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	<title>mueller-will-reden Archive | presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</title>
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	<description>Das Magazin für Studierende der Universität und Hochschule Augsburg.</description>
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	<title>mueller-will-reden Archive | presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</title>
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		<title>Müller will über „Digital Natives“ reden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael Müller]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Jan 2016 09:31:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[weitblick]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hinter dem Internet verbirgt sich das wohl größte Los der jungen Generation. Bei jeder Gelegenheit betonen Politik und Wirtschaft die Chancen der Digitalisierung. Und wer kann diese Entwicklung besser einschätzen als eine Jugend, die praktisch im Internet aufgewachsen ist? Deshalb...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2016/01/mueller-will-reden-digital-natives/">Müller will über „Digital Natives“ reden</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_8383" aria-describedby="caption-attachment-8383" style="width: 1200px" class="wp-caption aligncenter"><a href="http://presstige.org/wp-content/uploads/2016/01/Müller_1200_Digital-Natives.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="wp-image-8383 size-full" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2016/01/Müller_1200_Digital-Natives.jpg" alt="Müller_1200_Digital Natives" width="1200" height="673" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2016/01/Müller_1200_Digital-Natives.jpg 1200w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2016/01/Müller_1200_Digital-Natives-400x224.jpg 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2016/01/Müller_1200_Digital-Natives-1024x574.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a><figcaption id="caption-attachment-8383" class="wp-caption-text">Text: Michael Müller &#8211; Illustration: Isabell Beck</figcaption></figure>
<p><b>Hinter dem Internet verbirgt sich das wohl größte Los der jungen Generation. Bei jeder Gelegenheit betonen Politik und Wirtschaft die Chancen der Digitalisierung. Und wer kann diese Entwicklung besser einschätzen als eine Jugend, die praktisch im Internet aufgewachsen ist? Deshalb gelten wir schon heute als Experten für Fortschritt und Zukunft und dürfen immer wieder eifrig mitreden. Doch hat es damit etwa zum ersten Mal eine jüngere Generation geschafft, den Älteren praktisch scon von Haus aus zu erklären, wo es langgeht? Reden wir darüber!</b></p>
<p>Unsere Fernsehlandschaft ist voller Experten. Wer sich über ein kurzes Statement hinaus Gehör verschaffen möchte, sollte allerdings besser für mehr als nur die eigene Person sprechen. Erfolgreiche Unternehmer, Parteigrößen oder bekannte Journalisten haben deshalb fast schon Stammplätze in den abendlichen Nachrichten- oder Talkformaten. Doch zum Glück gibt es da auch einen weniger anstrengenden und deutlich schnelleren Weg, der sogar wie gemacht für Studenten erscheint. Einfach nur jung genug sein! Wer jünger als dreißig ist und sich in einem gesellschaftlichen Feld engagiert, wird Medien schnell einmal zum Vertreter der <i>junge</i><i>n</i><i> Generation</i> ernannt. So dürfen einzelne Youtuber ganz pauschal über die <a href="http://www.deutschlandfunk.de/youtube-star-lefloid-fernsehen-muss-man-erstmal-definieren.807.de.html?dram:article_id=322490">Zukunft des Fernsehens</a> sprechen oder werden zufällig ausgewählte, junge Demonstranten schnell zum Indiz einer Jugendbewegung erklärt. Dieses Phänomen hat auch nicht nur etwas mit knappem Sendeplatz oder den Vorlieben der Bildregie zu tun. Auch im Alltag gilt immer wieder: Sobald irgendein als <i>jung</i> eingestuftes Phänomen auftritt, suchen die Älteren fieberhaft nach einem Experten und das oft im eigenen Umfeld. Doch woher kommt dieses Bedürfnis und vor allem, sollten wir Jungen da überhaupt mitmachen?</p>
<h3>Evolution statt Revolution</h3>
<p>Das Schimpfen der Alten über die Gewohnheiten der Jungen gehört zu den absoluten Klassikern der Generationenkonflikte. Dabei haben vor allem Studenten über die Jahrzehnte so einiges zu hören bekommen. Mal galten sie als aufrührerisch und arbeitsscheu, dann wieder als zu angepasst und karrieristisch. Zumeist wurden gerade junge Akademiker mit ihrer freien Lebensweise als bestes Beispiel dafür genannt, was mit der jungen Generation so alles nicht stimme. Auch wenn sich die Anlässe über die Zeit geändert haben, stand hinter dieser Kritik stets das gleiche Prinzip: Erstens gehe die Jugend irgendeiner neuen Mode nach und zweitens seien die Jugendlichen untereinander darin alle gleich. Im Grunde hat sich an dieser Sicht bis heute nichts geändert. Trotzdem gibt es einen wesentlichen Unterschied und der liegt in der neuesten Mode selbst, dem Internet. Anders als zum Beispiel bei der Vorliebe der 68er für den Kommunismus, sehen in der modernen Computertechnologie nämlich auch viele Ältere eine Chance und keine Bedrohung. Einer der lautesten Befürworter einer digitalen Revolution ist der amerikanische Unternehmer und Lehrer Marc Prensky. In seinen teilweise umstrittenen Thesen hat er unsere Generation zu <a href="http://www.marcprensky.com/writing/Prensky%20-%20Digital%20Natives,%20Digital%20Immigrants%20-%20Part1.pdf" class="broken_link"><i>Digital Natives</i></a> erklärt und geht dabei so weit, dass sich unsere Wahrnehmung und unser Denken durch den selbstverständlichen Umgang mit Computern seit frühester Kindheit sogar bis hin zur physischen Ebene verändert haben. Damit verfolgen wir laut Prensky also nicht nur irgendeine Mode, sondern sind von Grund auf anders als unsere Eltern, womit sich auch die Hoffnung, uns noch einmal umzuerziehen erübrigt hätte.</p>
<blockquote>
<p dir="ltr"><strong>Kolumne: Müller will reden</strong></p>
<table style="background-color: transparent;">
<colgroup>
<col width="20%" />
<col width="80%" /> </colgroup>
<tbody>
<tr>
<td><img decoding="async" style="width: 100%; heigth: auto;" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2014/01/kolumne.png" alt="" /></td>
<td>Meinung ist tot? Nicht mit uns, denn unser ehemaliger Chefredakteur <a href="http://presstige.org/author/michael-mueller/">Michael Müller</a> ist überzeugt, dass es Dinge gibt, die man nicht wissen kann, aber über die es sich zu reden lohnt. In Zeiten harter Fakten glaubt er an das lose Mundwerk, denn wohin sonst mit all den gesammelten Informationen? Mal geht es um Wichtiges, mal um den Rest, aber immer gilt: Keine Angst, Müller will nur reden. Die Kolumne erscheint immer donnerstags und wird von <a href="http://presstige.org/author/isabell-beck/">Isabell Beck</a> illustriert. <a href="http://presstige.org/tag/mueller-will-reden/">Alle Folgen von &#8220;Müller will reden&#8221; zum Nachlesen.</a></td>
</tr>
</tbody>
</table>
</blockquote>
<p>Ganz unabhängig davon, ob sich unsere Gehirne nun verändern oder nicht, haben sich Wirtschaft und Politik längst mit einem digitalen Wandel abgefunden. Dass die Wirtschaft mit gezielter Werbung versucht, die wachsende Kaufkraft junger Kunden zu nutzen ist nichts Neues. Doch der digitale Lebensstil wird als so große Veränderung wahrgenommen, dass inzwischen ganze Geschäftsmodelle darauf aufbauen. Vor allem in Social Media und einer steigende Vernetzung lägen dabei die großen Chancen. Egal, ob persönlicher Kundenkontakt, internes Wissensmanagement oder elektronische Demokratie – allenthalben werden Experten für das Social Web gesucht und genau hier kommen wir <i>Digital Natives</i> wieder ins Spiel. Wer sollte sich besser auskennen als wir, die wir angeblich ja schon fast im Netz leben. Für den Einzelnen bedeutet das Mitspracherechte, von denen die frühere Jugend nur träumen konnte. Geht es um die Social Media Strategie oder den Internetauftritt, kann so auch die Meinung des studentischen Mitarbeiters plötzlich großes Gewicht bekommen. Sowohl als Kunden als auch als Mitarbeiter sind wir damit vielleicht wichtiger denn je.</p>
<h3>Der nettere Zwilling des Klischees</h3>
<p>Wie so häufig gibt es jedoch auch hier eine schattigere Seite. Denn wie gehen wir mit all dieser Verantwortung um, wenn wir eben keine typischen <i>Digital Natives</i> sind. Wer sich in den sozialen Netzwerken deutlich zurückhält oder einer fortschreitenden Digitalisierung skeptisch gegenübersteht, ist dann schnell abgemeldet. Die verlockende Option, sich im Namen der eigenen Generation zu Wort zu melden, dreht sich so schnell zum Gegenteil. Mangels Zielgruppenkenntnis wird uns die Jugend dann einfach aberklärt. Oftmals werden auch Informatik- oder Marketingkenntnisse erwartet, die bei weitem nicht jeder momentane Student hat. Hier wird deutlich, dass sich zwar die Bewertung der jungen Generation durch die Alten verändert hat, nicht aber die Prinzipien dahinter. Auch im Fall der <i>Digital Natives</i> ist es letztlich die alte Generation, die Kriterien dafür festlegt, was ihre Nachfolger ausmache. Selbst der Druck auf die Jugend bleibt, nur dass er eben nicht mehr auf deren Änderung, sondern Konformität abzielt. Gerade der wirtschaftliche und politische Hype um die Potenziale der neuen Berufswelt kann zu einem ernormen Anpassungsdruck werden. Wer will seine Chancen in dieser Welt schon dadurch verschenken, als Rückständig zu gelten?</p>
<p>Natürlich ist die Idee der <i>Digital Natives</i> nicht vollkommen aus der Luft gegriffen. Tatsächlich verfügen wir durch unseren Alltag über technische Potenziale, die unseren Eltern fehlen, und natürlich dürfen wir diese auch im Sinne der Zukunft der Gesellschaft einsetzen. Allerdings sollten wir es uns mit diesem Status nicht zu bequem machen, sonst wird aus solchen Eigenschaften ein Klischee. Über enttäuschte Erwartungen kann sich auch ein positives Vorurteil schnell gegen uns wenden und ist dabei am Ende vielleicht sogar schwerer loszuwerden als sein negatives Gegenstück. Was uns hilft, ist auch gegenüber diesem Erwartungsdruck zu behaupten, wer wir sind. Letzten Endes bleiben wir nämlich doch eine ganz normale junge Generation, die ihre Identität nicht in die Hände der Älteren legen sollte.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2016/01/mueller-will-reden-digital-natives/">Müller will über „Digital Natives“ reden</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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		<title>Müller will über „Kommunikation“ reden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael Müller]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Jan 2016 17:23:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[weitblick]]></category>
		<category><![CDATA[hasskommentare]]></category>
