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	<title>Gesellschaftskritik Archive | presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</title>
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	<description>Das Magazin für Studierende der Universität und Hochschule Augsburg.</description>
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	<title>Gesellschaftskritik Archive | presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</title>
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		<title>Akzeptierte Respektlosigkeiten. Über Mansplaining, Missbilligung und Monika Gruber.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julia Birner]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 08 Nov 2020 09:00:10 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Wie jeder Ort, der eine Gruppe von sozial aktiven Menschen beheimatet, hat auch diese Stadt eine gewisse Dynamik, die daraus zu bestehen scheint, unverhältnismäßig oft und unverhältnismäßig ausführlich über die Lebensgestaltung anderer Menschen zu diskutieren.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2020/11/akzeptierte-respektlosigkeiten-ueber-mansplaining-missbilligung-und-monika-gruber/">Akzeptierte Respektlosigkeiten. Über Mansplaining, Missbilligung und Monika Gruber.</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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<div class="wp-block-image"><figure class="aligncenter size-large is-resized"><img decoding="async" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2020/11/Kaktus-2-e1604708973485-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-15870" width="250" height="187" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/11/Kaktus-2-e1604708973485-1024x768.jpg 1024w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/11/Kaktus-2-e1604708973485-300x225.jpg 300w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/11/Kaktus-2-e1604708973485-768x576.jpg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/11/Kaktus-2-e1604708973485.jpg 1302w" sizes="(max-width: 250px) 100vw, 250px" /><figcaption>© Julia Birner</figcaption></figure></div>



<p>Nachdem ich vor einigen Wochen wutentbrannt von einem Heimaturlaub zurückkehrte, tippte ich ein paar lose Zeilen in mein Smartphone, wie ich es immer tue, um meiner Laune Luft zu machen. Nun, aus ein paar losen Zeilen wurden Absätze und schnell verlor ich mich in Gedanken. Immer wieder gelange ich an diesen Punkt. Immer wieder ärgere ich mich über dieselben wiederkehrenden Dinge, die mich mittlerweile heimzusuchen scheinen. Zusammenfassen würde ich diese Dinge unter der Kategorie „akzeptierte Respektlosigkeiten des Alltags“. Drei davon möchte ich folgend besprechen.</p>



<p><strong>Erste akzeptierte Respektlosigkeit: Missbilligung</strong></p>



<p>Ich wohnte also einst in einer kleinen Stadt. Wie jede Stadt, oder besser gesagt, wie absolut jeder Ort, der eine Gruppe von sozial aktiven Menschen beheimatet, hat auch diese Stadt eine gewisse Dynamik, die daraus zu bestehen scheint, unverhältnismäßig oft und unverhältnismäßig ausführlich über die Lebensgestaltung anderer Menschen zu diskutieren. Inhalte dieser Diskussionen sind zumeist Gewicht, Kleidung, Frisur, Partner:innen und vor allem: beruflicher Werdegang und Grad der Andersartigkeit zu dem Kreis, mit dem man sich gerade unterhält. In Gruppen von mindestens zwei Personen wird besprochen, was an der Lebensgestaltung von x (beliebige Person, über die zumeist nur oberflächliche Informationen bekannt sind) sinnvoller, schneller, langsamer, besser, anders gemacht werden könnte. Kritisiert wird allerdings nicht etwa ein Fehlverhalten, welches Leid und Schaden nach sich zieht. Nein, kritisiert wird – naja, einfach des Kritisierens wegen. Nun, ganz so banal wird der Grund wohl nicht sein. Sicher gibt es verschiedene alltagspsychologische Erklärungen für dieses Phänomen. Angewohnheit, Druck, Neid, Unsicherheit, Sozialisation, Unzufriedenheit. Bei mir war es eine Mischung aus allem. War? Es &nbsp;i s t &nbsp;eine Mischung aus allem. Es mag pessimistisch erscheinen, aber ich bezweifle, dass jemand in der Lage ist, diese Dysfunktion langfristig loszuwerden. Definitiv aber kann man sie hinterfragen, bearbeiten, stumm stellen und abschwächen. So gelingt es mir weitestgehend, diesen Dämon im Griff zu haben, mich die meiste Zeit von diesem Verhalten zu distanzieren &#8211; nach radikaler und unangenehmer Arbeit an mir selbst. Was aber vor Allem eins bedeutet: Es fällt mir auf, wenn andere diesen Dämon nicht im Griff haben. Selbstverständlich haben wir alle unsere Schwächen. Einen großen Unterschied macht es jedoch, wie wir mit diesen Schwächen umgehen.</p>



