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	<title>Taschenbuch Archive | presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</title>
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	<description>Das Magazin für Studierende der Universität und Hochschule Augsburg.</description>
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	<title>Taschenbuch Archive | presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</title>
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		<title>Ode an die Freude</title>
		<link>https://presstige.org/2019/12/ode-an-die-freude/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Justin Lautenbach]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Dec 2019 09:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[allgemein]]></category>
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		<category><![CDATA[Taschenbuch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die alten Griechen kannten es, ebenso die alten Römer und Ägypter. Im Mittelalter erlernten vor allem Adelige, Reiche und Geistliche diese Fähigkeit. Sie ermöglicht Austausch, Kommunikation und kann zu großartigen Dingen wie Frieden, aber auch zu schrecklichen Ereignissen wie Krieg führen. Wer sie nicht beherrscht ist abhängig von anderen. Trotzdem gibt es erschreckend viele Menschen, die sich ohne sie durchs Leben schlagen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2019/12/ode-an-die-freude/">Ode an die Freude</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-drop-cap">Die alten Griechen
kannten es, ebenso die alten Römer und Ägypter. Im Mittelalter
erlernten vor allem Adelige, Reiche und Geistliche diese Fähigkeit.
Sie ermöglicht Austausch, Kommunikation und kann zu großartigen
Dingen wie Frieden, aber auch zu schrecklichen Ereignissen wie Krieg
führen. Wer sie nicht beherrscht ist abhängig von anderen. Trotzdem
gibt es erschreckend viele Menschen, die sich ohne sie durchs Leben
schlagen.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="http://presstige.org/wp-content/uploads/2019/12/IMG_20191208_184546-922x1024.png" alt="" class="wp-image-12446" width="344" height="382" srcset="https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/12/IMG_20191208_184546-922x1024.png 922w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/12/IMG_20191208_184546-360x400.png 360w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/12/IMG_20191208_184546-768x853.png 768w, https://presstige.org/wp-content/uploads/2019/12/IMG_20191208_184546.png 1080w" sizes="(max-width: 344px) 100vw, 344px" /><figcaption>© Fabienne Dorsch</figcaption></figure></div>



<p>Zugegeben, das
Ganze hört sich geheimnisvoll an, fast wie aus einem Märchen und
aus vergangener Zeit. Die Rede ist
aber von etwas so Ordinären, etwas, was heute schon kleine Kinder in
der Grundschule mühsam erlernen. Wer es hier nicht regelmäßig
trainiert, wird gefördert, zur Verbesserung ermutigt, angehalten
nicht aufzugeben. Schlägt das Erlernen der Fähigkeit in diesen
ersten Jahren fehl, wird es schwierig diese Defizite später wieder
auszugleichen. Hier bewährt sich das alte Sprichwort: „Des einen
Freud ist des anderen Leid“. Auf keine andere menschliche Fähigkeit
passt dieses Sprichwort so gut wie auf diese. Sie ist uns
allen wohl bekannt und du wendest sie auch gerade an: Die Rede ist
vom Lesen.</p>



<p>Die Meinungen zum
Lesen könnten unterschiedlicher nicht sein. Dem einen schießt
sofort „langweilig“ in den Kopf, dem anderen ist es zu
altmodisch, zu langwierig. Wofür gibt es sonst Fernsehen, YouTube
und Co? Diese Positionen sind nur zu verständlich. Wer Jahr um Jahr
von Eltern und Lehrern zum Lesen genötigt wird, verliert irgendwann
die Lust daran . Vor allem alte Texte von Schiller, Goethe oder noch
schlimmer Sophokles kommen den leidgeplagten Schülern da in den
Sinn. 
</p>



<p>Und dann gibt es
noch andere Leute, Leute wie mich. Diese Leute schätzen einen guten
Krimi sehr. Oder einen guten historischen Roman. Oder alles andere
mit Buchstaben was auf Papier gedruckt worden ist (wobei ich hier für
mich die Werke von Sophokles ausklammere).</p>



<p>Für
diese Leute spreche ich, wenn ich sage: Lesen kann eine Sucht sein.
Ähnlich wie Schokolade, Rauchen oder Netflix. Diese Beispiele wirken
freilich wie wild aus der Luft gegriffen, aber wenn wir uns das Lesen
näher anschauen, können wir eindeutig Parallelen zu anderen
Tätigkeiten finden. 
</p>



