Gestatten: Die Generation der Helden

Wir sind schlau, wir sind trinkfest und wir sehen gut aus. Mit dem Elan der Jugend, den Möglichkeiten des Internets und einem Bier vom Kiosk werden wir die Welt retten. Diese Kolumne ist nur der Trailer.Helden der Generation_Kolumne_1200px

Text: Christian Endt, Illustration: Marina Schröppel

Es werde immer schlimmer, hat mir neulich ein Professor erklärt. Man könne kaum noch Vorlesungen halten, da die Studenten keinen Respekt vor den Dozenten zeigen würden. Lehrveranstaltungen würden nur noch als Konsumangebot aufgefasst, während dem man Brotzeit machen oder am Handy spielen könne. Und in der Mensa würden die Nudeln immer teurer werden, weil die Studenten sich die Teller so voll laden.

Ich war wenig überrascht. Der Professor erzählte eine alte Geschichte, nur die Details waren ein bisschen anders. Erst zwei Wochen vorher hatte ich mir von einem anderen Mann seiner Altersklasse anhören müssen, die heutige Jugend sei total verblödet. Wisse nichts, könne nichts, sei zu nichts zu gebrauchen. Sie hätten früher noch Rechenschieber gehabt, aber heutzutage könne ohne Computer ja keiner mehr rechnen.

Die Meinung, die Abschaffung des Rechenschiebers sei ein Verlust für die Menschheit gewesen, mag ein Extremfall sein. Aber das grundsätzliche Gefühl, mit der Welt im Allgemeinen und der Jugend im Besonderen gehe es bergab, ist weit verbreitet. So weit, dass es bis in die Jugend selbst hineinreicht. Dabei gehört ein naiver, unerschütterlicher Glaube an sich selbst eigentlich zu den vornehmsten Privilegien des Jungseins.

Jeder, der behauptet, früher sei irgendetwas irgendwie besser gewesen, muss verlogen oder dement sein – oder beides. Früher ist synomym zu einer Zeit, in der die Menschen meistens schlecht angezogen waren, Dauerwellen für eine Frisur hielten und sich ständig gegenseitig die Köpfe einschlugen.

Da schaue man sich zum Vergleich mal uns an! Nie sah eine Generation besser aus, nie war eine Generation so gebildet, nie kannte eine Generation mehr von der Welt, nie hatte eine Generation einen besseren Musikgeschmack. Nie hatte eine Generation bessere Voraussetzungen für die Rettung der Welt. Wir sind die Generation der Helden. Wir werden die Welt retten.

Zugegeben, das hört sich etwas großspurig an. Aber das ist nun mal unsere Mission, für bescheidene Aufgaben haben wir keine Zeit. Und ohne einen Schuss Überheblichkeit ist die Weltrettung nicht zu machen.

Vorher ist noch zu klären, was mit der Rettung der Welt eigentlich gemeint ist. Da ist einiges zu tun: Frieden wäre ein guter Anfang, die Abschaffung von Armut, der Sieg über AIDS und Krebs, die Verhinderung der Klimakatastrophe, die Legalisierung von Spätis und Marihuana im Freistaat Bayern.

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Aber wer genau hinsieht, kann nicht übersehen, dass wir längst losgegangen sind: Alle reden von Bildung. Doch während die Bildungsminister und sonstigen Eliten des Landes einer nach dem anderen ihre erschlichenen Doktortitel wieder zurückgeben, lernen wir tatsächlich etwas. Wir informieren uns im Netz jeden Tag über das, was wir für relevant halten. Und werden so täglich ein Stück schlauer. Nützlich ist dabei auch, dass wir nie unseren Lehrern geglaubt haben, als diese die Wikipedia als unseriöse Quelle von Halbwahrheiten diffamiert haben.

Ältere Generationen diskutieren in ihren diversen Parlamenten und Gremien das Für und Wider eines Verbots von Plastiktüten. Wir dagegen sind gerade dabei, in Berlin einen Supermarkt zu eröffnen, der ganz ohne Verpackungen auskommt. Wir haben viele solcher Ideen, und es kommen täglich neue dazu. Während man früher versuchte, die Welt auf Grundlage von Manifesten und Ideologien zu steuern, gehen wir ohne großen Plan einfach mal drauflos. Pragmatisch, optimistisch und mit einem Lächeln im Gesicht.

Kolumne: Generation der Helden

Wir sind schlau, wir sind trinkfest und wir sehen gut aus. Mit dem Elan der Jugend, den Möglichkeiten des Internets und einem Bier vom Kiosk werden wir die Welt retten. Diese Kolumne ist nur der Trailer. Christian Endt schreibt sie meistens dienstags und immer im Wechsel mit „Student sein“ von Rebecca Naunheimer. Beide Kolumnen werden von Marina Schröppel illustriert.
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2 thoughts on “Gestatten: Die Generation der Helden”

  1. Ghotai

    Ja, genau so! Pragmatisch, optimistisch und mit einem Lächeln im Gesicht.
    Die Jugend von heute beurteilt sachlich, global und umfassend. Sie möchte eigene Erfahrungen machen und aus eigenen Fehlern lernen.

  2. Isabell Beck

    Ich bin sehr für eine positive Sicht und voranschreitendes Handeln (auch und vor allem ohne Plan).

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