<p>Hierin besteht der Kern meines Ärgers: Es liegt in unserer Verantwortung, unsere Ideale, Urteile, Gedanken, Taten und Worte immer wieder zu hinterfragen und ehrlich mit uns selbst zu sein. Wieso stehe ich ein, wofür ich einstehe? Ist es tatsächlich der Grund, den ich angebe, oder stört mich in Wirklichkeit etwas Anderes? Reagiere ich mit meiner Antwort auf die aktuelle Situation, oder laufen in meinem Kopf Dinge ab, die hier und jetzt gar nicht stattfinden? Wer diese Arbeit an sich selbst immer und immer wieder verwehrt, schadet nicht nur einem respektvollen Miteinander, sondern auch Einzelpersonen und schließlich sich selbst, denn wer mit anderen so hart ins Gericht geht, wird bei sich keine Ausnahme machen. Und umgekehrt. Wer in dieser Weise über andere Menschen spricht, gibt vielmehr Einblicke in sich selbst.</p>



<p>Natürlich ist diese Reflexionsarbeit keine leichte Angelegenheit und fällt unterschiedlichen Personengruppen mit unterschiedlichen Vorgeschichten und Lebenssituationen unterschiedlich schwer. Daher plädiere ich nicht auf Perfektion, sondern lediglich auf Respektanz. Die Bereitschaft zu respektieren. Wie könnte man Menschen, ihre Eigenheiten und Entscheidungen akzeptieren und respektieren, wenn man sie laufend herabstuft?</p>



<p><strong>Zweite akzeptierte Respektlosigkeit: Kompetenzabsprache</strong></p>



<p>Ich stehe vor zwei Problemen.</p>



<p>1. Ich schlug nicht den allgemein anerkannten Werdegang &#8220;Studium mit determinierter beruflicher Laufbahn, bestenfalls in der Wirtschaft&#8221; ein, trage keine Schaufenster-Kleidung mehr und begann auf tierische Produkte in meiner Ernährung zu verzichten.</p>



<p>2. Mein biologisches Geschlecht ist weiblich.</p>



<p>Diese Kombination erhöht meinen Grad der Andersartigkeit zu zahlreichen erdenklichen Gruppenkonstellation aus Personen, die höheres Ansehen genießen, maßgeblich. Und macht es mir damit tatsächlich schwer, mir Respekt zu verschaffen, mir Gehör zu verschaffen und überhaupt ernst genommen zu werden. Besonders in der aktuellen Zeit, in der Debatten auf Internetplattformen stattfinden, Meinungen weiter und weiter auseinander gehen und Diskussionen hitzig sind, ist eine Begegnung auf Augenhöhe besonders wichtig. Umso dramatischer, wenn einer Gruppe von Menschen systematisch ihr Wissen aberkannt, ihre Kompetenz abgesprochen wird und somit keinerlei Kontakt auf Augenhöhe stattfinden kann.</p>



<p>Der Punkt Kompetenzabsprache wird nicht nur, aber häufig von Männern (die erfolgreich als solche sozialisiert wurden) und nicht nur, aber häufig von Menschen, die aufgrund ihrer Lebenssituation und -weise flächendeckend gesellschaftlich anerkannt sind, vollbracht. Sicher ist der seit 2003 von Rebecca Solnit geprägte Begriff &#8220;Mansplaining&#8221; schon bekannt. <em>„Es handelt sich dabei um ein Phänomen, bei dem ein Mann einer Frau etwas erklärt – und dabei überhört, dass sie sich bestens auskennt“ (Bähr 2015).</em> Kurz gesagt: Egal, wie gut ich als Frau informiert bin, ein am Gespräch beteiligter Mann (der als solcher erfolgreich sozialisiert wurde) denkt, es besser zu wissen und klärt mich auf. (Hier höre ich schon die ersten Gegenstimmen, die genau das bestätigen, was ich im Folgenden schreiben möchte). Die Betonung liegt hier auf dem d e n k t , es besser zu wissen. Grund dafür: persönliche Selbstüberschätzung und Kompetenzabsprache des Gegenübers.</p>



