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	<title>beteiligung Archive | presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</title>
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		<title>Müller will über das „Reden“ reden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael Müller]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Nov 2015 17:38:54 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://presstige.org/wp-content/uploads/2015/11/Müller_1200_Reden.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-8277" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2015/11/Müller_1200_Reden.jpg" alt="Müller_1200_Reden" width="1200" height="673" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/11/Müller_1200_Reden.jpg 1200w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/11/Müller_1200_Reden-400x224.jpg 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/11/Müller_1200_Reden-1024x574.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a></p>
<p><strong>„Meinung ist tot? Nicht mit uns!“ So lautet das Motto dieser Kolumne für eine neue Meinungskultur. Doch braucht es die überhaupt noch? Immerhin werden wir von Politik und Wirtschaft gerade an beinahe jeder Ecke nach unserer Meinung gefragt. Wurde das Ziel dieser Reihe am Ende von der Realität überholt? Zeit, einmal in eigener Sache zu reden!</strong></p>
<p>Wer anderen gerne einmal die Meinung sagt, hat es zurzeit vielleicht einfacher als jemals zuvor. Egal ob Kundenzufriedenheit, Innovation im Unternehmen oder die große Politik – immer häufiger ist die Mitarbeit des „kleinen Mannes“ gefragt. Das wirklich Neue daran ist vor allem die Qualität des Interesses an der Meinung des Einzelnen. Beispielsweise haben Mitglieder der Bundesregierung von April bis Oktober dieses Jahres an verschiedenen Orten in ganz Deutschland und über das Internet einen Bürgerdialog um Thema „Gut leben in Deutschland“ geführt. Momentan werden die Ergebnisse der Diskussionen ausgewertet. Das Ziel ist, im kommenden Jahr ein Aktionsprogramm zu erarbeiten, das auf Basis der Bürgermeinung konkrete Maßnahmen enthält, um die Lebensqualität zu verbessern. Damit ist ein Maß an Bürgerbeteiligung erreicht, das die klassischen Statisktiken des Politbarometers weit hinter sich lässt.</p>
<p>In der Wirtschaft ist der Ansatz, schwierige Herausforderung unter Berücksichtigung möglichst<br />
vieler verschiedener Perspektiven zu lösen, schon länger im Gerspräch. Bereits Mitte der 1990er Jahre haben die Japaner Nonaka und Takeuchi in ihrem Buch „Die Organisation des Wissens“ festgestellt, dass vor allem ein offener Austausch der Mitarbeiter eines Unternehmens über die Grenzen von Hierarchien oder Abteilungen hinweg Innovation oder neues Wissen im Betrieb schafft. Das Voranschreiten der Globalisierung und die Entstehung immer komplexerer, neuer wirtschaftlicher Strukturen wird dieses Bedürfnis zumindest nicht gemindert haben. Immer wieder setzen Unternehmen deshalb auf Arbeit in interdisziplinären Projektteams, flache Hierarchien und eine Vielzahl gemeinsamer Kreativitätstechniken. Auch beim Thema der innerbetrieblichen Beteiligung redet inzwischen die Politik mit. Zum Beispiel hat das Bundeswirtschaftsministerium schon vor zwei Jahren einen Leitfaden zum Wissensmanagemet in Unternehmen herausgebracht, der auch Hinweise enthält, wie eine interne Dialogkultur gefördert werden kann. Aber rennt diese Kolumne nicht einfach nur offene Türen ein, wenn die Meinung des Einzelnen in Politik und Wirtschaft ohnehin schon so eine große Rolle spielt?</p>
<h3>Ein Anreiz macht noch keine Kultur</h3>
