<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>kommunikationsdesign Archive | presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</title>
	<atom:link href="https://presstige.org/tag/kommunikationsdesign/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://presstige.org/tag/kommunikationsdesign/</link>
	<description>Das Magazin für Studierende der Universität und Hochschule Augsburg.</description>
	<lastBuildDate>Wed, 28 Oct 2020 09:03:18 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.8.8</generator>

<image>
	<url>https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/02/Logo-80x80.jpg</url>
	<title>kommunikationsdesign Archive | presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</title>
	<link>https://presstige.org/tag/kommunikationsdesign/</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
<site xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">172887149</site>	<item>
		<title>Nachhaltige Fashion-App Bewear</title>
		<link>https://presstige.org/2020/06/nachhaltige-fashion-app-bewear/</link>
					<comments>https://presstige.org/2020/06/nachhaltige-fashion-app-bewear/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lara Reile]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Jun 2020 07:44:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[freiraum]]></category>
		<category><![CDATA[stadtnah]]></category>
		<category><![CDATA[wegweiser]]></category>
		<category><![CDATA[weitblick]]></category>
		<category><![CDATA[ADC Design Preis]]></category>
		<category><![CDATA[app]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgburg]]></category>
		<category><![CDATA[Bewusstsein]]></category>
		<category><![CDATA[entwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[HSA]]></category>
		<category><![CDATA[Klamotten]]></category>
		<category><![CDATA[Kleiderschrank]]></category>
		<category><![CDATA[kommunikationsdesign]]></category>
		<category><![CDATA[nachhaltig]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[projekt]]></category>
		<category><![CDATA[Secondhand]]></category>
		<category><![CDATA[studenten]]></category>
		<category><![CDATA[umwelt]]></category>
		<category><![CDATA[Wettbewerb]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://presstige.org/?p=14849</guid>

					<description><![CDATA[<p>Eine App, die den Überblick über euren Klamottenbestand behält und analysiert, was ihr für mehr Nachhaltigkeit im Kleiderschrank tun könnt - diese Idee haben Mario Kreuzer und Nathalie Pollok entwickelt. Sie studieren Kommunikationsdesign an der Hochschule Augsburg und haben das Konzept für die App Bewear im Rahmen ihres Studiums erarbeitet. Das besondere an der App: sie berechnet das persönliche Schrankgewicht, welches angibt, wie nachhaltig der eigene Kleiderschrank ist. Es setzt sich aus Hersteller, Herkunft, Material und Nutzungshäufigkeit der Kleidungsstücke zusammen. Mit ihrer Arbeit haben Nathalie und Mario auch die Jury des ADC Junior Wettbewerbs überzeugt. Für Bewear haben sie den silbernen Nagel im Bereich Design erhalten. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2020/06/nachhaltige-fashion-app-bewear/">Nachhaltige Fashion-App Bewear</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h4>Wie schwer ist dein Kleiderschrank?</h4>



<p><em>Eine App, die den Überblick über euren Klamottenbestand behält und analysiert, was ihr für mehr Nachhaltigkeit im Kleiderschrank tun könnt &#8211; diese Idee haben Mario Kreuzer und Nathalie Pollok entwickelt. Sie studieren Kommunikationsdesign an der Hochschule Augsburg und haben das Konzept für die App Bewear im Rahmen ihres Studiums erarbeitet. Das besondere daran: die App berechnet ein persönliches Schrankgewicht, welches angibt, wie nachhaltig der eigene Kleiderschrank ist. In die Bewertung fließen Herkunft, Material und Nutzungshäufigkeit der Kleidungsstücke ein. Mit ihrer Arbeit konnten Nathalie und Mario auch die Jury des ADC Junior Wettbewerbs überzeugen. Für Bewear haben sie den silbernen Nagel im Bereich Design erhalte</em>n. <em>In einem Skype-Interview haben sie presstige erzählt, wie Bewear entstanden ist und funktionieren soll.</em></p>



<div class="wp-block-image is-style-default"><figure class="aligncenter"><img decoding="async" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2020/06/Bewear_Motivbild_A2-1024x724.png" alt=""/><figcaption>©&nbsp;Nathalie Pollok, Mario Kreuzer<br>Der Startbildschirm von Bewear.</figcaption></figure></div>



<p class="has-background has-light-green-cyan-background-color"><span class="tadv-background-color" style="background-color:#7bdcb5"><strong>presstige</strong>: <em>Welche Funktionen wird die App haben?</em></span></p>



<p><strong>Nathalie</strong>: Zunächst beginnt man mit dem eigenen Kleiderschrank und trägt seine einzelnen Kleidungsstücke ein. Es gibt den Homescreen, auf dem die ganzen Daten präsent sind und sich regelmäßig aktualisieren. Das ist eigentlich das wichtigste, denn dort erfährt man, wie das eigene Schrankgewicht gerade aussieht. <br>Außerdem gibt es noch kleine und große Aktionen, zu denen die App auffordert. Die sollen die App spaßig und interessant machen. Bei den kleinen Aktionen haben wir zum Beispiel Aufforderungen, mal Secondhand zu kaufen oder auf Kleidertauschpartys zu gehen. Dann gibt es noch das Kleiderfasten: hier bekommt man Pushnachrichten wie “Hey, du hast schon 6 Tage nicht mehr geshoppt!”. Außerdem erhält man Anregungen, alternative Marken auszuprobieren. In der App findet man Links und Verknüpfungen zu coolen Labels, für die wir uns entschieden haben. <br>Unter dem&nbsp;Hashtag #wirschranken soll sich auf instagram eine Community bilden, die ähnlich denkt. Teilt man Inhalte unter dem Hashtag, macht man gleichzeitig ein bisschen Werbung für die App. Außerdem gibt es noch die großen Aktionen. Da kann man für Projekte spenden, beispielsweise zum Thema klimaneutrales Einkaufen.<br>Uns war es wichtig, dass die App attraktiv  für unterschiedliche Altersgruppen ist und, dass jeder daran Spaß findet. Wir haben zuvor eine Personenrecherche durchgeführt und verschiedene Szenarien aufgestellt, für wen die App interessant sein könnte und daraus haben sich die Aktionen ergeben.</p>