<p>Oftmals gibt es Menschen, die wissen es besser, ja. Oftmals gibt es Menschen, die sind besser informiert und oftmals gibt es einfach verschiedene Meinungen, die nicht einem Mangel an Information geschuldet sind, sondern unterschiedlichen Herangehensweisen, Perspektiven oder anderen Idealen. Sofern diese Herangehensweisen, Perspektiven und Ideale niemandem schaden, sind sie, wie sie auch aussehen mögen, vollkommen akzeptabel. Wovon ich aber spreche sind Situationen, in welchen das Gegenüber herabgestuft wird, bevor es überhaupt zu einer Auseinandersetzung auf inhaltlicher Ebene kommen kann. Diese Herabstufungen führen dazu, dass bestimmte Personen von vornherein nicht als gleichwertige Gesprächspartner:innen angesehen werden. Meist passiert das unterbewusst und unbeabsichtigt, was es umso schwerer macht, dieses Problem zu beheben. Unterbewusst und unbeabsichtigt heißt jedoch keinesfalls unbemerkt. Bleiben wir beim Thema Geschlecht, da es dasjenige ist, was ich selbst erlebe – und mit mir ungefähr 50% der Gesellschaft!</p>



<p>Die Redeweise von Männern und von Frauen könnten unterschiedlicher nicht sein. Während Männer schon von klein auf, sowohl von der Gesellschaft, als auch vom Elternhause beigebracht bekommen, wie man redet, wie man sich darstellt und wie man sich in Szene setzt, um zu überzeugen, wird Frauen vermittelt, dass sie brav, ruhig und verständnisvoll sein sollen. Ein Mann (dessen männliche Sozialisierung erfolgreich war) kann denselben Inhalt vermitteln wie eine Frau &#8211; er wird mehr Zustimmung, mehr Beifall, mehr Respekt erhalten. Diese Unterschiede in der Gesprächsstrategie sind allerdings nicht der einzige Grund, weshalb der Mann hier mehr Zustimmung erhält. Auch die gesellschaftliche Erwartungshaltung und die damit verbundene „self fulfilling prophecy“ an ihn ist eine andere: Wissen, Können, Kompetenz. Eine Frau hingegen kann noch immer vor allem eines sein: Schön.</p>



<p class="has-light-green-cyan-background-color has-background"><strong>Exkurs:</strong><br>Besonders in öffentlichen Kontexten, wo die Rede statusaufbauend wirken kann, ist zu beobachten, dass Männer mehr Redezeit beanspruchen, als Frauen, deren Redezeit eher in privaten, kooperativen Kontexten zunimmt. Geschlechtsspezifischer Redestil ist besonders an soziale Erwartungshaltungen gekoppelt. Leet-Pellegrini führte 1980 eine Studie durch (Kotthoff 2018: 283), aus welcher die eben schon angesprochenen Probleme ersichtlich wurden: Mehrere Zweiergruppen sollten über das Thema „Gefahren des Fernsehens für Kinder“ diskutieren, wobei jeweils eine der beiden Personen, im Unwissen der zweiten, im Vorfeld Infomaterial bekam, welches sie im Gespräch zum Experten/ zur Expertin machte. Das Wissensverhältnis wurde somit schnell auffallend different, die uninformierte Seite stellte mehr Rückfragen, gab Hörersignale und beanspruchte weniger Redezeit. Dieses Muster zeigte sich in allen Fällen, außer wenn die Frau die Expertin, also die in dieser Situation überlegene Person war. Der Mann bestätigte sie nicht in ihrer Rolle, stellte keine Fragen, beanspruchte ein gleiches Maß an Redezeit und sie trat ihm wiederum nicht deutlich genug entgegen (ebd.: 284). Zahlreiche weitere Studien, die in den 80er und 90er Jahren stattfanden, konnte diese männliche Neigung zur Kompetenzdarbietung und Autoritätsinszenierung bestätigen (ebd.).<br>Aussagen von weiblichen Sprecherinnen finden zum einen weniger Gehör, zum anderen wird in unsachlicher Weise, etwa durch Anspielungen oder Anzüglichkeiten, Bezug genommen (Kotthoff 2018: 273 – 284, Burkhardt 1990: 61). Der Faktor Status mag in dieser Angelegenheit von großer Gewichtung sein, doch weist er gewissermaßen auf einen Teufelskreis. <em>„Bis auf den heutigen Tag sind Männer in allen Gesellschaften innerhalb [der] Hierarchie höher platziert“</em> (Kotthoff 2018: 283). Sie werden von Geburt an auf diese Umstände vorbereitet und entsprechend mit einem Stil der Selbstdarstellung und Kompetition sozialisiert (ebd.: 284). Frauen hingegen werden in die andere Richtung sozialisiert (ebd.273ff.), was sich im Hinblick auf das Ziel der Gleichstellung gegenseitig nicht bedingt. Durch Sozialisation werden folglich entsprechende Stereotype weitergegeben. Männer erlangen somit weiterhin leichter einen höheren Status und machen dies durch bestimmte Gesprächsstile kenntlich, was ihnen wiederum weitere Chancen ermöglicht und. Im Gegenzug wird Frauen durch diese unbewusst stattfindenden Unterdrückungsmechanismen der Weg erschwert.</p>



