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	<title>freiheit Archive | presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</title>
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	<description>Das Magazin für Studierende der Universität und Hochschule Augsburg.</description>
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	<title>freiheit Archive | presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</title>
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		<title>Corona und die Demokratie &#8211; Wie Fidesz und PiS die Demokratie aushebeln</title>
		<link>https://presstige.org/2020/04/corona-und-die-demokratie-wie-fidesz-und-pis-die-demokratie-aushebeln/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Justin Lautenbach]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 04 Apr 2020 06:50:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Während die Welt daran arbeitet, das Coronovirus einzudämmen, setzten Ungarn und Polen fragwürdige Notstandsverordnungen durch. Droht der EU ein Feldzug gegen die Demokratie?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2020/04/corona-und-die-demokratie-wie-fidesz-und-pis-die-demokratie-aushebeln/">Corona und die Demokratie &#8211; Wie Fidesz und PiS die Demokratie aushebeln</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="512" height="341" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2020/04/AP20083494856907.jpg" alt="" class="wp-image-14174" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/04/AP20083494856907.jpg 512w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/04/AP20083494856907-300x200.jpg 300w" sizes="(max-width: 512px) 100vw, 512px" /><figcaption>Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán<br>© Tamas Kovacs, Associated Press</figcaption></figure>



<p class="has-drop-cap">Die Europäische Union ist eine Wertegemeinschaft freiheitlich-demokratischer Staaten. <strong>Freiheit, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit</strong>. Das sind die elementare Werte dieses losen Staatenbundes.<a href="#sdfootnote1sym"><sup>1</sup></a> Logischerweise versteht sich damit auch jeder EU-Mitgliedsstaat als freiheitlich-demokratische Nation, die die Rechte ihrer Bürger achtet und respektiert. Menschenrechte und Bürgerrechte werden so gut wie es geht verteidigt und gefestigt. Leider ist es eine utopische Vorstellung, dass sich jedes EU-Mitglied so verhält  &#8211; die Realität sieht anders aus. Gute Beispiele liefern zur Zeit Ungarn und Polen. Deren Regierungen nutzen die Coronakrise, um ihre sowieso seit Jahren bestehenden Bemühungen, die Demokratie zu unterwandern, noch einmal zu intensivieren.<a href="#sdfootnote2sym"><sup>2</sup></a></p>



<p>Der ungarische Ministerpräsident <strong>Orbán </strong>nutzt die aktuelle Krisensituation aus, um das Parlament zu entmachten. Das perfide dabei: Das ungarische Parlament spricht dem Regierungschef selbst die umfassenden Sondervollmachten zu.<a href="#sdfootnote3sym"><sup>3</sup></a> Orbán regiert nun auf unbestimmte Zeit per Dekreten, das Parlament kommt nicht mehr zusammen, um Gesetze zu besprechen und die Regierung zu kontrollieren. Möglich ist das durch eine Mehrheit, die die nationalkonservative, regierende <em>Fidesz</em>-Partei im Parlament hat. Neben den Sondervollmachten für den ungarischen Regierungschef werden bis auf weiteres sämtliche Wahlen und Referenden ausgesetzt. Verbreiter von Fakenews und Verstöße gegen die Quarantäneregelungen werden mit harten Strafen konfrontiert.  </p>



<p>Unabhängige
Medien, deren Arbeit durch das Mediengesetz von 2010 erschwert wird,<a href="#sdfootnote4sym"><sup>4</sup></a>
befürchten nun Haftstrafen und noch stärkere Einschränkungen ihrer
journalistischen Arbeit. Zusätzlich untersützen Exekutive und
Judikative den Kurs der ungarischen Regierung.<a href="#sdfootnote5sym"><sup>5</sup></a>
Statt ordentlicher Gerichtsverfahren kann das Parlament in
zivilrechtlichen Streitigkeiten entscheiden. So funktioniert
Gewaltenteilung und eine lebhafte Demokratie eindeutig nicht. 
</p>



<p>Journalisten werden gleichgeschalten. Oppositionelle werden durch die Sondervollmachten ihrer legitimen Abgeordnetenrollen beraubt. Gerichte und Polizei stehen auf der Seite der Regierung. Die regierungstreuen Parlamentarier unterstützen die <em>Fidesz</em>-Partei ohne Bedenken. Wie die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments Katarina <strong>Barley </strong>auf Anfragen unserer Redaktion erklärt, verurteilt sie das Vorgehen in Ungarn und die Untätigkeit der europäischen Kommission aufs schärfste:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p> &#8220;Victor <strong>Orbán </strong>führt einen Feldzug gegen die Demokratie in Ungarn. [&#8230;] Die EU Kommission muss hier einschreiten [&#8230;] und gegen das ungarische Gesetz aufgrund von Verletzung der EU Verträge klagen. Der EuGH könnte mit einer einstweiligen Anordnung rasch handeln. Aber die Kommission verhält sich viel zu passiv, vom Rat ganz zu schweigen. [&#8230;] Dass die Kommission dagegen im Moment nichts tut, finde ich wirklich schlimm.&#8221; </p><cite><strong>Katarina Barley</strong> <a href="http://presstige.org/wp-admin/post.php?post=14166&amp;action=edit#sdfootnote6anc">6</a> </cite></blockquote>



<p></p>



<p>Ähnlich sieht es auch in Polen aus. Die konservative Regierungspartei <em>PiS</em> verabschiedete mitten in der Nacht Notstandsverordnungen und brachte ohne Ankündigung eine Änderung des Wahlgesetzes ein – um zwei Uhr morgens. Da auch hier die Opposition mit einer eindeutiger Minderheit im Parlament vertreten ist, wurden die Gesetzesänderungen um 04:20 Uhr beschlossen. Dabei brachen die regierungstreuen Abgeordneten Regeln des nationalen Parlaments und die Verfassung. Die neuen Wahlgesetze sehen vor, dass ältere polnische Bürger und diejenigen, die sich in Quarantäne befinden, per Briefwahl abstimmen dürfen. An sich eine gute Sache, allerdings wird den im Ausland lebenden polnischen Bürgern und Jüngeren nicht gestattet, auf diese Weise abzustimmen. Das kommt der <em>PiS</em> entgegen, da vor allem diese Personengruppen der Partei kritisch gegenüber stehen. Ältere Staatsangehörige hingegen wählen zu einem großen Teil die aktuelle Regierungspartei.<a href="#sdfootnote7sym"><sup>7</sup></a> Außerdem soll die Präsidentschaftswahl im Mai trotz Corona-Krise und Ausgangsbeschränkungen stattfinden. Der Grund ist schnell gefunden: der derzeitige Amtsinhaber Andrzej <strong>Duda</strong>, der Mitglied der <em>PiS</em> ist, etabliert sich als sorgendes Staatsoberhaupt, was sich positiv in aktuellen Umfragen niederschlägt. Andere Kandidaten hingegen haben auf Grund der Ausgangsbeschränkungen Schwierigkeiten, überhaupt einen Wahlkampf zu führen. Dies schätzen nicht nur Staatsrechtler als Verstoß gegen die Verfassung ein, auch oppositionelle Politiker äußern sich kritisch und rufen zum Boykott der Wahl auf.<a href="#sdfootnote8sym"><sup>8</sup></a> Die Präsidentschaftswahlen scheinen also verfassungswidrig, was von einem unabhängigen Gericht geprüft werden müsste. Aber ob Wahlen gültig sind oder nicht – das entscheiden in Polen von der Regierung ausgewählte Richterinnen und Richter.<a href="#sdfootnote9sym"><sup>9</sup></a></p>