<p class="has-background has-light-green-cyan-background-color"><span class="tadv-background-color" style="background-color:#7bdcb5"><strong>presstige</strong>: <em>Was besonders spannend klingt, ist die Maßeinheit „Schrankgewicht“, die ihr ausgewählt habt. Gab es das Konzept Schrankgewicht schon vorher oder habt ihr euch das ausgedacht?&nbsp;</em></span></p>



<p><strong>Mario</strong>: Das Schrankgewicht gab es vorher noch nicht. Die Idee dahinter steckt schon im Wort. Es geht um den Ballast, der mit dem Modekonsum einhergeht. Man weiß schließlich, dass dieser Kleiderkonsum schlecht ist und irgendwo “wiegt” dieses Bewusstsein ja auch. Wie auch der ökologische Fußabdruck oder Abnehm-Apps wie Weight Watchers, arbeiten und motivieren wir mit dem einfachen Zahlenprinzip. Wir haben ein System entwickelt, das ganz simpel mit einer Zahl funktioniert, die ich immer wieder vor mir habe und die mir auf einen Blick sagt: &#8220;Ok, ich bin im guten Bereich&#8221; oder &#8220;Ich kann mich noch verbessern&#8221;. Diese Einheit motiviert automatisch dazu, etwas besser zu machen. Zusätzlich wird sie beim Scrollen in der App erklärt, indem die Daten visualisiert werden.<br>Am Anfang trägt man alles ein, was man im Kleiderschrank hat. Die App fragt bei jedem Kleidungsstück nach der Art des Kleidungsstücks und zusätzlich nach 4 Kategorien: Hersteller, Herkunft, Material und wie oft man das Kleidungsstück nutzt. In jeder Kategorie werden dann Punkte von 1 bis 5 vergeben und daraus berechnet sich das Schrankgewicht. Je höher die Zahl ist, desto schlechter oder desto schwerer ist dieser Schrank. Wir haben versucht mit der Infografik, den kleinen Figuren, den Aktionen und dem Design zu motivieren, sodass man das als Ansporn nimmt. Wenn man sich anmeldet in der App, heißt es: Herzlich Willkommen, du bist der so und so vielte Nutzer bei uns. Die Community soll zusätzlich motivieren und zeigen, dass noch andere da draußen sind, die auch schon Bewear benutzen.</p>



<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2020/06/Bewear_Boards-1-1024x724.png" alt=""/><figcaption>©&nbsp;Nathalie Pollok, Mario Kreuzer</figcaption></figure>



<p class="has-background has-light-green-cyan-background-color"><strong>presstige</strong>: <em>Zum Verständnis: Inwieweit ist eure App tatsächlich schon entwickelt? Oder ist das bislang nur ein Konzept?</em></p>



<p><strong>Mario</strong>: Es ist noch ein Konzept. Es war von Anfang an der Plan, erstmal einen Prototypen zu entwickeln. Ziel war es, das Design zu erstellen und die Idee erfahrbar zu machen. Aber wie es genau mit der Umsetzung weiterläuft, liegt jetzt mehr oder weniger in unserer Hand. Es wäre cool, das Konzept noch umzusetzen. Es ist ein spannendes Projekt und ich denke, es würde sich lohnen. Dafür bräuchten wir aber unbedingt Hilfe, also jemanden, der das programmieren könnte und die nötigen Daten. Die App basiert ja auf bestimmten Zahlen und Daten zu Klamottenherstellern, um diese ökologisch einschätzen zu können. Das müsste alles noch erarbeitet werden.<br><strong>Nathalie</strong>: An sich ist bei der App schon alles verknüpft und es funktioniert (<em><a href="https://xd.adobe.com/view/3125e171-5b18-445e-755f-1769af06a47b-4714/?fullscreen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a> könnt ihr den Prototypen selbst ausprobieren</em>). Es muss nur noch wirklich programmiert werden. Aber grundsätzlich haben wir die App schon bis zum Schluss durchdacht. An alle Programmierer das draußen: Wenn ihr Lust habt auf das Projekt, dann meldet euch!</p>



<p class="has-background has-light-green-cyan-background-color"><strong>presstige</strong>: <em>Wie realistisch ist es, dass ihr das Konzept der App tatsächlich umsetzen werdet?</em></p>



<p><strong>Nathalie</strong>: Das ist eine gute Frage. Dazu muss sagen, dass wir niemals gedacht hätten, dass wir so weit kommen. Die App hat jetzt auch beim ADC Junior Wettbewerb den Silberpreis bekommen und wir haben super viel positives Feedback bekommen. Davor haben wir eigentlich nie darüber nachgedacht, sie auch umzusetzen. Wer weiß, wann man mal auf Leute trifft, die zufällig eine ähnliche Idee haben, dann ergibt sich vielleicht noch was. Es ist nach wie vor ein Herzensprojekt.<br><strong>Mario</strong>: Man bräuchte dann auch ein Budget, um es wirklich umzusetzen. Es wäre der Hammer, wenn wir das wirklich irgendwann angehen können, denn eine ähnliche App gibt es am Markt noch nicht.</p>



<figure class="wp-block-video"><video controls src="https://www.hs-augsburg.de/Binaries/Binary40614/Bewear-Casefilm.mp4"></video><figcaption>©&nbsp;Nathalie Pollok, Mario Kreuzer<br>Ein Erklärvideo verschafft einen Überblick über die App.</figcaption></figure>



<p class="has-background has-light-green-cyan-background-color"><strong>presstige</strong>: <em>Was hat euch beide dazu bewegt, das Konzept für die App Bewear zu entwickeln?</em></p>