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		<category><![CDATA[mueller-will-reden]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Grauenhafte Rechtschreibung, inhaltsleeres Geschwätz und wüste Beschimpfungen – immer wieder wird das Internet verdächtigt, unserer Kommunikation zu schaden. Doch ist wirklich das Netz als solches der Grund für die Entgleisungen seiner Nutzer, vor allem wenn es plötzlich um Streit, Hass...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2016/01/mueller-will-reden-kommunikation/">Müller will über „Kommunikation“ reden</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_8359" aria-describedby="caption-attachment-8359" style="width: 1200px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://presstige.org/wp-content/uploads/2016/01/Müller_1200_Kommunikation.jpg"><img decoding="async" class="size-full wp-image-8359" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2016/01/Müller_1200_Kommunikation.jpg" alt="Text: Michael Müller - Illustration: Isabell Beck" width="1200" height="673" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2016/01/Müller_1200_Kommunikation.jpg 1200w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2016/01/Müller_1200_Kommunikation-400x224.jpg 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2016/01/Müller_1200_Kommunikation-1024x574.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a><figcaption id="caption-attachment-8359" class="wp-caption-text">Text: Michael Müller &#8211; Illustration: Isabell Beck</figcaption></figure>
<p align="left"><b>Grauenhafte Rechtschreibung, inhaltsleeres Geschwätz und wüste Beschimpfungen – immer wieder wird das Internet verdächtigt, unserer Kommunikation zu schaden. Doch ist wirklich das Netz als solches der Grund für die Entgleisungen seiner Nutzer, vor allem wenn es plötzlich um Streit, Hass oder Hetze geht? Darüber sollten gerade wir <i>Digital Natives</i> einmal reden!</b></p>
<p align="left">„Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Mit diesem Satz hat schon 1969 der Kommunikationswissenschaftler <a href="http://www.paulwatzlawick.de/axiome.html">Paul Watzlawick</a> darauf aufmerksam gemacht, dass jedes menschliche Verhalten, damit auch das non-verbale, Botschaften transportiere. Heute scheint der Satz, wenn auch aus etwas anderem Blickwinkel, aktueller denn je. Durch Instant Messaging, Social Media und das mobile Internet sind wir alle praktisch ständig vernetzt und kommunizieren dabei – manchmal sogar ohne es zu wollen. Seit vor gut dreißig Jahren die erste E-Mail in Deutschland ankam, hat der Austausch über den Computer einen wahren Siegeszug angetreten. Ursprünglich noch der Wissenschaft, der Industrie und dem Militär vorbehalten, hat die digitale Kommunikation spätestens mit den Communities auch das Privatleben erreicht. Dank Foren, Chatrooms und vor allem den sozialen Netzwerken können wir unser Leben in einen Livestream verwandeln. Insgesamt werden dabei so viele Informationen um den Globus geschickt wie nie zuvor. Doch haben wir uns mit dem Internet nur ein neues Kommunikationsmittel gesucht, oder hat sich durch das neue Medium auch der Austausch selbst verändert – am Ende gar zum Schlechteren?</p>
<h3 align="left">Alles eine Frage der Technik?</h3>
<p align="left">Wer die Diskussion über Hasskommentare im Internet verfolgt hat, kann durchaus diesen Eindruck erhalten. Spätestens seit es in Internetforen vermehrt zu Beschimpfungen kam, geht auch die Forschung solchen Phänomenen. Schon Mitte der 1990er Jahre ist so das <a href="https://portal.hogrefe.com/dorsch/side-modell/">SIDE-Modell</a> entstanden. Danach kommt es vor allem darauf an, ob sich Nutzer im Internet als Teil einer sozialen Gruppe wahrnimmt. Identifiziert er sich vor allem mit der Community, in der er agiert, oder seinem Gegenüber, versucht er diese Verbindung zu erhalten. Deshalb hält er sich an die Regeln, die in der Gruppe vorherrschen. Ganz anders sieht es jedoch aus, wenn diese Identifikation fehlt. Dann ist der Nutzer auf sich selbst zurückgeworfen, zieht die eigenen Maßsstäbe heran und ist oftmals auch bereit, sie gegen andere zu verteidigen. Gerade wenn sich ein Gesprächspartner als Teil einer unfair behandelten oder ausgegrenzten Minderheit sieht, kann es hier schnell zur Eskalation kommen. Der Grund für die Auseinandersetzungen selbst liegt dabei aber jenseits des Internets. Außerdem lassen sich so zwar Hasskommentare erklären, aber ebenso häufig wird auch von Konflikten unter Kollegen, Freunden oder sogar in der Familie erzählt. Auch im eigenen Umfeld habe ich schon erlebt, dass Streit unter Personen, die sich sonst sehr nahestehen, im Internet scheinbar schneller hochkocht als beim Gespräch am Küchentisch.</p>
<p align="left">Selbst dafür gibt es wissenschaftliche <a href="https://www.psychologie.uni-freiburg.de/Members/rummel/alt/wisspsychwiki/wissenspsychologie/ComputervermittelteKommunikation#die-theorie-der-reduzierten-sozialen-hinweisreize" class="broken_link">Ansätze</a>, die auch wieder ein wenig an Watzlawick erinnern. Sie verweisen auf eine Vielzahl non-verbaler Hinweise, die wir im persönlichen Gespräch quasi zwischen den Zeilen einstreuen. So geben wir durch Gestik, Mimik und Tonlage eine Bewertung unseres Gegenübers ab. Auch die soziale Situation oder das Alter des Gesprächspartners können wichtige Tipps geben, welches Verhalten angemessen ist. Solche sozialen Reize fehlen im Chat. So geht die Einschätzung des anderen als Orientierung verloren und auch generell steigt das Risiko von Missverständnissen. Allerdings gilt diese Einschränkung nicht erst seit der Entstehung des Internets. Auch der als besonnen und höflich geltende Brief bereitet das gleiche Problem. Hinzu kommt, dass gerade der Chat durchaus Ersatz für die sozialen Reize bietet, zum Beispiel in Form einer breiten Palette an Emoticons. Wenn aber weder die Psychologie, noch die Technik abschließend erklären kann, wie es zu so viel Streitereien im Internet kommt, bleibt nur noch ein Grund übrig: Der Umgang der Nutzer mit dem neuen Medium.</p>
<h3 align="left">Spielwiese mit Folgen</h3>
<p align="left">Vor allem in der Anfangsphase stand das Internet für eine Kultur der Freiheit. Es war eine Umgebung, die den Nutzern Raum gab, sich gemeinsam mit Gleichgesinnten und jenseits der üblichen Zwänge auszuprobieren. Auch hinter dem Web 2.0, der Wiege der sozialen Netzwerke, steht dieser Gedanke. Diese Ursprünge prägen die Netzkultur noch immer, auch wenn sie immer geregelter erscheint. Deshalb herrscht bei der digitalen Kommunikation noch immer mehr Ungezwungenheit als beim Bewerbungsgespräch oder auf dem Campus. Die Aussagen sind knapper, oft umgangssprachlich oder im eigenen Slang und Rechtschreibung wird nicht so ernst genommen. Manchmal kann diese Atmosphäre auch zu unbedachten Aussagen führen und jetzt machen sich die fehlenden sozialen Informationen bemerkbar. Häufig wirken Aussagen, die im persönlichen Gespräch durch Mimik oder den Tonfall abgeschwächt würden, im Chat ungleich schärfer und es kommt zum Streit. Außerdem legen die Nutzer bei den meisten Social Web-Angeboten ein Profil an, das als ihre virtuelle Identität fungiert und etliche persönliche Informationen enthält. Deshalb wirkt der Kontakt über solche Accounts auch intimer als anonymere schriftliche Kommunikation in Mails oder Briefen. Schon fühlen sich die Gesprächspartner von Angriffen eher getroffen. In diesem Fall können die technischen und psychischen Mechanismus besonders effektiv gegen uns greifen.</p>
<blockquote>
<p dir="ltr"><strong>Kolumne: Müller will reden</strong></p>
<table style="background-color: transparent;">
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<tbody>
<tr>
<td><img decoding="async" style="width: 100%; heigth: auto;" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2014/01/kolumne.png" alt="" /></td>
<td>Meinung ist tot? Nicht mit uns, denn unser ehemaliger Chefredakteur <a href="http://presstige.org/author/michael-mueller/">Michael Müller</a> ist überzeugt, dass es Dinge gibt, die man nicht wissen kann, aber über die es sich zu reden lohnt. In Zeiten harter Fakten glaubt er an das lose Mundwerk, denn wohin sonst mit all den gesammelten Informationen? Mal geht es um Wichtiges, mal um den Rest, aber immer gilt: Keine Angst, Müller will nur reden. Die Kolumne erscheint immer donnerstags und wird von <a href="http://presstige.org/author/isabell-beck/">Isabell Beck</a> illustriert. <a href="http://presstige.org/tag/mueller-will-reden/">Alle Folgen von &#8220;Müller will reden&#8221; zum Nachlesen.</a></td>
</tr>
</tbody>
</table>
</blockquote>
<p align="left">Aber heißt das nun, Finger weg vom Social Web? So pauschal sicher nicht. Allerdings kann es nicht schaden, seine Ursprünge und Besonderheiten nicht zu vergessen. Das Internet ist noch auf schnellen und kurzen Informationsaustausch ausgerichtet. Außerdem stammen viele übliche Verhaltensweisen noch immer aus einer Zeit, in der die Netzgemeinde klein und verschworen war. Selbst wenn diese Zeiten praktisch vorbei sind, wirken sie in der Netzkommunikation noch nach. Für berufliche Zwecke, kurze Absprachen oder das Kontakthalten ist sie trotzdem zu praktisch, um sie wieder aufzugeben. Wird es allerdings sehr persönlich, sollten wir besser zweimal überlegen. Denn manchmal gilt noch immer: So wenig der Account den Menschen ersetzt, ersetzt ein Chat den Küchentisch.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2016/01/mueller-will-reden-kommunikation/">Müller will über „Kommunikation“ reden</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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		<title>Müller will über Emanzipation reden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael Müller]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Dec 2015 18:19:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[weitblick]]></category>
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		<category><![CDATA[geschlecht]]></category>
		<category><![CDATA[kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gleichberechtigung? Nicht schon wieder! Sei es durch die Unbedachtheit eines Politikers oder in der Debatte um soziale Gerechtigkeit. Kaum etwas wurde über die Jahre so oft diskutiert wie die Emanzipation der Frau. So vielfältig die Anlässe, so verstaubt wirken allerdings die...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2015/12/mueller-will-reden-emanzipation/">Müller will über Emanzipation reden</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_8327" aria-describedby="caption-attachment-8327" style="width: 1200px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://presstige.org/wp-content/uploads/2015/12/Müller_1200_Emanzipation.jpg"><img decoding="async" class="size-full wp-image-8327" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2015/12/Müller_1200_Emanzipation.jpg" alt="Text: Michael Müller - Illustration: Isabell Beck" width="1200" height="673" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/12/Müller_1200_Emanzipation.jpg 1200w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/12/Müller_1200_Emanzipation-400x224.jpg 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/12/Müller_1200_Emanzipation-1024x574.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a><figcaption id="caption-attachment-8327" class="wp-caption-text">Text: Michael Müller &#8211; Illustration: Isabell Beck</figcaption></figure>
<p><strong>Gleichberechtigung? Nicht schon wieder! Sei es durch die Unbedachtheit eines Politikers oder in der Debatte um soziale Gerechtigkeit. Kaum etwas wurde über die Jahre so oft diskutiert wie die Emanzipation der Frau. So vielfältig die Anlässe, so verstaubt wirken allerdings die Positionen. Tritt eine der wichtigsten Debatten um mehr Gleichheit etwa auf der Stelle? Und wenn ja, woran liegt das?</strong></p>
<p>„Die Frage nach der Rolle der Frau – um den modernen Begriff zu benutzen – ist keine abstrakte Frage der richtigen oder falschen Rollen. […] Jede Frau hat das Recht darauf, all das zu tun, wozu sie fähig ist.“ Solche Zitate kommen den meisten mehr als bekannt vor, sei es aus der Diskussion um die Frauenquote, Lohngerechtigkeit oder das gesellschaftliche Frauenbild. Allerdings stammt der Satz keinswegs aus einer der Debatten der letzten Jahre, sondern wurde bereits 1875 vom amerikanischen Mediziner Edward Clark so veröffentlicht. Seither haben sich zwar die Anlässe für diesen Klassiker der immer wiederkehrenden Streitigkeiten geändert, doch die jeweiligen Positionen sind über mehr als 100 Jahre erschreckend unverändert geblieben. Ein Grund dafür, dass diese eigentlich sehr hitzige Debatte schon so lange im Kreis verläuft, liegt darin, dass eine andere Diskussion viel seltener geführt wird: Was verstehen wir überhaupt unter Emanzipation?</p>