<p>Dieses
Vorgehen der polnischen Regierung tritt jedoch nicht erst jetzt auf.
Schon seit längerer Zeit untergrabe die Regierungspartei die
Unabhängigkeit der Justiz, so Vizepräsidentin Barley. Schon im
Dezember 2019 wurden zwei Gremien erschaffen, die die Judikative
kontrollieren sollen und unter anderem über Suspendierungen und
Entlassungen entscheiden. Diese Organe unterstehen dabei der
polnischen Regierung. Das oberste polnische Gericht erklärte diese
Gremien für verfassungswidrig. Die Antwort folgte prompt: Diese
Einschätzung stelle möglicherweise eine Straftat dar und könne für
die Richter im Zweifelsfall mit bis zu drei Jahren Gefängnis
geahndet werden.</p>



<p>Außerdem
sollen Juristen im Staatsdienst angeben, in welchen Gruppen sie sich
engagieren, der polnische Regierungschef greift nach der Kontrolle
über seine Richter und Staatsanwälte. Kritische Worte aus dem In-
und Ausland erreichen das Land. Der Kommentar einer ehemaligen
polnischen Richterin: Sie fühle sich zurück versetzt in
kommunistische Zeiten.<a href="#sdfootnote10sym"><sup>10</sup></a></p>



<p>Zurück ins ungarische Parlament. Abgeordnete der regierenden <em>Fidesz</em>-Partei halten ihr Plädoyer für die Notstandsgesetze. Die Sondervollmachten für Orbán werden von den ungarischen Repräsentanten gebilligt. &#8220;Und so geht die Freiheit zugrunde &#8211; mit donnerndem Applaus&#8221;.</p>



<p><strong>Quellen:</strong></p>



<p><a href="#sdfootnote1anc">1</a>https://www.auswaertiges-amt.de/blob/209960/1f0628e78ec9fcc369861c63ab52ee6c/vertrag-von-lissabon-data.pdf</p>



<p><a href="#sdfootnote2anc">2</a>https://www.schwaebische.de/ueberregional/politik_artikel,-polen-und-ungarn-machen-noch-einen-schritt-weg-von-der-demokratie-_arid,11206655.html</p>



<p><a href="#sdfootnote3anc">3</a>https://www.tagesschau.de/ausland/corona-ungarn-eu-101.html</p>



<p><a href="#sdfootnote4anc">4</a>https://www.spiegel.de/politik/ausland/ungarn-was-aus-dem-mediengesetz-von-victor-orban-wurde-a-996340.html</p>



<p><a href="#sdfootnote5anc">5</a>https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/ungarn-30-jahre-demokratie-richter-von-gestern-justiz-kommunismus-rechtsstaat/2/</p>



<p><a href="#sdfootnote6anc">6</a>Antwortschreiben
	auf Anfrage der Redaktion v. 01.04.2020</p>



<p><a href="#sdfootnote7anc">7</a>https://www.sueddeutsche.de/politik/polen-verfassung-praesidentschaftswahl-1.4861159</p>



<p><a href="#sdfootnote8anc">8</a>https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-03/praesidentschaftswahl-polen-pis-coronavirus-pandemie</p>



<p><a href="#sdfootnote9anc">9</a>https://www.sueddeutsche.de/politik/polen-verfassung-praesidentschaftswahl-1.4861159;
	https://www.dw.com/de/streit-in-polen-über-wahlen-trotz-corona/a-52959400</p>



<p><a href="#sdfootnote10anc">10</a>https://www.sueddeutsche.de/politik/polen-richter-regierung-bestrafen-1.4725795</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2020/04/corona-und-die-demokratie-wie-fidesz-und-pis-die-demokratie-aushebeln/">Corona und die Demokratie &#8211; Wie Fidesz und PiS die Demokratie aushebeln</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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		<title>Endlosschleifen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julia Birner]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Feb 2020 08:33:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Trübe Augen bei Nebel sind blind und nutzlos sind müde Beine.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2020/02/endlosschleifen/">Endlosschleifen</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft is-resized"><img decoding="async" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2020/02/Presstige-Bild-Atrikel-Gedicht-768x1024.jpg" alt="" class="wp-image-12862" width="352" height="469" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/02/Presstige-Bild-Atrikel-Gedicht-768x1024.jpg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/02/Presstige-Bild-Atrikel-Gedicht-300x400.jpg 300w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/02/Presstige-Bild-Atrikel-Gedicht-1152x1536.jpg 1152w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/02/Presstige-Bild-Atrikel-Gedicht-scaled.jpg 1920w" sizes="(max-width: 352px) 100vw, 352px" /><figcaption>  ©  Julia Birner</figcaption></figure></div>