<p><strong>Mario</strong>: Es waren unterschiedliche Gründe. Wir haben beide immer schon auf einen nachhaltigen Alltag geachtet. Wir schätzen Mode wert und kleiden uns dementsprechend. Mode ist ja nicht unbedingt etwas Negatives, sondern auch eine Form, sich auszudrücken und darzustellen. Außerdem ist das Thema allgegenwärtig und spielt eine große Rolle in unser Gesellschaft. Oft wird dabei ausgeblendet, welche Industrie dahinter steckt. Dabei kann jeder einzelne Konsument dazu beitragen, dass sich etwas ändert. <br>Es gibt schon so viele Dokumentationen und Aufklärungsvideos zu dem Thema und die sind ganz oft sehr negativ und kommen mit dem moralischen Zeigefinger. Man fühlt sich schlecht, wenn man sowas anschaut. In der Beschreibung für das Designprojekt <em>[Aufgabenstellung, die die Dozentin vorgegeben hat; Anm.d.Red.]</em> stand explizit, dass man kein Konzept entwickeln soll, das mit dem moralischen Zeigefinger funktioniert, sondern eines, das Mode und den Konsum attraktiv macht, aber auch aufklärt, auf Nachhaltigkeit hinweist und ein nachhaltiges Leben für jeden Einzelnen umsetzbar macht.<br><strong>Nathalie</strong>: Wir haben während unser Recherche gemerkt, dass die Transparenz einfach fehlt. Manchmal hat man das Gefühl, man hat gerade fair eingekauft, ein paar Euros mehr ausgegeben und zum Beispiel eine recycelte Yogamatte gekauft. Trotzdem bleibt die Frage: “Wo geht das Geld jetzt hin und läuft das alles richtig?”. Und dann gibt es auch noch Greenwashing.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p><span class="tadv-background-color" style="background-color:#eeeeee"><em>Greenwashing, zu Deutsch “Grünwaschen” oder “Grünfärben”, bezeichnet eine Strategie, mit der Akteure versuchen sich durch die gezielte Verbreitung von Desinformationen oder durch Ablenkung ein Image als ökologisch verantwortungsbewusst zu verschaffen.</em> (<em><a href="https://www.quarks.de/umwelt/klimawandel/darum-ist-greenwashing-ein-problem/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Quarks, 2019</a></em>)</span></p></blockquote>



<p>Uns ist es wichtig, dass man den eigenen Einfluss versteht und begreift, wie wichtig es ist, zu wissen, was im eigenen Kleiderschrank hängt. Wir wollen die Leute motivieren, Schritt für Schritt weniger Kleider zu konsumieren und auch gezielter einzukaufen. Wir wollten etwas entwickeln, mit dem jeder Einzelne bei sich daheim anfangen kann, ohne dass man auf ein Gesetz der Regierung warten muss. Es war auch spannend, erst mal bei uns selbst zu schauen und dabei sind wir zugegebenermaßen auch an unsere Grenzen gekommen.</p>



<p class="has-background has-light-green-cyan-background-color"><strong>presstige</strong>: <em>Inwiefern an die Grenzen gekommen?</em></p>



<p><strong>Nathalie</strong>: Ich zum Beispiel kaufe super gerne bei Zara ein, was natürlich im Ranking ganz unten ist. Wir haben das Konzept mal mit meinem Kleiderschrank durchgespielt und das bringt einen echt zum Nachdenken.&nbsp;<br><strong>Mario</strong>: Es ist einfach etwas anderes, wenn ich meinen eigenen Schrank betrachte, als wenn ich nur ein Informationsvideo anschaue, aber nächste Woche trotzdem wieder zu Zara oder H&amp;M gehe.&nbsp;</p>



<p class="has-background has-light-green-cyan-background-color"><strong>presstige</strong>: <em>Glaubt ihr, dass es in unserer heutigen Konsumgesellschaft, in der Mode immer schnell und einfach verfügbar ist, überhaupt noch möglich ist, Menschen zum Verzicht und zu bewusstem Konsum zu bewegen? Oder ist der Mensch einfach so bequem, dass er letztendlich doch lieber schnell online bestellt?</em></p>



<p><strong>Nathalie</strong>: Also ich würde schon sagen, dass in unserer Gesellschaft, gerade in der jüngeren Generation, auf jeden Fall ein Umdenken stattfindet. Man merkt, dass die Nachfrage da ist und dass die Leute darauf achten, wie sie sich ernähren, wie sie sich kleiden.<br>Natürlich ist die Modeindustrie ein riesiges Machtsystem. Es ist schwierig zu sagen, ob sich da komplett etwas ändert. Aberwenn jeder klein anfängt, beispielsweise große Anschaffung wie eine Winterjacke in einem fairen Shop kauft, dann macht das schon einen Unterschied. Mittlerweile zeigt auch die Modeindustrie selbst Interesse. Es gibt zum Beispiel faire Fashionweeks, an denen Modelabels, Modeblogger und Models teilnehmen könne, die beim Thema Nachhaltigkeit Vorbilder sind und Alternativen aufzeigen. Ich sehe das eher positiv momentan.<br><strong>Mario</strong>: Ich glaube, genau an der Stelle kommt auch das Design ins Spiel. Wir als Designer haben die Verantwortung, Plattformen und Konzepte zu entwickeln, die es jedem einzelnen Verbraucher einfacher machen, aktiv etwas zu ändern und eine Teil beizutragen. Viele wollen das auch und das Umdenken ist da, aber oft scheitert es trotzdem. Denn wenn es so weit ist, lässt man sich wieder verführen von der Werbung und unser Konsumgesellschaft. Ich glaube, da kann Kommunikationsdesign, egal ob in der Werbung oder in der Form einer App, wirklich etwas ändern.</p>



<p class="has-background has-light-green-cyan-background-color"><strong>presstige</strong>: <em>Welche Rolle spielt das Design denn bei eurer App?</em></p>