<p>Nehmen
wir Netflix. Wer kennt es nicht? Samstagmittag, Samstagabend,
Samstagnacht – ach es kann auch unter der Woche sein:
Binge-Watching ist angesagt. Wir alle waren sicherlich schon einmal
so von einer Serie gepackt, dass wir immer weiter schauen wollten.
Nur noch eine Folge – nur noch bis zum Staffelende – die größten
Lügen, die sich Netflixnutzer selbst erzählen. Aber die Story der
Protagonisten in unseren Serien packt uns einfach, wir wollen wissen,
wie es weitergeht. Wird Jasons Mörder geschnappt? Darf Sabrina ihre
Freunde nie wiedersehen? Und was soll diese On-Off-Beziehung zwischen
Penny und Lennard?</p>



<p>Was
viele nicht wissen: Lesen kann genau den selben Effekt auf euch
haben. Wenn ein Roman wirklich gut geschrieben ist, kann er dich
schon nach den ersten Seiten packen. Manche Bücher müssen erst
Spannung aufbauen, andere verlieren an Spannung, finden sie wieder
und überraschen dich mit einem Ende, das du niemals erwartet
hättest. Ganz genau wie eine Serie.</p>



<p>Natürlich
ist es nicht ganz dasselbe. Zum Lesen musst du deine Fantasie
gebrauchen. Kein stumpfes Binge-Watching, bei dem du die bewegten
Bilder einfach willig auf deinen Kopf einprasseln lässt. Du musst
dir vorstellen, wie der Protagonist deines Romans aussieht. Deiner
Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Groß, klein, dick, dünn, mit
oder ohne Buckel. All das bleibt ganz dir überlassen. Natürlich
vorausgesetzt der Autor überlässt dir genug Interpretations- und
Vorstellungsraum, allerdings beschreiben die wenigsten Verfasser ihre
Charaktere innerlich und äußerlich bis ins kleinste Detail.</p>



<p>Ein
weiterer Vorteil: Du hast viel mehr von deinem Buch. Dieser Punkt ist
so offensichtlich, dass er angesprochen werden muss. Deine
Serienepisode ist begrenzt, meist auf 20, 30 oder 45 Minuten. Dein
Buch allerdings passt sich ganz dir an. Du kannst schnell lesen, du
kannst langsam lesen, du kannst nochmal zurückblättern und
nachschauen, was dir gerade entfallen ist. Und wenn du nicht aufpasst
sind eine, zwei oder sogar noch mehr Stunden schneller vorbei, als du
schauen kannst. Auch hier taucht wieder die große Lüge auf: Ich
lese nur noch die paar Seiten, nur noch bis zum Kapitelende! Wie geht
es weiter mit Matthew Shardlake? Wer war der Mörder vom kleinen
Ralph? Ist Elisabeth wirklich geistesgestört oder spielt sie allen
nur etwas vor? Fragen über Fragen.</p>



<p class="has-text-align-left">Nebenbei
kannst du auch noch deine Grammatik verbessern, deinen Wortschatz
ausbauen und hast damit auch im Studium nur Vorteile. Eine meiner
eindrücklichsten Erfahrungen: ich sitze in der 13. Klasse FOS im
Deutschunterricht. Wir lesen einen uralten Text. Darin das Wort
Kleinod. Der Lehrer fragt, was das bedeutet. Ich schaue mich um,
keiner meldet sich. Ich hebe die Hand und beantworte die Frage. Du
wirst dich jetzt fragen, warum ich dir diese Geschichte erzähle,
will ich nur angeben wie schlau ich bin? Aber jetzt kommt der
Plottwist. Ich kenne diesen Begriff nicht, weil ich hobbymäßig
Gedichte aus dem Mittelalter lese und alle Texte von Goethe und
Schiller auswendig kann. Ich kenne das Wort aus einem Comic, welches
ich früher regelmäßig gelesen habe. Was ich damit sagen möchte
ist folgendes: 
</p>



<p>Es
ist egal was du liest. Es ist egal wo du liest und es ist egal wie
oft du liest. Die Hauptsache ist, dass du liest. Und wer weiß,
vielleicht profitierst du einmal von Donald Duck und einer Ausgabe
des Lustigen Taschenbuchs, weil du in deiner Klausur das Wort
„Kleinod“ kennst.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://presstige.org/2019/12/ode-an-die-freude/">Ode an die Freude</a> erschien zuerst auf <a href="https://presstige.org">presstige – Das Augsburger Hochschulmagazin</a>.</p>
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