<p>Verstehen ist auch eine Frage des Wollens. Wenn man einen Menschen schon vor seiner Rede gedanklich in eine Ecke drängt, ist ein Verstehen nahezu unmöglich. Das lähmt nicht nur jede Diskussion, es zensiert systematisch bestimmte, eigentlich qualifizierte Personengruppen und nimmt ihnen ihre Stimme.</p>



<p><strong>Dritte akzeptierte Respektlosigkeit: Tarnumhang Humor</strong></p>



<p>Besonders deutlich wird Respektlosigkeit als komplett anerkannte Umgangsform in Sachen Humor/Comedy. Ob es nun der oben schon angesprochene andere Werdegang (&#8220;anders&#8221; meine ich in allen Beispielen im Sinne von &#8220;das Andere zu uns, die wir gerade darüber sprechen&#8221;), die andere Ausführung eines ähnlichen Werdegangs, die andere Ernährung, die andere Kleidung, das andere Gewicht, das andere Geschlecht, die andere Kultur, die andere Hautfarbe, die anderen Sitten, die andere Lebensform oder die andere Beziehungsform ist (man könnte die Liste unendlich weiterführen): es gibt immer etwas, was man auf die möglichst ulkigste Art und Weise darstellen kann, um als Witz getarnt seinen Unmut darüber kund zu tun. Natürlich, Humor bedeutet auch Gelassenheit, Freude, Leichtigkeit. Ohne Humor wäre die Welt ein ganzes Stück langweiliger und wahrscheinlich unerträglich. Es liegt aber auf der Hand, dass es verschiedene Kategorien des Humors gibt und manche davon einfach über ihr Ziel hinaus schießen. Wie bei so vielen Dingen ist der Übergang fließend, Grenzen sind nicht klar erkennbar. Vielleicht kann ich es so formulieren: Ein kleiner Scherz über Andere sollte die Ausnahme sein, nicht die Grundlage eines gesamten Humorverständnisses.</p>