<p><strong>Nathalie</strong>: Das Design spielt eine enorm wichtige Rolle. Gerade wir als Gestalter und Kreative haben immer einen gesellschaftlichen Anspruch. Uns ist es total wichtig, hinter welchen Projekten wir stecken und wie wir arbeiten. Wenn es dann gelingt, Konzepte schön zu visualisieren und zu verpacken, geht uns das Herz auf.<br>Uns war es super wichtig, dass die Datenvisualisierung und das Schrankgewicht auf den Punkt gebracht werden. Dabei haben wir uns für eine Farbpalette entschieden, die sehr naturbelassen ist, aber auch zeitlos, modern und zeitgemäß. Wir haben viel Schwarz- und Grüntöne reingebracht. Außerdem haben wir ganz markante, moderne Schriftarten ausgewählt. Mit der Illustration, die sehr clean und grafisch ist, mit diesen kleinen Figuren, die sich bewegen und Emotionen zeigen können, wollten wir mit so wenig Schnickschnack wie möglich beim Verbraucher etwas bewirken. Es war von vornherein klar, dass das Design auffallen soll, sich aber auch zurücknimmt, sodass die Inhalte im Vordergrund stehen. Eine App muss bestimmte Funktionen erfüllen: sie muss praktisch sein, kurze Wege haben und man muss Spaß an der Nutzung haben. Wenn man eine App öffnet und schon das Gefühl hat, man weiß nicht, wo man draufklicken muss, um weiterzukommen, ist das natürlich nicht passend.&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" src="https://lh6.googleusercontent.com/nJDlHLPvLRx47UdFpk0ZLgvtwCCJBTwhdh6FjzVV2rEgm4e5aBw6QUpKJbMApVC_GoOVi46UB881xhPft0yTNKbUPwjJq64cSfSajhTV3UQBibIgD8hbWKtjJP5PjTlzlhqK7U9C" alt=""/><figcaption>©&nbsp;Nathalie Pollok, Mario Kreuzer<br>Das Konzept hinter dem Design.</figcaption></figure>



<p class="has-background has-light-green-cyan-background-color"><strong>presstige</strong>: <em>Ihr habt vorhin selbst angesprochen, dass ihr mit der App gerade nicht den moralischen Zeigefinger heben wollt. Wie wichtig ist es euch bei der Gestaltung gewesen, eher mit positiver Bestärkung zu arbeiten und weniger negative Konsequenzen aufzuzeigen?</em></p>



<p><strong>Mario</strong>: Das war auf jeden Fall wichtig. Das spiegelt sich auch in jedem Detail wider, von der Formulierung der Sätze und bis zur Farbwahl. Es ist ein wahnsinnig ernstes Thema: Menschen leiden unter der Modeidustire und die Natur wird zerstört. Es ist wirklich schlimm, wenn man die ganzen Fakten, Zahlen und Bilder dazu sieht. Aber es löst das Problem nicht, jemandem nur das Schlechte zu zeigen, weil die Person dann resigniert. Unser Ziel war es, das Problem positiv anzugehen und die Nutzer in der App zu behalten, ohne dass sie sagen: „Ohje, ich will mich da gar nicht damit auseinandersetzen. Ich lösch die App wieder“.&nbsp;<br><strong>Nathalie</strong>: Da haben wir sehr lange diskutiert. Es gibt ganz unterschiedliche Mechanismen, wie man Leute bei einem Thema behält. Bei der Gestaltung einer App gibt es zum Beispiel das Prinzip der Gamification, also dass man so eine Art Spiel daraus macht. Das wollten wir aber nicht. Uns war es wichtig, dass man sich bewusst dafür entscheidet und man weiß, dass da nicht nur positive Sachen kommen, sondern es eine App ist, die informieren, Transparenz bringen und&nbsp; zum Umdenken anregen soll. Wir wollen da kein Spiel daraus machen oder die Leute unterhalten, sondern einfach Wissen vermitteln.<br><strong>Mario</strong>: Wir hatten im gleichen Semester auch Soziologieunterricht und da haben wir auch besonders behandelt, wie unsere Gesellschaft funktioniert und  was die Aufgabe des Designers dabei ist.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="702" height="1024" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2020/06/Marion-Kreuzer-702x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-14898" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/06/Marion-Kreuzer-702x1024.jpeg 702w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/06/Marion-Kreuzer-206x300.jpeg 206w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/06/Marion-Kreuzer-768x1121.jpeg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/06/Marion-Kreuzer.jpeg 976w" sizes="(max-width: 702px) 100vw, 702px" /><figcaption>© Mario Kreuzer</figcaption></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="684" height="1024" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2020/06/Nathalie-Pollok-684x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-14899" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/06/Nathalie-Pollok-684x1024.jpeg 684w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/06/Nathalie-Pollok-200x300.jpeg 200w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/06/Nathalie-Pollok-768x1151.jpeg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/06/Nathalie-Pollok-1025x1536.jpeg 1025w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/06/Nathalie-Pollok.jpeg 1068w" sizes="(max-width: 684px) 100vw, 684px" /></figure>
</div>
</div>



<p class="has-background has-light-green-cyan-background-color"><strong>presstige</strong>: <em>Teil des Schrankgewichts ist, dass die App die Klamotten nach Hersteller, Herkunft und Material bewertet. Habt ihr diese Einschätzungen, welche Marke und welches Material wie viele Punkte bekommt, selbst entwickelt?</em></p>



<p><strong>Mario</strong>: Was den Hersteller betrifft, haben wir uns an der Plattform „good on you“ orientiert. Die ist wirklich sehr zu empfehlen, für jeden der sich beim Kauf fragt: “Wie gut ist diese Marke?”. Die Bewertung funktioniert mit mehreren Kategorien, zum Beispiel ob die Firma Umweltauflagen hat, ob sie die Mitarbeiter fair bezahlt oder wie die Herstellung aussieht. Das war die Basis für unsere Bewertung der Hersteller und auch teilweise die der Herstellung und der Herkunft. Andererseits haben wir aber auch eigene Einschätzungen vorgenommen. Bio-Baumwolle ist natürlich besser als herkömmliche Baumwolle. Synthetik-Stoffe sind nochmal schlechter, wegen des Mikroplastiks, das bei jedem Waschgang ins Abwasser geht. Dann gibt es noch recyceltes Synthetik, das ist wieder ein bisschen besser. Damit haben wir für uns eine Liste erstellt. Aber diese konkreten Daten müssten wir noch aus verlässlichen Quellen beziehen, damit die App auch wirklich funktionieren könnte.</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img decoding="async" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2020/06/Screenshot-Good-On-You-576x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-14869" width="483" height="859" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/06/Screenshot-Good-On-You-576x1024.jpeg 576w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/06/Screenshot-Good-On-You-169x300.jpeg 169w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/06/Screenshot-Good-On-You.jpeg 750w" sizes="(max-width: 483px) 100vw, 483px" /><figcaption>© Isabelle Mader<br>Die App &#8220;good on you&#8221; gibt einen Überblick über nachhaltige Mode.</figcaption></figure>