<blockquote>
<p dir="ltr"><strong>Kolumne: Müller will reden</strong></p>
<table style="background-color: transparent;">
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<td><img decoding="async" style="width: 100%; heigth: auto;" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2014/01/kolumne.png" alt="" /></td>
<td>Meinung ist tot? Nicht mit uns, denn unser ehemaliger Chefredakteur <a href="http://presstige.org/author/michael-mueller/">Michael Müller</a> ist überzeugt, dass es Dinge gibt, die man nicht wissen kann, aber über die es sich zu reden lohnt. In Zeiten harter Fakten glaubt er an das lose Mundwerk, denn wohin sonst mit all den gesammelten Informationen? Mal geht es um Wichtiges, mal um den Rest, aber immer gilt: Keine Angst, Müller will nur reden. Die Kolumne erscheint immer donnerstags und wird von <a href="http://presstige.org/author/isabell-beck/">Isabell Beck</a> illustriert. <a href="http://presstige.org/tag/mueller-will-reden/">Alle Folgen von &#8220;Müller will reden&#8221; zum Nachlesen.</a></td>
</tr>
</tbody>
</table>
</blockquote>
<p>Der Begriff der Emanzipation hat zwei Ebenen. Für den Einzelnen liegt sie in der Befreiung aus der Abhängigkeit von anderen, ganz egal ob geistig oder materiell. Übertragen auf gesellschaftliche Gruppen führt das zu einer möglichst gleichberechtigten Teilhabe aller am öffentlichen Leben. Damit geht es auf dieser Ebene besonders um Minderheiten oder Gruppierungen, deren Möglichkeiten von der Mehrheit begrenzt werden. So galt es lange auch für Frauen, doch inzwischen sieht es ein wenig anders aus. Von Rechts wegen gibt es ohnehin keinen Spielraum, denn <a href="http://lexetius.com/GG/3,2">Artikel 3 Absatz 2 des Grundgesetzes</a><a class="sdfootnoteanc" href="#sdfootnote1sym" name="sdfootnote1anc"></a> sagt klar: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ Seit 1994 ist die Vorschrift sogar um die staatliche Pflicht ergänzt, die Umsetzung der Vorschrift zu fördern. Ohnehin wird sich auf der Straße kaum jemand finden, der sich zum Beispiel dafür stark macht, Frauen für die gleiche Arbeit schlechter zu bezahlen als männliche Kollegen. Geht es aber um die etwas robustere Durchsetzung dieser Gleichheit, lässt die Einigkeit nach. Eine Quote für mehr Frauen in Führungspositionen wollten sogar unter weiblichen Entscheidern gerade einmal <a href="http://www.baumann-ag.com/Newsdetailansicht.57+M51ee3bb8fe2.0.html" class="broken_link">27 Prozent</a> und das, obwohl Frauen das Gefühl haben, auf dem Weg zum beruflichem Erfolg unter <a href="http://www.haz.de/Ratgeber/Studium-Beruf/Aktuelles/Viele-Frauen-setzen-sich-im-Beruf-selbst-unter-Druck" class="broken_link">besonders großem Druck</a> zu stehen.</p>
<h3><a class="sdfootnoteanc" href="#sdfootnote4sym" name="sdfootnote4anc"></a>Zwei Seiten eines Problems</h3>
<p>Bei der Suche nach Erklärungen für diesen scheinbaren Widerspruch, lohnt ein genauerer Blick auf die persönliche Seite der Emanzipation: die eigene Unabhängigkeit. Geht es um die Rolle der Frau, müssen dazu vor allem alte Rollenbilder aufgelöst werden. Viele Forderungen von Aktivisten beinhalten das jedoch nur indirekt. Oft geht es nicht generell um neue gesellschaftliche Rollen, sondern eher um einen Rollentausch. Frauen sollen an die Stelle der Männer treten, ihre Positionen besetzen oder sie zumindest ergänzen. Dabei bleibt abgesehen vom häufigeren Geschlecht aber eben jenes Rollenbild intakt, das in der Vergangenheit zu Ungleichheiten geführt hat. Für die Gesellschaft bedeutet das Stillstand und auf persönlicher Ebene häufig Schwierigkeiten – und zwar nicht nur für Männer. Die Schriftstellerin Christa Wolf hat sich in ihrem Werk immer wieder mit Emanzipationsprozessen auseinandergesetzt. In Bezug auf das Verhältnis von Männern und Frauen macht sie zum Beispiel in <em>Medea</em> mehr als deutlich, dass beide Seiten unter Rollenklischees leiden. Für ihren gesellschaftlichen Führungsanspruch haben Männer nämlich sehr lange den Preis eines übersteigerten Wettbewerbs untereinander gezahlt. Das Männerideal sah Erfolg, Härte und Durchsetzungkraft voraus, erst beim Militär und später in Politik und Wirtschaft. Nicht zufällig gehen Emanzipationsdebatten oft mit Diskussionen um ein neues Männerbild einher. Natürlich rechtfertigt das nicht, Frauen zu benachteiligen. Allerdings ist die rohe oder gar stumpfe Reaktion mancher Männer auf Forderungen nach mehr Gleichberechtigung nicht nur die Folge von Boshaftigkeit, sondern geht ebenso auf ein überzogen kämpferisches Selbstverständnis zurück.</p>
<h3>Rollenbilder – nicht nur Frage des Geschlechts</h3>
<p>Wer erfolgreiche Frauen betrachtet, findet viele dieser Eigenschaften wieder. Angela Merkels Karriere wird zum Beispiel eher mit Zweckrationalität und Durchsetzungsstärke als mit der Emanzipation in Verbindung gebracht. Sie spielt mit Bravour nach den Regeln der „Männerwelt“. Aber ist es nicht irritierend wenn der weibliche Weg zur Macht darin liegt, ein besserer Mann zu sein? Vor allem für junge Frauen bedeutet eine solche Emanzipation weniger die Befreiung als einen großen persönlichen Druck. Gerade wer sich einen Lebensstil wünscht, der auch zu den alten Rollenbildern passen könnte, kann sich schnell zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen Ansprüchen verlieren. Dass ausweislich etlicher Meinungsführer mal ein Hausmütterchen ist, wer zuhause bei den Kindern bleibt, aber kurz darauf schon wieder eine Rabenmutter, wer trotz Familie arbeitet, macht die Entscheidung nicht leichter.</p>
<p>Ist es wirklich Gleichberechtigung, sich zwischen Blitzkarriere, Partnersuche und Familiengründung aufzureiben, um nur keine der gesellschaftlich hart erkämpften Chancen zu vergeuden? Die Lösung kann nur darin liegen, Emanzipation endlich wieder als etwas persönliches zu verstehen. Dabei hilft es nur, alte Rollenklischees abzulegen und zwar egal ob es um Geschlechterrollen oder ein abgenutztes Verständnis von Erfolg und Führung geht. Vor heißt das, alle Lebensentwürfe als berechtigt zu akzeptieren, ob sie nun traditionell oder modern sind. Dann Gleichheitsfragen betreffen immer auch die Freiheit und selbst wohlmeinende Bevormundung sperrt ein – heute wie vor 100 Jahren.</p>
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<p class="sdfootnote"><a class="sdfootnotesym" href="#sdfootnote3anc" name="sdfootnote3sym"></a><a class="sdfootnotesym" href="#sdfootnote4anc" name="sdfootnote4sym"></a></p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2015/12/mueller-will-reden-emanzipation/">Müller will über Emanzipation reden</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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		<title>Müller will über „den Glauben“ reden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael Müller]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Nov 2015 16:00:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[weitblick]]></category>
		<category><![CDATA[europa]]></category>
		<category><![CDATA[glaube]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der IS versteckt sich zur Begründung seiner Verbrechen lautstark hinter einem radikalen Irrglauben, der in Deutschland immer wieder zu Debatten über die Freiheit des Glaubens führt. Warum wir jedoch gerade jetzt auf einen aufgeklärten Glauben angewiesen sind und der Wahnsinn des Terror...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2015/11/mueller-will-reden-glaube/">Müller will über „den Glauben“ reden</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_8291" aria-describedby="caption-attachment-8291" style="width: 1200px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://presstige.org/wp-content/uploads/2015/11/Müller_1200_Glaube.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-8291" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2015/11/Müller_1200_Glaube.jpg" alt="Text: Michael Müller - Illustration: Isabell Beck" width="1200" height="673" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/11/Müller_1200_Glaube.jpg 1200w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/11/Müller_1200_Glaube-400x224.jpg 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/11/Müller_1200_Glaube-1024x574.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a><figcaption id="caption-attachment-8291" class="wp-caption-text">Text: Michael Müller &#8211; Illustration: Isabell Beck</figcaption></figure>
<p><b>Der IS versteckt sich zur Begründung seiner Verbrechen lautstark hinter einem radikalen Irrglauben, der in Deutschland immer wieder zu Debatten über die Freiheit des Glaubens führt. Warum wir jedoch gerade jetzt auf einen aufgeklärten Glauben angewiesen sind und der Wahnsinn des Terror rein gar nichts damit zu tun hat? Müller will darüber reden.</b></p>
<p><span id="more-8287"></span></p>
<p>Manche Taten werfen Fragen auf, zu denen es keine Antwort gibt. Die sinnlose und menschenverachtende Gewalt, welche am 13. November die französische Hauptstadt Paris erschüttert hat, zählt zweifellos dazu. Sie setzt eine Reihe von Terroranschlägen fort, die sich seit dem Jahr 2001 immer wieder gegen Ziele richtet, die als Symbole für unsere freie und tolerante Kultur stehen. Angesichts dieser Verbrechen bleibt uns nur die Trauer um die Opfer und das tiefe Mitgefühl mit allen Angehörigen und der französischen Gesellschaft. Die Frage nach einem „warum“ bleibt offen, wobei vor allem die Täter jede Antwort schuldig bleiben. Sie verstecken sich hinter einem pervertierten Irrglauben und versuchen, einer Weltreligion und Millionen Gläubigen eine Schuld aufzulasten, mit der diese rein gar nichts zu tun haben. Dennoch werden vereinzelt Stimmen laut, die eine Einschränkung der Religionsfreiheit fordern. Häufig liegt dahinter die Angst vor dem Fremden, verbunden mit einer Skepsis gegenüber der scheinbaren Irrationalität eines jeden Glaubens. Wer so argumentiert vergisst jedoch , dass er mit Sicherheit auch selbst glaubt.</p>
<h3>Unlogisch heißt nicht immer irrational</h3>
<p>Wer Gläubige nur in der Kirche vermutet, denkt nämlich zu kurz. Der Glaube eines Menschen umfasst alles, was er für wahr oder richtig hält, ohne es beweisen zu können. Spiritualität gehört sicher dazu, doch es gibt auch weltliche Glaubenssätze. Ideale, Philosophien, Welt- und Menschenbilder sind nur einige Beispiele, die vor allem eines gemein haben: ihre Grundannahme ist nicht logisch begründbar. Deshalb müssen sie aber noch lange nicht irrational sein. Ein gutes Beispiel dafür ist die Suche nach unserem Traumjob. Oft können wir erst dann sicher sagen, dass eine bestimmte Tätigkeit zu uns passt, wenn wir sie eine Zeit lang ausgeübt haben. Vor diesem Punkt sind unsere Berufswünsche, exakt, reine Glaubenssache. Problematisch wird das jedoch erst dann, wenn wir anders lautende Beweise ignorieren. Machen wir also in einem Praktikum die Erfahrung, dass nicht alle Jobs in einer Branche zu uns passen, sollten wir unseren Berufswunsch angleichen. Selbst dieser aufgeklärte Glaube kommt am Anfang oft dem Raten gleich, erfüllt aber eine ganz wichtige Funktion: Er gibt uns angesichts einer ungewissen Zukunft den nötigen Halt, Perspektiven zu entwickeln und Entscheidungen zu treffen. Das gilt für große moralische Fragen ebenso wie für einfache Alltagsprobleme. Glaube schafft unsere ganz persönlichen Gewissheiten in einer komplexen und schnelllebigen Welt – und sei es nur, dass schon irgendwie alles gut gehen wird.</p>