<p>Die Feststellung, dass so mancher Witz fragwürdig sein kann, ist im Übrigen kein Phänomen der heutigen Zeit. Spätestens mit dem Beginn des rührenden Lustspiels in der Epoche der Empfindsamkeit wurden unsere Vorfahren mit der Erkenntnis beglückt, dass ein Theaterstück, in welchem ausschließlich über tollpatschige Bürger:innen gelacht wird, doch irgendwie sehr eintönig und unangenehm ist. Wie der Name der Epoche schon erahnen lässt: die Empfindsamkeit wurde entdeckt. Es scheint mir jedoch, als sei nach dieser Erkenntnis im 18. Jahrhundert nicht mehr viel gefolgt. Karbarettist:innen wie Dieter Nuhr oder Monika Gruber sind die wohl besten mir bekannten Beispiele für solch ein, im Schafspelz „Humor“ verkleidetes, respektloses Miteinander. Ihr Programm besteht im Wesentlichen daraus, dass früher alles besser war und aus allem, was sich im Ansatz zu ihrer eigenen Lebensweise unterscheidet, eine halbstündige Bühnenshow zu machen, die (entgegen dem, was sie selbst wahrscheinlich behaupten würden) weder zu einer gesunden Multimeinungs-Diskussionskultur beiträgt, geschweige denn zu einem friedlichen, respektvollen Miteinander. Ich denke da an eines der vielen Beispiele „menstruierende Personen&#8221; statt &#8220;Frauen<em>“</em>: Wenn es um das Thema Periode geht, möchte man künftig nicht mehr nur Frauen nennen, sondern alle menstruierenden Personen, da zum einen nicht nur Frauen, sondern auch Transgender- oder nicht-binäre Personen Monatsblutungen haben können, zum anderen auch nicht alle Frauen menstruieren. Somit ist es faktisch falsch, in Sachen Periode einfach allgemein von Frauen zu sprechen. Monika Gruber, wie auch Dieter Nuhr und weiß Gott wer noch alles thematisieren dieses Anliegen in mehreren ihrer Auftritte – natürlich ganz nach dem Motto: Ich hab ja nichts gegen schwule oder Transmenschen, aber das ist doch lächerlich.</p>



<p>Themen wie solche scheinen für einen Teil der Gesellschaft unrelevant. Klar, sie sind auch nicht direkt betroffen. Für einen anderen Teil haben sie jedoch einen extrem hohen Stellenwert. Interessen von Personengruppen, die weniger hohes Ansehen genießen, sind ohnehin schwer durchzusetzen, so ist es nicht nur nicht förderlich, daraus eine Comedyshow zu machen, sondern auch schlichtweg verwerflich. Mit anderen Worten: Frau Gruber und co. schütten Öl in ein Feuer aus Sturheit, Empathielosigkeit und Unwissen. Einen kurzen Witz in privaten Kreisen zu machen ist eine Sache. Die Grenzen anderer Menschen stecken zu wollen, eine andere.  Diskussionen, die für einen Teil der Gesellschaft wichtig sind, des inhaltlichen Unverständnisses wegen, auf einer Bühne für verzichtbar und lächerlich zu erklären, ist keine kreative Leistung, sondern unverschämt. Respektvolles Miteinander, respektvoller Austausch kann nicht funktionieren, wenn ein großer Teil unseres Lebens daraus besteht, andere Menschen, ihre Bedürfnisse und Grenzen zu verspotten. Was in Grundschulen als Mobbing bestraft wird, kann nicht im Erwachsenenalter mit fehlender Humorbereitschaft und übersteigerter Empfindlichkeit gerechtfertigt werden.</p>



<p></p>



<p><strong>Quellen:</strong></p>



<p>Kotthoff, Helga 2018: Genderlinguistik. Tübingen. 3 – 293.</p>



<p>Bähr, Julia 2015: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/wortschoepfung-mansplaining-allwissende-erzaehler-13413483.html (letzter Zugriff: 06.11.2020).</p>



<p>Burkhardt, A. 1990: „Das ist eine Frage des Intellekts, Frau Kollegin“ Zur Behandlung weiblicher Redner in deutschen Parlamenten. Sprache und Literatur in Wissenschaft und Unterricht 65. 61-83.</p>
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		<title>Endlosschleifen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julia Birner]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Feb 2020 08:33:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Trübe Augen bei Nebel sind blind und nutzlos sind müde Beine.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2020/02/endlosschleifen/">Endlosschleifen</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2020/02/Presstige-Bild-Atrikel-Gedicht-768x1024.jpg" alt="" class="wp-image-12862" width="352" height="469" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/02/Presstige-Bild-Atrikel-Gedicht-768x1024.jpg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/02/Presstige-Bild-Atrikel-Gedicht-300x400.jpg 300w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/02/Presstige-Bild-Atrikel-Gedicht-1152x1536.jpg 1152w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/02/Presstige-Bild-Atrikel-Gedicht-scaled.jpg 1920w" sizes="(max-width: 352px) 100vw, 352px" /><figcaption>  ©  Julia Birner</figcaption></figure></div>