<p>Nicht unbedingt, denn alle beschriebenen Maßnahmen schaffen erst einmal nur einen Anreiz, die eigene Meinung einzubringen. Bei der Frage, ob der gewünschte Dialog tatsächlich entsteht, kommt es aber letztlich auf seine Teilnehmer an – und damit auf uns. Sich so an einer Diskussion zu beteiligen, dass am Ende ein komlpexes Problem gelöst werden kann, ist allerdings gar nicht so einfach. Neben ausreichenden Kenntnissen zum Thema des Dialogs braucht es dazu in erster Linie gewisse „handwerkliche Fähigkeiten“. Wie baue ich eine gute Argumentation auf? Wie gehe ich mit Kritik um und wie widerpsreche ich anderen konstruktiv? Wie schmiede ich einen Kompromiss und wann sollte ich mit einem Ergebnis zufrieden sein? Allein diese Fragen machen bereits deutlich, dass es einige Erfahrung, Menschenkenntnis und Fingerspitzengefühl benötigt, um erfolgreich eine Meinung zu vertreten. Wie die meisten praktischen Fähigkeiten lässt sich das Diskutieren aber nicht am Schreibtisch lernen, sondern nur durch regelmäßige Übung. Der passendste Ort dafür müsste eigentlich die Uni sein, denn immerhin war es ja eines der Ziele des Bologna-Prozesses, Studierende für genau diesen modernen Arbeitsmarkt fit zu machen, auf dem meinungsstarke Bewerber gerade so gefragt sind. Wie sieht es also an der Uni aus?</p>
<p>Oft leider nicht ganz so dialogfreudig wie erhofft. Ironischerweise hat das teilweise mit Veränderungen zu tun, die eine Folge Bolognas waren. Die Zuordnung von nur sechs Credit Points zu einzelnen Seminaren hat in einigen Studiengängen dazu geführt, dass orientiert an der Regelstudienzeit innerhalb des einzelnen Seminars kaum noch Raum zur Diskussion bleibt. Gerade bei Kursen, in denen Studierende selber forschen ist oft schlicht nicht die Zeit, theoretische Hintergründe in der Tiefe zu diskutieren. So lernen Studierende vor allem das formale und methodische Handwerkszeug der Wissenschaft und werden für vertiefte Inhalte auf den Master verwiesen. So wichtig diese Grundlagen sind, passt eine derartige Argumentation alledings nicht so richtig zu der Idee mit dem Bachelor auch einen vorgezogenen akademischen Abschluss zum Berufseinstieg einzuführen, wenn die Diskussionsfähigkeit fehlt. Doch es gibt auch noch eine andere Voraussetzung für eine offene Meinungskultur: den Willen zu diskutieren und hier sind wir selbst in der Pflicht. Auch wenn die Bedingungen nicht ideal sind, fordern viele Dozenten immer wieder zur Dikussion auf, um dann allerdings häufig mit Schweigen belohnt zu werden. So können auch Studierende den Frontalunterricht erzwingen. Gerade im Gespräch mit anderen Studenten können wir üben, konstruktiv und ohne den Druck einer Hierarchie unsere Meinung vorzutragen. Wer aus Unischerheit schweigt, verpasst also wichtige Erfahrungen, denn Sicherheit gehört auch später oft  zu den Zielen, nicht den Voraussetzungen eines Dialogs.</p>
<h3>Übung macht den Redner</h3>
<p>Trotzdem müssen wir natürlich nicht zu allem eine Meinung haben oder uns bei jeder Gelegenheit mit Dozenten anlegen. Aber wenn uns ein Thema interessiert oder eine Sache wichtig ist, lohnt sich dazu eine jede Diskussion. Wer nicht redet, kann auch niemanden überzeugen. Und wer übt, erhöht die eigenen Chancen. Davon gibt es in der heutigen Gesellschaft nämlich jede Menge, wenn wir uns trauen, unsere Meinung zu sagen. Zum Glück können wir auch mit der Familie oder Freunden sehr gut trainieren – zum Beispiel übrigens zum Thema, welchen Blödsinn der Autor dieser Kolumne wieder einmal verbreitet.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2015/11/mueller-will-reden-reden/">Müller will über das „Reden“ reden</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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		<title>Müller will über &#8220;den Staat&#8221; reden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael Müller]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Mar 2015 16:49:16 +0000</pubDate>