<blockquote>
<p dir="ltr"><strong>Kolumne: Müller will reden</strong></p>
<table style="background-color: transparent;">
<colgroup>
<col width="20%" />
<col width="80%" /> </colgroup>
<tbody>
<tr>
<td><img decoding="async" style="width: 100%; heigth: auto;" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2014/01/kolumne.png" alt="" /></td>
<td>Meinung ist tot? Nicht mit uns, denn unser ehemaliger Chefredakteur <a href="http://presstige.org/author/michael-mueller/">Michael Müller</a> ist überzeugt, dass es Dinge gibt, die man nicht wissen kann, aber über die es sich zu reden lohnt. In Zeiten harter Fakten glaubt er an das lose Mundwerk, denn wohin sonst mit all den gesammelten Informationen? Mal geht es um Wichtiges, mal um den Rest, aber immer gilt: Keine Angst, Müller will nur reden. Die Kolumne erscheint immer donnerstags und wird von <a href="http://presstige.org/author/isabell-beck/">Isabell Beck</a> illustriert. <a href="http://presstige.org/tag/mueller-will-reden/">Alle Folgen von &#8220;Müller will reden&#8221; zum Nachlesen.</a></td>
</tr>
</tbody>
</table>
</blockquote>
<p>Aus einem ganz ähnlichen Grund sind auch moderne Gesellschaften in vielerlei Hinsicht Glaubensgemeinschaften. Die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben setzt voraus, dass wir uns auf gewisse Werte verlassen. Dabei sind Ideale wie die Demokratie, das Gewaltmonopol des Staates oder Toleranz nichts anderes als weltliche Glaubensinhalte. Ein großer Teil unseres Freiheitsgefühls beruht darauf, dass wir uns in Deutschland darauf verlassen, diese Werte mit den meisten anderen zu teilen. Vor allem die Toleranz  der anderen ist eine wichtige Voraussetzung, um wiederum den persönlichen Glauben auszuleben. Denn sie bedeutet, zuzulassen, dass andere auch anders glauben. Das bedeutet allerdings noch lange nicht, alles dulden zu müssen. Vielmehr setzt Toleranz in diesem Sinne voraus, sich aktiv mit dem Glauben des anderen auseinanderzusetzen. Gerade dann, wenn sich jedoch zeigt, dass die Vorstellungen anderer an Unverhandelbarem wie der Würde des Menschen oder dem Schutz des Lebens rühren, sind wir sogar verpflichtet, einzuschreiten. Wer dem Terror tatenlos zusieht, macht sich nämlich so seiner Intoleranz mitschuldig.</p>
<h3>Nur irrationaler Glaube ist gefährlich</h3>
<p>Hier zeigt sich eine schleichende, aber große Gefahr, die vom Terrorismus ausgeht. Durch ihre Verbrechen versuchen die Täter, ihren Opfern eine Logik der Radikalität aufzuzwingen. Deshalb dürfen wir uns nicht dazu verleiten lassen, ihnen ebenfalls mit Ignoranz und Fundamentalismus zu begegnen. Wir haben das Recht und die Pflicht im Rahmen eines Rechtsstaates, die Freiheit und die Demokratie gegen barbarische Angriffe zu verteidigen. Dabei verpflichtet uns der Glaube an die Toleranz allerdings auch zu einem differenzierten Blick. Wer sich jetzt pauschal gegen jene Flüchtlinge wendet, die vor eben dem Terror geflohen sind, der hinter den Anschlägen von Paris steckt, spielt den Tätern in die Hände. Wir müssen einem künstlichen Krieg der Kulturen, den der IS propagiert, eine anspruchsvolle Balance entgegensetzen. Ein Generalverdacht ist genauso inakzeptabel wie Nachlässigkeit gegenüber echtem Radikalismus. Das mächtigste Zeichen, dass jeder Einzelne von uns setzen kann, ist das schlichte Weitermachen. So schwer es zunächst fallen mag, zeugt gerade das selbstverständliche Festhalten an unseren Überzeugungen und der Verzicht auf jede Kampfrethorik davon, dass der Terror uns nicht einschüchtert. In diesem Sinne haben die ersten Pariser nach einem Moment der Stille schon wenige Tage nach dem Attentat das öffentliche Leben wieder aufgenommen. Es ist dieser unbändige Glaube hinter Idealen, die Frankreich, Deutschland und weite Teile Europas teilen, der einen Satz dieser Tage auch zu meiner Wahrheit macht: Nous sommes unis!</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2015/11/mueller-will-reden-glaube/">Müller will über „den Glauben“ reden</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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		<title>Müller will über das „Reden“ reden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael Müller]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Nov 2015 17:38:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[weitblick]]></category>
		<category><![CDATA[beteiligung]]></category>
		<category><![CDATA[dialog]]></category>
		<category><![CDATA[kultur]]></category>
		<category><![CDATA[meinung]]></category>
		<category><![CDATA[mueller-will-reden]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Meinung ist tot? Nicht mit uns!“ So lautet das Motto dieser Kolumne für eine neue Meinungskultur. Doch braucht es die überhaupt noch? Immerhin werden wir von Politik und Wirtschaft gerade an beinahe jeder Ecke nach unserer Meinung gefragt. Wurde das...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2015/11/mueller-will-reden-reden/">Müller will über das „Reden“ reden</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://presstige.org/wp-content/uploads/2015/11/Müller_1200_Reden.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-8277" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2015/11/Müller_1200_Reden.jpg" alt="Müller_1200_Reden" width="1200" height="673" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/11/Müller_1200_Reden.jpg 1200w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/11/Müller_1200_Reden-400x224.jpg 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/11/Müller_1200_Reden-1024x574.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a></p>
<p><strong>„Meinung ist tot? Nicht mit uns!“ So lautet das Motto dieser Kolumne für eine neue Meinungskultur. Doch braucht es die überhaupt noch? Immerhin werden wir von Politik und Wirtschaft gerade an beinahe jeder Ecke nach unserer Meinung gefragt. Wurde das Ziel dieser Reihe am Ende von der Realität überholt? Zeit, einmal in eigener Sache zu reden!</strong></p>
<p>Wer anderen gerne einmal die Meinung sagt, hat es zurzeit vielleicht einfacher als jemals zuvor. Egal ob Kundenzufriedenheit, Innovation im Unternehmen oder die große Politik – immer häufiger ist die Mitarbeit des „kleinen Mannes“ gefragt. Das wirklich Neue daran ist vor allem die Qualität des Interesses an der Meinung des Einzelnen. Beispielsweise haben Mitglieder der Bundesregierung von April bis Oktober dieses Jahres an verschiedenen Orten in ganz Deutschland und über das Internet einen Bürgerdialog um Thema „Gut leben in Deutschland“ geführt. Momentan werden die Ergebnisse der Diskussionen ausgewertet. Das Ziel ist, im kommenden Jahr ein Aktionsprogramm zu erarbeiten, das auf Basis der Bürgermeinung konkrete Maßnahmen enthält, um die Lebensqualität zu verbessern. Damit ist ein Maß an Bürgerbeteiligung erreicht, das die klassischen Statisktiken des Politbarometers weit hinter sich lässt.</p>
<p>In der Wirtschaft ist der Ansatz, schwierige Herausforderung unter Berücksichtigung möglichst<br />
vieler verschiedener Perspektiven zu lösen, schon länger im Gerspräch. Bereits Mitte der 1990er Jahre haben die Japaner Nonaka und Takeuchi in ihrem Buch „Die Organisation des Wissens“ festgestellt, dass vor allem ein offener Austausch der Mitarbeiter eines Unternehmens über die Grenzen von Hierarchien oder Abteilungen hinweg Innovation oder neues Wissen im Betrieb schafft. Das Voranschreiten der Globalisierung und die Entstehung immer komplexerer, neuer wirtschaftlicher Strukturen wird dieses Bedürfnis zumindest nicht gemindert haben. Immer wieder setzen Unternehmen deshalb auf Arbeit in interdisziplinären Projektteams, flache Hierarchien und eine Vielzahl gemeinsamer Kreativitätstechniken. Auch beim Thema der innerbetrieblichen Beteiligung redet inzwischen die Politik mit. Zum Beispiel hat das Bundeswirtschaftsministerium schon vor zwei Jahren einen Leitfaden zum Wissensmanagemet in Unternehmen herausgebracht, der auch Hinweise enthält, wie eine interne Dialogkultur gefördert werden kann. Aber rennt diese Kolumne nicht einfach nur offene Türen ein, wenn die Meinung des Einzelnen in Politik und Wirtschaft ohnehin schon so eine große Rolle spielt?</p>
<h3>Ein Anreiz macht noch keine Kultur</h3>
<p>Nicht unbedingt, denn alle beschriebenen Maßnahmen schaffen erst einmal nur einen Anreiz, die eigene Meinung einzubringen. Bei der Frage, ob der gewünschte Dialog tatsächlich entsteht, kommt es aber letztlich auf seine Teilnehmer an – und damit auf uns. Sich so an einer Diskussion zu beteiligen, dass am Ende ein komlpexes Problem gelöst werden kann, ist allerdings gar nicht so einfach. Neben ausreichenden Kenntnissen zum Thema des Dialogs braucht es dazu in erster Linie gewisse „handwerkliche Fähigkeiten“. Wie baue ich eine gute Argumentation auf? Wie gehe ich mit Kritik um und wie widerpsreche ich anderen konstruktiv? Wie schmiede ich einen Kompromiss und wann sollte ich mit einem Ergebnis zufrieden sein? Allein diese Fragen machen bereits deutlich, dass es einige Erfahrung, Menschenkenntnis und Fingerspitzengefühl benötigt, um erfolgreich eine Meinung zu vertreten. Wie die meisten praktischen Fähigkeiten lässt sich das Diskutieren aber nicht am Schreibtisch lernen, sondern nur durch regelmäßige Übung. Der passendste Ort dafür müsste eigentlich die Uni sein, denn immerhin war es ja eines der Ziele des Bologna-Prozesses, Studierende für genau diesen modernen Arbeitsmarkt fit zu machen, auf dem meinungsstarke Bewerber gerade so gefragt sind. Wie sieht es also an der Uni aus?</p>
<p>Oft leider nicht ganz so dialogfreudig wie erhofft. Ironischerweise hat das teilweise mit Veränderungen zu tun, die eine Folge Bolognas waren. Die Zuordnung von nur sechs Credit Points zu einzelnen Seminaren hat in einigen Studiengängen dazu geführt, dass orientiert an der Regelstudienzeit innerhalb des einzelnen Seminars kaum noch Raum zur Diskussion bleibt. Gerade bei Kursen, in denen Studierende selber forschen ist oft schlicht nicht die Zeit, theoretische Hintergründe in der Tiefe zu diskutieren. So lernen Studierende vor allem das formale und methodische Handwerkszeug der Wissenschaft und werden für vertiefte Inhalte auf den Master verwiesen. So wichtig diese Grundlagen sind, passt eine derartige Argumentation alledings nicht so richtig zu der Idee mit dem Bachelor auch einen vorgezogenen akademischen Abschluss zum Berufseinstieg einzuführen, wenn die Diskussionsfähigkeit fehlt. Doch es gibt auch noch eine andere Voraussetzung für eine offene Meinungskultur: den Willen zu diskutieren und hier sind wir selbst in der Pflicht. Auch wenn die Bedingungen nicht ideal sind, fordern viele Dozenten immer wieder zur Dikussion auf, um dann allerdings häufig mit Schweigen belohnt zu werden. So können auch Studierende den Frontalunterricht erzwingen. Gerade im Gespräch mit anderen Studenten können wir üben, konstruktiv und ohne den Druck einer Hierarchie unsere Meinung vorzutragen. Wer aus Unischerheit schweigt, verpasst also wichtige Erfahrungen, denn Sicherheit gehört auch später oft  zu den Zielen, nicht den Voraussetzungen eines Dialogs.</p>
<h3>Übung macht den Redner</h3>