<p>Im Teich der Distanz erfroren,<br>im Reich der Ablehnung verloren.<br>Erdrosselt an einer Leine,<br>ihre dieselbe wie seine.<br><br>Trübe Augen bei Nebel sind blind<br>und nutzlos sind müde Beine.<br>Immer schon waren es Disteln,<br>selten nur die Steine.<br><br>Träume bleiben Träume,<br>wahr werden sie nur bei Nacht,<br>drum schließ stets die Augen<br>und verschlaf&#8217; deine Schlacht!<br><br>Wie sucht man etwas,<br>das man nicht kennt?<br>Wenn die Sonne nicht nur scheint,<br>sondern auch verbrennt?<br></p>
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		<title>Das Einhorn ist tot, lang lebe das Alpaka!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Lara Reile]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 Feb 2019 11:35:31 +0000</pubDate>
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<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2019/02/das-einhorn-ist-tot-lang-lebe-das-alpaka/">Das Einhorn ist tot, lang lebe das Alpaka!</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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<figure class="wp-block-image is-resized"><img decoding="async" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2019/02/carlos-ruiz-huaman-1066869-unsplash-683x1024.jpg" alt="" class="wp-image-10805" width="459" height="688" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/02/carlos-ruiz-huaman-1066869-unsplash-683x1024.jpg 683w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/02/carlos-ruiz-huaman-1066869-unsplash-267x400.jpg 267w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/02/carlos-ruiz-huaman-1066869-unsplash-768x1152.jpg 768w" sizes="(max-width: 459px) 100vw, 459px" /><figcaption> <br>© unsplash/ <a href="https://unsplash.com/@carlos_ruizh">Carlos Ruiz Huaman</a> </figcaption></figure>



<p>Es hatte ja wirklich schön angefangen zwischen dem Einhorn und uns: als Anfang 2017 zunächst zahlreiche Posts und Fotos zum Thema durchs Netz geisterten und der Hype sich langsam aber sicher auch im Einzelhandel abzeichnete, standen die meisten dem wiederentdeckten Fabelwesen durchaus neutral bis positiv gegenüber. Egal ob mit voller Überzeugung oder einer Prise Selbstironie, über das Motiv des gehörnten Phantasiepferds konnten viele zumindest lachen und manch einer hat sich sogar zu einem augenzwinkernden „So ein bisschen Glitzer im Leben schadet nicht“ hinreißen lassen.<br>Aber das Einhorn kam nicht alleine, sondern brachte seine ganz eigene Mentalität mit sich: Sprüche wie „Mir reicht’s, ich geh mein Einhorn streicheln“ und „Realität ist was für Menschen, die Angst vor Einhörnern haben“ zierten plötzlich Brotdosen, Turnbeutel und T-Shirts. Und zugegeben, das traf den Zeitgeist, denn wer beispielsweise Trump Präsident werden gesehen hat, dem kann man den Wunsch nach ein wenig Realitätsflucht nicht übelnehmen.<br>Doch irgendwann war auch das Einhorn vollkommen im Mainstream angekommen und aus Eskapismus, ein bisschen Surrealität und einem Hauch Magie wurde in erster Linie Kitsch, Kommerz und Karnevalskostüm. Inzwischen lässt sich mit ziemlicher Sicherheit sagen: der Einhorn-Trend ist totgeritten. Doch seit einigen Monaten dominiert ein neuer Kandidat den Trendtier-Markt: das Einhorn ist tot, lang lebe das Alpaka!</p>



<p>Und dieser Trend ist deutlich sichtbar: auch in Augsburg kommt man kaum mehr an einem Geschäft vorbei, das keine Alpaka-Produkte führt. Schon aus dem Schaufenster schauen einen riesige Plüschversionen des beliebten Andenbewohners aus großen Kulleraugen an &#8211; Lama-Tassen,- Postkarten, &#8211; oder T-Shirts findet man in fast jeder Auslage. Aus Deutschland ist also das geworden, was Disney schon 2000 mit seiner „Kuzco“-Serie vorausgesagt hat: ein Königreich für ein Lama. Auch wenn das Alpaka durch seinen natürlichen Lebensraum in den Anden optimal auf steile Aufstiege vorbereitet ist, stellt sich trotzdem die Frage, wie es ihm so schnell gelungen ist, das noch vor kurzem so omnipräsente Einhorn zu verdrängen. Eine Spurensuche.</p>



