – warum <strong>über</strong> einen Künstler sprechen, wenn man <strong>mit ihm</strong> sprechen kann? Zumal Private Paul notorisch leicht zu erreichen ist, haben wir uns über die Entwicklung seiner Musik, Ausflüge in andere Genres und seine bisher erfolgreichste Songreihe unterhalten.</p>
<div style="height:60px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>
<p><span style="text-decoration: underline; color: #00ccff;"><strong>Valentin, Presstige:</strong></span> Hallo Paul, danke, dass du dir Zeit genommen hast! Da dich hier vermutlich die wenigsten kennen werden: Erzähl uns doch <span style="background-color: #ffffff;">kurz, wer du bist!</span></p>
<blockquote>
<p style="text-align: left;"><span style="text-decoration: underline; color: #ff0000;"><strong>Private Paul:</strong></span> <em>Ich bin Private Paul, mache seit ungefähr 15 Jahren Musik, hauptsächlich Rap über Themen wie Liebe, Hass, Einsamkeit, Depression, die Traurigkeit der Welt und alles drumherum.</em></p>
</blockquote>
<p style="text-align: left;"><span style="text-decoration: underline; color: #00ccff;"><strong>Presstige:</strong></span> Dann fangen wir doch genau da an: Deine Musik bezeichnest du als „EmoPunkRap“, kurz EPR. Genau so hieß auch dein erstes Solo-Album, das 2011 erschien und nun schon ein paar Jährchen zurückliegt. Von den Anfängen bis zum letzten Album, DSEPR: Hat sich etwas verändert? Was ist geblieben?</p>
<blockquote>
<p><span style="text-decoration: underline; color: #ff0000;"><strong>Paul:</strong></span><em> Verändert hat sich sehr viel. Das lässt sich kaum vermeiden, wenn einen die Musik über den Großteil seines Lebens begleitet. </em><em>Am Anfang war ich ja noch ein Jugendlicher; ich habe vieles nicht verstanden und &#8220;einfacher&#8221; gesehen. Ich war traurig über die Welt und mein Leben, wütend auf alles und jeden anderen und wollte mit meiner Musik eine Sparte füllen, die es bis dahin nicht gab: Etwas, das man hört und fühlen kann. Musik, die dich fertig macht. Das hatte ich bei einigen der früheren (Industrial) Metal/core und Emo-Bands meiner Jugend erlebt. Die hatten Songs und Alben, in denen man sich verlieren kann, wo man beim Hören Gänsehaut bekommt und sich fühlt, als würde man in diesem Moment genau das durchmachen, was der Sänger erzählt.</em></p>
</blockquote>
<figure class="wp-block-gallery columns-1 is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex">
<ul class="blocks-gallery-grid">
<li class="blocks-gallery-item">
<figure><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://presstige.org/wp-content/uploads/2021/03/Pauls-Fresse-1-1024x683.jpg" alt="" data-id="18751" data-full-url="https://presstige.org/wp-content/uploads/2021/03/Pauls-Fresse-1.jpg" data-link="https://presstige.org/?attachment_id=18751" class="wp-image-18751" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2021/03/Pauls-Fresse-1-1024x683.jpg 1024w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2021/03/Pauls-Fresse-1-300x200.jpg 300w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2021/03/Pauls-Fresse-1-768x512.jpg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2021/03/Pauls-Fresse-1-1536x1024.jpg 1536w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2021/03/Pauls-Fresse-1.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="blocks-gallery-item__caption"><em>Der Hamburger Rapper Private Paul</em></figcaption></figure>
</li>
</ul>
</figure>
<blockquote>
<p><em>Rap war zu der Zeit eigentlich nur „Wer kann am besten reimen“. Ich bin das dann ein bisschen anders angegangen, hab‘ angefangen, mir meine eigenen Beats zu bauen, und hab‘ versucht, die düsterste, ergreifendste und schmerzhafteste Rapmusik zu machen, die möglich war. Ich wollte, dass es jedem Hörer schlecht geht.</em></p>
<p><em>Heute bin ich viel älter, habe viel von meinem Biss und meiner Wut verloren, mich mit vielem abgefunden und bin „erwachsener geworden“. Daher klingt alles auch nicht mehr so aggressiv, sondern eher resigniert. Auch eine interessante künstlerische Entwicklung! (lacht) Gleichzeitig klingt alles auch sehr viel professioneller, und das macht mich stolz. Die Themen- und Wortwahl ist, so finde ich, ein bisschen vom Introspektiven ins Abstrakte übergegangen. Auch das steht der Entwicklung gut, denke ich.</em></p>
<p><em>Allerdings ist auch die Motivation sehr gesunken&#8230; früher war ich hungrig und voller Energie, ich wollte mich ausdrücken und etwas erschaffen. Das ist leider auch zurückgegangen.</em></p>
<p><em>Geblieben ist allerdings, dass ich nach wie vor alles selbst mache. Von Instrumental-Produktion über Aufnahme und Mix bis zu einem Großteil der Grafiken. Nur beim Mastering und bei Videos lasse ich mir heute gern die Arbeit komplett abnehmen, wenn möglich. Ich würde lieber im Bergwerk arbeiten als Videos schneiden! (lacht) </em><em>Außerdem ist diese Art der Musik nach wie vor eine sehr kleine Nische. Einerseits schade, sonst würden mich die Leser vielleicht schon kennen, andererseits schön, denn so ist die Konkurrenz klein!</em></p>
</blockquote>
<p><span style="text-decoration: underline;"><span style="background-color: #ffffff; color: #00ccff; text-decoration: underline;"><strong>Presstige:</strong></span></span> Du findest, dass dir Biss und Wut abgegangen sind? Das habe ich zumindest nicht bemerkt. Die zunehmende Resignation in deiner Musik habe ich registriert, aber die Wut war doch immer noch ein wichtiger Faktor. Beispielsweise auf &#8220;Hass&#8221; kommen doch noch ziemliche Aggressionen durch.</p>
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<div class="jetpack-video-wrapper"><iframe title="Private Paul - Hass (Video)" width="640" height="360" src="https://www.youtube.com/embed/WAaCtk_xDpY?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></div>