<p>Trotzdem müssen wir natürlich nicht zu allem eine Meinung haben oder uns bei jeder Gelegenheit mit Dozenten anlegen. Aber wenn uns ein Thema interessiert oder eine Sache wichtig ist, lohnt sich dazu eine jede Diskussion. Wer nicht redet, kann auch niemanden überzeugen. Und wer übt, erhöht die eigenen Chancen. Davon gibt es in der heutigen Gesellschaft nämlich jede Menge, wenn wir uns trauen, unsere Meinung zu sagen. Zum Glück können wir auch mit der Familie oder Freunden sehr gut trainieren – zum Beispiel übrigens zum Thema, welchen Blödsinn der Autor dieser Kolumne wieder einmal verbreitet.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2015/11/mueller-will-reden-reden/">Müller will über das „Reden“ reden</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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		<title>Müller will über „Fehler“ reden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael Müller]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Oct 2015 08:57:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[weitblick]]></category>
		<category><![CDATA[entwicklung]]></category>
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		<category><![CDATA[kultur]]></category>
		<category><![CDATA[lernprozess]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Irren ist menschlich? Von wegen! „Höher, schneller, weiter“ lautet die Formel des Fortschritts, erst recht am Beginn des Berufslebens. Ist der antike Sinnspruch damit endgültig antiquiert oder der moderne Zeitgeist einfach unmenschlich? Vielleicht treffen sich hier ja doch nur Klischees....</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2015/10/mueller-will-reden-fehler/">Müller will über „Fehler“ reden</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_8251" aria-describedby="caption-attachment-8251" style="width: 1200px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://presstige.org/wp-content/uploads/2015/10/Müller_1200_Fehler.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-8251" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2015/10/Müller_1200_Fehler.jpg" alt="Text: Michael Müller - Illustration: Isabell Beck" width="1200" height="673" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/10/Müller_1200_Fehler.jpg 1200w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/10/Müller_1200_Fehler-400x224.jpg 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/10/Müller_1200_Fehler-1024x574.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a><figcaption id="caption-attachment-8251" class="wp-caption-text">Text: Michael Müller &#8211; Illustration: Isabell Beck</figcaption></figure>
<p><strong>Irren ist menschlich? Von wegen! „Höher, schneller, weiter“ lautet die Formel des Fortschritts, erst recht am Beginn des Berufslebens. Ist der antike Sinnspruch damit endgültig antiquiert oder der moderne Zeitgeist einfach unmenschlich? Vielleicht treffen sich hier ja doch nur Klischees. Auf jeden Fall ein guter Grund, zu reden.</strong></p>
<p>Ein großes Ziel der Schulzeit lautet, auf das Leben danach vorzubereiten. Deshalb steckt ein Schülerdasein voller Erfolgsrezepte für den späteren beruflichen und persönlichen Werdegang. Die meisten davon lassen sich nicht durch zeit- und nervenkostendes Pauken von Fachwissen lernen, sondern sind in Arbeitsweisen oder zwischen den Zeilen des Lernstoffs versteckt. Ganz besonders gilt das für die Mathematik, die mit etlichen Tipps über das <em>Wie</em> des Rechnens aufwartet. Quasi in der Natur der Sache liegt, dass die meisten davon der Schadensbegrenzung im Falle eines Fehlers dienen. Die vielleicht heiligste dieser Regeln gibt an: Immer den Rechenweg aufschreiben! Nur so lässt sich später ausfindig machen, welcher Fehler nun genau zum falschen Ergebnis geführt hat – und vor allem, was trotzdem richtig war. Ohnehin vermittelt die Schule ein lockeres Verhältnis zum Fehler als Teil des Lernens.Dass diese Methode nach Versuch und Irrtum eine Menge mit intuitiven Lernprozessen zu tun hat zeigt schon ein Blick auf noch kleinere Kinder, die sich ihre Umwelt spielerisch erschließen.  Doch auch später führt beim Erlernen neuer Kenntnisse oft nichts an holprigen ersten Anläufen vorbei.Natürlich sind nicht alle Irrtümer lehrreich. Trotzdem könnte der Fehler durchaus besser sein, als der miserable Ruf, den er in der Erwachsenenwelt hat.</p>
<h3>Kann passieren, darf aber nicht?</h3>
<p>Anders als in der Schulzeit kommt es im Berufsleben nämlich doch häufig auf das Endergebnis an. Manchmal beginnt das sogar bereits im Studium, obwohl es sich dabei noch um ein Ausbildungsverhältnis handelt. Schon hier zeigt sich vielerorts eine Ergebniskultur, die für Fehler nichts Gutes mehr übrig hat. Das Ziel lautet, möglichst schnell und erfolgreich durch die verschachelte Modulstruktur des Studiums zu kommen. Am Ende soll eine Spitzennote stehen und Fehler sind auf diesem Weg bestenfalls ineffizient, vielleicht sogar eine Gefahr für den Schnitt. Wenn wundert es da, wenn aus einem inhaltlichen Studieneifer schnell einmal ein strategischer wird. Große, zunehmend anonyme Seminargruppen und gelegentliche Stellenausschreibungen, die schlicht einen akademischen Abschluss verlangen, scheinen diese Kulur ja ebenfalls zu bestätigen.Allerdings vergisst diese einfache Rechnung einen ganz wichtigen Einfluss auf die Studienbedingungen, der rein gar nichts mit der selbsterklärten späteren Arbeitskultur zu tun hat: die wachsende Zahl der Studenten.Dass größere Seminargruppen die Betreuung des Einzelnen erschweren, kann schlicht einem Mangel an Kapazitäten geschuldet sein. Auch die unterschiedslose Suche der Wirtschaft nach Studienabsolventen ergibt sich zum Teil wohl daraus, dass für immer mehr deutsche Abiturienten ein Studium anschließen. Eine Entwicklung, an die sich der Arbeitsmarkt anpasst. Keiner dieser Gründe spricht dafür, dass deshalb nur noch die Studiennote und nicht mehr der Weg dorthin zählt. Hat das Ergebnis unter kleineren Fehlern gelitten, ist das vielleicht erklärungsbedürftig aber sicher nicht unverzeihlich. Also doch, eins zu null für die Mathelehrer.</p>
<h3>Kein Erfolg ohne Fehler?</h3>
<p>Eine gute Fehlerkultur betont letztlich den Lösungsweg. Fehler werden dabei nicht beschönigt, sondern eingegrenzt, um sie später gezielt zu vermeiden. Vor allem in der komplexen und wechselhaften modernen Wirtschaft, sind Firmen auf dieses Verfahren regelrecht angewiesen, um flexibel auf neue Herausforderungen zu reagieren. In einem solchen Umfeld liegen immer wieder Fehler auf der Hand. Sie aus dem Alltag verbannen zu wollen ist unfair für die Mitarbeiter und unklug für das Unternehmen. Bereits seit der Antike gilt Irren als menschlich, doch der Umkehrschluss wird selten gezogen. Ein Diktat der Fehlerlosigkeit ist dann nicht nur unmenschlich, sondern einfach unmöglich. In einer solchen Kultur müssen Fehler deshalb vertuscht werden; mit schwerwiegenden Folgen.</p>
<blockquote>
<p dir="ltr"><strong>Kolumne: Müller will reden</strong></p>
<table style="background-color: transparent;">
<colgroup>
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<col width="80%" /> </colgroup>
<tbody>
<tr>
<td><img decoding="async" style="width: 100%; heigth: auto;" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2014/01/kolumne.png" alt="" /></td>
<td>Meinung ist tot? Nicht mit uns, denn unser  ehemaliger Chefredakteur <a href="http://presstige.org/author/michael-mueller/">Michael Müller</a> ist überzeugt, dass es Dinge gibt, die man nicht wissen kann, aber über die es sich zu reden lohnt. In Zeiten harter Fakten glaubt er an das lose Mundwerk, denn wohin sonst mit all den gesammelten Informationen? Mal geht es um Wichtiges, mal um den Rest, aber immer gilt: Keine Angst, Müller will nur reden. Die Kolumne erscheint immer donnerstags und wird von <a href="http://presstige.org/author/isabell-beck/">Isabell Beck</a> illustriert. <a href="http://presstige.org/tag/mueller-will-reden/">Alle Folgen von &#8220;Müller will reden&#8221; zum Nachlesen.</a></td>
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</table>
</blockquote>
<p>Im Matheunterricht war ohne Lösungsweg unter Umständen das ganze Ergebnis verloren. In der Praxis kann es ganz ähnlich aussehen. Denn wenn Arbeitsabläufe nicht sauber dokumentiert sind, lautet die logische Konsequenz aus einem Misserfolg, die gesamte Methode zu verwerfen. Vielleicht war aber nur ein kleiner Irrtum der Auslöser für das Scheitern eines ansonsten sehr erfolgversprechenden Vorgehens. Dann ist es ineffektiv oder gar schädlich, es nicht weiterzuentwickeln. Anders gesagt, können wir aus Fehlern eben nicht lernen, wenn wir sie nicht präzise eingrenzen. Ein weiteres Problem liegt darin, dass ohne Fehlerkultur auch keine nachhaltige Erfolgskultur existiert. Wer nur den sichtbaren Erfolg sucht, ohne nach seiner Entstehung zu fragen, läuft Gefahr, sich an schnellen Ergebnissen zu orientieren. Dass diese Strategien nicht immer dauerhaft greifen, zeigt schon ein Blick in die jüngere wirtschaftliche Vergangenheit. Außerdem geht auch der Wert eines Erfolges verloren, wenn nicht mehr deutlich wird, wie viel harte Arbeit dafür nötig war. Beides kann der Unternehmenskultur schaden.</p>
<p>Am allerwenigsten nutzt die Fehlerangst jedoch dem Einzelnen. Wer sich keine Fehler zugesteht, setzt sich unter großen Druck, und wer sie leugnet, nimmt zuallerst sich selbst die Chance, aus ihnen zu lernen. Irren ist zwar meschnlich, aber nicht unausweichlich. Deshalb ist es wichtig, die eigenen Fehler zu akzeptieren, um an ihnen arbeiten zu können. Wer konnte schon beim ersten Versuch radfahren? Auch alle guten Arbeitgeber wissen, dass manchmal etwas schief geht. Fehler sind weder umsonst, denn sie sind lehrreich, noch kostenlos, denn sie kosten uns Mut. Den Mut, auch einmal unbequem menschlich zu sein.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2015/10/mueller-will-reden-fehler/">Müller will über „Fehler“ reden</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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		<title>Müller will über „Freiheit“ reden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael Müller]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Oct 2015 08:02:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[weitblick]]></category>
		<category><![CDATA[freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kaum etwas scheint so tief im Menschen verankert, wie die Sehnsucht nach Freiheit. Immer wieder ist sie Thema in Politik und Kunst, wir geben unser Geld aus oder führen manchmal gar Kriege, um sie zu gewinnen. Aber was verbirgt sich...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2015/10/mueller-will-reden-freiheit/">Müller will über „Freiheit“ reden</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_8232" aria-describedby="caption-attachment-8232" style="width: 1200px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://presstige.org/wp-content/uploads/2015/10/Müller_1200_Freiheit.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-8232" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2015/10/Müller_1200_Freiheit.jpg" alt="Text: Michael Müller - Illustration: Isabell Beck" width="1200" height="673" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/10/Müller_1200_Freiheit.jpg 1200w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/10/Müller_1200_Freiheit-400x224.jpg 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/10/Müller_1200_Freiheit-1024x574.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a><figcaption id="caption-attachment-8232" class="wp-caption-text">Text: Michael Müller &#8211; Illustration: Isabell Beck</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify;"><b>Kaum etwas scheint so tief im Menschen verankert, wie die Sehnsucht nach Freiheit. Immer wieder ist sie Thema in Politik und Kunst, wir geben unser Geld aus oder führen manchmal gar Kriege, um sie zu gewinnen. Aber was verbirgt sich im Einzelfall hinter dem großen Begriff der Freiheit? Zeit, einmal über Grundsätzliches zu reden.</b></p>