<p class="has-background has-light-green-cyan-background-color"><strong>presstige</strong>: <em>Habt ihr gemerkt, dass sich euer privater Konsum auch geändert hat, seitdem ihr euch so intensiv mit dem Thema auseinandersetzt?</em></p>



<p><strong>Nathalie</strong>: Ja, auf jeden Fall. Klar kam das jetzt nicht nur durch die App. Wir waren beide schon vorher immer an Mode interessiert und natürlich auch an nachhaltigen Alternativen. Aber als Student kann man sich nicht alles leisten, was es in nachhaltigen Läden zu kaufen gibt.<br>Ich habe mir vor kurzem vegane Sportschuhe gekauft und hab mich dann super über den Einkauf gefreut, was ich vor einem Jahr vielleicht nicht gemacht hätte.&nbsp;<br><strong>Mario</strong>: Man merkt, dass das was mit einem macht und automatisch hat man die Ohren und die Augen noch viel stärker offen für das Thema. Auf Social Media wird man auch immer wieder daran erinnert. Ich habe in den Semesterferien meinen Schrank komplett ausgemistet und es hilft einfach, wenn man dann vor sehr viel weniger steht und sich wirklich ehrlich fragt: “Brauch ich das jetzt oder gebe ich das weg?”. Man fängt auch an, bewusst Etiketten in den Kleidungsstücken zu lesen.&nbsp;</p>



<p class="has-background has-light-green-cyan-background-color"><span class="tadv-background-color" style="background-color:#7bdcb5"><strong>presstige</strong>: <em>Seid ihr, während ihr das Konzept entwickelt habt, auch auf größere Schwierigkeiten oder Hürden gestoßen?</em></span></p>



<p><strong>Nathalie</strong>: Ja, die Transparenz. Alle Unternehmen, die wissen, dass sie keine fairen Arbeitsbedingungen haben, wollen das natürlich nicht preisgeben. Von daher war die Datenerhebung zu den jeweiligen Marken nicht wirklich einfach, weshalb wir uns auch auf Seiten wie „good on you“ gestützt haben, die schon Recherche betrieben haben.</p>



<p class="has-background has-light-green-cyan-background-color"><span class="tadv-background-color" style="background-color:#7bdcb5"><strong>presstige</strong>: <em>Habt ihr eigentlich damit gerechnet, dass ihr für eure Arbeit einen Preis bekommt?</em></span></p>



<p><strong>Nathalie</strong>: Nein. Dazu muss man auch sagen, dass unsere Betreuerin uns ein bisschen gepusht hat. Sie war begeistert und hat uns da richtig unterstützt. Es war nochmal Aufwand, weil wir das Erklärvideo entwickeln mussten und noch ein paar zusätzliche Sachen, damit die Jury das Konzept bewerten kann. Wir waren schon überwältigt, weil es renommierte Grafikdesigner sind, die wirklich Ahnung haben. Das hat uns echt gefreut und natürlich auch überrascht.<br><strong>Mario</strong>: Die Hauptmotivation war einfach auszuprobieren, an so einem Wettbewerb teilzunehmen, die Erfahrung zu machen und sich da reinzuhängen mit einem animierten Video, Boards und einer Präsentation. Aber es hat sich gelohnt. Wir sind wirklich froh, dass es so weit gekommen ist.</p>



<p class="has-background has-light-green-cyan-background-color"><strong><span class="tadv-background-color" style="background-color:#7bdcb5">presstige</span></strong><em><span class="tadv-background-color" style="background-color:#7bdcb5">: Danke für das Interview!</span></em></p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p><em><span class="tadv-background-color" style="background-color:#eeeeee">Und falls jemand Lust hat Nathalie und Mario beim Programmieren zu unterstützen, kann er sich gerne unter </span></em><a href="mailto:chefredaktion@presstige.org"><span class="tadv-background-color" style="background-color:#eeeeee"><em>chefredaktion@presstige.org</em></span></a><em><span class="tadv-background-color" style="background-color:#eeeeee"> melden.&nbsp;</span></em></p></blockquote>



<pre class="wp-block-verse"></pre>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2020/06/nachhaltige-fashion-app-bewear/">Nachhaltige Fashion-App Bewear</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://presstige.org/2020/06/nachhaltige-fashion-app-bewear/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		<enclosure url="https://www.hs-augsburg.de/Binaries/Binary40614/Bewear-Casefilm.mp4" length="31266402" type="video/mp4" />

		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">14849</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Praktisch digital?</title>
		<link>https://presstige.org/2020/05/praktisch-digital/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lara Reile]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 May 2020 09:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[wegweiser]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalsemester]]></category>
		<category><![CDATA[kommunikationsdesign]]></category>
		<category><![CDATA[kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Kunstpädagogik]]></category>
		<category><![CDATA[musik]]></category>
		<category><![CDATA[Musikpädagogik]]></category>
		<category><![CDATA[Online]]></category>
		<category><![CDATA[praktische Studiengänge]]></category>
		<category><![CDATA[sport]]></category>
		<category><![CDATA[studieren]]></category>
		<category><![CDATA[studieren online]]></category>
		<category><![CDATA[studieren während Corona]]></category>
		<category><![CDATA[zoom]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://presstige.org/?p=14495</guid>

					<description><![CDATA[<p>Jonglieren mit Klopapierrollen, Schwimmen in der Badewanne oder Gesangsunterricht im Stream &#8211; wie läuft das digitale Semester in den praktischen Studiengängen an Uni und Hochschule ab? Gut einen Monat läuft das Digitalsemester jetzt und die meisten von uns haben sich...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2020/05/praktisch-digital/">Praktisch digital?</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Jonglieren mit Klopapierrollen, Schwimmen in der Badewanne oder Gesangsunterricht im Stream &#8211; wie läuft das digitale Semester in den praktischen Studiengängen an Uni und Hochschule ab?</em></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2020/05/IMG_6784-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-14500" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/05/IMG_6784-1024x768.jpg 1024w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/05/IMG_6784-300x225.jpg 300w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/05/IMG_6784-768x576.jpg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/05/IMG_6784-1536x1152.jpg 1536w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/05/IMG_6784.jpg 1800w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>© Fotos: Balthasar Zehetmair, Bearbeitung: Antonia Herb</figcaption></figure>