<p>Im Teich der Distanz erfroren,<br>im Reich der Ablehnung verloren.<br>Erdrosselt an einer Leine,<br>ihre dieselbe wie seine.<br><br>Trübe Augen bei Nebel sind blind<br>und nutzlos sind müde Beine.<br>Immer schon waren es Disteln,<br>selten nur die Steine.<br><br>Träume bleiben Träume,<br>wahr werden sie nur bei Nacht,<br>drum schließ stets die Augen<br>und verschlaf&#8217; deine Schlacht!<br><br>Wie sucht man etwas,<br>das man nicht kennt?<br>Wenn die Sonne nicht nur scheint,<br>sondern auch verbrennt?<br></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2020/02/endlosschleifen/">Endlosschleifen</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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		<title>Die Zigarette danach</title>
		<link>https://presstige.org/2019/03/die-zigarette-danach/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Julia Birner]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Mar 2019 11:59:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Fortan würde ich träumen, von gestern Abend, vom Mond und von dir, vom roten Licht am Horizont und dem letzten Schluck Bier.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2019/03/die-zigarette-danach/">Die Zigarette danach</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p style="font-size:15px">Fortan würde ich träumen, von gestern Abend, vom Mond und von dir,<br>vom roten Licht am Horizont und dem letzten Schluck Bier,<br>vom ersten Schluck Kaffee und vom Abschied an der Tür,<br>„Mal sehen“ wäre nicht meine Antwort auf deine Frage, wohin das führt,<br>„Bald“ würde ich sagen „sehen wir uns wieder“ und du wärst peinlich berührt,<br>lächeln würde ich sanft und hätte diesen Tag zu meinem Schönsten gekürt.<br>Doch so wars nicht, du warst‘s nicht, du hast mich nur einmal verführt.<br>Oder? Sag mir, haben wir etwas, oder doch gar nichts gespürt?<br>Halt, keine Fragen, das Paradigma der Zweisamkeit ist eng geschnürt:<br>Besser schweigen, als sich in Grund und Boden geniert.<br>Leben in Rätseln, die potentielle Gefahr einer emotionalen Entblößung ausradiert.<br>Doch sag mir, wie kams zu dem Abend, waren wir voneinander gar so fasziniert?<br>Nein, du von dir selbst und ich nur von mir &#8211; getrieben von Räuschen.<br>Hättest du gesagt, du willst bleiben, würde ich dich irgendwann enttäuschen.<br>Die einen würden sagen, verloren haben wir, weil wir noch nicht fanden wonach wir suchen,<br>doch ist es nur die Suche selbst, die es gilt zu verfluchen.<br>An deine Blicke dachte ich, überraschenderweise durchaus zart,<br>an deine Stimme dachte ich, oh ich mochte den Abend und deine Art.<br>Nein, dachte ich, verloren hatten wir nicht. Gewonnen,<br>der Einsamkeit konnten wir für eine Nacht entkommen.<br></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2019/03/die-zigarette-danach/">Die Zigarette danach</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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		<title>Wenn die Freiheit vor dem eigenen Leben steht</title>
		<link>https://presstige.org/2017/05/freiheit-extremsport/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Tamina Andrasch]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 May 2017 12:08:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[freiraum]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Über die Beweggründe der Extremsportler Augen zu und durch. Wohl eher Augen auf und durch. Denn Extremsportler möchten bei ihren Ausflügen in die Tiefen der Meere, die Weiten der Lüfte und die Höhen der Berge jeden noch so kleinen und...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2017/05/freiheit-extremsport/">Wenn die Freiheit vor dem eigenen Leben steht</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2>Über die Beweggründe der Extremsportler</h2>
<p><figure id="attachment_9608" aria-describedby="caption-attachment-9608" style="width: 1200px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-full wp-image-9608" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2017/05/allgaeu-freiraum_1200.png" alt="" width="1200" height="798" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2017/05/allgaeu-freiraum_1200.png 1200w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2017/05/allgaeu-freiraum_1200-400x266.png 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2017/05/allgaeu-freiraum_1200-768x511.png 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2017/05/allgaeu-freiraum_1200-1024x681.png 1024w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption id="caption-attachment-9608" class="wp-caption-text">Text: Tamina Andrasch &#8211; Foto: © Allgäu GmbH</figcaption></figure></p>
<p>Augen zu und durch. Wohl eher Augen auf und durch. Denn Extremsportler möchten bei ihren Ausflügen in die Tiefen der Meere, die Weiten der Lüfte und die Höhen der Berge jeden noch so kleinen und dennoch einzigartigen Augenblick genießen. Egal ob beim Basejumpen, Extremklettern oder Ultra-Marathons will jede Sekunde des mit Adrenalin vollgesaugten Freiheitsgefühls vollends auskostet sein.</p>
<p>Doch was treibt Menschen dazu sich von Bergen zu stürzen, in die Dunkelheit abzutauchen und dabei nicht nur ihr eigenes Leben zu riskieren? Das Adrenalin, das Freiheitsgefühl, der&nbsp; einfache Spaß am Ausbrechen aus der Komfort-Zone sind neben der puren Entdeckungslust nur einige der Gründe.</p>
<h3>Ist das noch Extremsport?</h3>
<p>Das Flugzeug ist klein, sehr klein, leuchtend gelb und ein bisschen klapprig. Dennoch passen neben dem Piloten locker acht Personen hinein. Vier wagemutige Abenteurer und vier professionelle Fallschirmspringer. Es ist früh am Morgen und nach einer ausführlichen Einleitung, dem Anziehen der wärmenden Einheitsanzügen in knalligem Rot, hebt das kleine Flugzeug ab – hoch bis auf knapp 5.000 Meter. Zeit zum wirklich Realisieren bleibt da kaum, denn sobald die richtige Höhe erreicht ist, heißt es „Let’s go“ und in gefühlt wahnsinniger Geschwindigkeit geht es gen Boden, bevor nach knapp zehn Sekunden freien Falles – zum Glück – der Fallschirm aufgeht und erst jetzt die Aussicht auf Lake Taupo in Neuseeland genossen werden kann. Doch ist das noch extrem genug?</p>
<h3>Extremer geht – wohl – immer</h3>
<p>Wenn solch ein Flug über atemberaubende Landschaften ohne greifbaren Boden unter den Füßen ist zwar bei Weitem kein alltägliches Erlebnis, aber auch keine Ausnahme-Sportart mehr. In vielen touristischen Gebieten auf der ganzen Welt bieten bereits eine Vielzahl von Unternehmen den wagemutigen Sprung ins gefühlte Nichts an – Atem anhalten, auf ein gutes Ende hoffen und dann ist es auch schon vorbei. Auch in Deutschland gibt es Anbieter von den Alpen bis zur Nordsee. Mittlerweile gibt es sogar Extremsport-Agenturen und Event-Gutscheine, die den Adrenalin-Kick auch für den Otto-Normalverbraucher zugänglich und erschwinglich machen.</p>
<p>Doch den vielen wirklich „Verrückten“, wie sie oft genannt werden, ist das bei Weitem einfach zu langweilig, ihnen reicht diese Art des Adrenalin-Schubes nicht, oder nicht mehr… Sie gehen weiter und höher, wollen schneller und extremer sein, von allem Neuen die Ersten sein, Neues ausprobieren und mit den unglaublichsten Geschichten im Gepäck wieder nach Hause zurückkehren. Dazu zählen dann beispielsweise auch unbekanntere Sportarten wie Caving, Volcano Boarding, Apnoetauchen, Wingsuit und Jetwing Fliegen oder Eisklettern – das hat mit extremen Mainstream dann wirklich nichts mehr zu tun.</p>
<h3>Extremsport aus eigenem Antrieb</h3>