<p style="text-align: justify;">Vor wenigen Tagen feierte Deutschland zum 25. Mal seine Wiedervereinigung, weswegen nicht nur in Frankfurt am Main der Oktober mit einer großen Party begann. Die deutsche Einheit kennt viele Geschichten, an die zu einem solchen Jubiläum erinnert wird. Von der friedlichen Revolution, dem Sieg der Diplomatie und unzähligen Familien- und Einzelschicksalen. Doch zwischen den Zeilen schwingt stets, wenn auch manchmal unausgesprochen, eine Sehnsucht mit, die im Kern eines modernen Selbstverständnisses steht: der Wunsch nach individueller Freiheit. Spätestens mit dem Siegeszug der Demokratie ist die Freiheit des Einzelnen aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken, ja darf es einfafch nicht sein. Dennoch bleibt sie oft eine umkämpfte Selbstverständlichkeit. Vor allem die Jugend protestiert damals wie heute immer wieder für ein Mehr an Freiheit, das sie von der älteren Generation einfordert. Dabei gehen die Meinungen, was nun eigentlich Freiheit bedeutet, schnell so weit auseinander, dass eine grundsätzlichere Frage angebracht scheint. Was verbirgt sich eigentlich hinter dieser vielbeschworenen Freiheit?</p>
<h3 style="text-align: justify;">Freiheit ist, wo Unfreiheit fehlt</h3>
<p style="text-align: justify;">Wer von Freiheit spricht, beschreibt sie häufig aus dem Negativ. Viele der Debatten kreisen vor allem um die Frage, wann wir <i>nicht</i> frei sind, und wer die Schuld daran trägt. Der klassische Freiheitsgegner ist der Staat und sein Interesse daran, zu stark in das Leben seiner Bürger einzugreifen. Die andauernden Debatten um die Geheimdienste und deren Verhältnis zum Datenschutz zeigen, dass dieser Verdacht noch lange nicht vom Tisch ist. Vor einem übergriffigen Staat schützt die Verfassung zum Beispiel die Freiheit der Wahl, der Meinung, der Kunst und der Religion. Doch auch mit diesen Freiheitsrechten ist es nicht so einfach. Nemen wir doch einmal das Privateugentum. Viele Konservative sehen in seiner unbeschränkten wirtschaftlichen Nutzung eine zentrale bürgerliche Freiheit, wohingegen das linke politische Spektrum genau hier eine Gefahr ausmacht. Sie fordern nun plötzlich doch einen starken Staat, der die Macht der Wirtschaft beschränkt. Auch wenn sich beide Seiten in diesem Streit gerne Widersprüchlichkeit vorwerfen, sind sie sich bei genauerem Hinsehen einiger, als sie zugeben. Letztlich richten sie sich nämlich beide gegen intransparente und elitäre Machtstrukturen, nur eben in unterschiedlichen Feldern. Freiheit setzt also voraus, den Mächtigen nicht schutzlos ausgeliefert zu sein, egal woher sie kommen.</p>
<blockquote>
<p dir="ltr"><strong>Kolumne: Müller will reden</strong></p>
<table style="background-color: transparent;">
<colgroup>
<col width="20%" />
<col width="80%" /> </colgroup>
<tbody>
<tr>
<td><img decoding="async" style="width: 100%; heigth: auto;" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2014/01/kolumne.png" alt="" /></td>
<td>Meinung ist tot? Nicht mit uns, denn unser Chefredakteur <a href="http://presstige.org/author/michael-mueller/">Michael Müller</a> ist überzeugt, dass es Dinge gibt, die man nicht wissen kann, aber über die es sich zu reden lohnt. In Zeiten harter Fakten glaubt er an das lose Mundwerk, denn wohin sonst mit all den gesammelten Informationen? Mal geht es um Wichtiges, mal um den Rest, aber immer gilt: Keine Angst, Müller will nur reden. Die Kolumne erscheint immer donnerstags und wird von <a href="http://presstige.org/author/isabell-beck/">Isabell Beck</a> illustriert. <a href="http://presstige.org/tag/mueller-will-reden/">Alle Folgen von &#8220;Müller will reden&#8221; zum Nachlesen.</a></td>
</tr>
</tbody>
</table>
</blockquote>
<p style="text-align: justify;">Damit wird sie schnell auch eine Frage der Gleichheit. Eine freie Gesellschaft setzt voraus, dass jeder selbstbestimmt und ohne äußere Zwänge über sein Leben entscheiden kann. Das setzt ein gewisses Maß an Chancengleichheit voraus. Wenn Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht oder Einkommen, von vornherein und unabänderlich die Entwicklung eines Menschen, würden echte Wahlfreiheiten schnell zur reinen Theorie. Trotzdem darf Freiheit nicht mit gesellschaftlicher Gleichmacherei verwechselt werden. Sie bringt nicht nur ein individuelles Recht, sondern auch eine gewisse Verpflichtung mit sicher. Denn der Preis der Freiheit heißt Verantwortung. Wer seine Entscheidung ganz ohne fremde Einflüsse trifft, kann nachher auch niemandem die Schuld an ihren Folgen zuschieben. Alle möglichen Fehler sind dann <i>unsere</i> Fehler und das kann ganz schön einschüchtern. Deshalb liegt Freiheit manchmal auch darin, sie bewusst nicht zu nutzen und Verantwortung abzugeben. Nur dürfen wir eine solche Entscheidung dann auch nicht als äußeren Zwang verkaufen.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Freiheit geht nicht allein</h3>
<p style="text-align: justify;">Besonders wichtig wird diese Verantwortung, wenn wir mit anderen zu tun haben. Der Grundsatz, dass die Freiheit des einzelnen ihre Grenzen in der Freiheit eines anderen finden muss, ist dabei nicht nur moralischer Natur. Eine Freiheit, die in der selbstbestimmten Entscheidung liegt, kann sich nur entfalten, wenn wir sie ergreifen. Dazu braucht immer einen gewissen Mut zum Risiko, aber auch ein Mindestmaß an Sicherheit, dass uns die Gesellschaft diese auch Freiheit gewährt. Wer zu rücksichtslos und auf fremde Kosten von der eigenen Freiheit Gebrauch macht, kann schnell ebensowenig auf die Rücksicht anderer vertrauen. Genau darin liegt allerdings die Grundlage eines gesellschaftlichen Klimas, das Freiheit überhaupt erst ermöglicht. Hinter dem Gefühl, frei zu sein, steckt ein fragiles Gleichgewicht individueller Interessen, das schnell erschüttert wird, wenn zu viele daran rütteln.</p>
<p style="text-align: justify;">Doch was bedeutet Freiheit denn nun im Einzelnen? Ehrlich gesagt weiß ich es nicht so genau. Nicht einmal, wenn es nur um mich ginge. Freiheit bleibt letztlich ein individuelles Bedürfnis, das wohl jeder von uns mit eigenen Inhalten füllen muss. Ich persönlich hoffe, dass Zeit und Erfahrung dabei helfen. Vielleicht liegt der Wert der Freiheit ja genau darin, uns eine eigene Interpretation und gelegentliche Irrtümer erlauben zu können. Bis dahin gilt: Freiheit schützt gegen die Willkür der Macht, Chancenlosigkeit und die Rücksichtslosigkeit anderer. In ihrem Kern steht die Möglichkeit, über unserer Leben selbst zu entscheiden, ohne fremden Druck und Einmischung. Damit gibt es aber auch keine Freiheit ohne Entscheidungen. Die mit Sicherheit erst einmal wichigste davon lautet, überhaupt frei sein zu wollen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2015/10/mueller-will-reden-freiheit/">Müller will über „Freiheit“ reden</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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		<title>Müller will über „Humor“ reden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael Müller]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Oct 2015 10:25:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[weitblick]]></category>
		<category><![CDATA[einstellung]]></category>
		<category><![CDATA[humor]]></category>
		<category><![CDATA[kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die meisten dürften schon einmal vor dem berühmten Ernst des Lebens gewarnt worden sein und doch sorgen solche gut gemeinten Ratschläge oft für eine gewisse Verwirrung. Ist es etwa fahrlässig, Ausbildung und Beruf eine amüsante Seite abzugewinnen? Wie so oft...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2015/10/mueller-will-reden-humor/">Müller will über „Humor“ reden</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_8200" aria-describedby="caption-attachment-8200" style="width: 1200px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://presstige.org/wp-content/uploads/2015/10/Müller_1200_Humor.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-8200" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2015/10/Müller_1200_Humor.jpg" alt="Text: Michael Müller - Illustration: Isabell Beck" width="1200" height="673" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/10/Müller_1200_Humor.jpg 1200w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/10/Müller_1200_Humor-400x224.jpg 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/10/Müller_1200_Humor-1024x574.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a><figcaption id="caption-attachment-8200" class="wp-caption-text">Text: Michael Müller &#8211; Illustration: Isabell Beck</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify;"><strong>Die meisten dürften schon einmal vor dem berühmten Ernst des Lebens gewarnt worden sein und doch sorgen solche gut gemeinten Ratschläge oft für eine gewisse Verwirrung. Ist es etwa fahrlässig, Ausbildung und Beruf eine amüsante Seite abzugewinnen? Wie so oft lautet die Antwort am ehesten: Es kommt darauf. Warum sich Humor trotzdem lohnt und was er mit Kampfgeist und einem Film über Hitler zu tun hat? Reden wir darüber.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">In einer Woche startet in den deutschen Kinos die Verfilmung zu Timur Vermes Erfolgsroman „Er ist wieder da“. Sowohl im Film als auch in der Buchvorlage erlebt ein im heutigen Berlin wiederkehrender Adolf Hitler einen kometenhaften Aufstieg, der ihn zwar nicht zum Weltherrscher, wohl aber zum Medienstar macht. Auch wenn der Plot vor allem die Sensationsmaschinerie der Medien und die morbide Faszination der Gesellschaft für Hitler aufs Korn nimmt, stellt sich wieder einmal eine altbekannte Frage: Dürfen wir über einen Massenmörder, Kriegsverbrecher und Diktator aus der eigenen Geschichte lachen?</p>
<blockquote>
<p dir="ltr"><strong>Kolumne: Müller will reden</strong></p>
<table style="background-color: transparent;">
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<tbody>
<tr>
<td><img decoding="async" style="width: 100%; heigth: auto;" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2014/01/kolumne.png" alt="" /></td>
<td>Meinung ist tot? Nicht mit uns, denn unser Chefredakteur <a href="http://presstige.org/author/michael-mueller/">Michael Müller</a> ist überzeugt, dass es Dinge gibt, die man nicht wissen kann, aber über die es sich zu reden lohnt. In Zeiten harter Fakten glaubt er an das lose Mundwerk, denn wohin sonst mit all den gesammelten Informationen? Mal geht es um Wichtiges, mal um den Rest, aber immer gilt: Keine Angst, Müller will nur reden. Die Kolumne erscheint immer donnerstags und wird von <a href="http://presstige.org/author/isabell-beck/">Isabell Beck</a> illustriert. <a href="http://presstige.org/tag/mueller-will-reden/">Alle Folgen von &#8220;Müller will reden&#8221; zum Nachlesen.</a></td>
</tr>
</tbody>
</table>
</blockquote>
<p style="text-align: justify;">Hinter diesem extremen Fall steht letztlich ein allgemeineres Problem, das mit der Rolle und Funktion des Humors in unserem Alltag zusammenhängt. Deshalb muss die Suche nach einer Antwort auf obige Frage gar nicht im dunkelsten Kapitel unserer Vergangenheit beginnen, sondern liegt vielleicht schon in einem einfacheren, viel alltäglicheren Fall. Im Grunde geht es schlicht darum, ob etwas zu ernst sein kann, um darüber zu lachen. Gerade im Studium ist mir aufgefallen, wie schnell es auf Befremden stößt, den alltäglichen „Problemchen“ mit Ironie oder einer anderen Art des Humors zu begegnen. Egal ob es um bürokratische Hürden, den kleinen Tücken der Gruppenarbeit oder organisatorische Irrtümer geht – offensichtlich scheint Schmunzeln nicht zum Ernst des Lebens zu passen. Häufig steht zwischen den Zeilen die Warnung, das Studium vielleicht nicht ernst genug zu nehmen. Oder davor, dass sich auch kleine Widrigkeiten zu einer echten Gefahr für die Abschlussnote und die berufliche Zukunft auswachsen können. Das ist sicher richtig, doch bedeutet, einer Sache mit Humor zu begegnen gleich, sie auch nicht ernst zu nehmen?</p>