</div>
</figure>
<blockquote>
<p><span style="text-decoration: underline;"><span style="color: #ff0000; text-decoration: underline;"><strong>Paul:</strong></span></span> <em>Stimmt, die Wut ist aber keine treibende Kraft mehr. Ich musste tief graben, um die noch zu finden und zu „aktivieren“. Früher war sie sehr viel präsenter, beziehungsweise von selbst einfach da. In letzter Zeit musste ich mich hinsetzen und mir beim Schreiben sagen: „Du musst wütend sein!“ (lacht)</em></p>
</blockquote>
<p><span style="text-decoration: underline;"><span style="color: #00ccff; text-decoration: underline;"><strong>Presstige:</strong></span></span> Ergo willst du immer noch düstere Musik machen, selbst wenn du dich zwingen musst? Das stelle ich mir anstrengend vor.</p>
<blockquote>
<p><span style="text-decoration: underline;"><span style="color: #ff0000; text-decoration: underline;"><strong>Paul:</strong></span></span> <em>Düster wird die Musik vermutlich immer mehr oder weniger sein. Es geht eher um die Färbung: Du kannst resignierte, hoffnungsvolle, wütende, enttäuschte, aggressive und bestimmt noch einige Arten mehr von Musik machen, die aber trotzdem allesamt düster sein können. Und das habe ich vor.</em></p>
</blockquote>
<p><span style="text-decoration: underline;"><span style="color: #00ccff; text-decoration: underline;"><strong>Presstige:</strong></span></span> Da du schon „Metal/core und Emo-Bands“ erwähnt hast: du betonst ja immer wieder, mehr Einfluss aus diesen Genres zu haben, was sich spätestens mit DSEPR (einer Anspielung auf DSBM) endgültig bemerkbar gemacht hat. Warum ist es dann gerade Rap geworden? Wäre es nicht naheliegender gewesen, Metal zu machen?</p>
<blockquote>
<p><span style="text-decoration: underline;"><span style="color: #ff0000; text-decoration: underline;"><strong>Paul:</strong></span></span> <em>Naja, um ehrlich zu sein: Es war einfacher. Ich habe immer versucht, Metal zu machen, Gitarre gespielt usw., aber es geh<span style="color: #000000;">ört wesentlich </span>mehr dazu, ein konsistent gutes Metal-Album zu machen. Es muss vor allem handwerklich viel mehr Zeit investiert werden, um Instrumente GUT spielen zu können. Ich wollte mich nicht so sehr festlegen und flexibel bleiben.</em></p>
<p><em>Abgesehen davon ist Rap eine sehr dankbare Musikrichtung, um Inhalte zu vermitteln. Der Fokus liegt auf dem Text und dem Inhalt. Bei Metal kommt viel vom Gefühl auch durch die Energie der Band, und hierfür braucht es sehr gutes Writing und eben auch handwerkliches Können. Das ist als 16-Jähriger ohne musikalische Freunde sicherlich irgendwie möglich, für mich war es aber einfach naheliegender, mir ein Keyboard und ein 20€-Mikrofon zu schnappen und nächtelang allein am PC an meiner Musik zu basteln. Ich konnte mich entfalten wie ich wollte, ich konnte meine Gedanken in verständliche (und unbegrenzte) Worte fassen und noch dazu mit jedem Instrument der Welt jede bliebige Stimmung erzeugen! Das hat mich fasziniert, und so kam es, dass ich es weiter gemacht habe.</em></p>
<p><em>Nebenbei bemerkt habe ich über die Jahre auch ETLICHE Ausflüge in andere Genres unternommen. Habe Schlager, (Psy)Trance, Punk, Black Metal und auch mehrere verschiedene Unterarten von Rap gemacht. Eben weil ich mich nicht nur darauf festlegen wollte, sondern weil es das mit Abstand zugänglichste war und die meisten Möglichkeiten geboten hat.</em></p>
</blockquote>
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<ul class="blocks-gallery-grid">
<li class="blocks-gallery-item">
<figure><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://presstige.org/wp-content/uploads/2021/03/DSEPR_Cover-1024x1024.jpg" alt="" data-id="18752" data-full-url="https://presstige.org/wp-content/uploads/2021/03/DSEPR_Cover.jpg" data-link="https://presstige.org/?attachment_id=18752" class="wp-image-18752" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2021/03/DSEPR_Cover-1024x1024.jpg 1024w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2021/03/DSEPR_Cover-300x300.jpg 300w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2021/03/DSEPR_Cover-150x150.jpg 150w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2021/03/DSEPR_Cover-768x768.jpg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2021/03/DSEPR_Cover-1536x1536.jpg 1536w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2021/03/DSEPR_Cover.jpg 2000w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="blocks-gallery-item__caption"><em>Das Cover zu DSEPR (Depressive Suicidal EmoPunkRap)</em></figcaption></figure>
</li>
</ul>
</figure>
<p><span style="text-decoration: underline; color: #00ccff;"><strong>Presstige:</strong></span> Keine Sorge, deine Ausflüge sind nicht unbemerkt an mir vorbeigezogen! Aber, wie du schon sagst: Es waren eher Ausflüge als Auslandsjahre.</p>
<blockquote>
<p><span style="text-decoration: underline; color: #ff0000;"><strong>Paul:</strong></span> <em>Ja, DAS wiederum liegt daran, dass ich mir selbst ins Bein schießen würde, wenn ich jetzt mein „Haupt-Steckenpferd“ vernachlässigen und etwas neues von null aufziehen würde, das niemand kennt und niemanden interessiert, und das dann vermutlich ungehört eingeht. Vor allem, nachdem ich so viele Jahre darum gekämpft habe, HALBWEGS erfolgreich mit Emopunkrap zu werden.</em></p>
</blockquote>
<p><span style="text-decoration: underline; color: #00ccff;"><strong>Presstige:</strong></span> Würdest du denn einen dauerhaften Ausbruch wollen, wenn es genauso gut ankäme? Als Psyrate Paul oder Paulchen Punker bist du durchaus schon aus deinem gewöhnlichen EmoPunk-Stil ausgebrochen, ebenso mit dem Weltklasse-Trap-Hit „Flixbus“ unter dem Pseudonym Dat Eve. Jedoch schien mir das meistens eher eine Art „Spaßprojekt zwischen all dem harten Scheiß“ zu sein.</p>