<p>Gut einen Monat läuft das <em>Digitalsemester</em> jetzt und die meisten von uns haben sich bereits an die neue Situation gewöhnt. Die ersten Startschwierigkeiten mit Zoom und Co. sind überwunden; inzwischen denkt jeder daran, sein Mikro anzuschalten, bevor er spricht und man hat sich abgewöhnt, ständig das eigenen Bild zu betrachten.<br>In vielen Fällen konnten die Lehrenden ihre Vorlesungen und Seminare ohne große Abstriche auf <em>Online</em> umstellen. Vieles ist wie immer: unsere DozentInnen erzählen etwas und wir hören zu &#8211; oder auch nicht.<br>Was aber, wenn es damit nicht getan ist? Wenn wir nicht durch ein Kreuz bei Multiple Choice oder eine Hausarbeit geprüft werden, wo es (relativ) egal ist, ob der Stoff nun in einem Vorlesungssaal oder online auf uns herab prasselt? Was, wenn wir physisch üben müssen, um guten Noten zu bekommen und auf Praxis vor Ort angewiesen sind? Presstige hat nachgefragt, wie das Studium in den praktischen Studiengängen der Uni und der Hochschule Augsburg gerade abläuft.</p>



<h2 class="has-text-align-center wp-block-heading"><strong>Sport</strong></h2>



<p>Besonders die SportlerInnen trifft es natürlich hart, dass vorerst keine Trainingsmöglichkeiten bestehen. Pauline, 20, studiert im 4. Semester Sport auf Lehramt für Mittelschule: “Das war schon ein schwerer Schlag, als klar wurde, dass wir keine Praxisphasen haben”. Auch Basti und Lilli von der Fachschaft Sport halten es für wichtig, dass die SportlerInnen bald wieder üben können, “denn ohne praktische Ausbildung und ohne ausreichend Training können wir Sportler nur begrenzt Erfolge verzeichnen”. Für sie ist klar, dass Theorie und Praxis gleichermaßen elementare Teile des Sportstudiums sind, die normalerweise parallel unterrichtet werden.&nbsp;</p>



<p>Aktuell sieht die Lösung so aus, dass Theorie- und Vorlesungsinhalte über Zoom zur Verfügung gestellt werden. Manche DozentInnen versuchen außerdem auch praktische Übungen online zu vermitteln. Pauline hat dieses Semester zum Beispiel Turnen belegt. Hier sind von zu Hause aus nur Kraft- und Stabilisationsübungen möglich. Viel mehr können die Lehrenden ihren StudentInnen aufgrund der Verletzungsgefahr und der fehlenden Ausrüstung nicht zutrauen. Also haben sie per Ferndiagnose die Fitness ihre StudentInnen getestet und Trainingspläne zusammengestellt. Dadurch sollen die Studierenden auf das tatsächliche Turnen vorbereitet werden, falls dies später im Semester noch stattfinden kann. Auch andere DozentInnen sind kreativ geworden und haben Tutorial-Videos aufgenommen, um ihren StudentInnen zum Beispiel das Jonglieren beizubringen.&nbsp;</p>



<p>Um ihnen die Wahl zu lassen, wurden die Studierenden zu Beginn gefragt, ob sie aus den Kursen austreten oder sie auch unter Online-Bedingungen ablegen möchten. Einige Kurse werden allerdings erst wieder nächstes Jahr angeboten, wodurch sich die Studienzeit verlängern kann, wenn man sich dazu entscheidet, an einem Angebot nicht teilzunehmen.<br>Gedanken macht sich Pauline über das Leichtathletik-Examen, welches im August ansteht. Schließlich konnten bisher nur Laufdisziplinen trainiert werden. Die festgelegten Zeiten und Weiten, die beispielsweise in Sprungdisziplinen gelten, werden die StudentInnen für gute Noten wohl trotzdem erreichen müssen, obwohl das Training anders verlief als in den Jahren zuvor. Auch die Fachschaft befürchtet, “dass durch kürzere Trainingszeiten eine faire Benotung der Prüfungen am Ende des Semesters nicht gewährleistet werden kann”.<br>Es entstehen aber auch noch einige andere Probleme für die SportlerInnen in diesem Semester. Viele Materialien oder Anlagen sind zu Hause einfach schwer zu ersetzen. Speerwurf im Garten oder Schwimmtraining in der Badewanne? Eher schwierig. Das Kontaktverbot hat auch Mannschaftssportarten unmöglich gemacht, wobei es hier nun wieder erste Lockerungen gibt. Fußball, Handball oder Volleyball ohne Mannschaft und ohne Gegner sind schließlich schwer vorstellbar. Und Training mit Atemmaske ist natürlich auch keine ernsthafte Alternative.<br>Die Fachschaft betont außerdem, dass der fachliche und freundschaftliche Austausch mit Kommilitonen und Dozierenden fehlt. Das Sportzentrum als gemeinsamer Treffpunkt fällt vorerst weg.</p>



<p>Nichts desto trotz kommt es auch zu witzigen Momenten in der Online-Lehre. Pauline erzählt von einem Dozenten, der sich immer passend zum Thema seiner Zoom-Vorlesung kleidet. Und in den Jonglage-Videos demonstrieren die Lehrenden, dass man genauso gut mit Klopapierrollen, zusammengerollten Socken oder Unterhosen jonglieren kann. Einen Lichtblick gibt es zumindest: nach den Pfingstferien sollen erste Präsenzveranstaltungen wieder möglich sein.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2020/05/DSC_0595-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-14514" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/05/DSC_0595-1024x683.jpg 1024w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/05/DSC_0595-300x200.jpg 300w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/05/DSC_0595-768x512.jpg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/05/DSC_0595-1536x1025.jpg 1536w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/05/DSC_0595-2048x1367.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>© Balthasar Zehetmair</figcaption></figure>