<h3 style="text-align: justify;">Humor gibt noch nichts verloren</h3>
<p style="text-align: justify;">Natürlich schafft Humor erst einmal eine gewisse Distanz. Wer etwas belächelt oder sogar darüber spöttelt, weißt es zunächst ein gutes Stück von sich. Das allein geht aber keineswegs damit einher, ein Problem nicht ernst zu nehmen. Humor ist in erster Linie ein ganz bestimmter, eher positiver Blickwinkel aus dem wir eine Sache betrachten können, ganz gleich welche Bedeutung wir ihr beimessen. Oftmals handeln Witze sogar von Gegenstände, die uns zu schaffen machen, gerade weil sie uns wichtig sind. So können wir eine Situation, deren Ausgang ungewiss ist oder uns zu schaffen macht, auf eine Art und Weise verarbeiten, die uns oft erträglicher scheint als eine erste Analyse. Ironie oder ein spontaner Scherz sind dann eine Abwehrstrategie, die wir nutzen um uns zu beruhigen und ein Problem als weniger überwältigend wahrzunehmen. Dabei handelt es sich nicht um fahrlässige Ignoranz oder Resignation, sondern bereits um den wichtigen ersten Schritt zu einer späteren Lösung.</p>
<p style="text-align: justify;">Generell kann Humor nicht damit gleichgesetzt werden, sich mit den gegebenen Umständen abzufinden. Hinter den meisten Witzen steckt keine gut gelaunte Zufriedenheit, sondern ein ausgeprägtes Problembewusstsein. Humor konfrontiert mit Klischees und rüttelt an scheinbaren Wahrheiten. Auf diesem Weg stellt er eine sehr charmante Art dar, Missständen den Kampf anzusagen, wie es zum Beispiel im Falle des politischen Kabaretts. Ein gelungener Scherz stellt eine Art die Kritik dar, die gerade erfolgreich sein kann, weil ihr der aggressive Ernst fehlt. Humor sucht stets nach Gleichgesinnten und nimmt so dem Kritisierten schnell den Wind aus den Segeln. Denn wer will sich schon nachsagen lassen, keinen Spaß zu verstehen. Ein geteilter Humor deutet nicht nur auf kulturelle Gemeinsamkeiten, sondern auch auf einen ähnlichen Meinungshorizont hin. Dass die Meinung hinter einem Scherz oft subtil und nur indirekt konfrontativ vorgetragen wird, macht es anderen dabei nochmals leichter, sich ihr anzuschließen. Eine humorvolle Haltung macht es also nicht nur leichter, Dinge zu ertragen, sondern kann sogar dabei helfen, sie zu verändern – zumindest grundsätzlich, denn leider ist Humor noch nicht gleich Humor.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Wie so oft: Übung macht den Meister</h3>
<p style="text-align: justify;">Nicht jedes Lachen kommt mit offenen Armen daher. Es gibt auch Witze, die ausschließen und verletzen, denn es kann nicht jeder über alles lachen. Scherze sind eine Form der Kommunikation, die wie jeder soziale Austausch viel Feingefühl verlangt. Nur weil mein Humor nicht greift, ist mein Gegenüber nicht humorlos. Jeder von uns kennt die eigenen Schwachpunkte, bei denen er keinen Spaß versteht. Oft haben wir dafür gute Gründe, in jedem Fall jedoch ein Recht darauf. Niemand muss die lästigen Tücken des Studiums lustig finden. Ganz im Gegenteil, darf Humor niemals großspurig über die Ängste, Sorgen oder Gefühle des Gegenübers hinweggehen. Deshalb darf sich erst Recht ein jeder vorbehalten, Witze über das Dritte Reich nicht komisch zu finden. Gelungener Humor geht immer auch auf die jeweilige Situation oder das Gegenüber ein und ist damit oft vor allem eines: Übungssache.</p>
<p style="text-align: justify;">Diese Übung ist er aber auf jeden Fall wert, allein schon aus Sicht des Einzelnen. Selbst wenn wir ihn für uns behalten, macht uns ein stiller Humor den Alltag deutlich leichter. Er hilft uns, die kleinen Lästigkeiten des Alltags nicht zu schwer zu nehmen und die echten Herausforderungen ein wenig freimütiger anzugehen. Wir merken sehr schnell, wenn etwas unseren vollen Ernst erfordert. In allen anderen Fällen machen wir es uns und unserer Umgebung mit einem Lächeln fast immer ein wenig einfacher. Wenn alle Stricke reißen, kann uns „Er ist wieder da“ zumindest eines zeigen – dass auch Witzeerzählen eine steile Karriere auslösen kann.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2015/10/mueller-will-reden-humor/">Müller will über „Humor“ reden</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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		<title>Müller will über „Heimat“ reden</title>
		<link>https://presstige.org/2015/09/mueller-will-reden-heimat/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael Müller]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Sep 2015 17:27:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[weitblick]]></category>
		<category><![CDATA[heimat]]></category>
		<category><![CDATA[kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[mueller-will-reden]]></category>
		<category><![CDATA[perspektiven]]></category>
		<category><![CDATA[zuwanderung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es gibt keinen Plural von Heimat? Der Duden sieht es zwar anders, doch kann die Frage, was eine Heimat eigentlich ist darüber hinaus auch nicht beantworten. In jedem Falle verbirgt sich in Zeiten der Globalisierung und internationaler Krisen ein ebenso...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2015/09/mueller-will-reden-heimat/">Müller will über „Heimat“ reden</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_8093" aria-describedby="caption-attachment-8093" style="width: 1200px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://presstige.org/wp-content/uploads/2015/09/Müller_1200_Heimat.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-8093" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2015/09/Müller_1200_Heimat.jpg" alt="Text: Michael Müller - Illustration: Isabell Beck" width="1200" height="673" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/09/Müller_1200_Heimat.jpg 1200w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/09/Müller_1200_Heimat-400x224.jpg 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/09/Müller_1200_Heimat-1024x574.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a><figcaption id="caption-attachment-8093" class="wp-caption-text">Text: Michael Müller &#8211; Illustration: Isabell Beck</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify;"><strong>Es gibt keinen Plural von Heimat? Der Duden sieht es zwar anders, doch kann die Frage, was eine Heimat eigentlich ist darüber hinaus auch nicht beantworten. In jedem Falle verbirgt sich in Zeiten der Globalisierung und internationaler Krisen ein ebenso brisanter wie emotionaler Begriff dahinter. Höchste Zeit also, auf die Suche nach der Heimat zu gehen &#8211; und das am besten ganz persönlich.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Inzwischen hat es auch die Bundeskanzlerin <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/angela-merkel-sieht-deutschland-als-einwanderungsland-13623846.html">ausgesprochen</a><a href="#sdfootnote1sym" name="sdfootnote1anc"></a>: Deutschland ist ein Einwanderungsland. Schon im vergangenen Jahr hat die F.A.Z.<a href="#sdfootnote2sym" name="sdfootnote2anc"></a> darauf <a href="http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/oecd-studie-deutschland-ist-zweitbeliebtestes-einwanderungsland-12948274.html">verwiesen</a>, dass die Bundesrepublik laut einer OECD-Studie im Jahr 2012 hinter den USA das zweitbeliebteste Ziel von Zuwanderern aus aller Welt ist. Auf dieses Ergebnis könnten die Deutschen stolz sein, zeugt es doch immerhin davon, dass sie in einem sicheren und wirtschaftlich starken Land leben. Viele von ihnen sind es sicherlich auch und doch führt Zuwanderung hierzulande immer wieder zu Debatten – und das nicht erst seit viele Tausend Flüchtlinge bei uns Schutz vor Gewalt und Armut suchen. Unabhängig davon, ob es offen ausgesprochen wird, drehen sich viele dieser Diskussionen um die Heimat, einen Begriff, der zunächst ebenso persönlich wie traditionell klingt.</p>
<h3>My home is my castle</h3>
<p style="text-align: justify;">Wer nach der Bedeutung dahinter sucht, muss jedoch gar nicht auf die Krisen in der Welt blicken. Jeder Mensch braucht eine Heimat und überall auf der Welt ist er auf der Suche danach. Das gilt ganz besonders für junge Menschen auf dem Weg in das eigene Leben. Wie wäre es also damit, sich der Heimat quasi im Selbstversuch zu nähern, aus Studentensicht. Die meisten von uns werden bei Heimat an die Gegend denken, in der sie aufgewachsen sind. In meinem Fall ist das eine Stadt mit ca. 65.000 Einwohnern, vielen Kirchen, viel Grün und einer barocken Innenstadt samt Stadtschloss. Doch so schön die Orte für sich genommen sein mögen, zur Heimat werden sie erst durch etliche Erinnerungen und vor allem die Familie und Freunde vor Ort. Jeder hat dabei ganz eigene Erinnerungen und doch haben all unsere Nostalgie und Heimatgefühle, wenn es um die Kindheit geht einen wichtigen gemeinsamen Nenner: Sicherheit.</p>
<p style="text-align: justify;">Wer vom eigenen Geburtsort als Heimat spricht, erzählt sehr oft von seinem ganz persönlichen Rückzugsort. Auf die Unterstützung der Eltern ist auch nach dem Auszug Verlass, sei es finanziell oder emotional. Häufig bleiben zumindest im Kern auch die Strukturen des Freundeskreises aus Schulzeiten bestehen. Mit all diesen Menschen teilen wir eine Vielzahl gemeinsamer Erfahrungen und teilweise noch immer eine ähnliche Lebenssituation. Wenn sich im eigenen Leben vieles ändert, werden sie zu wichtigen Beratern und geben uns das Gefühl, dass es einen Ort gibt, an den wir zurückkehren können, ganz egal, was passiert. Genau deshalb fahren viele Studenten so oft wie möglich zurück oder wohnen laut einer <a href="http://www.studentenwerke.de/sites/default/files/40_HISBUS-Wohnraumsuche-Studienbeginn-2013.pdf" class="broken_link">Studie</a> des DZHW aus dem Jahr 2013 während des Studiums gleich bei den Eltern.<a href="#sdfootnote3sym" name="sdfootnote3anc"></a> Sind Studenten damit zu Nesthockern geworden? Nicht so ganz, denn es gibt da auch noch einen anderen <a href="http://www.welt.de/wirtschaft/article129117096/Junge-Menschen-ziehen-massenhaft-in-die-Metropolen.html">Trend</a>. Immer mehr junge Menschen zieht es vor allem aus ländlichen Gegenden in die Großsstädte und viele von ihnen kehren auch später nicht zurück.<a href="#sdfootnote4sym" name="sdfootnote4anc"></a> Sie verlassen also ihre gewohnten Sicherheiten, doch kehren sie damit auch ihrer Heimat den Rücken?</p>
<h3>Die ganze halbe Wahrheit</h3>
<p style="text-align: justify;">Wohl kaum, denn Heimatgefühle haben auch noch eine andere Seite. Auf die Dauer fühlen wir uns nur dort zuhause, wo wir Möglichkeiten sehen, uns weiterzuentwickeln. Das beginnt mit der Suche nach dem passenden Ausbildungs- oder Studienplatz und setzt sich nicht selten bei der Berufswahl fort. Auch wenn wir uns in unserer momentanen Heimatstadt sehr wohl fühlen, kann uns die Suche nach neuen persönlichen Möglichkeiten an andere Orte führen. Mit ihrer Fülle an genau diesen Chancen kann eine Metropole einer Kreisstadt schon einmal den Rang ablaufen. Entgegen einer immer wieder einmal im studentischen Umfeld irrlichternden Ansicht, müssen wir uns dabei aber keineswegs zwischen neuen Perspektiven und alten Sicherheiten entscheiden. Der Begriff einer neuen Heimat ist nämlich insoweit irreführend, als die alte beim Umzug gar nicht verlorengeht. Auch wenn es in der Kindheit so scheint, ist Heimat nicht an einen bestimmten Ort gebunden, sondern findet in unseren Köpfen statt. Ihre beiden Seiten sind auch nicht als Widerspruch zu verstehen, sondern ergänzen sich vielmehr. Den Mut, sich auf neue Möglichkeiten einzulassen, finden wir oft nur mit der nötigen Sicherheit im Rücken. Andererseits wird aus einem Rückzugsort schnell ein Käfig, wenn alle Veränderungen ausgesperrt sind. Genau deshalb fühlen wir uns manchmal erst dann richtig zuhause, wenn wir zwei „Heimaten“ kennen.</p>