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<div class="jetpack-video-wrapper"><iframe title="Dat Eve - Flixbus (prod. by Private Paul) | 16BARS.TV PREMIERE" width="640" height="360" src="https://www.youtube.com/embed/EoAVjK01t54?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></div>
</div>
</figure>
<blockquote>
<p><span style="text-decoration: underline; color: #ff0000;"><strong>Paul:</strong></span> <em>Ist es. Das mit Psyrate Paul versuche ich momentan allerdings tatsächlich ein bisschen regelmäßiger zu machen, beziehungsweise besser. Eigentlich will ich seit Jahren gerne Hardstyle machen, aber auch dort hat mich immer wieder abgeschreckt, dass es einfach sehr schwierig ist, und ich dann nach ein, zwei Nächten voller Elan wieder enttäuscht aufgebe. Daher bin ich dann irgendwann auf Psytrance umgestiegen, weil das vergleichsweise einfach ist, beziehungsweise die Herausforderung dort keine überwiegend handwerkliche ist (Hardstyle ist ohne sehr, sehr tiefes Verständnis von Sounddesign und -synthese eigentlich nicht machbar). Stattdessen kann man einfach „Musik machen“, beliebige Drums und beliebige Synth-Presets zusammenschmeißen, ein bisschen Kreativität und zwei, drei Tage später: fertig ist der Track.</em></p>
<p><em>Es gibt überall natürlich Luft nach oben, aber bei manchen Musikrichtungen ist der Boden halt erst mal sehr viel höher. Das sind leider auch die Musikrichtungen die ich am liebsten erweitern würde&#8230; mal sehen, vielleicht passiert ja noch was. Ich habe öfters mal Anflüge von Motivation, manchmal wird auch was draus.</em></p>
</blockquote>
<p><span style="text-decoration: underline; color: #00ccff;"><strong>Presstige:</strong></span> Ich persönlich finde, dass auch bei den Spaß-Projekten oft was rumkam. Ganz ehrlich, irgendwie hat es einen besonderen Charme, den Typen, der sonst über seinen unermesslichen Weltschmerz rappt zu hören, wie er eine Flixbus-Hymne singt.</p>
<blockquote>
<p><span style="text-decoration: underline; color: #ff0000;"><strong>Paul:</strong></span> <em>Wie meinst du das, dass da was &#8220;rumkam&#8221;?</em></p>
</blockquote>
<p><span style="text-decoration: underline; color: #00ccff;"><strong>Presstige:</strong></span> Insofern, dass das Ergebnis durchaus seine Qualität hat. „Flixbus“ (das ist das letzte Mal, dass ichs erwähne, ich schwörs), „Ein Schluck Mut“ und der letztens erst veröffentlichte „Cannabis ist kein Brokkoli“ höre ich gern, wenn ich mal etwas weniger wütendes oder trauriges möchte, einfach weil es einen perfekten Kontrast zu deiner gewöhnlichen Musik bietet. Vielleicht ist noch Luft nach oben, aber über dem Boden bist du auf jeden Fall.</p>
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<div class="jetpack-video-wrapper"><iframe title="Psyrate Paul - Cannabis ist kein Brokkoli" width="640" height="360" src="https://www.youtube.com/embed/ekSmRVUgwac?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></div>
</div>
</figure>
<blockquote>
<p><span style="text-decoration: underline; color: #ff0000;"><strong>Paul:</strong></span> <em>Dass es von minderer Qualität ist, habe ich nie gesagt! (lacht) So eitel bin ich, ich veröffentliche nichts, von dem ich nicht überzeugt bin, dass es GUT ist, selbst wenn es Quatschmusik ist. Aber ich habe noch nie etwas released, hinter dem ich nicht 100% gestanden hätte. Es gibt ja mehrere Dimensionen bei Musik. Etwas, das funktioniert und Spaß macht zu hören, muss nicht unbedingt meisterlich hergestellt sein. Ob man den Anspruch an sich haben möchte, muss man für sich selbst entscheiden&#8230; aber die Erkenntnis, dass noch Luft nach oben ist, ist der erste Schritt dabei.</em></p>
</blockquote>
<p><span style="text-decoration: underline; color: #00ccff;"><strong>Presstige:</strong></span> Gab es Ideen für Schemaausbrüche, die du verworfen hast? Ich weiß nicht, sowas wie das Du-hast-mich-schon-verstanden Album von Prezident, bei dem du dir gedacht hast: „Ja, nein, den Backlash spar ich mir.“</p>
<blockquote>
<p><span style="text-decoration: underline; color: #ff0000;"><strong>Paul:</strong></span> <em>Lustig, dass du das fragst! Ich denke tatsächlich aktuell über exakt so etwas nach, und bin noch nicht sicher, ob ich Bock auf den Backlash habe… (lacht) Ein, zwei Ideen hab ich sicherlich mal verworfen, aber generell habe ich bisher alles durchgezogen, was mich gecatcht hat. Es sind ja meistens spontane, dumme Ideen, und man denkt sich: „Ja, das mach ich jetzt!“ Dann setzt man sich direkt hin und zieht das durch. Bisher wars dann auch eigentlich immer gut genug, dass es am Ende auch rauskommen konnte.</em></p>
</blockquote>
<p><span style="text-decoration: underline; color: #00ccff;"><strong>Presstige:</strong></span> Na, dann bin ich mal gespannt, ob du dir da was aus dem Hut zauberst! Schlittern wir aber vielleicht mal von den Neben- zum Haupt-Steckenpferd zurück: EPR, genauer, EPR 1. Das hat ja ein recht … sagen wir mal, „eigenes“ Coverbild. Dieselbe Art von Bildern zieht sich auch durch die beiden Fortsetzungen, wenn auch nur innerhalb der CD-Hülle. Wie kam es zu diesem Bild?</p>
<div style="height:35px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>
<hr class="wp-block-separator aligncenter has-text-color has-background has-black-background-color has-black-color is-style-wide"/>
<figure class="wp-block-pullquote is-style-default" style="border-color:#000000">
<blockquote class="has-text-color" style="color:#00defb">
<p>Unter normalen Umständen hätte ich das Coverbild zu &#8220;EmoPunkRap&#8221; eingefügt, <a href="https://www.emopunkrap.de/shop/inner/wp-content/uploads/2017/07/emopunkrap.png"><em>statt es nur zu verlinken</em></a>. In Anbetracht dessen jedoch, dass dieses Blut und Narben zeigt, habe ich mich dagegen entschieden, um niemanden zu schädigen, der Probleme mit Selbstverletzung hat und das Bild nicht sehen möchte.</p>