<p>Ganz auf sich fixiert, das mögliche Ende – vermutlich – immer klar vor Augen, zwängen sich die ganz Harten dann durch enge, mit Wasser gefüllte, unterirdische Tunnel, stürzen sich ohne Fallschirm, nur mit einem Fledermaus-ähnlichem Anzug von Bergen und Vulkanen oder ziehen sich an fragilen Eiskonstruktionen Zentimeter um Zentimeter an vereisten Wasserfällen nach oben. Wie im Dokumentarfilm „The Search for Freedom“ aus dem Jahr 2015 in sehr sehenswerten Bildern dargestellt, geht es vielen dieser „außergewöhnlichen Sportler“ neben dem persönlichen Freiheitsgefühl zudem um das Entdecken einer neuen Freiheit, dem Erweitern des eigenen Horizontes. Denn auch das gehört heute dazu, um sich wirklich frei zu fühlen. Der ehemalige US-Astronaut Buzz Aldrin hält dieses Streben sogar für ein Grundbedürfnis Aller: „Exploration is wired into our brains. If we can see the horizon, we want to know what&#8217;s beyond.” Und genau das ist wohl der Hauptgrund vieler, weiter gehen zu wollen als andere. Auch um einen ersten Blick hinter den eigenen Horizont zu werfen – ob dieser nun auf dem Dach oder dem Grund der Welt liegt, unterliegt dann wohl der freiheitlichen Entscheidung jedes Einzelnen.</p>
<h3>Freiheit, Flow und völliges Aufblühen</h3>
<p>Der Bergsteiger und Mountainbiker Harald Philipp erklärt dieses Freiheits-Gefühl als Flow-Erleben, bei dem die eigentliche Angst schlussendlich völlig ausgeblendet wird: „Wenn man die Angst auf Distanz hält, dann gewinnt man Freiheit“ (im Interview mit der European Outdoor Film Tour 2016/2017) und genau das ist wohl der ausschlaggebende Punkt, das eigene Leben bis zum Äußersten zu gefährden, aber dabei doch immer das Gefühl von absoluter Freiheit zu spüren und zu leben. Und trotzdem bleibt die Entscheidung, wie weit man dieses Gefühl ausreizen will jedem selbst überlassen. Denn die Frage „Ist es mir das wirklich wert?“ kann jeder Adrenalin-Junkie für sich selbst beantworten, und das sollte er auch, denn sich einer solchen potentiellen Gefahr aufgrund von Anderen auszusetzen, wiederspricht dann nämlich dem eigentlichen Frei-Sein, dem Ausbrechen, dem Ausprobieren, dem an eigene Grenzen geraten und dem Anders-Sein und hätte dann mit dem eigentlichen extremen Sportsgeist nicht mehr wirklich viel zu tun.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2017/05/freiheit-extremsport/">Wenn die Freiheit vor dem eigenen Leben steht</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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		<title>„Ich will euch frei machen“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Max Klein]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Apr 2017 08:38:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[freiraum]]></category>
		<category><![CDATA[Brüder Karamasov]]></category>
		<category><![CDATA[Dostojewski]]></category>
		<category><![CDATA[freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[literatur]]></category>
		<category><![CDATA[philosophie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Fjodor Dostojewskis Kritik an der Freiheit Freiheit. Ein Begriff macht weltweit Karriere. Doch was bedeutet es frei zu sein? Manchmal scheint es ratsam, den allgegenwärtigen Freiheitsphrasen nicht allzu schnell Vertrauen zu schenken. Fjodor Dostojewski hat bereits im 19. Jahrhundert in...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2>Fjodor Dostojewskis Kritik an der Freiheit</h2>
<p><figure id="attachment_9591" aria-describedby="caption-attachment-9591" style="width: 1163px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-9591 size-full" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2017/04/Dosti_white.jpg" alt="" width="1163" height="732" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2017/04/Dosti_white.jpg 1163w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2017/04/Dosti_white-400x252.jpg 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2017/04/Dosti_white-768x483.jpg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2017/04/Dosti_white-1024x645.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1163px) 100vw, 1163px" /><figcaption id="caption-attachment-9591" class="wp-caption-text">Text: Max Klein &#8211; Illustration: Isabell Beck</figcaption></figure></p>
<p><strong>Freiheit. Ein Begriff macht weltweit Karriere. Doch was bedeutet es frei zu sein? Manchmal scheint es ratsam, den allgegenwärtigen Freiheitsphrasen nicht allzu schnell Vertrauen zu schenken. Fjodor Dostojewski hat bereits im 19. Jahrhundert in &nbsp;<em>die&nbsp;</em><em>Brüder Karamasow</em> Antworten auf eine der ältesten und komplexesten Fragen der Menschheit gegeben – die auch heute noch aktueller denn je sind.</strong></p>
<h3>Veröffentlicht 1880 &#8211; wie kann mir das Buch bei meinen Fragen helfen?</h3>
<p>Beim Lesen eines dicken Wälzers mit großem theoretischen Gehalt ist es wohl ganz legitim sich hin und wieder die Frage zu stellen, welche Relevanz die ganzen gedruckten Worte für mein heutiges Leben einnehmen. Wer sich durch die etwa 1200, je nach Ausgabe auch mal mehr, Seiten Dostojewskis letzten Werks schlägt, wird bei aufmerksamen Lesen belohnt. Das 5. Kapitel des Buches, <em>der Großinquisitor</em>, wirft nützliche Antworten und gewichtige Fragen auf und erfreut sich bis in die heutige Zeit einer regen Rezeption. Im Zentrum steht ein Gespräch zwischen Jesus Christus und einem Großinquisitor irgendwann im 16. Jahrhundert. Das heikle Anliegen des Großinquisitors ist es, Jesus Christus von der Notwendigkeit der Inquisition zu überzeugen, tiefergehend steckt die Kritik, dass der Mensch mit der Freiheit überfordert sei, insbesondere wenn es um Fragen nach allgemeinen Wahrheiten geht. Gerade nach den Anschlägen in Nizza, Paris und Berlin sollten einem schlagartig die Themen der Religion, Freiheit und Wahrheit bewusst werden, und die heutige Relevanz des großen Werkes einleuchten.</p>
<h3>Freiheit und gut?</h3>
<p>Religiös motivierte Verbrechen sind kein neues Phänomen, doch erfahren sie gerade heute eine andere Brisanz. Gesellschaften, die sich selbst als frei und hochgebildet einschätzen und präsentieren, sehen sich gefährdet. „Frankreich ist im Krieg“ stieß François Hollande nach den Anschlägen auf die Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ in die trauernde Menge. „Um der allgemeinen Anbetung rotteten sie einander mit dem Schwert aus“ so schrieb es Dostojewski. Die vielleicht etwas pathetisch anmutenden Worte beherbergen einen denkenswerten Kern: Eine allgemeingültige oder allumfassende Wahrheit kann nicht in Konkurrenz stehen, da Allgemeinheit nicht abzugrenzen ist. Glaube ich aus tiefer Überzeugung an eine solche Wahrheit, muss ich eine „andere“ oder „abweichende“ allgemeine Wahrheitsvorstellung, die es in solchen Fällen nach logischen Maßstäben nicht geben kann, ablehnen. Daraus folgt zwangsweise ein Konflikt. Die Freiheit gilt nur in Momenten, in denen ich mich entscheiden kann und Entscheidung bedarf Abgrenzung. Diese Art der Konflikte um Definitionsmächte finden sich in heutigen Religions- und Wertekonflikten wieder.</p>
<h3>Freiheit kritisieren ist nicht gleich anti-demokratisch</h3>
<p>„(…) es (gibt) keine quälendere menschliche Sorge, als jemanden zu finden, dem er so schnell wie möglich die Gabe der Freiheit, mit der dieses unglückselige Wesen auf die Welt kommt, übergeben kann.“ Nicht nur Dostojewski sah die Freiheit als zu bändigende Kreatur an. Schon der Bürgerkriegsphilsoph Thomas Hobbes skizziert seinen Leviathan als Ungeheuer, das die Freiheit des einzelnen bändigen sollte, damit Menschen friedvoll und gemeinsam (ko-)existieren können und nicht der zwangsläufige Überlebenskampf aus Angst vor der Freiheit das Leben bestimmt. Frei ist nun mal auch der, der sich der Freiheit annimmt, mich meines Gutes und Lebens zu berauben. „Das Verlangen nach universeller Vereinigung ist die letzte Qual des Menschen. Von jeher hat die Menschheit als Ganzes um jeden Preis nach der erdumfassenden Totalität gerungen.“&nbsp; Gerade dieser Aufgabe fühlt sich der heutige oder auch moderne Staat verpflichtet. Menschen treten einen Teil ihrer Freiheit an den Staat ab, um ein soziales Leben in Gemeinschaft zu führen, die Reglementierung meiner Freiheit wird zur notwendigen Bedingung eines friedlichen und sozialen Lebens.</p>