<blockquote>
<p dir="ltr"><strong>Kolumne: Müller will reden</strong></p>
<table style="background-color: transparent;">
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<td>Meinung ist tot? Nicht mit uns, denn unser Chefredakteur <a href="http://presstige.org/author/michael-mueller/">Michael Müller</a> ist überzeugt, dass es Dinge gibt, die man nicht wissen kann, aber über die es sich zu reden lohnt. In Zeiten harter Fakten glaubt er an das lose Mundwerk, denn wohin sonst mit all den gesammelten Informationen? Mal geht es um Wichtiges, mal um den Rest, aber immer gilt: Keine Angst, Müller will nur reden. Die Kolumne erscheint immer donnerstags und wird von <a href="http://presstige.org/author/isabell-beck/">Isabell Beck</a> illustriert. <a href="http://presstige.org/tag/mueller-will-reden/">Alle Folgen von &#8220;Müller will reden&#8221; zum Nachlesen.</a></td>
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<p style="text-align: justify;">Damit wären wir nun doch wieder bei der Einwanderungsdebatte, die sich mit diesem Plural (der übrigens durchaus im Duden zu finden ist) gelegentlich etwas schwer tut. Wer die Heimat als einen gefühlsbetonten Ort versteht, wird ihn allerdings gar nicht brauchen. Den vielen Flüchtlingen fehlt es jedenfalls schon in der Einzahl an einer Heimat, denn sonst hätten sie diesen Weg nicht auf sich genommen. Dass es sich bei dieser Suche um ein menschliches Grundbedürfnis handelt, weiß jeder, der sich schon einmal verloren gefühlt hat. Im Gegensatz zu uns haben Flüchtlinge jedoch jeden Rückzugsort verloren, wobei es ganz egal ist, ob es durch Gewalt oder Armut dazu kam. Sie suchen beide Seiten der Heimat bei uns, Sicherheit und Perspektiven. Diese Hoffnung macht Deutschland zum Einwanderungsland und wird es so auf lange Sicht prägen. Als eine Heimat für alle, die hier Leben, mit Vergangenheit ebenso wie Zukunft.</p>
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<p><a href="#sdfootnote1anc" name="sdfootnote1sym"></a></p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2015/09/mueller-will-reden-heimat/">Müller will über „Heimat“ reden</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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		<title>Müller will über „Meinungen“ reden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael Müller]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Sep 2015 16:26:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[freiraum]]></category>
		<category><![CDATA[entscheidung]]></category>
		<category><![CDATA[f.a.s.]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit mehr als einem halben Jahr pocht presstige an dieser Stelle auf die eigene Meinung. Eigentlich höchste Zeit, einmal darüber nachzudenken, was eigentlich so wichtig daran ist. Warum dabei eine große deutsche Zeitung und der Einstieg in das Berufsleben ins...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2015/09/mueller-will-rede-meinung/">Müller will über „Meinungen“ reden</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_8085" aria-describedby="caption-attachment-8085" style="width: 1200px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://presstige.org/wp-content/uploads/2015/09/Müller_1200_Meinungen.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-8085" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2015/09/Müller_1200_Meinungen.jpg" alt="Text: Michael Müller - Illustration: Isabell Beck" width="1200" height="673" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/09/Müller_1200_Meinungen.jpg 1200w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/09/Müller_1200_Meinungen-400x224.jpg 400w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2015/09/Müller_1200_Meinungen-1024x574.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a><figcaption id="caption-attachment-8085" class="wp-caption-text">Text: Michael Müller &#8211; Illustration: Isabell Beck</figcaption></figure>
<p><b>Seit mehr als einem halben Jahr pocht <i>presstige</i> an dieser Stelle auf die eigene Meinung. Eigentlich höchste Zeit, einmal darüber nachzudenken, was eigentlich so wichtig daran ist. Warum dabei eine große deutsche Zeitung und der Einstieg in das Berufsleben ins Spiel kommen? Lest selbst und vor allem: Bildet euch eine Meinung dazu!</b></p>
<p>In der vergangenen Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.) haben es die Studenten tatsächlich in den Politikteil geschafft – allerdings können sie sich darauf leider keineswegs ausruhen. Unter dem Titel „Gaudium generale“ rechnet der Autor mit der aktuellen Studentengeneration ab. Er kreuzt das alte Klischee vom Müßiggänger mit etwas modernerer Kritik am Hedonismus und zieht ein düsteres Fazit: Wir Studenten sind größtenteils ziellos und haben uns vor allem auf den Campus verirrt, um dem richtigen Ernst des Lebens noch einige Zeit zu entgehen. Auf den ersten Blick klingt das nach der üblichen Studentenschelte, die es in regelmäßigen Abständen in die Medien schafft. Oft genug verfasst von Personen, die selbst noch nie oder schon lange nicht mehr auf einem Campus waren. Also schnell weiterblättern?</p>
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<p dir="ltr"><strong>Kolumne: Müller will reden</strong></p>
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<td>Meinung ist tot? Nicht mit uns, denn unser Chefredakteur <a href="http://presstige.org/author/michael-mueller/">Michael Müller</a> ist überzeugt, dass es Dinge gibt, die man nicht wissen kann, aber über die es sich zu reden lohnt. In Zeiten harter Fakten glaubt er an das lose Mundwerk, denn wohin sonst mit all den gesammelten Informationen? Mal geht es um Wichtiges, mal um den Rest, aber immer gilt: Keine Angst, Müller will nur reden. Die Kolumne erscheint immer donnerstags und wird von <a href="http://presstige.org/author/isabell-beck/">Isabell Beck</a> illustriert. <a href="http://presstige.org/tag/mueller-will-reden/">Alle Folgen von &#8220;Müller will reden&#8221; zum Nachlesen.</a></td>
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<p>Nun ja, ganz so einfach ist die Sache nicht. Denn erstens gibt der Beitrag erst einmal die Meinung des Autors wieder. Nur ist der gerade einmal Anfang dreißig und Absolvent geisteswissenschaftlicher Studienfächer. Doch das ist noch nicht die eigentliche Provokation dabei. In weiten Teilen des Kommentars meldet er sich selbst nämlich gar nicht zu Wort. Stattdessen fragt er einfach die Studenten, warum sie eigentlich eine Hochschule besuchen. Lässt uns sozusagen selbst sprechen und entblößt uns als Studenten ohne feste Meinung zu unseren Fächern oder dem Studium allgemein. Scheinbar wissen wir teilweise gar nicht, warum wir ein Studium wählen oder daran festhalten. Vielen der Interviewten fällt dazu nur ein, was sie durch das Studium aufschieben können (z. B. den Berufseinstieg) oder, was sie stattdessen auf keinen Fall machen wollten (z. B. eine Ausbildung). Selbst die motivierten Studenten, die gegen Ende des Kommentars doch noch ihren Auftritt haben, bleiben eine positive Antwort auf diese Frage schuldig. Der Autor provoziert also gar nicht so sehr mit seiner Meinung, sondern viel eher damit, dass vielen von uns eine fehlt.</p>
<h3>Nicht nur Selbstverwirklichung, …</h3>
<p>Natürlich wählen Journalisten sorgsam aus, wen es zu zitieren gilt, um die eigene Botschaft am besten zu überbringen. Trotzdem kommen mir die Zitate aus dem eigenen Alltag erschreckend bekannt vor. Kommt im Gespräch mit Kommilitonen die Frage auf, was sie in ihrem Studium hält, klingen die Antworten oft pragmatisch bis gleichgültig: Man studiert, weil es die anderen auch tun. Hauptsache am Ende stimmen der Abschluss und das Gehalt. Es ist halt ruhiger als eine Ausbildung und ein Job. Manchmal ist von enttäuschten Erwartungen die Rede, aber die reichen nur selten aus, um über eine Veränderung nachzudenken. Auch hier höre ich nur wenig greifbare Meinungen und vieles, was sich eigentlich gar nicht auf das Studium selbst bezieht. Klar, der Kommentator aus der F.A.S. springt gerne in diese Bresche. Unsere Meinungslosigkeit sei gerade der Grund für das Studium. Denn vor allem diejenigen unter uns mit lascher Arbeitshaltung studieren, um der Verantwortung für das eigene Leben noch etwas länger aus dem Weg zu gehen.</p>
<p>Spätestens jetzt wäre es Zeit für einen Sturm studentischer Entrüstung. Doch was, wenn er Recht hat? Meinungen haben tatsächlich eine Menge mit Verantwortung zu tun, denn sie sind die Basis unserer Entscheidungen. Häufig behandeln wir Meinungen in solchen Situationen als die schlechtere Alternative zu Fakten, doch das geht an der Realität vorbei. Erstens, weil eine fundierte Meinung sich immer auch auf Fakten stützt und zweitens, weil niemand von uns rein rational entscheiden kann. Daneben spielen persönliche Erfahrungen und Gefühle stets eine große Rolle. Eine Meinung bringt all das unter einen Hut. Sie ist quasi das, was wir aus Fakten machen, wenn wir sie individuell einordnen. Wenn Meinungen unsere Entscheidungen prägen, dann existieren sie allerdings nicht mehr nur in unserem Kopf. Vielmehr lassen wir selbst sie zur Realität werden. Das gilt immer wieder im Kleinen für unseren Alltag, doch ebenso im Großen für ganze Gesellschaften. Der offene Meinungsaustausch ist ein wichtiges Gut einer Demokratie. Davon geht auch das Grundgesetz aus, das die Meinungsfreiheit des Einzelnen gegen den Staat unter besonderen Schutz stellt.</p>
<h3>… sondern auch Schutzmaßnahme</h3>
<p>Nur was bringt eine persönliche Freiheit, die wir nicht nutzen? Selbstverständlich können und müssen wir nicht zu allem eine Meinung haben. Dennoch sollten wir bedenken, dass unsere Meinungen unser Leben prägen, ob wir es wollen oder nicht. Jedes Mal, wenn wir bewusst darauf verzichten, uns zu einem Thema eine Meinung zu bilden, geben wir also auch ein wenig Einfluss auf. Gerade unser Studium sollte uns da vielleicht eine Meinung wert sein, immerhin ist es der Einstieg in unser selbstständiges Leben. Selbst wenn uns unser Fach an sich egal ist, lernen wir immer noch, wie wir selbstständg und wissenschaftlich arbeiten. Dennoch wird das Studium so auf dem Weg zu unserem späteren Platz im Leben nur eine Überbrückungsphase bleiben. Wenn wir uns stattdessen überlegen, welche Erkenntnisse wir von unserem Studium erwarten, und es danach wählen, erhöhen wir unsere Chancen, genau die Ausbildung zu bekommen, die wir uns wünschen.</p>
<p>Vor allem schützt eine eigene Meinung aber davor, eine fremde aufs Auge gedrückt zu bekommen. Genau das macht nämlich der Kommentar der F.A.S., wenn er uns die Basis unserer eigenen Entscheidungen erklären will. Spätestens, wenn er uns Verantwortung einbläuen möchte, beginnt die Bevormundung. Nicht zuletzt, weil auch der Wunsch nach einer offenen Orientierungsphase ein guter Grund für ein Studium sein kann. Hier gilt es, lauthals die eigene Meinung entgegenzurufen. Deshalb gibt es diese Kolumne und deshalb ist sie dieses Mal schon fast ein Leserbrief.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2015/09/mueller-will-rede-meinung/">Müller will über „Meinungen“ reden</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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