<p><cite><strong>Anmerkung des Redakteurs</strong></cite></p></blockquote>
</figure>
<hr class="wp-block-separator has-text-color has-background has-black-background-color has-black-color is-style-wide"/>
<div style="height:35px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>
<blockquote>
<p><span style="text-decoration: underline; color: #ff0000;"><strong>Paul:</strong></span> <em>Puh &#8230; den GANZ genauen Hergang kriege ich nicht mehr zusammen, befürchte ich. Ich hatte aber zu der Zeit eine gute Freundin, die es mir, wenn ich mich richtig erinnere, mehr oder weniger ungefragt angeboten hat, nachdem ich von der Idee phantasiert hatte. Ich war sofort begeistert und habe eine ganze Fotoserie beauftragt, aus der am Ende dann das Cover entstanden ist. es war – und ist – für mich eine große Ehre, vergleichbar mit einem Tattoo meines Namens/Logos. Bei den folgenden Alben musste das natürlich fortgeführt werden, allerdings wollte ich mir da selbst ein paar Steine weniger in den Weg legen. Das Cover vom ersten Album hat nämlich durchaus Ablehnung bei einigen Leuten erzeugt. Damals war mir das relativ egal, aber mir ist recht bald klar geworden, dass niemand sich meine Musik anhören wird, wenn er schon vom Cover (komplett) abgeschreckt wird. Deswegen: Blut nur noch auf dem Wendecover!</em></p>
</blockquote>
<p><span style="text-decoration: underline; color: #00ccff;"><strong>Presstige:</strong></span> Dass dir das eine große Ehre ist, rappst du ja auch auf <em>„Rebellion“</em>: „Jeder, der sich wegen mir geschnitten hat, ist mein Held.“ Um ehrlich zu sein, habe ich die Zeile nie so ganz verstanden. Wieso ist dir das eine Ehre?</p>
<blockquote>
<p><span style="text-decoration: underline; color: #ff0000;"><strong>Paul:</strong></span> <em>Ähm &#8230; also, wenn du das nicht verstehst, werd ichs dir auch nicht erklären können, glaub ich. (lacht) Wäre es für dich keine Ehre, wenn sich jemand deinen Namen tätowieren lässt? Das kommt aufs gleiche raus, noch dazu ist es viel intimer als ein Tattoo. Es ist ein Ausdruck davon, dass ich, beziehungsweise meine Musik für Menschen an ihrem absoluten Tiefpunkt etwas ist, das ihnen noch etwas bedeutet, das ihnen Halt gibt, das sie berührt. Und das ehrt mich.</em></p>
</blockquote>
<p><span style="text-decoration: underline; color: #00ccff;"><strong>Presstige:</strong></span> Vielleicht ist „verstehen“ nicht ganz der richtige Audruck gewesen. „Nachvollziehen“ triffts vermutlich eher. Ich verstehe deine Ansicht, kann aber die Verbindung von Selbstverletzung und Tätowierung nicht hundertprozentig nachvollziehen. Der Kontext beim Anbringen eines Tattoos ist doch ein ganz anderer. Dass sich jemand etwas von mir tätowieren lässt, klingt für mich weit positiver, als dass die Person sich für mich schneidet. Mich würde letzteres eher belasten&#8230;</p>
<blockquote>
<p><span style="text-decoration: underline; color: #ff0000;"><strong>Paul:</strong></span> <em>Der Kontext ist hier wichtig, denke ich. Wenn sich jemand wegen mir schneidet, weil ich etwas falsch gemacht hab‘: klar, da bin ich bei dir. Wenn sich jemand aber zum Ausdruck der Wertschätzung mein Albumcover in die Haut ritzt, empfinde ich das als eine außergewöhnliche Ehre. Und damit sind wir wieder am Anfang. (lacht)</em></p>
</blockquote>
<p><span style="text-decoration: underline; color: #00ccff;"><strong>Presstige:</strong></span> Stimmt, wir sind wieder am Anfang, aber jetzt sehe ich meine Frage als beantwortet! Wo wir gerade bei Fans sind, die deine Musik berührt – du bist ja Begründer der Statusbericht-Reihe, der, Zitat, <em><a href="https://www.welt.de/kultur/article204699960/Private-Paul-Statusbericht-Die-einzige-Neujahrstradition-die-wirklich-zaehlt.html">„einzigen Neujahrstradition, die zählt“</a></em> (Dennis Sand in der <em>Welt</em>). Anhand der Klickzahlen ist erkennbar, dass viele Leute diese Tracks von dir vergöttern, sich darüber hinaus aber nicht für dein Schaffen interessieren. Du selbst hast das auch schon öfter angemerkt. Der Statusbericht 2019 klang sehr nach „Ende Gelände“, Silvester 2020 kam dann aber doch noch einer. Wieso?</p>
<blockquote>
<p><span style="text-decoration: underline; color: #ff0000;"><strong>Paul:</strong></span> <em>Zweierlei Gründe: Der erste ist, so traurig es klingt, die Erkenntnis, dass der Statusbericht, pathetisch gesagt, alles ist, was ich habe. Mein (einziger) großer Hit. Wenn der kommt, bekommt er Aufmerksamkeit. Wie schon 2020 auch gesagt: Vielleicht ist es genau das, was ich immer wollte. Dass mir viele Leute zuhören. Und mit der Erkenntnis (oder Befürchtung), dass viel größeres als der Erfolg der Statusberichte nicht mehr passieren wird in meiner Karriere, habe ich mir überlegt, dass es das absolut DÜMMSTE wäre, was ich tun könnte, diese Serie abzubrechen. Und so hab ich das ganze Jahr lang hin und her überlegt, und gegen Ende des Jahres hab ich ein ganz seltsames Gefühl bekommen, als würde es mir fehlen. Als würde es dazugehören mittlerweile. Als wäre ich es den Leuten schuldig, die mir diese Aufmerksamkeit und Begeisterung geschenkt haben, nicht wenigstens das zurückzugeben, was sie am meisten von mir wollen…</em></p>
</blockquote>
<p><span style="text-decoration: underline; color: #00ccff;"><strong>Presstige:</strong></span> Das klingt nach einem heftigen Dilemma, an dem du ordentlich rumgerätselt hast. Wie war das Gefühl, als du dich für einen Statusbericht 2020 entschieden hast und die ersten Resonanzen kamen? Bist du im Nachhinein froh darüber, die Serie fortgeführt zu haben?</p>
<blockquote>