<h2 class="has-text-align-center wp-block-heading"><strong>Musik</strong></h2>



<p>Vom Sportzentrum aus ungefähr am anderen Ende des Uni-Sees befindet sich das Zentrum für Kunst und Musik. Hier haben wir bei der Fachschaft Musik nachgefragt, was es denn jetzt genau bedeutet, während dieser Pandemie Musik zu studieren. Für die MusikerInnen findet der Einzelunterricht ebenso wie alle Vorlesungen in nicht praktischen Studiengängen per Videoplattform statt. Johanna hat das Glück dieses Semester kaum praktische Fächer belegen zu müssen. Sie studiert Realschullehramt mit den Fächern Mathe und Musik im 6. Semester und lernt momentan wie der Rest der Uni in Vorlesungen via Zoom. Nur beim Klavierunterricht muss sie kreativ werden. “Wir skypen so, dass ich die Kamera auf die Tastatur gerichtet habe und Ton machen wir über Telefon, weil das besser funktioniert. Ich habe meiner Klavierlehrerin die Noten halt eingescannt, damit sie von zuhause mitlesen kann”. Abgesehen davon, dass die Stimmung persönlicher und netter ist, wenn ihre Klavierlehrerin neben ihr sitzt und es für sie leichter ist mitzulesen, was Johanna spielt, ergeben sich auch Schwierigkeiten, wenn die Verbindung mal schlecht ist. “Manchmal singt meine Klavierlehrerin mit oder zählt den Takt mit und das ist dann immer ein bisschen versetzt und verwirrt mich immer viel mehr als dass es mir hilft”. Die MusikstudentInnen dürfen momentan nicht die Übungsräume der Uni Augsburg für ihr Instrumentalspiel nutzen. Oft ist die Ausstattung dort sehr viel besser als zuhause. Im Präsenz-Semester würden sie an einem Flügel üben, jetzt muss notfalls das billige E-Piano herhalten. Die Fachschaft ist allerdings relativ zufrieden, obwohl Zoom und Co. nicht den persönlichen Unterricht ersetzt, scheint alles doch besser zu funktionieren als gedacht. Auch das Erlernen eines neuen Instruments scheint durch kreative Online-Lösungen kein Problem. Das verdanken sie, wie sie finden, ihren DozentInnen und sind froh, dass alles den Umständen entsprechend gut klappt. Einige Veranstaltungen mussten allerdings trotzdem komplett gestrichen werden, wie Ensembles und der Gruppeninstrumentalunterricht. Diese machen nur live wirklich Sinn. Auch die Konzertreise des Kammerchors der Uni Augsburg nach Italien findet verständlicherweise nicht statt.</p>



<p>Johanna hat keine Klavier-Prüfung in diesem Semester, deshalb empfindet sie es nicht als dramatisch. Sie sieht sogar die Vorteile. Ihre Klavierlehrerin wohnt nicht in Augsburg und wäre in einem normalen Präsenz-Semester nur alle zwei Wochen an der Uni um Unterricht zu geben. “Für mich ist es einfach von Vorteil, wenn ich wöchentlich üben kann”. Anders sieht das bei einer Freundin von Johanna aus. Sie musste ihre Gesangsabschlussprüfung um ein Semester verschieben. Obwohl Gesangsunterricht von den verschiedenen Lehrenden online angeboten wird, findet Johanna das absolut nicht sinnvoll. “Bei Gesang kommt es darauf an, dass der Gesangslehrer sieht, wie du atmest, wie sich deine Rippen beim einatmen bewegen, ob du dein Kinn ein bisschen zu hoch hast. Dann müssen die ganz genau hinhören, ob man ein leichtes Kratzen hört oder sich irgendwas eng anhört und das geht einfach nicht über Skype. Also das stelle ich mir schon sehr schwer vor.”&nbsp;</p>



<p>Johanna wird keinen Nachteil durch COVID-19 erleben. Für sie kommt diese Herausforderungen in der Lehre in einem recht gelegenen Semester. Sie muss nichts verschieben oder Angst vor Nachteilen haben. Ihr Studienplan wird davon nicht eingeschränkt. Die Fachschaft hofft, dass für niemanden Nachteile entstehen. Nur für die Kandidaten für die Eignungsprüfungen ihres Studiengangs wird es umständlicher. Sie können nicht anständig vorbereitet werden, nicht wie die letzten Semester. Ob das für sie zum Nachteil wird, bleibt abzuwarten. Die meisten Kurse finden allerdings statt und auch von der Uni fühlt man sich nicht alleine gelassen. “Aber was sollen sie auch machen. Das ist auch bisschen schwierig. Verloren fühle ich mich aber nicht”, sagt Johanna. &#8220;Man findet so seinen anderen Weg. Nur weil ich nicht in der Uni musiziere, heißt das ja nicht, dass ich gar keine Musik mehr mache.”</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="769" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2020/05/WhatsApp-Image-2020-05-18-at-22.08.56-1024x769.jpeg" alt="" class="wp-image-14515" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/05/WhatsApp-Image-2020-05-18-at-22.08.56-1024x769.jpeg 1024w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/05/WhatsApp-Image-2020-05-18-at-22.08.56-300x225.jpeg 300w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/05/WhatsApp-Image-2020-05-18-at-22.08.56-768x577.jpeg 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2020/05/WhatsApp-Image-2020-05-18-at-22.08.56.jpeg 1280w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Für die meisten von uns mittlerweile ein täglicher Anblick<br>© Lara Reile</figcaption></figure>



<h2 class="has-text-align-center wp-block-heading"><strong>Kommunikationsdesign</strong></h2>