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<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2015/03/kolumne-mueller-will-reden-staat/">Müller will über &#8220;den Staat&#8221; reden</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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<p><strong>Der Staat, das ist doch dieser riesige, verwirrende Apparat, der ständig etwas von seinen Bürgern will und nur widerwillig etwas zurückgibt. Diese Grundüberzeugung ruht in Vielen und beschert ihnen ein mulmiges Gefühl, wenn sie etwas beantragen oder ein Polizeiauto sehen. Doch ist der Staat tatsächlich eine mächtige und unberechenbare Gewalt, die seine Bürger trifft wie ein Blitz? Die Beharrlichkeit nicht anerkannter Staatsbürger und ein Blick in das deutsche Grundgesetz bringen vielleicht auf andere Gedanken.</strong></p>
<p>Immer mal wieder haben Menschen den Staat, aus dem Sie kommen, satt und gründen einen eigenen. Meist handelt es sich dabei um winzige Zwergstaaten, wie zum Beispiel das 1967 vom britischen Ex-Major Paddy Roy Bates gegründete Fürstentum Sealand. Nur zehn Kilometer vor der englischen Küste besetzte er eine alte Betonplattform, die einmal eine Militärbasis gewesen war, und erklärte sie zu einem unabhängigen Fürstentum, das er notfalls mit Waffengewalt verteidigte. Sogar einen Putsch in den 1970er Jahren konnte er abwehren. Als Staat wird die kleine Steueroase allerdings bis heute nicht anerkannt. Eine eigene Währung, Briefmarken, Pässe und vor allem zwei Dutzend unbeirrbarer Staatsangehöriger gibt es trotzdem. Wegen der Liebe zu  ihrer Betonplattform haben diese treuen Sealander sogar schon dafür gesorgt, dass sich deutsche Botschafter und Gerichte mit dem Nichtstaat befassen mussten &#8211; und das hat mehr mit echter Staatlichkeit zu tun als man vielleicht zuerst denken würde.</p>
<p>Dass die Bundesrepublik Deutschland ein echter Staat ist, steht bei ernsthafter Betrachtung außer Frage. Allerdings wird man hierzulande eine Weile nach Bürgern suchen müssen, denen die pure Existenz ihres Heimatstaates so am Herzen liegt wie der Bevölkerung Sealands. Häufig dominiert ein etwas wehleidiger bis resignierender Unterton, wenn der Deutsche vom Staat und seinen Behörden spricht. Zu mächtig sei er, allgegenwärtig, aufgebläht und undurchsichtig. Vor allem wenn die Bürger etwas von ihm wollten, begäben sie sich in die Hände einer undurchsichtigen Macht. Der Grundtenor an vielen Stammtischen: „Der Staat macht doch eh‘, was er will und der Dumme ist der kleine Mann!“ Doch hält das einem genaueren Blick stand?</p>
<blockquote>
<p dir="ltr"><strong>Kolumne: Müller will reden</strong></p>
<table style="background-color: transparent;">
<colgroup>
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<col width="80%" /> </colgroup>
<tbody>
<tr>
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<td>Meinung ist tot? Nicht mit uns, denn unser Chefredakteur <a href="http://presstige.org/author/michael-mueller/">Michael Müller</a> ist überzeugt, dass es Dinge gibt, die man nicht wissen kann, aber über die es sich zu reden lohnt. In Zeiten harter Fakten glaubt er an das lose Mundwerk, denn wohin sonst mit all den gesammelten Informationen? Mal geht es um Wichtiges, mal um den Rest, aber immer gilt: Keine Angst, Müller will nur reden. Die Kolumne erscheint immer donnerstags und wird von <a href="http://presstige.org/author/isabell-beck/">Isabell Beck</a> illustriert. <a href="http://presstige.org/tag/mueller-will-reden/">Alle Folgen von &#8220;Müller will reden&#8221; zum Nachlesen.</a></td>
</tr>
</tbody>
</table>
</blockquote>