<p><span style="text-decoration: underline; color: #ff0000;"><strong>Paul:</strong></span> <em>Da bin ich ehrlich gesagt noch nicht ganz sicher. Ich werde die vorigen nicht mehr toppen können. Die Luft war raus, es war alles erzählt. Deswegen wäre (und war) es ja der perfekte Abschluss gewesen&#8230; ein bisschen fühlt es sich an, als hätte ich das jetzt verwässert. Als würde ein neuer Abschnitt anfangen.</em></p>
</blockquote>
<p><span style="text-decoration: underline; color: #00ccff;"><strong>Presstige:</strong></span> Vielleicht ist der neue Abschnitt ja aber auch etwas Gutes. Ich bezweifle, dass sich die Leute im Jahr 2054 immer noch den jährlich erscheinenden Statusbericht reinziehen würden. Ein paar sicher, aber der Großteil würde sicher irgendwann die Lust daran verlieren, egal, wie gut der neue Statusbericht ist. Bevor man endet wie die Simpsons, fängt man doch lieber etwas neues an, oder?</p>
<blockquote>
<p><span style="text-decoration: underline; color: #ff0000;"><strong>Paul:</strong></span> <em>Vielleicht, aber genau das habe ich ja nicht getan! (lacht)</em></p>
</blockquote>
<p><span style="text-decoration: underline; color: #00ccff;"><strong>Presstige:</strong></span> Diesmal nicht, nein. Aber bis zum nächsten Silvester ist ja noch etwas Zeit. Vielleicht findest du bis dahin ja eine andere Idee, mit der du einen Volltreffer landest. Ich würde es dir auf jeden Fall wünschen, dass Statusbericht nicht der einzige Volltreffer bleibt.</p>
<blockquote>
<p><span style="text-decoration: underline; color: #ff0000;"><strong>Paul:</strong></span> <em>Ich bezweifle es, aber man wird sehen.</em></p>
</blockquote>
<p><span style="text-decoration: underline; color: #00ccff;"><strong>Presstige:</strong></span> Man wird sehen. Ich glaube, das ist ein guter Moment, um die Sache abzurunden. Wenn du noch schlaue Lebensweisheiten hast oder Werbung machen willst, sprich, sonst schweig still!</p>
<blockquote>
<p><span style="text-decoration: underline; color: #ff0000;"><strong>Paul:</strong></span> <em>Wenn ich euer Interesse geweckt habe, hört gern mal rein! Ich bin auf Spotify unter „Private Paul“ und auf Youtube auf dem Kanal „EmoPunkSupport“ zu finden. Im Herbst erscheint eine neue EP, die so gut wie fertig ist. Danke für die Aufmerksamkeit, und danke für das Interview!</em></p>
</blockquote>
<p><span style="text-decoration: underline; color: #00ccff;"><strong>Presstige:</strong></span> Danke auch dir, Paul! Ich wünsch dir was!</p>
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<div class="wp-block-button"><a class="wp-block-button__link has-background" href="https://www.youtube.com/user/EmoPunkSupport/featured" style="background:linear-gradient(135deg,rgb(0,0,0) 0%,rgb(127,3,5) 100%)" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><em><strong>&#8220;EmoPunkSupport&#8221; </strong></em>auf YouTube</a></div>
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<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2021/03/der-mann-hinter-emopunkrap-private-paul-und-seine-schmerzmusik/">Der Mann hinter EmoPunkRap &#8211; Private Paul und seine Schmerzmusik</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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		<title>Themenwoche Zukunft: Literarische Beiträge</title>
		<link>https://presstige.org/2021/01/themenwoche-zukunft-literarische-beitraege/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Valentin Erhardt]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Jan 2021 09:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[ausdruck]]></category>
		<category><![CDATA[gedicht]]></category>
		<category><![CDATA[gras]]></category>
		<category><![CDATA[hoffnung]]></category>
		<category><![CDATA[kurzgeschichte]]></category>
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		<category><![CDATA[zukunft]]></category>
		<category><![CDATA[zukunftsängste]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am dritten Tag der Themenwoche präsentieren wir euch zwei literarische Beiträge in einem! Eine Kurzgeschichte übernimmt den Blickwinkel der Hoffnungslosigkeit auf die Zukunft, ein Gedicht bietet das optimistische Gegenstück und beleuchtet mögliche Lichtblicke.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2021/01/themenwoche-zukunft-literarische-beitraege/">Themenwoche Zukunft: Literarische Beiträge</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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									<p>Am dritten Tag der Themenwoche präsentieren wir euch zwei literarische Beiträge in einem! Eine Kurzgeschichte übernimmt den Blickwinkel der Hoffnungslosigkeit auf die Zukunft, ein Gedicht bietet das optimistische Gegenstück und beleuchtet mögliche Lichtblicke.</p>								</div>
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									<p>Tabak x Gras: Eine Kurzgeschichte von Valentin Erhardt über Zukunftsängste, Selbstzerstörung und <span class="ILfuVd"><span class="hgKElc">Dysthymie</span></span>.</p>								</div>
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									<p style="text-align: left;">Kleine Wunder: Ein Gedicht von Franziska Riesinger über Mensch, Maschine und Momente des Glücks.</p>								</div>
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					<h2 class="elementor-heading-title elementor-size-default">Tabak x Gras</h2>				</div>
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									<p>Viktor saß still da und blickte zwischen die Wolkenschwaden, die den dunklen Himmel bedeckten. Sein leiser Atem und seine Starre wurden nur unterbrochen durch die Bewegung seines Arms und den darauffolgenden Zug an der Zigarette. Hinter sich wusste er die beleuchtete Straße, die ihn nicht interessierte, vor sich das gräserne, im Dunkel versinkende Nichts. Über sich sah er die Unendlichkeit und blies den Rauch in sie hinauf.</p>