<p>Am besten beginnt man vermutlich dort, wo heutzutage die meisten Trends entstehen: in den Untiefen des Internets. Und hier zeigt sich relativ schnell, warum das Alpaka als Lieblingstier des World Wide Web nahezu prädestiniert ist. Die oft treudoof dreinschauenden Weggefährten bieten auf allen Social Media Plattformen Steilvorlagen für zahlreiche Memes und Fotos, auf denen man Freunde verlinken kann. Wer schon mal ein Foto von einem frisch geschorenen Alpaka gesehen hat, wird dem Bedürfnis nur schwer widerstehen können, denjenigen Freund darauf zu markieren, der bei seinem letzten Haarschnitt eine eher fragwürdige Entscheidung gefällt hat. Und so ein Video von einem tiefenentspannt kauenden Lama lädt einfach dazu ein, Kommilitonen in der Prüfungsphase darauf mit einem witzigen Kommentar á la „Wir in der letzten Vorlesung, obwohl wir immer noch nichts für die Klausur gemacht haben“ zu taggen. Das Alpaka bietet also jede Menge Identifikationspotential für jegliche Lebenslagen. </p>



<p>Klar, hier kann man sicherlich zurecht einwenden, dass diese hohe Meme-Affinität auch auf zahlreiche andere Tiere zutrifft. Das Alpaka hat allerdings im Gegensatz zu Einhorn und Co. einen deutlichen Vorteil: man kann es auch hautnah im echten Leben betrachten. In Zoos, auf Bauernhöfen oder auf richtigen Alpaka-Farmen trifft man die flauschigen Wegbegleiter auch in Deutschland inzwischen zahlreich an. Das lässt sich sogar statistisch belegen: der Alpaka-Zuchtverband schätzt, dass sich die Zahl in Deutschland in den letzten 10 Jahren vervierfacht hat. Für den eingefleischten Fan ist es also deutlich einfacher, seine Liebe zu den flauschigen Tieren aus dem Netz ins echte Leben zu übertragen, als das bei anderen Internet-Helden wie Ottern und Erdmännchen der Fall ist. Alpakafarmen für Kindergeburtstage erfreuen sich größter Beliebtheit und auch Erlebnisdienstleister bieten zwischen Fallschirmsprüngen und Raftingtouren mittlerweile Alpaka-Wanderungen an. Fragwürdig ist sicherlich, ob es dabei zu ähnlich hohen Adrenalinausstößen kommt, gebucht werden sie aber trotzdem zahlreich. In den USA zieren die knuddeligen Tiere sogar Hochzeitsfotos. Weiße Schimmel vor der Hochzeitskutsche waren gestern, heutzutage fährt das Brautpaar in einem Alpaka-Wagen vor!  </p>



<p>Was außerdem ein Faktor beim Siegeszug des Alpakas vor dem Einhorn war: die beiden Tiere beschreiben unterschiedliche Lebensgefühle. Während das Einhorn als magischer Begleiter (Fantasie-)Welten lediglich dekoriert, weiß das Alpaka sich in den entscheidenden Momenten durch energisches Spucken zu verteidigen. So gesehen kann das Alpaka auch als logische Fortsetzung des Einhorns betrachtet werden. Die Realitätsflucht hat sich auf Dauer nicht als praktikabel erwiesen und nun ist an ihre Stelle eine wehrhafte „Ich lass mir nicht alles gefallen“-Einstellung getreten. Oder anders gesagt: das Alpaka demonstriert auf den „Fridays for Future“-Veranstaltungen mit, während sich das Einhorn da schön rausgehalten hätte.</p>



<p>Zudem spricht das Alpaka auch eine ganz andere Klientel als das Einhorn an. Auch wenn sich während der Hochphase des gehörnten Magiewesens erstaunlich viele erwachsene Frauen, die der „Prinzessin Lilifee“-Phase schon lange entwachsen sind, mit Einhorn-Accessoires zeigten, hielt sich die männliche Bevölkerung bei diesem Trend zum größten Teil vornehm zurück. Ganz anders beim Alpaka: mangels pinken Schweifs, glitzernden Hufen und bunter Mähne bietet sich das Alpaka als Trend- und Identifikationstier für jedermann an. Die wenigsten Männer wären wohl auf die Idee gekommen, einen Freund unter einem Einhorn-Bild zu markieren. Aber den Kollegen schnell auf Facebook auf einem Video von einem enthusiastisch hüpfenden Alpaka markieren („Endlich Wochenende“) &#8211; kein Problem.</p>