<p>Deutschland ist ein Rechtsstaat. Deshalb kann eine Behörde nur handeln, wenn es ihr ein Gesetz oder eine Rechtsverordnung erlaubt. Eine solche Rechtsgrundlage muss letztlich immer auf ein Parlament zurückgehen, dessen Mitglieder direkt von den Deutschen gewählt wurden, also einen Landtag oder den Bundestag. Das liegt daran, dass Deutschland zudem eine Demokratie ist. Damit wirklich etwas geschieht, handelt dann ein Beamter. Nimmt der das mit der Staatsgewalt etwas zu wörtlich und wird ohne Grund handgreiflich, kann der Betroffene Bürger den Staat dafür verklagen. In Deutschland hat er dann gute Chancen zu seinem Recht zu kommen. Dasselbe gilt übrigens, wenn ein Student fälschlicherweise kein BAföG bekommt. Bleibt also festzuhalten: Hinter der <em>unsichtbaren</em> Macht des Staates stecken Gesetze, die von uns bestimmte Vertreter gemacht haben und die wir jederzeit einsehbar können.</p>
<p>Doch es gibt einen noch wichtigeren Grund, warum der Staat mit jedem seiner Bürger etwas zu tun hat. Es ist derselbe, aus dem Gesetze gelten. Letztlich gibt es den Staat und seine Regeln nur solange, wie sie von der überwiegenden Mehrheit seiner Bürger akzeptiert werden. Der überwiegende Teil der Deutschen lebt in Deutschland, weil er sich hier wohl fühlt, die Gesetze für gerecht hält und gesellschaftliche Perspektiven sieht. Wer das anders sieht, könnte zum Beispiel in Erwägung ziehen, das Land zu verlassen. Wenn sich viele Bürger von ihrem Staat unterdrückt fühlen, kann es sogar zu Revolutionen kommen, wie es im arabischen Frühling geschehen ist. Allein deshalb kann ein Staat noch lange nicht unbegrenzt machen, was er will.</p>
<p>Hierzulande gibt es jedoch noch eine viel elegantere Methode, der Unzufriedenheit mit dem Staat Luft zu machen. Wie bereits gesagt, ist Deutschland demokratisch. Deshalb müssen seine Bürger, wenn ihnen das Vorgehen oder die Regeln des Staats nicht passen, nicht auswandern oder sollten schon gar nicht zur Gewalt greifen. Sie können ganz einfach offen darüber sprechen. Dazu müssen sie auch gar nicht in die Politik gehen. Hier hat jeder das Recht frei seine Meinung zu sagen. Das gilt gegenüber dem Staat, dem Arbeitgeber oder einfach nur dem Nachbarn. Jeder, der mit latenten Drohungen etwas dagegen tun möchte, handelt ungerecht und setzt sich einer ganz anderen Macht aus: der Öffentlichkeit. In Zeiten des Internets ist es leichter denn je, die eigene Meinung unter das Volk zu streuen. Wir können überall und jederzeit um die Zustimmung unserer Mitbürger werben, können Unterschriften sammeln oder an einem Wahlkampf teilnehmen. Vor allem können wir jedoch im Alltag diskutieren und sagen, was uns ungerecht vorkommt. Vielleicht entsteht einmal eine Mehrheit daraus, allein werden wir jedoch nur in den seltensten Fällen sein. So funktioniert die Politik schon im Kleinen und so kommt es manchmal bis auf höchste Ebene zu staatlichen Entscheidungen. Wenn bereits eine Hand voll Sealander die große Bundesrepublik Deutschland zu einer Art diplomatischer Beziehung zwingen konnte, was können dann theoretisch über 80 Millionen Deutsche erreichen?</p>
<p>Gerade junge Studenten sollten diese Chance nutzen, denn einige von ihnen werden irgendwann selbst Entscheidungen treffen. Dann wäre es voraussichtlich gut für alle in der Gesellschaft, wenn sie sich schon einmal mit gesellschaftlichen Fragen auseinandergesetzt und das Entscheiden geübt haben. Das funktioniert natürlich nicht, wenn der Staat immer nur als fremde Bedrohung wahrgenommen wurde. Letzten Endes ist ein Staat nur eine Idee, ein Gerippe aus Regeln, das ohne seine Bürger so leer ist wie die Gebäude seiner Behörden an einem Sonntagnachmittag. Die langen Gänge wirken mit diesem Gedanken im Hinterkopf doch gleich viel weniger bedrohlich, oder?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2015/03/kolumne-mueller-will-reden-staat/">Müller will über &#8220;den Staat&#8221; reden</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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