<p>Schritte auf Kies ließen ihn aufhorchen. Die Geräusche von tiefen Atemzügen durch den Mund, die nach Selbstbeherrschung klangen.</p>
<p>Viktor drehte seinen Kopf herum und erblickte eine Gestalt über den Gehweg trotten, noch einige dutzend Meter von ihm entfernt, den rasierten Kopf in den Nacken gelegt und Dampf aushauchend. Unter jeder Straßenlaterne konnte Viktor ihre dicke Jacke und die in die Taschen gesteckten Hände erkennen, bis die Sichtbarkeit der Gestalt wieder abnahm und sie unsichtbar wurde, bevor sie den nächsten Lichtkegel betrat.</p>
<p>Unter einer Laterne hinter ihm angekommen, blieb die Gestalt stehen, sah zu Viktor herüber und hob grüßend das Kinn. Viktor antwortete auf dieselbe Art, was die glatzköpfige Person als Einladung zu nehmen schien, näherzukommen.</p>
<p>„Hey, haste &#8216;ne Kippe für mich über?“</p>
<p>Viktor zog eine leere Schachtel aus seinem Kapuzenpulli hervor, dann eine volle. Er warf die leere Packung beiseite.</p>
<p>„Danke, bist ein Retter.“</p>
<p>„Feuer?“, fragte Viktor. Der Mann setzte sich neben ihn ins Gras, die Zigarette zwischen den Lippen und beugte sich hinüber. Im gelben Schein der kleinen Flamme sah Viktor den Drei-Tage-Bart, die Augenringe und die nervös zuckenden Lider.</p>
<p>„Alles klar, Mann?“, fragte er. „Du siehst fertig aus.“</p>
<p>Der Fremde nahm einen tiefen Zug und stieß eine Rauchwolke aus, während er den Kopf schüttelte.</p>
<p>„Geht so. Es ging mir auf jeden Fall schon besser.“</p>
<p>Nach mehreren weiteren Zügen fügte er hinzu: „Und selbst? Warum sitzt du hier mitten in der Nacht im Feld?“</p>
<p>„Konnte nicht schlafen“, antwortete Viktor und blickte wieder hoch zum Mond. „Und wenn ich schon keinen Schlaf kriege, will ich wenigstens meine Ruhe, und die habe ich nur hier.“</p>
<p>„Sorry, dass ich sie gestört habe“, sagte der Fremde heiser lachend. Viktor lächelte mild.</p>
<p>„Kein Ding. Ich hatte die Nacht schon zwei Stunden für mich allein, das wird reichen müssen. Was treibt dich hierher?“</p>
<p>„Gute Frage“, seufzte der Mann. Nach einigen Momenten der Stille und weiteren Zügen an der Kippe fuhr er fort: „Ich konnte gewissermaßen auch nicht schlafen. Habe bis Mitternacht gearbeitet und kam dann komplett tot nach Hause in meine Zwei-Zimmer-Wohnung. Da war ich dann plötzlich wach, obwohl ich komplett im Arsch war und es jetzt noch bin.“</p>
<p>Die Zigarette zwischen seinen Fingern schrumpfte erneut um einige Millimeter und etwas Asche fiel hinab auf die Jacke des Fremden. Er bemerkte es nicht.</p>
<p>„Da hat mich irgendwie alles &#8230; die ganze Situation hat mich einfach wütend gemacht und krank, und ich hab in mein Zimmer geschrien und gegen die Wand geschlagen. Danach bin ich weg, weil ich da raus musste. Ich hatte das Gefühl, dass frische Luft mich vielleicht beruhigen könnte, also bin ich los und durch die Straßen gerannt, bis ich hier angekommen bin.“</p>
<p>„Was hat dich denn so wütend gemacht?“, fragte Viktor, während er sich eine weitere Kippe aus dem Päckchen zog und dann dem Fremden die offene Packung anbot, der seine Zigarette schon fast vernichtet hatte. „Viktor, übrigens.“</p>
<p>„Paul. Danke.“ Er nahm sich eine weitere Zigarette aus der Schachtel und beugte sich herüber. Nach dem Anzünden antwortete er: „Keine Ahnung, alles irgendwie. Mein Job, meine Wohnung, dass ich so viel mache und trotzdem nichts vorangeht. Dass ich das Gefühl habe, als würde ich mein Leben verschwenden, dass sich niemand meldet und ich mich alt fühle, als würde ich seit 30 Jahren hart buckeln. Die ganze Scheiße ist frustrierend.“</p>
<p>„Kann ich verstehen, die Frustration“, antwortete Viktor und kratzte sich an den Bartstoppeln. Seine Augen ruhten auf der Zigarette zwischen den Lippen Pauls, welcher diese innerhalb weniger Züge auf die halbe Länge reduziert hatte.</p>
<p>„Ich bin seit 4 Jahren single, seh meine Eltern an Weihnachten und Ostern und hänge jeden zweiten Abend einfach rum, ohne einen Plan zu haben, was ich mit der wenigen Freizeit anfangen soll, die ich habe. In manchen Wochen ist das dann jeden Abend so.“</p>
<p>„Und dann hängst du hier rum?“, fragte Paul.</p>
<p>„Meistens, ja“, seufzte Viktor. „Hier bekomme ich wenigstens keine Whatsapp-Nachrichten. Und den Kopf manchmal ein bisschen frei.“</p>
<p>Beide blickten in den Himmel und zogen an ihren Kippen. Einige Minuten sprach keiner von beiden, nur das Knistern der Glut und das Ausatmen der beiden war zu hören, welches sich immer weiter harmonisierte. Über ihnen knatterte ein Helikopter durch die Stille und störte den Frieden, der sich wie ein Moment anfühlte, in welchem die Welt still stand. Viktor verzog den Mund.</p>
<p>„Scheiß Maschinen“, fluchte er abschätzig und spuckte aus. „Jetzt zerstören sie einem auch noch das bisschen Leben, das noch ohne Technik funktioniert.“</p>
<p>„Wäre es dir ohne lieber?“, fragte Paul und streifte Viktor mit einem argwöhnischen Seitenblick.</p>
<p>„Manchmal, ja“, erwiderte Viktor, zog die nächste Zigarette aus der Packung und klemmte sie sich zwischen die Zähne. „Aber leider ist man heutzutage ja kein ganzer Mensch mehr ohne Smartphone, Tablet und Alexa.“</p>
<p>Paul sagte nichts, lehnte sich zurück und stützte sich auf seine Ellenbogen, mittlerweile durch das Nikotin sichtbar entspannt. Nachdem Viktor seine Zigarette angezündet und sein Feuerzeug aus der Tasche gekramt hatte, fügte er hinzu:</p>
<p>„Zugegebenermaßen ist die Technik ja sehr praktisch. Aber oft fühl ich mich von ihr eingeengt. Manchmal will ich einfach keine Musik hören und keine Nachrichten lesen. Manchmal will ich nicht wissen, was in der Welt so passiert, sondern einfach nur an nichts denken und es genießen, verstehst du?“</p>