<h3>Was können wir mitnehmen?</h3>
<p>Eine Kritik der Freiheit stößt schnell auf Ablehnung, da gerade demokratisch verfasste Staaten den Begriff zum Topwert erheben. Es geht weniger um die Kritik des demokratischen Wertekanons, sondern mehr um die Forderung, die Freiheitsdebatte weit differenzierter zu führen, als sie manche zu hörende und zu lesende Äußerungen vermuten lassen. Freiheit an sich ist nicht zwangsläufig positiv zu konnotieren und gerade das ständige reflektieren solcher komplexen Begriffe, die in so manchen WG-Küchen zielsicher und vorschnell ihre Bühne finden, ist ein Qualitätsmerkmal sachlich geführter Diskussionen, um sich nicht in einem dogmatischen Netz der Freiheitsbefürwortung zu verfangen. „Und so wie die Freiheit zu den erhabensten Gefühlen zählt, so auch die entsprechende Täuschung zu den erhabensten“ (Franz Kafka).</p>
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		<title>Wenn der Kopf Kaffeepause macht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Madeleine Londene]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Feb 2017 09:56:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[weitblick]]></category>
		<category><![CDATA[freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[konsum]]></category>
		<category><![CDATA[kritik]]></category>
		<category><![CDATA[meinung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie uns das Abkapseln von der Umwelt die Freiheit kosten kann Dass wir in einer Zeit leben in der Konsum &#8211; zumindest in der westlichen Gesellschaft &#8211; groß geschrieben wird ist nichts Neues. Trotzdem ist unsere Welt einem ständigen Wandel...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2>Wie uns das Abkapseln von der Umwelt die Freiheit kosten kann</h2>
<p><figure id="attachment_9521" aria-describedby="caption-attachment-9521" style="width: 1200px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-9521 size-full" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2017/02/Entfremdung_1200px.jpg.png" height="800" width="1200" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2017/02/Entfremdung_1200px.jpg.png 1200w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2017/02/Entfremdung_1200px.jpg-400x267.png 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2017/02/Entfremdung_1200px.jpg-768x512.png 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2017/02/Entfremdung_1200px.jpg-1024x683.png 1024w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption id="caption-attachment-9521" class="wp-caption-text">Text: Madeleine Londene – Foto: Paul von Platen</figcaption></figure></p>
<p><strong>Dass wir in einer Zeit leben in der Konsum &#8211; zumindest in der westlichen Gesellschaft &#8211; groß geschrieben wird ist nichts Neues. Trotzdem ist unsere Welt einem ständigen Wandel unterworfen und vor allem ein Trend fällt dabei besonders auf: Eine gewisse Entfremdung, die auf sämtliche Lebensbereiche übergreift und immer mehr essentielle Werte aus unserem Blickfeld drängt. Gibt es ein Entkommen aus diesem Scheuklappenkonformismus?</strong></p>
<p>Immer mehr Menschen verzichten auf fleischhaltige Kost. So ist laut dem Frankfurter Essethnologen Marin Trenk ist ein genereller Trend zu beobachten, dass sich der Mensch zunehmend vom Tier als Nahrung entfremdet. Parallel dazu möchte ein Großteil der Gesellschaft möglichst billig möglichst viel einkaufen. Auf den ersten Blick ist das ein Widerspruch. Generell gilt: Die Wenigsten machen sich wirklich Gedanken darüber, was genau sie sich gerade in den Mund stecken, egal ob Hacksteak oder Maiskolben. Woher das Essen wirklich kommt, wer dafür sein Leben lassen musste oder was dafür abgeholzt und gerodet wurde, liegt außerhalb des Horizonts. Auf Facebook ist der Aufruhr groß, wenn von einer Tierschutzorganisation ein Video über die Grausamkeiten der Massentierhaltung gezeigt wird. Kommentare wie: „Das wollte ich heute am frühen Morgen wirklich nicht auf meiner Startseite sehen“ oder „Die armen Kälber sind doch noch so jung“ sind keine Seltenheit. Sobald der Bildschirm abgeschaltet ist und die schockierenden Bilder im Nebel der Verdrängung verschwinden, wird oftmals trotzdem mehr oder weniger passiv am Wurstbrot weitergeknabbert.</p>
<h3>Soziologische Blickwinkel auf das Beziehungschaos</h3>
<p>Unter dem Begriff der Entfremdung setzten sich viele europäische Sozilogen bereits im ausgehenden 19. Und frühen 20. Jahrhundert mit Phänomenen dieser Art auseinander. Für Emile Durkheim lag ihr Ursprung dabei im Verlust gesellschaftlicher und religiöser Traditionen. Der Wegfall solcher starren sozialen Regelungen sorgt zwar dafür, dass wir heute individueller leben können als jemals zuvor. Er bedeutet oft aber auch den Verlust gesellschaftlicher Sicherheit.</p>
<p>Vertreter der Kritischen Theorie, wie Karl Marx und Theodor W. Adorno haben sich aus der Perspektive von Herrschaft und damit verbundenen gesellschaftlichen Mechanismen und Abhängigkeiten der Entfremdung genähert. Beide sehen den Ursprung der Veränderung im menschlichen Streben danach, die Natur zu beherrschen, beispielsweise mithilfe der Wissenschaft. Langfristig verändern der Mensch dabei natürlich die Beziehung zur Arbeit, anderen Menschen und sogar (zu) sich selbst. Mit anderen Worten hat unsere Art, mit unserer Umwelt umzugehen auch Auswirkungen auf uns selbst, oder wie Marx es ausdrückt: „Wer nichts achtet, ächtet sich selbst.“</p>
<p>Auf der anderen Seite spiegelt sich damit auch in so alltäglichem Verhalten wie Essgewohnheiten oder dem Einkaufsverhalten das dahinterstehende innere Wertesystem. Wenn in einer Gesellschaft Konsum und ein unstillbarer Hunger nach neuen Erfahrungen an erster Stelle stehen, bleibt schnell kein Raum mehr für Affekte. Wenn alles rationalisiert und in Kategorien einsortiert wird, kommt es nahezu zwangsläufig zu einem gewissen Gefühl von Einsamkeit, Sinnlosigkeit oder innerer Leere. Der Politologe und Soziologe Herbert Marcuse spricht hier von „eindimensionalen Gesellschaften“, die kein Maß an innerer Freiheit oder eigenständiger Subjektivität mehr kennen. So geht schnell der wahre Bezug zur Natur verloren, die nur noch als unstrukturierter Stoff erscheint, den es krampfhaft zu erfassen gilt.</p>
<h3>Vom langen Arm der unsichtbaren Hand</h3>
<p>Angesichts solcher Entwicklungen scheint es nicht mehr weit hergeholt, dass eine solche Lebensweise zu psychischen Folgen führt. Wer es – zumindest in westlichen Gesellschaften – gewohnt ist, das Leben auf dem goldenen Tablett serviert zu bekommen, dessen Sinn und Denken können schnell verkümmern. Das Leben des Einzelnen wird immer öfter fremdbestimmt durch ein gesellschaftliches System, das ihm vor allem gibt, wonach er sucht: günstigen, schnellen Konsum ohne großen Aufwand. Wer gedankenverloren zum billigsten Leberkäse greift wird also gleichzeitig zum Täter und zum Opfer in der gesellschaftlichen Maschinerie.</p>
<p>Oftmals scheint es, dass sich nur die Wenigsten trauen hinter die Fassade zu blicken &#8211;&nbsp; sei es nun aus Bequemlichkeit oder aus Unwissenheit. So komplex die Welt auch teilweise erscheinen mag, liegt der Schlüssel in der Erkenntnis, dass der Mensch ebenso selbst lenkt, wie er gesteuert wird. Für Adorno ist die rettende Lösung eine Versöhnung zwischen Mensch und Natur. Nur durch diese transzendente Einsicht sei es möglich, eine Liebe zu den Dingen wieder zu regenerieren und sich mit sich selbst und seiner Umwelt einsichtig und reflektierend auseinander zu setzen. Es geht also nicht darum, über Ernährungsweisen oder Einkaufsverhalten zu urteilen, sondern um bewussteres Handeln. Es kommt vor allem darauf an, sich Gedanken darüber zu machen, wie man lebt und eine Entscheidung zu treffen, ob man diese Lebensweise beibehalten oder ändern mag. Denn ansonsten, wie bereits Focault wusste, „verwindet der Mensch wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand.“</p>