<p>Lara, 22 Jahre, studiert Kommunikationsdesign im 6. Semester an der HS Augsburg. Sie erzählt, dass man in ihrem Studiengang normalerweise viel Zeit vor Ort an der Hochschule verbringt und in kleineren Kursen mit den Kommilitonen eng zusammenarbeitet und sich austauscht. Ihre Kurse finden momentan zum großen Teil online statt, was je nach Inhalt unterschiedlich gut klappt.<br>Zum Beispiel gibt es Gestaltungsateliers, die auf praktische Arbeit ausgelegt sind. Da gehen die Studierenden normalerweise in Werkstätten oder ins Fotolabor, um praktisch zu arbeiten. Das ist momentan nur im Ausnahmefall unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen möglich. Normalerweise würden die StudentInnen viel Zeit in den Werkstätten verbringen und hätten die Möglichkeit, selbstständig zu arbeiten. Lara findet es gut, „dass unser Dozent da wenigsten noch irgendwas rausholt, aber es ist halt nicht das Gleiche“.<br>In einem anderen Kurs, den sie dieses Jahr belegt, sollten die Studierenden eigentlich lernen, wie sie sich online und in ihrem Portfolio vor Arbeitgebern präsentieren. „Das ist super wichtig für uns, weil das Portfolio sehr viel zählt, wenn man sich bewirbt“, berichtet Lara. Die Noten seien im Vergleich zu anderen Studiengängen nicht so wichtig, dafür kommt es aber besonders darauf an, dass die Projekte überzeugen. Deshalb wäre es eigentlich Pflicht, dass die StudentInnen ins Fotostudio gehen, um ihre Projekte professionell in Szene setzen zu können. Das geht jetzt aber nicht, weil sonst viele Einzelteile wie z.B. die Kameras desinfiziert werden müssten. Auch die technischen Möglichkeiten, die die Hochschule normalerweise bietet, fehlen: Projekte können nicht vorab gedruckt und Ausrüstung wie Kameras nicht ausgeliehen werden.&nbsp;</p>



<p>Vor allem der kreative Austausch und die gemeinsame Ideenfindung ist für die StudentInnen schwieriger geworden. Normalerweise würden sie zusammen Mindmaps machen oder Post-Its schreiben und sich dabei austauschen. Dafür gibt es zwar auch Online-Module, aber der Prozess ist hier zäher und schwieriger. In einer Gruppenarbeit hat Lara beispielsweise Post-Its für alle geschrieben und sie bei sich auf dem Zimmerboden arrangiert, weil es praktischer ist, als ein Online-Tool zu benutzen.<br>Auch an der Hochschule sind kreative Lösungen entstanden, um mit der Situation umzugehen: In einem Kurs über das 16. Jahrhundert versuchen Dozenten zum Beispiel mit virtuellen Hintergründen und musikalischer Unterstützung die Atmosphäre der Epoche zu transportieren und machen dabei von den Möglichkeiten, die Zoom und Co. schließlich auch bieten, Gebrauch.</p>



<h2 class="has-text-align-center wp-block-heading"><strong>Kunst</strong></h2>



<p>Wieder zurück im Zentrum für Kunst und Musik leiden auch auf dem Uni-Campus künstlerische StudentInnen unter der aktuellen Situation. Anne studiert im 4. Semester Anglistik/Amerikanistik mit dem Nebenfach Kunstpädagogik. Im Kunststudium findet trotz <em>Digitalsemester</em> Unterricht statt, nur etwas abgeändert. Der Großteil der praktischen Seminarinhalte kann von zuhause aus in Eigenarbeit stattfinden. Anne erzählt uns, dass in den Praxisseminaren wöchentliche Anregungen und/oder Arbeitsaufträgen von den DozentInnen per Text oder Video eingespielt werden. Quasi als Inspiration für die eigenen Projekte, durch die man tätig werden soll. “Für zeichnerische oder malerische Seminare geht das ganz gut, aber aus einem Seminar musste ich austreten, weil ich zuhause einfach nicht die erforderlichen Werkzeuge habe, wie Gips oder Ton”. Sie vermisst außerdem das regelmäßige Feedback, dass normalerweise während der Veranstaltung gegeben wird. Durch das Hochladen von Fotos während des Entstehungsprozesses, wird zwar versucht das zu ersetzen, Anne findet aber, dass man trotzdem viel mehr auf sich selbst gestellt ist also sonst.</p>



<p>Eigenarbeit ist aber nicht in allen Veranstaltungen möglich. Einige Seminare mussten abgesagt werden, bei anderen hofft man, dass die Inhalte als Blockseminar am Ende des Semesters vermittelt werden können. Das betrifft vor allem Seminare für die man spezifische Räumlichkeiten (zum Beispiel Fotolabor) oder bestimmte Werkzeuge (zum Beispiel zur Holzbearbeitung) braucht. Um keinen Studierenden zu benachteiligen, bietet der Lehrstuhl für jedes Modul zumindest ein Seminar an. So können die Studierenden das nötige Modul abschließen. Optimal findet Anne das allerdings nicht, immerhin könnte das angebotene Seminar außerhalb des eigenen Interessenbereich liegen. “Ich habe versucht meine Wunschseminare auf ein späteres Semester zu verschieben”. Trotz anfänglichen Chaos und vielen Fragen von den Studierenden funktioniert das digitale Semester aber recht gut. Vor allem die Lehrenden geben sich viel Mühe, stehen zur Verfügung und versuchen so gut es geht zu unterstützen, findet Anne. “Ist zwar nicht ideal alles, aber ich habs mir ehrlich gesagt schlimmer vorgestellt”</p>



<h2 class="has-text-align-left wp-block-heading"><strong>Unser Fazit:</strong></h2>



<p>Ein übergreifendes Problem, von dem uns Studierende mehrerer Fächer berichtet haben: Semesterpläne, die sie sich sorgfältig zusammengebaut haben, können nicht eingehalten werden. Das bedeutet für manche, dass sie ein zusätzliches Semester dranhängen müssen und das nicht einmal selbstverschuldet.<br>Lichtblick: die meisten Dozenten bemühen sich wirklich, das Semester so gut wie möglich zu gestalten. Es ist schließlich für alle eine neue Situation und die meisten hoffen natürlich darauf, dass die Präsenzlehre so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden kann. Denn unabhängig davon, ob praktischer oder nicht-praktischer Studiengang, wir vermissen unseren wunderschöne Campus und die Mittagessen in der Mensa.</p>



 [<a href="https://presstige.org/2020/05/praktisch-digital/">See image gallery at presstige.org</a>] 
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2020/05/praktisch-digital/">Praktisch digital?</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">14495</post-id>	</item>
	</channel>
</rss>