<p>„Ja, ich verstehe es“, gab Paul zurück. „Ich kriege manchmal das Gefühl, dass nicht ich mein Handy benutze, um irgendetwas zu erfahren, sondern dass mein Handy mich mit Informationen zwangsernährt. Als hätte ich das nicht unter Kontrolle.“</p>
<p>„Exakt.“, erwiderte Viktor und nickte. „Es ist, als hätte man kein Mitspracherecht, als würde das Teil dir sagen, was dich zu interessieren hat, nur, weil es weiß, was dich sonst so interessiert.“</p>
<p>„Kranke Scheiße, wenn man so darüber nachdenkt“, gab Paul zu bedenken und legte den Kopf in den Nacken.</p>
<p>„Ja“, sagte Viktor und zuckte mit den Schultern, bevor er den nächsten Zug nahm. „Ich denke schon. Aber andererseits, was im Leben ist nicht krank, wenn man länger darüber nachdenkt?“</p>
<p>Paul fiel keine rechte Antwort ein, also schwieg er. Als seine Zigarette abgebrannt war, fragte er nach keiner weiteren. Viktor bot ihm dennoch eine an und kurz darauf flackerte erneut das Feuer hinter seiner Hand als Windschutz auf. Ein paar Minuten herrschte wieder Stille.</p>
<p>„Hast du &#8216;ne Freundin?“, brach Viktor das Schweigen.</p>
<p>„Nein.“</p>
<p>„Wieso nicht?“</p>
<p>„Weiß nicht. Hat nie so recht geklappt.“</p>
<p>„Hm.“</p>
<p>Paul drückte den Kippenstummel im Gras aus und ließ sich auf den Rücken fallen. Mit den Armen hinter seinem Kopf verschränkt blickte er hinauf in die Sterne und atmete langsam und tief. Von hier unten sah alles so klein aus, und doch so gigantisch. Ein Meer aus weit entfernten Welten, alle auf eine Karte gebracht, um ihn von hoch oben zu betrachten. Aus deren Perspektive waren seine Probleme wohl nichts wert.</p>
<p>Auch Viktor blickte hinauf und genauso wie Paul empfand er sich plötzlich als unbedeutend vor der Welt. Ein Teil in ihm fand das beängstigend, ein anderer begrüßte diese Ansicht. Er drückte seine Zigarette auf seinem Handrücken aus und verzog vor Schmerz das Gesicht.</p>
<p>„Was denkst du“, fragte Paul und ließ Viktor aufschrecken, „wie viele schauen da noch gerade hoch?“</p>
<p>Paul starrte in die Höhe. Er hatte nichts bemerkt.</p>
<p>„Keine Ahnung“, murmelte Viktor, „aber ich hoffe, dass es nicht allzu viele aus ähnlichen Gründen tun wie du und ich.“</p>
<p>Paul nickte. Nach einer weiteren Minute des Schweigens setzte er sich auf und rieb seine Hände aneinander, um die Kälte des Grases aus ihnen zu vertreiben.</p>
<p>„Weißt du“, sagte er, „manchmal, da denke ich, dass ich vielleicht einfach abhauen sollte. Scheißegal wohin, einfach weg, egal für wie lange. Einfach den ganzen Scheiß liegen lassen; Handy, Schlüssel und Ausweis da lassen und raus. Niemandem Bescheid sagen und nur ein bisschen Geld mitnehmen, um sich was zu essen zu kaufen.“</p>
<p>„Das Gefühl kenn&#8217; ich“, erwiderte Viktor und seufzte. „Aber dann setzt die Logik wieder ein: ‚Das kannst du nicht machen, denk an deine Eltern, du hast Verpflichtungen‘, bla bla bla. Und am Ende macht mans nicht, obwohl es wahrscheinlich das einzig richtige wäre.“ Nach diesen Worten seufzte er erneut und ließ die Hände, die er zum Gestikulieren erhoben hatte, wieder sinken. Paul fuhr sich mit einer Hand über den kahlen Schädel und kratzte sich am Hinterkopf.</p>
<p>„Tja“, sagte er heiser und hustete. „Ich schätze, dass das einfach der vernünftige Teil in einem ist, der weiß, dass man damit zu viele Risiken eingeht. Vielleicht ist das die Erziehung, die einem sagt, dass man nicht aus dem Muster ausbrechen und gegen Regeln verstoßen soll, weil sich das nicht gehört.“</p>
<p>„Vielleicht ist der Teil gar nicht so vernünftig, wie er meint“, brummte Viktor.</p>
<p>„Vielleicht vergisst er, dass man auf die Art sehr schnell sehr unglücklich werden kann.“</p>
<p>„Wer weiß“, murmelte Viktor, als Paul nicht antwortete, und zuckte mit den Schultern. Dann ließ er sich ins Gras fallen. Am Horizont zeigten sich die ersten Sonnenstrahlen eines neuen Tages, welche die Karte der Welten über den beiden Männern langsam verblassen ließen. Ein Blick auf die Uhr sagte Viktor, dass es fast fünf war.</p>
<p>„Was denkst du, wie geht’s jetzt weiter?“, fragte er. „Was macht man nach so einer Nacht?“</p>
<p>Dabei deutete er gen Himmel, wie um diesen für seine Wachheit verantwortlich zu machen.</p>
<p>„Keine Ahnung“, antwortete Paul. „Nach Hause gehen, hinlegen, einschlafen und morgen von vorne anfangen, bis ich nicht mehr kann. Irgendwann wieder ausrasten und ein paar Tage wie im Koma verbringen, und dann nochmal. Das hier ist nur eine Zwischensequenz zwischen zwei Phasen der Unzufriedenheit.“</p>
<p>Da mittlerweile nur noch der Mond eindeutig zu erkennen war, riss Paul sich vom Anblick des Himmels los und ließ den Kopf sinken.</p>
<p>„Keine Ahnung, wie lange ich das noch durchhalte“, murmelte er resigniert. „Es fühlt sich an, als würde irgendetwas in mir langsam zerbrechen, wenn ich so weiterlebe. Aber ich weiß weder, was es ist, noch wie ich es reparieren kann.“</p>
<p>Dann, nach einer Pause: „Und du? Was machst du nach so einer Nacht?“</p>
<p>„Nach Hause gehen und weitermachen“, sagte Viktor und grinste müde. „Ein bisschen vor mich hin leben, ohne einen Plan zu haben, warum und wozu. Dann und wann ein bisschen lachen, dann und wann ein bisschen heulen &#8230; wenn es zu schlimm wird, komme ich hierher und versuche, nicht auszurasten. Und dann weitermachen.“</p>
<p>„Gute Aussichten, was?“, spottete Paul.</p>
<p>„Ja“, antwortete Viktor. Kurz flog ein Lächeln über sein Gesicht, das gleich wieder verschwand und nur Resignation zurückließ.</p>
<p>„Ja, in der Tat.“ Dann zog er nochmal an seiner Zigarette, bevor er sie auf seinem Handrücken ausdrückte.</p>								</div>