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		<title>Rebellion am Mikrofon: Laut singen sie von Freiheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Tamina Andrasch]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 09 Jul 2016 14:17:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[weitblick]]></category>
		<category><![CDATA[diktatur]]></category>
		<category><![CDATA[freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[punk]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Über Freiheitskämpfer mit Gitarre und Punk-Outfit in Myanmar Die Punk-Kultur in Myanmar (Südostasien) rebelliert gegen die Militärdiktatur und für Meinungsfreiheit im eigenen Land. Nach dem Ende der Diktatur machen sie sich nun auch für andere sozialkritische Themen stark. Buntgefärbte Irokesen,...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2016/07/punks-in-myanmar/">Rebellion am Mikrofon: Laut singen sie von Freiheit</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2>Über Freiheitskämpfer mit Gitarre und Punk-Outfit in Myanmar</h2>
<p><figure id="attachment_8962" aria-describedby="caption-attachment-8962" style="width: 1200px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8962 size-full" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2016/07/1200px.jpg" alt="1200px" width="1200" height="800" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2016/07/1200px.jpg 1200w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2016/07/1200px-400x267.jpg 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2016/07/1200px-768x512.jpg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2016/07/1200px-1024x683.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption id="caption-attachment-8962" class="wp-caption-text">Text: Tamina Andrasch – Fotos: Kultureshock</figcaption></figure></p>
<p><strong>Die Punk-Kultur in Myanmar (Südostasien) rebelliert gegen die Militärdiktatur und für Meinungsfreiheit im eigenen Land. Nach dem Ende der Diktatur machen sie sich nun auch für andere sozialkritische Themen stark.</strong></p>
<p>Buntgefärbte Irokesen, Lederjacken und ein wummernder Bass…Was auf den ersten Blick klingt, wie ein Konzert der Sex Pisols oder The Clash in den 80er Jahren, könnte sich auch ganz aktuell in Myanmar abspielen– auf einem Konzert der Band Kulturshock. In Rangun, der Hauptstadt der ehemaligen Militärdiktatur, erlebte die Punk-Szene in den letzten Jahren einen regelrechten Höhenflug, welcher allerdings nicht ganz freiwillig entstand.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Rebellen in einem traditionsreichem und zerrüttetem Land</h3>
<p>Bis 2010 war Myanmar ein für 50 Jahre unter der Militärdiktatur isoliertes und innerlich zerrüttetes Land. Arbeitslager, Bürgerkriege, politische Gefangene und Menschenrechtsverletzungen zeichneten das internationale Bild des Landes. Diese Zustände waren der Nährboden für eine Punk-Bewegung, die zunächst vor allem gegen die herrschenden Militärs rebellierte.</p>
<p>Die Punks sahen sich dabei als Einzelkämpfer und standen politisch hinter der Ikone der burmesischen Opposition: Aung San Suu Kyi. Im Zentrum ihrer musikalischen Rebellion steht neben der Kritik an politischer Ungerechtigkeit, auch der Protest gegen religiöse Intoleranz. Denn Myanmar steht mit der hohen kulturellen Bedeutung seiner religiösen Tempel ganz im Zeichen des Buddhismus. Seit sich das Land mit Ende der Militärdiktatur 2010 geöffnet hat, bezieht sich ihr Protest auch auf andere Themen, wie zum Beispiel Probleme im  Bildungssystem.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Zwischen illegalen Konzerten und legalem Knast</h3>
<p>Dabei waren und sind Punkrock-Bands in Myanmar alles andere als gesellschaftlich akzeptiert. Nicht nur durch ihr Äußeres grenzen sie sich ganz offensichtlich vom traditionsreichen Rest des Landes ab. Bunte, wild frisierte Irokesenfrisuren, „Fuck Capitalism“-Sticker auf den Lederjacken und Nietengürtel gehören, wie schon in den 1980ern in den USA und Großbritannien, zum täglichen Erscheinungsbild. Auftreten konnten die Außenseiter der südostasiatischen Musikkultur, zumindest während der Diktatur, nur in geheimen, heruntergekommenen Gebäuden der Stadt oder in privaten Wohnzimmern und auf improvisierten Bühnen. Noch immer gibt es sehr strenge Richtlinien für öffentliche Versammlungen und musikalische Auftritte. Legal sind diese Auftritte der rebellierenden Punks demnach auch heute meistens nicht. Für ihre politischen Äußerungen gegen die Regierung wurden schon einige der Rebellen in Haft genommen.  Auch Kultureshock-Sänger Skum saß bereits unter teils grausamen Bedingungen im Gefängnis.</p>
<h3></h3>
<h3>Auf dem Weg in die Freiheit</h3>
<p>Mit dem Ende der Militärdiktatur 2010 ist Myanmar einen Schritt weiter in Richtung politischer und gesellschaftlicher Freiheit gegangen. Die ehemals inhaftierte Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi ist mittlerweile Parlamentsabgeordnete. Auch die Einschränkungen der Meinungsfreiheit haben sich gelockert, das Land ist offener gegenüber den Medien. Dieser Fortschritt kommt den Punk-Musikern zu Gute. Über Social-Media-Kanäle besteht jetzt die Möglichkeit zur internationalen Vernetzung &#8211; zu ihren Fans und auch anderen Bands des gleichen Genres. Dennoch ist in Myanmar immer noch nicht viel Platz für ihre Subkultur, denn auch hier liebt die Masse den Mainstream – Justin Bieber vor harter, politisch motivierter Punkmusik. Doch die Punks in Myanmar bleiben ihrer ursprünglichen Linie und ihrer selbst auferlegten Aufgabe treu. Auch jetzt noch singen und schreien sie über Ungerechtigkeiten und Intoleranz im Land der goldenen Tempel &#8211; inzwischen nicht mehr nur auf improvisierten Bühnen und Hinterhöfen.</p>
<p>Kleiner Tipp: Wer mehr über dieses Thema erfahren möchte: Die Dokumentation „Yangon Calling – Punk in Myanmar“ der deutschen Produzenten Alexander Dluzak und Carsten Piefke ist sehr zu empfehlen.</p>
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		<title>Müller will über „Freiheit“ reden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael Müller]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Oct 2015 08:02:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[weitblick]]></category>
		<category><![CDATA[freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[mueller-will-reden]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kaum etwas scheint so tief im Menschen verankert, wie die Sehnsucht nach Freiheit. Immer wieder ist sie Thema in Politik und Kunst, wir geben unser Geld aus oder führen manchmal gar Kriege, um sie zu gewinnen. Aber was verbirgt sich...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2015/10/mueller-will-reden-freiheit/">Müller will über „Freiheit“ reden</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><figure id="attachment_8232" aria-describedby="caption-attachment-8232" style="width: 1200px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://presstige.org/wp-content/uploads/2015/10/Müller_1200_Freiheit.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-8232" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2015/10/Müller_1200_Freiheit.jpg" alt="Text: Michael Müller - Illustration: Isabell Beck" width="1200" height="673" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/10/Müller_1200_Freiheit.jpg 1200w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/10/Müller_1200_Freiheit-400x224.jpg 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/10/Müller_1200_Freiheit-1024x574.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a><figcaption id="caption-attachment-8232" class="wp-caption-text">Text: Michael Müller &#8211; Illustration: Isabell Beck</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify;"><b>Kaum etwas scheint so tief im Menschen verankert, wie die Sehnsucht nach Freiheit. Immer wieder ist sie Thema in Politik und Kunst, wir geben unser Geld aus oder führen manchmal gar Kriege, um sie zu gewinnen. Aber was verbirgt sich im Einzelfall hinter dem großen Begriff der Freiheit? Zeit, einmal über Grundsätzliches zu reden.</b></p>