<p>Soweit so gut, könnte man nun denken, dann werden wohl auch die nächsten Jahre im Zeichen des Alpakas stehen. Aber seit einiger Zeit zeichnet sich ein neuer Hype an der Trendtier-Front ab: das Faultier. Obwohl es schon vor einigen Jahren einen kurzen Aufschwung erlebt hat, gewinnt es in letzter Zeit zusehends an Beliebtheit. Woran das liegt? Nun ja, vergleicht man es in den vorher genannten Punkten mit dem Alpaka, zeichnen sich frappierende Ähnlichkeiten ab. Allen voran eignet sich das Faultier ebenfalls hervorragend, um Freunde auf Bildern zu markieren. Die natürliche Gemütlichkeit der Dschungelbewohner bietet einfach eine Steilvorlage für sämtliche Witze der Kategorie „Du, wenn du wieder den ganzen Sonntag im Bett verbringst“ oder „Ich, wenn mir jemand sagt, ich sollte mal wieder Sport machen“. Auch der 2016 erschienene Film „Zootopia“ hat zum Hype beigetragen. Millionenfach wurde der kurze Videoclip auf YouTube geklickt, in dem sich zwei Beamte in einer Behörde (verkörpert durch Faultiere) in minimaler Geschwindigkeit einen Witz erzählen und damit den ganzen Arbeitsbetrieb aufhalten. Einfach, witzig und für jeden nachzuvollziehen, der auf dem Amt schon mal drauf gewartet hat, dass sein Antrag ausgefüllt wird.  </p>



<p>Einen gravierenden Unterschied gibt es
jedoch: Faultiere kann man hierzulande ausschließlich in Zoos
betrachten. Private Faultierhalter und -farmen existieren wohl kaum.
Erschwerte Bedingungen für den Aufstieg zum nächsten Trendtier.
Außerdem schlecht für&#8217;s Marketing: es liegt in der Natur der
tiefenentspannten Tiere, dass Erlebnistouren wie
„Faultier-Wanderungen“ eher schlecht zu realisieren sind.</p>



<p>Was sagt uns die Erfolgsgeschichte des relaxten Dschungelbewohners aber jetzt eigentlich über uns als Gesellschaft? Nach der Realitätsflucht durch die Einhörner und der wehrhaften Episode der Alpakas, folgt nun das gechillte Faultier, das zu sagen scheint „Hey, nimm dein Leben einfach nicht zu ernst“. Sie verkörpern durch ihren entspannten Lebensstil die Mentalität eines kalifornischen Surfers und würde es ihnen dafür nicht an zwei bis drei Fingern mangeln, sie würden vermutlich ständig den Surfer-Gruß zeigen. Auch wenn „Hang Loose“ in ihrer natürlichen Umgebung lebensgefährlich wäre.  Das Faultier sieht alles ganz gelassen und entspannt, das passt hervorragend zu Trendsportarten wie Yoga und Meditation und dem Bestreben, zu mehr Natürlichkeit und innerer Zufriedenheit zurückzukehren. Abzuwarten bleibt,  ob diese inneren Werte die Kommerzialisierung überleben werden.  <br>Ohne sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen, kann man sagen: Das Faultier ist auf dem Vormarsch. Auf sichere Indikatoren wie die Einführung eines Faultier-Emojis warten wir zwar bis jetzt vergeblich, allerdings findet man im Einzelhandel zwischen Alpaka-Produkten auch immer häufiger Shirts, Brotdosen und Karten mit Faultier-Aufdruck. Ob das Alpaka vollkommen verdrängt wird, ist allerdings fraglich. Denn das kann sich ja notfalls gegen sämtliche Trendtier-Konkurrenz gut zu Wehr setzen.  </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2019/02/das-einhorn-ist-tot-lang-lebe-das-alpaka/">Das Einhorn ist tot, lang lebe das Alpaka!</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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