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									<p class="MsoNormal"><span lang="de">Na, wie gefällt dir die Aussicht, X73?</span></p><p class="MsoNormal" style="text-align: right;" align="right"><span lang="de">Ich verstehe deine Begeisterung nicht.</span></p><p class="MsoNormal" style="text-align: right;" align="right"><span lang="de">Was ist besonders an Blumen, Büschen, Bäumen?</span></p><p class="MsoNormal"><span lang="de">Ach X73, sie erlauben mir zu träumen.</span></p><p class="MsoNormal"><span lang="de"> </span></p><p class="MsoNormal"><span lang="de">Siehst du hinter dem verfallen Tor,</span></p><p class="MsoNormal"><span lang="de">spitzeln Schneeglöckchen hervor.</span></p><p class="MsoNormal" style="text-align: right;" align="right"><span lang="de">Meine Kamera hat das Tor erfasst,</span></p><p class="MsoNormal" style="text-align: right;" align="right"><span lang="de">und sogleich eine Reparatur veranlasst.</span></p><p class="MsoNormal"><span lang="de"> </span></p><p class="MsoNormal"><span lang="de">Und schau, ein Spatz auf einem Aste hüpft,</span></p><p class="MsoNormal"><span lang="de">sich mit dem Schnabel eine Beere pflückt.</span></p><p class="MsoNormal" style="text-align: right;" align="right"><span lang="de">Wenn du hungrig bist,</span></p><p class="MsoNormal" style="text-align: right;" align="right"><span lang="de">ein McDonald&#8217;s in 15 Kilometern Nähe ist.</span></p><p class="MsoNormal" style="text-align: right;" align="right"><span lang="de"> </span></p><p class="MsoNormal"><span lang="de">Spürst du, wie der frische Wind mich streift,</span></p><p class="MsoNormal"><span lang="de">meine Sorgen er ergreift.</span></p><p class="MsoNormal" style="text-align: right;" align="right"><span lang="de">Die Windgeschwindigkeit beträgt 9 kmh,</span></p><p class="MsoNormal" style="text-align: right;" align="right"><span lang="de">ab 40 wird sie zur Gefahr!</span></p><p class="MsoNormal"><span lang="de"> </span></p><p class="MsoNormal"><span lang="de">Der Wind trägt fort meine Zweifel, Ängste,</span></p><p class="MsoNormal"><span lang="de">die dunklen Gedanken, das Schlimmste.</span></p><p class="MsoNormal" style="text-align: right;" align="right"><span lang="de">Geht es dir gut? Bist du wohlauf?</span></p><p class="MsoNormal" style="text-align: right;" align="right"><span lang="de">Ich werde aus deinen Sätzen nicht schlau.</span></p><p class="MsoNormal"><span lang="de">Ja X73, mir geht es wunderbar. </span></p><p class="MsoNormal"><span lang="de">Helle Sonnenstrahlen wärmen meine Haut,</span></p><p class="MsoNormal"><span lang="de">ein Lachen wird in meiner Kehle laut.</span></p><p class="MsoNormal" style="text-align: right;" align="right"><span lang="de">Ach, wäre ich wie du ein Mensch,</span></p><p class="MsoNormal" style="text-align: right;" align="right"><span lang="de">könnte ich dich verstehn.</span></p><p class="MsoNormal"><span lang="de">X73, sagt das nicht,</span></p><p class="MsoNormal"><span lang="de">du bist perfekt so wie du bist!</span></p><p class="MsoNormal"><span lang="de"> </span></p><p class="MsoNormal"><span lang="de">Auch eine Maschine wie du kann lernen,</span></p><p class="MsoNormal"><span lang="de">den kleinen Wundern Beachtung zu schenken!</span></p><p><!-- [if gte mso 9]><xml><br />
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		<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2021/01/themenwoche-zukunft-literarische-beitraege/">Themenwoche Zukunft: Literarische Beiträge</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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		<title>Silent Psalms</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Valentin Erhardt]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Dec 2020 09:00:00 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Silent Psalms]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>The thoughts of a chosen messiah, a future king of all calamity.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2020/12/silent-psalms/">Silent Psalms</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[</p>
<p class="has-text-align-center">The mountain cast a sullen shade<br />Across the landscape&#8217;s barren grace<br />A careless gloom&#8217;s forgotten blade&#8217;s<br />been laid atop the vacant waste</p>
<p class="has-text-align-center">Messiah I&#8217;ve been dubbed by thee<br />In ruined realm a promised duke<br />Of sacred birth &#8216;tween godless priests<br />My silent psalms of no rebuke</p>
<p class="has-text-align-center">Bleak scenery shall flourish, bloom<br />Grow blossoms, thorns, through prophecy<br />The vision roots in poisoned womb<br />Whose spawn will be a prodigy</p>
<p class="has-text-align-center">My wounded heart shall cry the tears<br />Of bitter-sweet melancholy<br />For wielders of the sacred gear<br />Are kings of all calamity</p>
<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2020/12/pexels-photo-2589010-819x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-16628" width="416" height="521" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/12/pexels-photo-2589010-819x1024.jpeg 819w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/12/pexels-photo-2589010-240x300.jpeg 240w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/12/pexels-photo-2589010-768x961.jpeg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/12/pexels-photo-2589010-1228x1536.jpeg 1228w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/12/pexels-photo-2589010-1637x2048.jpeg 1637w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/12/pexels-photo-2589010.jpeg 1799w" sizes="(max-width: 416px) 100vw, 416px" /><figcaption>©Trace Hudson auf Pexels.com</figcaption></figure>
</div>
<p>Link zum Bild: https://www.pexels.com/de-de/foto/landschaft-natur-person-sand-2589010/</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2020/12/silent-psalms/">Silent Psalms</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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