<p style="text-align: justify;">Vor wenigen Tagen feierte Deutschland zum 25. Mal seine Wiedervereinigung, weswegen nicht nur in Frankfurt am Main der Oktober mit einer großen Party begann. Die deutsche Einheit kennt viele Geschichten, an die zu einem solchen Jubiläum erinnert wird. Von der friedlichen Revolution, dem Sieg der Diplomatie und unzähligen Familien- und Einzelschicksalen. Doch zwischen den Zeilen schwingt stets, wenn auch manchmal unausgesprochen, eine Sehnsucht mit, die im Kern eines modernen Selbstverständnisses steht: der Wunsch nach individueller Freiheit. Spätestens mit dem Siegeszug der Demokratie ist die Freiheit des Einzelnen aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken, ja darf es einfafch nicht sein. Dennoch bleibt sie oft eine umkämpfte Selbstverständlichkeit. Vor allem die Jugend protestiert damals wie heute immer wieder für ein Mehr an Freiheit, das sie von der älteren Generation einfordert. Dabei gehen die Meinungen, was nun eigentlich Freiheit bedeutet, schnell so weit auseinander, dass eine grundsätzlichere Frage angebracht scheint. Was verbirgt sich eigentlich hinter dieser vielbeschworenen Freiheit?</p>
<h3 style="text-align: justify;">Freiheit ist, wo Unfreiheit fehlt</h3>
<p style="text-align: justify;">Wer von Freiheit spricht, beschreibt sie häufig aus dem Negativ. Viele der Debatten kreisen vor allem um die Frage, wann wir <i>nicht</i> frei sind, und wer die Schuld daran trägt. Der klassische Freiheitsgegner ist der Staat und sein Interesse daran, zu stark in das Leben seiner Bürger einzugreifen. Die andauernden Debatten um die Geheimdienste und deren Verhältnis zum Datenschutz zeigen, dass dieser Verdacht noch lange nicht vom Tisch ist. Vor einem übergriffigen Staat schützt die Verfassung zum Beispiel die Freiheit der Wahl, der Meinung, der Kunst und der Religion. Doch auch mit diesen Freiheitsrechten ist es nicht so einfach. Nemen wir doch einmal das Privateugentum. Viele Konservative sehen in seiner unbeschränkten wirtschaftlichen Nutzung eine zentrale bürgerliche Freiheit, wohingegen das linke politische Spektrum genau hier eine Gefahr ausmacht. Sie fordern nun plötzlich doch einen starken Staat, der die Macht der Wirtschaft beschränkt. Auch wenn sich beide Seiten in diesem Streit gerne Widersprüchlichkeit vorwerfen, sind sie sich bei genauerem Hinsehen einiger, als sie zugeben. Letztlich richten sie sich nämlich beide gegen intransparente und elitäre Machtstrukturen, nur eben in unterschiedlichen Feldern. Freiheit setzt also voraus, den Mächtigen nicht schutzlos ausgeliefert zu sein, egal woher sie kommen.</p>
<blockquote>
<p dir="ltr"><strong>Kolumne: Müller will reden</strong></p>
<table style="background-color: transparent;">
<colgroup>
<col width="20%" />
<col width="80%" /> </colgroup>
<tbody>
<tr>
<td><img decoding="async" style="width: 100%; heigth: auto;" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2014/01/kolumne.png" alt="" /></td>
<td>Meinung ist tot? Nicht mit uns, denn unser Chefredakteur <a href="http://presstige.org/author/michael-mueller/">Michael Müller</a> ist überzeugt, dass es Dinge gibt, die man nicht wissen kann, aber über die es sich zu reden lohnt. In Zeiten harter Fakten glaubt er an das lose Mundwerk, denn wohin sonst mit all den gesammelten Informationen? Mal geht es um Wichtiges, mal um den Rest, aber immer gilt: Keine Angst, Müller will nur reden. Die Kolumne erscheint immer donnerstags und wird von <a href="http://presstige.org/author/isabell-beck/">Isabell Beck</a> illustriert. <a href="http://presstige.org/tag/mueller-will-reden/">Alle Folgen von &#8220;Müller will reden&#8221; zum Nachlesen.</a></td>
</tr>
</tbody>
</table>
</blockquote>
<p style="text-align: justify;">Damit wird sie schnell auch eine Frage der Gleichheit. Eine freie Gesellschaft setzt voraus, dass jeder selbstbestimmt und ohne äußere Zwänge über sein Leben entscheiden kann. Das setzt ein gewisses Maß an Chancengleichheit voraus. Wenn Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht oder Einkommen, von vornherein und unabänderlich die Entwicklung eines Menschen, würden echte Wahlfreiheiten schnell zur reinen Theorie. Trotzdem darf Freiheit nicht mit gesellschaftlicher Gleichmacherei verwechselt werden. Sie bringt nicht nur ein individuelles Recht, sondern auch eine gewisse Verpflichtung mit sicher. Denn der Preis der Freiheit heißt Verantwortung. Wer seine Entscheidung ganz ohne fremde Einflüsse trifft, kann nachher auch niemandem die Schuld an ihren Folgen zuschieben. Alle möglichen Fehler sind dann <i>unsere</i> Fehler und das kann ganz schön einschüchtern. Deshalb liegt Freiheit manchmal auch darin, sie bewusst nicht zu nutzen und Verantwortung abzugeben. Nur dürfen wir eine solche Entscheidung dann auch nicht als äußeren Zwang verkaufen.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Freiheit geht nicht allein</h3>
<p style="text-align: justify;">Besonders wichtig wird diese Verantwortung, wenn wir mit anderen zu tun haben. Der Grundsatz, dass die Freiheit des einzelnen ihre Grenzen in der Freiheit eines anderen finden muss, ist dabei nicht nur moralischer Natur. Eine Freiheit, die in der selbstbestimmten Entscheidung liegt, kann sich nur entfalten, wenn wir sie ergreifen. Dazu braucht immer einen gewissen Mut zum Risiko, aber auch ein Mindestmaß an Sicherheit, dass uns die Gesellschaft diese auch Freiheit gewährt. Wer zu rücksichtslos und auf fremde Kosten von der eigenen Freiheit Gebrauch macht, kann schnell ebensowenig auf die Rücksicht anderer vertrauen. Genau darin liegt allerdings die Grundlage eines gesellschaftlichen Klimas, das Freiheit überhaupt erst ermöglicht. Hinter dem Gefühl, frei zu sein, steckt ein fragiles Gleichgewicht individueller Interessen, das schnell erschüttert wird, wenn zu viele daran rütteln.</p>
<p style="text-align: justify;">Doch was bedeutet Freiheit denn nun im Einzelnen? Ehrlich gesagt weiß ich es nicht so genau. Nicht einmal, wenn es nur um mich ginge. Freiheit bleibt letztlich ein individuelles Bedürfnis, das wohl jeder von uns mit eigenen Inhalten füllen muss. Ich persönlich hoffe, dass Zeit und Erfahrung dabei helfen. Vielleicht liegt der Wert der Freiheit ja genau darin, uns eine eigene Interpretation und gelegentliche Irrtümer erlauben zu können. Bis dahin gilt: Freiheit schützt gegen die Willkür der Macht, Chancenlosigkeit und die Rücksichtslosigkeit anderer. In ihrem Kern steht die Möglichkeit, über unserer Leben selbst zu entscheiden, ohne fremden Druck und Einmischung. Damit gibt es aber auch keine Freiheit ohne Entscheidungen. Die mit Sicherheit erst einmal wichigste davon lautet, überhaupt frei sein zu wollen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2015/10/mueller-will-reden-freiheit/">Müller will über „Freiheit“ reden</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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		<title>Müller will über &#8220;die Wahrheit&#8221; reden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael Müller]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Apr 2015 17:15:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[weitblick]]></category>
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<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2015/04/kolumne-mueller-will-reden-wahrheit/">Müller will über &#8220;die Wahrheit&#8221; reden</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><figure id="attachment_6961" aria-describedby="caption-attachment-6961" style="width: 1200px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://presstige.org/wp-content/uploads/2015/04/Kolumne_Wahrheit_1200.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-6961" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2015/04/Kolumne_Wahrheit_1200.jpg" alt="Text: Michael Müller - Illustration: Isabell Beck" width="1200" height="655" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/04/Kolumne_Wahrheit_1200.jpg 1200w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/04/Kolumne_Wahrheit_1200-400x218.jpg 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/04/Kolumne_Wahrheit_1200-1024x559.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a><figcaption id="caption-attachment-6961" class="wp-caption-text">Text: Michael Müller &#8211; Illustration: Isabell Beck</figcaption></figure></p>
<p><b>Die Wahrheit lauert an jeder Ecke, oder zumindest jemand, der sie uns nahelegen möchte. Egal ob in den Abendnachrichten, der Uni oder abends in der Kneipe: Überall will man uns erklären, wie die Welt funktioniert. Dabei haben sie alle zwei Dinge gemeinsam, denn sie warnen vor unischeren Zeiten und meinen es eigentlich doch nur gut. Warum es uns trotzdem häufig mulmig dabei wird und wir ihnen dennoch immer wieder ihre Wahrheiten abkaufen? Reden wir darüber.</b></p>
<p>Manchmal öffnet das Fernsehen ein Fenster in die reale Welt. Letzten Donnerstag zeigte das Bayerische Fernsehen zum Tode des Regisseurs Helmut Dietl seine legendäre Satire „Schtonk“, die einen der größten Presseskandale der deutschen Geschichte aufgreift. 1983 veröffentlichte der Stern unter lautem Jubel die vermeintlichen Tagebücher Adolf Hitlers. Bereits eine Woche darauf stellte sich jedoch heraus, dass die Dokumente aus der Feder eines Fälschers und dabei nicht einmal sonderlich gut gemacht waren. Bis heute fragen sich die Deutschen, wie ein Nachrichtenmagazin auf diesen plumpen Trick hineinfallen konnte. Auch wenn dieser Vorfall inzwischen dreißig Jahre zurückliegt, kam mir die Geschichte sehr aktuell vor.</p>
<p>Die Hitlertagebücher sind ein Symbol für das bis heute umstrittene Verhältnis der Medien zur Wahrheit im weitesten Sinne. Wir sind es inzwischen gewohnt, dass die Massenmedien unser Bild von der Welt prägen. Dahinter steckt das Eingeständnis in so komplexen Zusammenhängen zu leben, dass wir sie ohne fremde Hilfe nicht mehr entschlüsseln können. Ob es um russische Außenpolitik oder den Arbeitsmarkt vor unserer Haustür geht: Die Medien wollen uns erklären, was passiert ist und welche Schlüsse wir daraus ziehen können. Dabei gibt es durchaus Unterschiede, weshalb es sich viele Menschen genau überlegen, welcher Nachrichtensendung oder Zeitung sie ihr Vertrauen schenken.</p>
<p>Mit der Entscheidung, für ein bestimmtes Medium gehen wir zugleich einen wichtigen Deal ein. Wir gestehen ihm damit nämlich zu, dass die Ereignisse und Zusammenhänge über die es berichtet in dem Sinne wahr sind, dass sie für unseren Alltag gelten. Was in den Nachrichten kommt ist auch so passiert. Wenn wir den Medien die Wahl überlassen, was für uns wichtig ist, machen wir sie zu einer Institution, zu deren wesentlichen Aufgaben es gehört, glaubwürdig zu sein. Ein Medienskandal enttäuscht unser Vertrauen in diese Partnerschaft. Überspitzt formuliert macht er uns Angst, die Welt falsch zu verstehen. Das gilt auch heute noch. Deshalb hat Jan Böhmermann so viel Verwirrung mit der Behauptung erzielt, den Mittelfinger des griechischen Finanzministers Janis Varoufakis gefälscht zu haben. Andere Medien hatten diese Geste nämlich zuvor zum Beweis für die respektlose Haltung der Regierung Griechenlands gegenüber der deutschen Politik erkoren.</p>
<p>Mir ist aus eigener Erfahrung nur zu gut bewusst, dass niemand alles wissen und einordnen kann. Deshalb möchte ich gar nicht in eine Grundsatzkritik gegenüber den Medien verfallen, die auch mir den Zugang zur Welt erleichtern. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass wir uns häufig zu sehr von diesen fremden Wahrheiten abhängig machen. Wir sind immer wieder auf die Hilfe anderer angewiesen, die in bestimmten Bereichen besser informiert sind oder mehr Erfahrung haben. Allerdings ist es immer noch unsere eigene Entscheidung, wem wir eigentlich vertrauen wollen – und dabei geht es nicht nur um die Wahl einer Tageszeitung.</p>
<blockquote>
<p dir="ltr"><strong>Kolumne: Müller will reden</strong></p>
<table style="background-color: transparent;">
<colgroup>
<col width="20%" />
<col width="80%" /> </colgroup>
<tbody>
<tr>
<td><img decoding="async" style="width: 100%; heigth: auto;" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2014/01/kolumne.png" alt="" /></td>
<td>Meinung ist tot? Nicht mit uns, denn unser Chefredakteur <a href="http://presstige.org/author/michael-mueller/">Michael Müller</a> ist überzeugt, dass es Dinge gibt, die man nicht wissen kann, aber über die es sich zu reden lohnt. In Zeiten harter Fakten glaubt er an das lose Mundwerk, denn wohin sonst mit all den gesammelten Informationen? Mal geht es um Wichtiges, mal um den Rest, aber immer gilt: Keine Angst, Müller will nur reden. Die Kolumne erscheint immer donnerstags und wird von <a href="http://presstige.org/author/isabell-beck/">Isabell Beck</a> illustriert. <a href="http://presstige.org/tag/mueller-will-reden/">Alle Folgen von &#8220;Müller will reden&#8221; zum Nachlesen.</a></td>
</tr>
</tbody>
</table>
</blockquote>
<p>Denken wir zum Beispiel mal an den Unialltag. Das Bewusstsein um ungewisse Zeiten und einen entsprechend unsicheren Arbeitsmarkt hat längt Einzug in die Hörsäle gehalten. Deswegen bin ich sicherlich nicht der einzige, der bereits von Dozenten zur Wahl eines Seminars beglückwünscht wurde. Gemeint war damit in der Regel, sich zum Erwerb bestimmter Fähigkeiten entschieden zu haben, die sich in der Berufspraxis als äußerst hilfreich erweisen würden. Hinter solchen Aussagen steckt sicher eine gute Absicht. Sie sollen Studenten die Zukunftsängste nehmen und ihnen das Gefühl vermitteln, trotz allem etwas Sicheres zu erlangen. Das einzige Problem: Auch wenn es oft anders klingt, gelten sie nicht für alle Zuhörer.</p>
<p>Der Hinweis, dass bestimmte Fähigkeiten später nützlich werden, kann nämlich auch wie die Ermahnung klinge, dass es ohne sie nicht gehe. Hierin liegt ein kleiner, doch bedeutender Unterschied. Viele Studenten fühlen sich deshalb von ihren Dozenten unter Druck gesetzt und befürchten, ihr Leben aus der Hand zu geben. Die Angst vor einer ungewissen Zukunft ist so nur einer neuen Ohnmacht gewichen, die scheinbar ungefragt fordert, sich an einen fremden Königsweg anzupassen. Allen, die dieses Gefühl kennen möchte ich ein Gedankenspiel anbieten, dass mir sehr geholfen hat. Dazu gehört eine einfache Frage: Muss ich das gerade wirklich tun oder glaube ich nur daran?</p>
<p>Wir können nämlich unsichere Zeiten immer auch als freie Zeiten wahrnehmen. Wenn der Erfolg eines bestimmten Lebensentwurfes mit dem Verstand nicht mehr abgeschätzt werden können, bedeutet dass anders gesagt, dass es viele Wege mit ähnliche Chancen gibt. Es bleibt uns gar nichts anderes übrig als frei und aus dem Bauch heraus zu entscheiden, an welchen Weg wir glauben wollen. Natürlich helfen uns Vorbilder an der Uni und im Alltag dabei, zu beurteilen, welches Leben wir uns wünschen. Aber auch hier haben wir die freie Wahl, denn sowohl der Topmanager mit Büro in Frankfurt als auch der Maler mit Atellier in Berlin oder die jungen Eltern im eigenen Garten, beweisen uns, dass ihr Weg zum Erfolg führen kann. Auch wenn uns diese manchmal schwierige Entscheidung niemand nehmen kann, hat sie etwas Beruhigendes. Hin und wieder kann es mir egal sein, ob ein Mittelfinger echt ist oder nicht – solange ich aus ganzem Herzen daran glaube.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2015/04/kolumne-mueller-will-reden-wahrheit/">Müller will über &#8220;die Wahrheit&#8221; reden</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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